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Investoren nehmen das größte Unternehmen im Gesundheitsbereich ins Visier

Foto: Pixabay, aloisiocostalatge

In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie immer mehr Investoren versucht haben, Sitze im Vorstand zu bekommen und/oder Kursänderungen bei Unternehmen vorzunehmen, deren Wachstum zu stagnieren scheint. Statistiken von HFR, einer Hedgefonds-Forschungsfirma, zeigen, dass solche Aktivistenhedgefonds inzwischen mehr als 129 Milliarden USD an Vermögenswerten managen. 10 Jahre zuvor waren es noch 29 Milliarden USD gewesen.

Diese Aktivisten kaufen große Positionen eines öffentlich gehandelten Unternehmens und nutzen dann ihren Einfluss, um (hoffentlich) Veränderungen anzustoßen, die den Wert ihrer Positionen erhöhen sollen. Die meisten Investoren freuen sich über die Aktivisten, solange sie keine größere Ablenkung darstellen, denn es besteht immer das Risiko, dass sie sich nur auf kurzfristige Gewinne konzentrieren, was wiederum nicht das Beste für die Aktionäre wäre. Am Ende wird der Erfolg aber für jeden Einzelfall jeweils neu bestimmt.

BILDQUELLE: PIXABAY.

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Ein durchgehender Punkt bei diesen Investoren ist, dass sie normalerweise keine Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung angreifen. Warum? Große Unternehmen haben oft viele passive Eigentümer wie Investmentfonds und andere institutionelle Investoren. Das bedeutet, dass es schwer werden kann, etwas zu ändern. Artisan Partners hat davon anscheinend noch nichts gehört.

CEO ALEX GORSKY. BILDQUELLE: JOHNSON & JOHNSON.

CEO ALEX GORSKY. BILDQUELLE: JOHNSON & JOHNSON.

Der Angriff auf das weltgrößte Unternehmen im Gesundheitssektor

Artisan, eine weltweit operierende Investmentfirma, die fast 100 Milliarden USD an Vermögenswerten managt, hat letzte Woche angekündigt, andere Aktivisten dazu anzuhalten, Johnson & Johnson (WKN:853260), ein Gesundheitskonglomerat im Wert von 289 Milliarden USD in drei getrennte Unternehmen aufzuspalten: Gesundheitleistungen, medizinische Geräte und Pharma. Basierend auf den Zahlen von Artisan könnte das 90 Milliarden USD an Unternehmenswerten für die Aktionäre freilegen.

Aber warum sollte Artisan Partners das wollen? Obwohl der Markt seit März 2009 um mehr als 200 % gestiegen ist, hat die Aktie von J&J im selben Zeitraum nur 100 % geschafft. Artisan behauptet, die Größte des Unternehmens und die übermäßig hohe Vergütung für die Führung würden das Wachstumspotenzial im Zaum halten.

BILDQUELLE: PIXABAY.

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Natürlich haben wir auch schon Probleme in jedem Segment gesehen. Das Wachstum im Bereich medizinische Geräte ist praktisch nicht vorhanden, selbst auf operativer Basis. Eine Teilschuld fällt dem höheren Konkurrenzdruck und der Standardisierung zu. Andere Probleme beziehen sich auf die schwächere globale Nachfrage, wie in Europa, und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Affordable Care Act in den USA.

In den Bereichen Gesundheitsleistungen und Pharma sind die hohen Einnahmen außerhalb der USA ein großes Thema. Ein starker Dollar führt zu unvorteilhaften Fremdwährungseffekten. Das bedeutet, dass J&J immer einen Verlust erleidet, wenn eine andere Währung in Dollar umgerechnet wird.

