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Warum ich Aixtron nicht kaufen würde, dafür aber die SKW Stahl-Metallurgie und Tom Tailor

Quelle: Tom Tailor

Plus 50 % an einem Tag: bei DAX-Konzernen ein höchst seltenes Ereignis, bei kriselnden Nebenwerten nichts Ungewöhnliches. Das jüngste Beispiel: SKW Stahl-Metallurgie (WKN:SKWM02), die Nummer 10 der größten Wertvernichter laut dem aktuellen Ranking der DSW. Da es immer wieder einigen Unternehmen gelingt, das Ruder herumzureißen und dem Abwärtsstrudel zu entkommen, lauern die lukrativsten Chancen gerade in solchen Verliererlisten. Lass uns daher einmal 3 Kandidaten genauer unter die Lupe nehmen.

SKW Stahl-Metallurgie

Beginnen möchte ich mit dem führenden Anbieter von Zugabestoffen für die Stahlerzeugung, der gleichzeitig von der Stahlkrise, der Dollarstärke und indirekt vom Verfall des Ölpreises hart getroffen wurde. Da die Muttergesellschaft zuletzt sogar negatives Eigenkapital meldete, waren Sorgen der Anleger absolut berechtigt.

Von über 15 Euro stürzte der Kurs auf 3 Euro ab. Nun aber ging es aufwärts: über satte 56 % plus (Kurs 25.04.16) können sich diejenigen Aktionäre freuen, welche beim Tiefpunkt zugegriffen haben.

Der Anlass war relativ unspektakulär: Eine Investment-Holding des Münchener Universitäts-Dozenten Dr. Klemens Joos ist bis Mitte April zum Großaktionär aufgestiegen. Der Gründer und Geschäftsführer der internationalen Beratungsfirma EUTOP, welche mit vielen Großunternehmen zusammenarbeitet, ist offenbar vom langfristigen Potenzial von SKW überzeugt.

Dafür gibt es durchaus Gründe: SKW hat ein umfassendes Restrukturierungsprogramm am Laufen, welches kostenseitig für erhebliche Verbesserungen sorgt. Zudem erwartet das Management, dass sich das Geschäftsumfeld ab dem kommenden Jahr langsam aufhellt, sodass sogar Wachstumsinitiativen in die Wege geleitet wurden. Etwa in Indien sieht man gute Chancen für zusätzliches Geschäft.

Die Aussichten für eine Stabilisierung sind gut, zumindest das operative Ergebnis vor Abschreibungen konnte 2015 trotz der widrigen Umstände im positiven Bereich gehalten werden. Die weiterhin laufenden Sparanstrengungen zeigen also ihre Wirkung, auch wenn im vierten Quartal noch einmal ein kleiner Rückschlag verzeichnet werden musste.

Auf Jahressicht rechne ich noch mit einem recht holprigen Aktienkursverlauf. Wenn du aber die Erwartung teilst, dass die für SKW relevanten Märkte und Preise sich mittelfristig wieder positiv entwickeln, kann die weiterhin günstig bewertete SKW in einem diversifizierten Depot eine ausgezeichnete Rolle spielen.

Tom Tailor

Auch bei dem in Hamburg ansässigen Modekonzern Tom Tailor (WKN:A0STST) ist derzeit einiges los. Das dichte europäische Vertriebsnetz warf zuletzt keine zufriedenstellende Rendite mehr ab. Dem laut DSW siebtgrößten Wertvernichter gelingt es zwar, über die Kennzahl des bereinigten operativen Ergebnisses vor Abschreibungen einen schönen positiven Wert für 2015 auszuweisen. Unter dem Strich blieb aber gerade mal eine Schwarze Null.

Mit zwei Unternehmensprogrammen und ab Juli einem neuen Finanzchef sollen das Profil gestärkt und die Kosten reduziert werden. Design- und Vertriebsleute rücken in diesem Prozess genauso näher zusammen wie die Online- und Offline-Aktivitäten.

Insgesamt verschiebt sich der Fokus allerdings weg von der Expansion und hin zur Konsolidierung. Statt weiter ungestüm in neue Regionen vorzustoßen will man nun lieber eine einheitliche IT-Landschaft schaffen, Profitables stärken und Unprofitables einstellen.

Bereits im kommenden Jahr sollen die umfassenden Maßnahmen alle implementiert sein, sodass wir mit einer wesentlich effizienteren und betriebswirtschaftlich konservativer agierenden Tom-Tailor-Organisation rechnen können. Mir scheint, das wird ein klassischer Fall, wo das Ruder spät herumgerissen wurde, aber nicht zu spät. Bei einem Verhältnis von Umsatz zu Marktkapitalisierung von fast neun zu eins bin ich hier sehr positiv gestimmt.

Aixtron

Stagnierende Umsätze, sinkende Auftragseingänge und Verluste: Für den Hightech-Maschinenbauer aus Herzogenrath lief es zuletzt nicht gut. Die vor allem asiatische Kundschaft hielt sich zurück mit Anschaffungen. Seit längerer Zeit kursieren auch immer mal wieder Übernahmegerüchte. Konkret wurde es aber trotz des nun stark reduzierten Kursniveaus nie, wodurch der fünftgrößte Wertvernichter weiterhin von wenigen Technologien und Kundengruppen abhängig bleibt.

Ich habe das Gefühl, dass man bei Aixtron (WKN:A0WMPJ) die Technik mehr liebt als die Zahlen. Einem faszinierenden Produktportfolio mit spannenden Innovationen steht die mangelnde Fähigkeit gegenüber, diese Stärke auch in ansprechende Gewinne umzusetzen. Angesichts der übermächtig erscheinenden Konkurrenz besteht möglicherweise die beste Hoffnung darin, dass sich eine Übernahme doch noch realisiert.

Fazit

Das Schöne an solchen Unternehmen ist, dass sie zwar einen stark reduzierten Unternehmenswert haben, aber die Marke und die etablierten Kundenbeziehungen weiterhin da sind. Ein weiterer Aspekt ist, dass der Aktienkurs – immer unter der Voraussetzung, dass das Unternehmen nicht pleite geht und der operative Betrieb aufrechterhalten wird – praktisch immer irgendwann einen Boden findet, von dem er sich dynamisch abheben kann, sobald die Anleger wieder etwas Vertrauen schöpfen.

Die andere Seite der Medaille ist natürlich das berühmte „Fallende Messer“: Was sich halbiert hat, kann sich auch gut und gerne noch einmal halbieren. Langjährige Investoren der hier vorgestellten Unternehmen können ein Lied davon singen.

Gute Chancen für eine nachhaltige Rückkehr sehe ich bei SKW und Tom Tailor. Weiterhin Vorsicht ist bei Aixtron angesagt.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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