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Warum alles intelligente Investieren Value Investing ist

Foto: Pixabay, Peggy_Marco

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Motley Fool Newsletter “Bilanz Ziehen” vom 16.02.2016. Hier kannst du dich kostenlos für unseren Newsletter anmelden.

Letzte Woche hat uns mein Foolisher Kollege aus Singapur daran erinnert, wo es langfristig mit der Börse am wahrscheinlichsten hingeht. In einem Bärenmarkt wie diesem kann man so etwas fast nicht oft genug hören, um es nicht zu vergessen. Ablenkung kann aber auch ganz gut tun. Deswegen konzentrieren wir uns heute auf etwas anderes: den Unterschied zwischen zwei langfristigen Investoren, die an gegensätzlichen Enden des Spektrums stehen. Und warum es nicht viel Sinn macht, eine Trennlinie zwischen diesen beiden zu ziehen.

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Value Investing

Als „Hardcore“ Value Investing kann man das bezeichnen, was Warren Buffetts Lehrmeister Benjamin Graham vor fast einhundert Jahren geprägt hat. Er kaufte Aktien, wenn der Preis (deutlich) vereinfacht gesagt geringer war, als die in den Büchern des Unternehmens vorhandene Nettoliquidität. Ganz klassisch also bezahlte er 50 Cent für einen fest vorhandenen Euro.

Wenn du dir mal das Vergnügen machst, in akademischen Studien zu stöbern, dann wird Value Investing noch einfacher definiert: Das Investieren in Aktien mit zum Beispiel geringen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGVs) oder Kurs-zu-Buchwert Verhältnissen (KBVs). Glaubt man der akademischen Literatur, schlägt dieser Investitionsansatz das Growth Investing.

Aber ist das wirklich besser? Schauen wir erst einmal auf das andere Ende des Spektrums.

Growth Investing

KGVs von 100 oder Unternehmen ohne Gewinn, einer Milliarden-Marktkapitalisierung und nur ein paar wenigen hundert Millionen Umsatz. Beim Anblick solcher Zahlen läuft es dem klassischen Value Investor kalt den Rücken herunter.

Für Growth Investoren scheint die Bewertung von Aktien keine Rolle zu spielen. Wichtig ist, dass man in ein Unternehmen investiert, das in Zukunft potentiell einen großen Markt beherrschen wird. Anstatt auf den Preis konzentrieren sich Growth Investoren also auf das Potential eines Unternehmens.

Auch ohne Literatur findet man heraus, dass dieser Ansatz ebenfalls durchaus sinnvoll sein kann. Schau dir dafür zum Beispiel nur die Entwicklung von CTS Eventim (WKN:547030) an.

Der Kernunterschied zwischen beiden

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Investoren, die sich an diesen unterschiedlichen Enden des Spektrums aller Anlagestrategien befinden. Ein Value Investor schaut sich den Preis eines Unternehmens an und vergleicht diesen mit den Zahlen, die er heute „sehen“ kann. Ein Growth Investor schaut darauf, wie groß ein Unternehmen in Zukunft sein kann.

Beides kann jedoch in die Hose gehen.

Dass reines Growth Investing gefährlich sein kann, das brauch ich dir nicht zu erzählen, der Großteil der Aktien im Neuen Markt hat uns das eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Aber auch Value Investing ist alles andere als wasserdicht. Am 9. Oktober 2002 zum Beispiel hätte ein Value Investor die Aktie der Deutschen Bank (WKN:514000) wahrscheinlich sehr attraktiv gefunden. Sie stand damals auf einem historischen Tief und war zu einem KBV von 0,61 zu haben – wer hätte damals nicht 65 Cent für den Gegenwert von einem Euro Buchwert bezahlen wollen, weniger als das doppelte als fast immer in den Jahren zuvor?

Nun ja, trotz dieser einmaligen Möglichkeit wäre die Rendite bis zum 12. Februar 2016 (letzten Freitag) trotzdem unterirdisch gewesen. Sagenhaften -13,3 % wären dabei herausgesprungen, inklusive Dividenden.

Autsch.

Was das für dich bedeutet

Es reicht bei der Aktienwahl also nicht aus, sich ausschließlich auf Basis der heutigen Zahlen eines Unternehmens für oder gegen eine Investition zum heutigen Preis zu entscheiden. Am Ende wirst du als Investor nur erfolgreich sein, wenn du für ein Unternehmen heute deutlich weniger bezahlst, als es morgen Wert sein wird.

Wer das im Jahr 2002 berücksichtigt hat, der hätte durchaus zu dem Schluss kommen können, dass der Wert der CTS Eventim-Aktie im Verhältnis zu ihrem Preis deutlich höher sein kann, als der Wert der Deutschen Bank-Aktie im Verhältnis zu deren Preis.

Das soll heißen, dass du Value Investing und Growth Investing nicht voneinander trennen musst. Im Gegenteil, Value und Growth sind zwei Komponenten derselben Gleichung und die erfolgreichsten Investoren vereinen das Beste, was die oben beschriebenen Value und Growth Investoren mit sich bringen. Sie haben die Fähigkeit eines klassischen Growth Investors, das Potential eines Unternehmens zu bewerten. Sie haben aber auch die Disziplin eines Value Investors, eine Aktie zu meiden, deren heutiger Preis dieses Potential überschätzt.

Am Ende ist das Ziel von beiden Strategien dasselbe: Einen Preis für eine Aktie zu zahlen, der unter dem intrinsischen Wert dieser liegt. Und dieser Wert hängt eben stark vom potentiellen Wachstum eines Unternehmens ab.

Wenn du also das nächste Mal gefragt wirst, ob du ein Value oder ein Growth Investor bist, wäre eine gute Antwort: Ich versuche beides nicht zu trennen.

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Bis zu 130 Mrd. US-Dollar investiert Investorenlegende Warren Buffett in nur ein einziges Unternehmen. Das zeugt von riesigem Vertrauen in das Zukunftspotential.

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Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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