Artisan glaubt, dass sich alle drei Segmente als eigenständige Unternehmen besser schlagen würden. Wenn man stetigen Cashflow und eine Dividende will, dann ist da der Consumer-Healthcare-Bereich. Wer langfristige Wachstumsmöglichkeiten sucht, für den könnte die Sparte medizinische Geräte die Antwort sein. Wenn die Dividende keine große Sorge darstellt, aber schnelles Wachstum gewünscht ist, dann könnte die Pharmasparte erste Wahl sein.

BILDQUELLE: PIXABAY.

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Man sollte aber nicht drauf wetten

Es gibt da eine Sache, die man nicht vergessen sollte: Am 30. September 2015 hatte Artisan lauf SEC-Angaben 4.765.920 Aktien von Johnson & Johnson, was am letzten Freitag fast 498 Millionen USD wert war. Das sind nicht einmal 0,2 % des Aktienkapitals und bedeutet, dass die Chancen von Artisan, seinen Einfluss geltend zu machen, verschwindend gering sind. Hedgefonds und Investoren, die J&J kaufen, suchen üblicherweise nach einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite, wenig Volatilität und ein stark diversifiziertes Geschäft. Daher wird es meiner Meinung nach unmöglich, sie davon zu überzeugen, sich den Aktivisten anzuschließen.

Darüber hinaus zeigt J&J diese Underperformance nicht wegen seiner Größe. Das Unternehmen hat in den letzten 30 Jahren sehr gut gearbeitet, was die bereinigten Gewinnerhöhungen angeht und es ist eines von nur drei öffentlich gehandelten Unternehmen mit einem Rating von AAA. Und es hat seine Dividende in jedem der letzten 53 Jahre erhöht. Damit ist J&J auch Teil einer exklusiven Gruppe, die auch Dividendenaristokraten genannt wird. Das ist nicht gerade ein gutes Ziel für Aktivisten.

Johnson & Johnson hat auch noch einige Möglichkeiten zur Auswahl, um seine finanzielle Situation zu verbessern. Letzten Monat hat J&J angekündigt, 3.000 Angestellte im Bereich medizinische Geräte zu entlassen, um die Kosten zu reduzieren. Einige dieser Kosteneinsparungen werden in Innovationen fließen, während der Rest wohl die Margen aufbessern wird.

Man sollte auch nicht vergessen, dass J&J aus etwa 250 Tochterunternehmen besteht. Das bedeutet, das Unternehmen hat auch die Möglichkeit, nicht essenzielle und langsam wachsende Unternehmensteile zu verkaufen. Es gibt zahllose Maßnahmen, die J&J hier ergreifen kann, daher scheint die Forderung nach einer Aufspaltung etwas vorschnell.

Was die Aktivisten davon haben könnten

Wenn es einen Etappensieg gibt, den Artisan davontragen könnte, dann ist es eine potenziell höhere Dividendenrendite.

J&J zahlt bereits jährlich 3 USD pro Aktie und hat im Oktober ein Rückkaufsprogramm im Wert von 10 Milliarden USD angekündigt. Trotz dieser hohen Zahlen sitzt J&J aber auch auf 18,5 Milliarden USD an liquiden Nettomitteln oder mehr als 38 Milliarden USD brutto. Das Management hat klargestellt, dass man nach Übernahmen zum richtigen Preis sucht, aber sie scheinen nicht nach großen Übernahmen zu suchen. Das könnte andeuten, dass zwar nicht das ganze Geld zur Verfügung steht, aber dass zumindest ein Teil davon für weitere Rückkäufe, Dividendenerhöhungen oder eine Sonderdividende benutzt werden könnte. Auch hier gibt es keine Garantien, aber die Aktivisten haben damit ein starkes Argument auf ihrer Seite.

Als langfristiger Investor würde ich da nicht zu viel hineininterpretieren. Das Management von J&J scheint seine langfristige Strategie nicht zu ändern – und das ist wahrscheinlich auch gut so, da sie schon seit Jahrzehnten funktioniert.

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Motley Fool empfiehlt Johnson & Johnson.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 03.02.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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