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SAP-Aktie: Steht das Unternehmen vor einer Gewinn-Explosion? Eindrücke aus New York

Quelle: Flickr Nutzer alex.ch

Die SAP-Führung informierte umfassend über den Geschäftsverlauf. Im gediegenen Seminarraum begann die Analysten-Veranstaltung mit einem Loungesessel-Interview mit Chef Bill McDermott.

Statt den großen Show-Auftritten einiger Konkurrenten nachzueifern, wurde auf jedwede Allüren verzichtet. Die beeindruckenden Fakten sprachen offenbar für sich.

CEO Bill McDermott zur Lage und Strategie

Die Körpersprache des Vorstandsvorsitzenden zeigte deutlich, dass er es einfach nicht nötig hat, groß auf die Pauke zu hauen. Die Produkte liegen bärenstark im Wettbewerb und mit der aussichtsreichen Innovationspipeline erscheint der Konkurrenz-Vorsprung auf absehbare Zeit gesichert.

Besonders hervorgehoben hat er die Rolle des offenen Partnernetzwerks zur gemeinsamen Schaffung innovativer Lösungen. Auf diese Weise kann SAP (WKN:716460) ein viel größeres Rad drehen, als wenn das Unternehmen versuchen würde, für alle Branchen und Regionen eigene Lösungen zu entwickeln.

Der ganze Stolz des Konzerns ist jedoch weiterhin die HANA-Technologie, im Kern eine Datenbank, die Echtzeitauswertungen riesiger Datenmengen erlaubt und für eine radikale Vereinfachung beim Datenmanagement sorgt. Aufbauend auf dieser Plattform werden integrierte Lösungen angeboten, die spezifischen Einzellösungen laut McDermott oft weit überlegen seien.

An dieser Stelle hob der Chef deutlich die Vorzüge der Personalmanagement-Software SuccessFactors gegenüber Salesforce.com (WKN:A0B87V) hervor. Die eigene Lösung würde den Anwendern völlig neue Möglichkeiten geben, eine Organisation zu steuern und sei deshalb viel besser an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts angepasst.

Dann trug er noch ein bisschen dicker auf: Die Konkurrenten würden oft nur groß daherreden, aber nur bei SAP sei auch wirklich Großes dahinter, eine Erkenntnis, die sich am Markt immer mehr durchsetzen würde. Mit Blick auf die kommenden Innovationen, schloss McDermott mit der Voraussage ab: „Das Beste kommt noch!“

Finanzchef Luka Mucic über Effizienz und Effektivität

Luka Mucic begann seinen Vortrag mit der Aussage, dass SAP ein neues Investorensegment begründen würde: Dasjenige der super-schnell wachsenden, aber gleichzeitig grundsoliden Unternehmen. Dies ist eine Kombination, die tatsächlich selten anzutreffen ist.

Er führte weiter aus, dass die erfolgreiche Strategie SAP nicht nur größer machen würde, sondern auch robuster und verlässlicher. Schließlich würde das immer wichtiger werdende Abo-Modell nicht nur bei Kunden für mehr Kostentransparenz sorgen, sondern auch auf Seiten SAPs eine bessere Planbarkeit der Erträge mit sich bringen.

Befürchtungen, dass das Kerngeschäft mit Lizenzen und Supportleistungen vom neuen Cloud-Geschäft kannibalisiert werden könnte, trat er vehement entgegen. Auch dort würde man weiter wachsen, vor allem weil neue Lizenzkunden fast vollkommen auf SAP Enterprise Support setzen.

Er führte weiter aus, dass man seit 2015 die Investitionen in Randbereiche stark reduziert habe, um so Komplexität aus der Organisation zu nehmen. Schlanker aufgestellt konnte so der Fokus voll auf Wachstumsbereiche gerichtet werden.

