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Warum Tesla Motors nicht wie Apple ist

Foto: Tesla Motors.

Jeder möchte wie Apple (WKN:865985) sein.

Aber ein Unternehmen mit dem Mac-Hersteller zu vergleichen, ist immer eine gewagte Annahme, da nicht jedes eines der erfolgreichsten und höchstbewerteten Unternehmen aller Zeiten sein kann. Es ist für einige verlockend, Tesla Motors (WKN:A1CX3T) mit Apple zu vergleichen, aber dieser Vergleich hinkt an einigen wichtigen Stellen. Gleichzeitig haben die beiden Unternehmen einige wichtige strategische Ähnlichkeiten.

Hier kannst du etwas über die Unterschiede zwischen Tesla und Apple lesen. (Klick hier, um eine Liste zu sehen, welche die Gemeinsamkeiten aufzeigt.)

Verschwiegenheit

Wie du weißt, ist Apple dafür bekannt, ein großes Geheimnis aus den Dingen zu machen, an denen es arbeitet. Steve Jobs hat eine Unternehmenskultur und Organisationsstruktur geschaffen, die diese Geheimnisse schützen sollen, wodurch das Interesse an dem, woran das Unternehmen arbeitet, gesteigert wird. Die Gerüchteküche gedeiht bei Apple. Das hält außerdem die Konkurrenz davon ab, zu wissen, was kommt und reduziert damit den Osborne-Effekt.

Tesla ist im Gegensatz dazu nicht besonders geschützt, was zum Teil daran liegt, dass es in einer komplett anderen Branche agiert. Die Zeitspanne für Design und die Entwicklung von Autos kann vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen und Tesla zeigt seine Produkte Jahre vorher. Model X wurde im Jahr 2012 vorgestellt und sollte 2013 auf den Markt kommen, woraus 2015 wurde. Das Unternehmen hat gerade das Model 3 vorgestellt, was nicht vor Ende nächsten Jahres geliefert werden wird. Tesla lässt Dinge auch häufig von oben durchsickern (ähnlich wie Apple), wenn CEO Elon Musk zu früh Dinge ausplaudert.

Trotzdem behält Tesla einige Sachen für sich (was wird das Lenksystem des Model 3 sein?), aber das Unternehmen ist größtenteils nicht wirklich geheimnisvoll.

Offenheit

Der Ansatz des „Walled Garden“ war für Apple in den Jahren sehr erfolgreich und das Unternehmen hält daran fest, weil es glaubt, das sei die beste Lösung für die Kunden im Hinblick auf Privatsphäre, Sicherheit und Leistung. Apple zieht es vor, alle Aspekte seiner Geräte zu kontrollieren – sowohl physisch als auch hinsichtlich der Entwicklung. Apple akzeptiert mittlerweile Drittanbieter für Apps auf seiner Plattform, aber es war am Anfang zögerlich.

iPhone 6s Plus. Quelle: Apple

iPhone 6s Plus. Quelle: Apple

Tesla ist im Gegensatz dazu ziemlich offen. Das Unternehmen hat berühmterweise 2014 seine Patente zu Open-Sources gemacht und damit jedem Unternehmen erlaubt, seine Technologie zu nutzen. Es ging dabei darum, dass mehr Elektroautos genutzt werden, was schon immer Teslas Ziel war. Musk glaubt, andere Unternehmen nutzen sie, ist sich aber nicht sicher, weil man Tesla noch nicht einmal kontaktieren muss, um die Patente zu nutzen.

Tesla hat auch schon seit langem wiederholt seinen Willen ausgedrückt, sein Supercharger-Netzwerk zu teilen – unter der Bedingung, dass andere Autohersteller die proportionalen Kosten im Hinblick auf Nutzung teilen und dass die Fahrzeuge 120 kW unterstützen können. Normalerweise sind Autohersteller eher weniger davon begeistert, weil sie sich nicht von Teslas Technologie abhängig machen wollen und die meisten aktuellen Elektroautos können nicht mit den technologischen Anforderungen mithalten. Fahrzeuge, die alternative Gleichstrom-Standards haben, erreichen ihr Limit bei 50 kW (kombiniertes Ladesystem) bis 62,5 kW (CHAdeMO), obwohl die Standards an sich höhere Ladelevel unterstützen können.

