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Warum die Evonik-Aktie am Donnerstag um 12 % gefallen ist

Foto: Evonik Industries AG

Der Umsatz wurde gesteigert, der Gewinn hat um 50 % zugelegt, die Dividende wird erhöht. Das waren tolle Neuigkeiten, als die Evonik Industries AG (WKN: EVNK01) am letzten Donnerstag ihre Bilanz für 2015 vorstellte. Dennoch verlor der Kurs der Aktie an diesem Tag 12 % auf 24,90 Euro. Der Grund dafür waren verhaltene Aussichten für das laufende Jahr.

Erfolgreiches Jahr 2015,…

Der Vorstand von Evonik zeigte sich mit 2015 sehr zufrieden. Trotz eines geringen Wachstums der Weltwirtschaft und des schwachen Trends der Chemiebranche insgesamt konnte ein hervorragendes Ergebnis erzielt werden. Bei 13,5 Milliarden Euro Umsatz (plus 5 % im Vergleich zu 2014) blieb unter dem Strich 1 Milliarde Euro Gewinn übrig; das sind 72 % mehr.

Grundlage für den Erfolg waren gezielte Investitionen zur Erfüllung der spezifischen Anforderungen der Kunden, die mit maßgeschneiderten Produkten und Lösungen bedient wurden.

Ganz besonders trug der Bereich Nutrition & Care dazu bei, der sein Ergebnis um 70 % steigern konnte. Evonik setzt hier auf Megatrends wie Bevölkerungswachstum, Gesundheits- und Nachhaltigkeitsbewusstsein, aber auch auf die Globalisierung mit dem Wunsch nach einem westlichen Lebensstil.

…aber die Chemiebranche ist zyklisch

Doch die Aussichten für das laufende Jahr sind nicht glänzend. Die Chemiebranche ist sehr zyklisch, das bedeutet, dass die Geschäfte nicht stetig wachsen, sondern im Verlauf der Jahre Schwankungen unterliegen. Gerade jetzt deutet sich eine Abschwächung der Konjunktur an und die Chemiebranche mit ihrer engen Verbindung zum Verarbeitenden Gewerbe ist davon früher als andere Bereiche betroffen.

Entsprechend vorsichtig ist der Verband der Chemischen Industrie für 2016 gestimmt. Man rechnet hier mit einem Anstieg der Chemieproduktion um 1 %, dabei werden Preisrückgänge für chemische Erzeugnisse um etwa 0,5 % erwartet.

Auch BASF hat Sorgen

Die verhaltenen Aussichten für Evonik kamen nicht völlig überraschend. Bereits eine Woche zuvor hatte Branchenprimus BASF von einem „volatilen und herausfordernden Umfeld“ und einem unsicheren Jahr 2016 berichtet und vor Rückgängen in China gewarnt. Das operative Ergebnis soll etwas schwächer als 2015 ausfallen.

Ähnliches lesen wir auch im Ausblick von Evonik:

Die schwache Dynamik der Weltwirtschaft, die hohe Volatilität an den Märkten und die Zunahme geopolitischer Spannungen prägen den Beginn des Jahres 2016. Vor diesem Hintergrund erwartet Evonik für das laufende Geschäftsjahr dank seiner starken Marktpositionen und der Konzentration auf wachstumsstarke Geschäfte weiterhin eine gute Nachfrage nach seinen Produkten. Rückläufige Verkaufspreise werden dieses spürbare Mengenwachstum jedoch überlagern, so dass der Umsatz leicht zurückgehen wird. Das bereinigte EBITDA wird zwischen 2,0 und 2,2 Milliarden Euro erwartet.

Das Jahr 2016

Der Ausblick für 2016 ist entsprechend vorsichtig, aber nicht katastrophal: Evonik erwartet nur einen leichten Rückgang beim Umsatz. Das EBITDA, das ist das operative Ergebnis vor Investitionsaufwand, soll um etwa 10 bis 15 % niedriger ausfallen. Rechnet man das analog zu 2015 um, bedeutet das einen Gewinn zwischen 820 und 900 Mio. Euro beziehungsweise ungefähr 1,75 bis 1,90 Euro pro Aktie.

Dividendenerhöhung

An den Erfolgen des Jahres 2015 lässt Evonik auch die Aktionäre teilhaben. Die Dividende wird von einem Euro je Aktie auf 1,15 Euro erhöht.

Dabei kommt der Ausschüttung eine besondere Rolle zu: Größter Aktionär bei Evonik ist die RAG-Stiftung, die 67,9 % der Aktien hält. Diese Stiftung hat den politischen Auftrag, die dauerhaften Folgekosten des Steinkohlenbergbaus in Deutschland nach dem Ende der Förderung 2018 zu tragen. Für die RAG-Stiftung ist Evonik also ein wichtiges Investment, um diesem Auftrag nachkommen zu können. Evonik selbst schreibt im Geschäftsbericht 2014 von Dividendenkontinuität und einer nachhaltigen Ausschüttungspolitik, „die das Wachstum des Unternehmens nicht einschränkt, zugleich aber den Dividendenerwartungen unserer Anteilseigner Rechnung trägt“.

Für mich heißt das, dass die Aktionäre auch in den Folgejahren mit guten Ausschüttungen rechnen können.

Kurseinbruch als Kaufgelegenheit

Die Börse hat also den gedämpften Ausblick von Evonik heftig abgestraft. Man liebt eben Wachstum und hasst die Unsicherheiten, die das Jahr 2016 zwangsläufig mit sich bringt. Zudem dürfte der Gewinn pro Aktie nur bei etwa 1,80 Euro liegen.

Klar, das ist weniger als die 2,13 Euro des Jahres 2015. Aber das ist ein Rückgang, der bei Zyklikern immer mal wieder vorkommen kann. Und rechtfertigt das diesen Kurseinbruch?

Der letzte Kurs der Aktie vom 4. März 2016 lag bei 24,795 Euro. Für 2016 ergibt sich somit ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – das ist die einfachste Art, eine Aktie zu bewerten – von rund 14. Für den gesamten MDAX liegt das geschätzte KGV für 2016 bei 16,4. Damit ist die Aktie nicht teuer.

Hinzu kommt die ansprechende Dividende. Zum aktuellen Kurs ergibt sich eine attraktive Dividendenrendite von 4,6 %. Und die Zahlungen sollten auch langfristig gesichert sein, das habe ich oben schon geschrieben.

Gerade nach dem Kursrückgang erscheint die Megatrend-Aktie vielversprechend bewertet. Natürlich können in den nächsten Monaten bei schlechten Nachrichten noch tiefere Kurse kommen, aber dank der Dividende kannst du mögliche Kursdellen locker aussitzen.

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Peter Roegner besitzt Aktien von Evonik Industries und BASF. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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