Im Bereich der neuen Lösungen rund um die Cloud und Branchennetzwerke sollen die Brutto-Margen mittelfristig auf 80 % gehoben werden. Im Moment seien dort aufgrund des schnellen Expansionstempos noch hohe Investitionen erforderlich.

Das sind beeindruckende Aussichten, wobei für mich die Frage bleibt, ob bei dem mörderischen Wettbewerb mit den Amerikanern die Preise mittelfristig stabil gehalten werden können.

Forschungs-Chef Bernd Leukert zu SAPs Beitrag zur Digitalwirtschaft

Mit deutlich badischem Einschlag begann Bernd Leukert seinen Vortrag damit, dass SAP erfolgreich auf vereinfachte Kundenschnittstellen setze, um so die Reichweite zu steigern. Danach wurde die Rolle SAPs im breiten Feld des aufkommenden Internets der Dinge mittels einer Fallstudie mit der Italienischen Bahn illustriert.

Nachdem Züge und Anlagen umfangreich mit kommunizierenden Sensoren aufgerüstet wurden, gelang es, die Wartungsprozesse entsprechend der tatsächlichen Abnutzung auszurichten, was zu erheblichen Kosteneinsparungen und einer Verbesserung des Fahrgasterlebnisses führte.

Bereits 2015 habe man über 100 Mio. EUR Umsatz mit solchen Projekten gemacht und erwartet starkes Wachstum in den kommenden Jahren.

Zudem würde das vor einem Jahr vorgestellte Geschäftssoftwarepaket S/4 HANA schneller von den Kunden angenommen als der legendäre Vorgänger R/3 aus den 90er-Jahren. „Aber wir wären nicht SAP, wenn wir nicht nach noch Größerem streben würden“, merkte er noch an.

Controlling-Chef Christian Klein über die Anwendung Digital Boardroom

Etwas Action in die ansonsten eher nüchterne Veranstaltung brachte Controlling-Chef Christian Klein, der die im Oktober veröffentlichte Anwendung Digital Boardroom live präsentierte. Die Software ermöglicht die gemeinsame Analyse des in Echtzeit aktualisierten Geschäftsdatenbestands eines Unternehmens, einschließlich Zukunftsprojektionen und SOLL/IST-Vergleichen.

Egal ob Kundenbeziehungen, ausstehende Deals oder Finanzkennzahlen, alles wird eindrücklich graphisch dargestellt. Gleichzeitig kann man an jeder Stelle tiefer in die Details hereinfahren, bis auf die granulare Ebene, sowie auch die Daten aus unterschiedlicher Perspektive betrachten.

Es war deutlich zu sehen, dass Christian Klein Freude an diesem Produkt hat, das auf HANA aufsetzt und bei SAP intern bereits intensiv genutzt wird. Auf diese Weise gelang es gut, die Macht dieser Technologie zu illustrieren, welche statische Powerpoint-Folien wie von vorgestern aussehen lässt.

Fazit: SAP wird immer mehr zum HANA-Cloud-Unternehmen

Die Vorstände präsentierten sich als harmonisches und komplementäres Management-Team. Während der Veranstaltung wurde aus Vertriebs-, Technik- und Finanzsicht deutlich gemacht, wohin die Reise für SAP geht. Mit HANA hat SAP ganz klar ein dickes Pfund in seinem Portfolio, mit dem das Unternehmen wuchern kann.

Positiv stimmt mich auch, dass es offenbar immer besser gelingt, beim großen Spiel der Plattformen Erfolg zu haben: Durch die gegenseitige Integration steigt die Relevanz in der Geschäftswelt immer weiter, oder wie es Bill McDermott ausdrückt: „Wenn du die Killer-Applikation hast, kommen alle zum Honigtopf.“

Unter der plausiblen Annahme, dass SAP wie geplant in den kommenden Jahren Umsatz und Gewinne kräftig steigern kann, erscheint die Aktie mit einem Kurs von unter 70 EUR (4.2.) günstig bewertet.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool empfiehlt Salesforce.com.

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