Außerdem ist Teslas Programmierschnittstelle für Dritte offen, welche diese nutzen und verbessern wollen. Es gibt einige mobile Apps von Dritten, die durch die Nutzung der API Zugang zu Tesla-Fahrzeugen herstellen können, sobald ein Kunde sich mit seinen Login-Daten von Tesla identifiziert.

Bewertung

Der wichtigste Unterschied zwischen Telsa und Apple ist ihre Bewertung. Während Apple seit einer Weile zu einem ordentlichen Rabatt gehandelt wird, liegt Teslas Bewertung unglaublich hoch. Wenn es um die Bewertung geht, liegen Welten zwischen Tesla und Apple.

Das basiert natürlich auf zukünftigen Wachstumserwartungen. Apple ist so groß geworden (TTM-Umsatzbasis von 235 Milliarden US-Dollar), dass Investoren die Fähigkeit des Unternehmens, zu wachsen, skeptisch sehen. Teslas Bewertung hängt total von zukünftigem Wachstum ab, was bedeutet, dass das Unternehmen mit dem Model 3 liefern muss, um seiner Bewertung gerecht zu werden. Ohne das Model 3 ist Tesla seine Marktkapitalisierung von 30 Milliarden US-Dollar nicht wert.

Markt- und Gewinnanteil

Apple ist im Hinblick auf Stückvolumen der zweitgrößte Smartphone-Hersteller der Welt. In den USA haben beispielsweise mehr als 40 % aller Smartphone-Nutzer ein iPhone. Was vielleicht noch wichtiger ist: Apple fährt fast die gesamten Betriebsgewinne ein, da der Großteil seiner Konkurrenz Schwierigkeiten mit konsequenten Betriebsgewinnen hat.

Das ist für Tesla sehr unwahrscheinlich. Das Autogeschäft ist von Kapitalineffizienz und bescheidenen Netto-Margen geplagt. Außerdem ist der Wettbewerb ganz anders. Preisgestaltungsmacht ist oft kurzlebig. Selbst mit dem Model 3 kann man sich nicht vorstellen, dass Tesla die Straßen dominiert und alle Gewinne einfährt.

Herstellung

Das ist ein unglaublich wichtiger Aspekt, denn die Massenherstellung wird zweifellos Teslas größtes Risiko in den kommenden Jahren sein. Mit Abstand. Die 325.000 Reservierungen für das Model 3 bedeuten wenig, wenn Tesla nicht genug Autos bauen kann, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Teslas Fabrik. Quelle: Tesla

Teslas Fabrik. Quelle: Tesla

Es stellt sich auch die Frage nach Apples vermeintlichen Eintritt in den Automarkt. Apple nutzt Auftragshersteller, um seine Gerät zusammenzusetzen – ein Modell, das es nur in sehr wenigen Fällen in der Autobranche gibt. Die Herstellung ist die wichtigste Operation für jeden großen Auto-Erstausrüster.

Wer zählt?

Es gibt zwar eine Menge Ähnlichkeiten zwischen Tesla und Apple, was beispielsweise ihre Produktstrategie und ihr Verkaufsmodell angeht, aber die Unterschiede wiegen schwerer, weil man die Realität des Herstellens von Autos oder die unterschiedlichen Bewertungen nicht ignorieren kann.

Es wäre unvernünftig zu sagen, dass Tesla das „Apple der Autobranche“ werden wird, weil das einfach nicht stimmt. Gleichzeitig sollten Investoren einige der gemeinsamen Denkweisen zu schätzen wissen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla Motors und Apple.

Dieser Artikel wurde von Evan Niu auf Englisch verfasst und am 16.4.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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