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5 überraschende Erkenntnisse aus der europäischen Autozulassungsstatistik

Quelle: FCA

Die letzten Zulassungszahlen geben Aufschluss über die Situation der Autobranche und die aktuellen Vorlieben der Nachfrager. Wenn wir verstehen, wie sich die einzelnen Hersteller, Marken und Märkte entwickeln, sind wir besser in Lage, gute Investmententscheidungen zu treffen. Daher habe ich mir die Zahlen genau angeschaut und einige überraschende Erkenntnisse gewonnen.

1. VW (WKN:766400) hält sich ganz ordentlich, während Toyota (WKN:853510) nicht profitiert

Trotz aller Unkenrufe bleibt die VW-Gruppe der unangefochtene Champion in Europa. Die prozentualen Zuwächse fielen zwar nicht ganz so hoch aus wie bei vielen Konkurrenten, aber absolut gesehen ist ein Plus von fast 200.000 Fahrzeugen über die letzten elf Monate bärenstark. Der globale Hauptwettbewerber Toyota liegt mit +6,3 % relativ gesehen auf demselben Niveau.

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Immerhin gelang es beispielsweise Renault (WKN:893113) und Ford (WKN:502391), im November etwas aufzuholen. Selbst vom langjährigen Sorgenkind Opel gibt es in letzter Zeit immer mehr positive Nachrichten. Um an die glorreichen Zeiten anzuschließen, liegt zwar noch ein langer Weg vor der Marke von General Motors (WKN:A1C9CM) – den aktuellen Schwung will man aber auf alle Fälle in das neue Jahr mitnehmen, wie das Motto „Drive! Leistung, Wachstum“ der letzten Händlerveranstaltung deutlich macht.

Insgesamt erfreuen sich die Volumenmarken im mittleren Preissegment aktuell einer guten Nachfrage.

2. „Value for Money“ zieht hingegen nicht mehr so wie früher

Was Aldi und Lidl im Lebensmitteleinzelhandel sind, stellen Skoda, Dacia und Kia im Automobilmarkt dar: Sie bieten ordentliche Leistung für kleines Geld. Dieses Konzept hat über viele Jahre zu steigenden Marktanteilen geführt. Aber ähnlich wie die Discounter in Deutschland derzeit mit Umsatzrückgängen umgehen müssen, fällt auch das Wachstum der preiswerten Marken in Europa unterdurchschnittlich aus.

Besonders deutlich wird dies in der Renault-Gruppe (WKN:893113), wo die Hauptmarke fast 10 % gewachsen ist, während bei Dacia nur 3,5 % herausgekommen sind. Anscheinend nutzen viele Menschen die bessere Konjunktur und die weiterhin außergewöhnlich günstigen Finanzierungsbedingungen, um sich etwas Besonderes zu gönnen. Dies sieht man auch beim nächsten Punkt.

3. SUVs und Geländewagen boomen weiter, Jeep profitiert

Dieser Trend läuft schon ganz schön lange, sodass er nur wenig überrascht. Erstaunlich ist hingegen der Zuwachs bei den spezialisierten Marken Land Rover und Jeep. Im November haben beide jeweils über 50 % zugelegt.

Über das Jahr gerechnet hat Jeep sogar 132 % hinzugewonnen und überholt damit Porsche bei den Stückzahlen. Sowohl der Grand Cherokee als auch das neue italienisch-amerikanische Renegade-Modell sind ein großer Erfolg. Letzteres wird erstmals exklusiv in Italien produziert, offenbar ein kluger Schachzug des Mutterkonzerns Fiat Chrysler (WKN:A12CBU).

Für die deutschen Premium-Marken stellen SUVs nur eines von mehreren Spielfeldern dar.

4. Audi verteidigt die Spitze im gehobenen Segment

Der spannende Dreikampf zwischen Audi (WKN:675700), BMW (WKN:519000) und Mercedes geht 2016 mit Sicherheit in die nächste Runde. Die Marke von VW ist auf europäischer Ebene bis dato mit 715.564 Zulassungen die Nummer 1 in diesem Bereich, ein Titel der wohl 2015 nicht mehr zu nehmen sein wird.

BMW mit 678.822 und Mercedes mit 678.356 liegen dahinter praktisch gleich auf. Da diese beiden einen ziemlich guten Lauf haben, dürften die drei nächstes Jahr noch näher beieinander liegen.

Mit ernsthafter ausländischer Konkurrenz ist hingegen weiterhin kaum zu rechnen. Gegenüber den Herausforderern konnte der Vorsprung in absoluten Zahlen sogar noch erheblich vergrößert werden.

Bemerkenswert ist hier lediglich der Zuwachs von 83 % im November bei Jaguar. Immerhin gelang es der britischen Marke so, Lexus auf Jahressicht zu überholen. Für den indischen Mutterkonzern von Jaguar Land Rover (JLR), Tata Motors (WKN:A0DJ9M), sind dies auf alle Fälle gute Nachrichten. 2018 soll die Produktion von JLR am neuen Standort in der Slowakei starten.

5. Die europäische Peripherie wurde 2015 zum Zugpferd

Nahezu alle Problemkinder der Finanzkrise weisen in diesem Jahr beachtliche Zuwächse auf. Mit einem Plus von jeweils über 20 % bei den Zulassungszahlen gab es in Ländern wie Portugal, Spanien, Irland und Zypern das größte Wachstum. Zweifellos ein gutes Zeichen für Europa insgesamt, dass wieder mehr Menschen in diesen Ländern Zuversicht und die notwendigen Geldmittel für Großanschaffungen haben.

Negative Vorzeichen wurden hingegen in Österreich, Estland und Luxemburg gemeldet. Auch weitere Länder, die einigermaßen stabil durch die Krise gekommen sind, kommen nur auf ein kleines Plus. Dort fällt natürlich auch der Nachholbedarf geringer aus als in den krisengeschüttelten Regionen. Entsprechend sieht auch J.P. Morgan in ihrem „Guide to the Markets“ vom Oktober die Peripherieländer wirtschaftlich auf der Überholspur.

Fazit

Die europäische Perspektive gibt einige interessante Einblicke in die Automobilbranche. Beruhigend sind die deutlichen Anzeichen, dass die positive Konjunktur in den europäischen Ländern an Breite gewinnt. Dass gleichzeitig das obere und mittlere Preissegment in der Erfolgsspur liegt, ist nicht nur für die betroffenen Hersteller äußerst vorteilhaft, sondern auch für die Zulieferer, die mit Premium-Produkten besonders hohe Margen erzielen können.

Es deutet nach meiner Einschätzung einiges darauf hin, dass diese Trends auch 2016 anhalten. Laut auto-motor-sport erwartet uns ein Modellfeuerwerk. Von daher sehe ich bei den derzeit etwas zurückgekommenen Börsenkursen gute Gelegenheiten für Anleger, um günstig aussichtsreiche Aktien der Automobilbranche zu erwerben.

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Ralf Anders ist nicht in den genannten Unternehmen investiert. The Motley Fool empfiehlt General Motors und BMW.

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