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RWE und E.ON auf Rekordtiefs – welcher der beiden Riesen schafft es eher aus dem Keller?

Foto: Wikimedia Commons

Aktionäre der Energieversorger E.ON (WKN:ENAG99) und RWE (WKN:703712) hatten in den letzten Jahren wenig Grund zur Freude. Die Kurse der einstigen Schwergewichte rauschten in den Keller. Und als viele dachten, jetzt kann es nicht mehr weiter runter gehen, wurde es noch schlimmer.

Welcher der beiden Energieriesen es eher aus dem Keller schafft, ermitteln wir im großen Kampf der Energieriesen über 6 Runden.

Also: Let’s get ready tooo rumble!!

Runde 1: Der Verschuldungsgrad

Los geht der Schlagabtausch mit dem Vergleich des Verschuldungsgrades. Bei dieser Kennzahl wird die Nettoverschuldung (langfristige und kurzfristige Schulden abzüglich kurzfristiger Vermögenswerte) durch den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) geteilt. Man verwendet hier das EBITDA als Annäherung für den Cashflow – ohne die Berücksichtigung von Zinsen, Steuern, Investitionen, Devestitionen und Dividendenzahlungen.

Die Kennzahl gibt also näherungsweise an, wie viele Jahre das Unternehmen hypothetisch brauchen würde, um seine kompletten Schulden zu bezahlen, wenn es ab sofort auf Investitionen und Dividendenzahlungen verzichten würde. Das bedeutet: Je kleiner diese Zahl, umso besser.

Beide Unternehmen zeigen aber gleich in der ersten Runde, wieso sie derzeit nicht zu den Lieblingen der Investoren gehören. E.ON kann diese Runde mit einem Verschuldungsgrad von 4,0 knapp vor RWE (4,3) gewinnen.

Ein denkbar schlechter Auftakt der beiden Energieriesen. Aber es steht 1:0 für E.ON.

Runde 2: Die Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite gibt Auskunft über die Verzinsung des von den Eigenkapitalgebern eingebrachten Kapitals. Da die Aktionäre die Eigenkapitalgeber einer Aktiengesellschaft sind, ist diese Kennzahl für Aktionäre von besonderer Bedeutung.

In dieser Runde gibt es einen klaren Sieger. RWE schafft bei einem Eigenkapital von 11.772 Mio. EUR einen nachhaltigen Konzernüberschuss von 1.282 Mio. EUR und somit eine Eigenkapitalrendite von 11 %.

Mit einem nachhaltigen Konzernüberschuss von 1.612 Mio. EUR und einer Eigenkapitalhöhe von 24.585 Mio. EUR wird bei E.ON lediglich eine Rendite von 7 % erzielt.

RWE schafft in der zweiten Runden also den Ausgleich.

Runde 3: Die Geschäftsverteilung

Der Vergleich der Eigenkapitalrendite ging klar zugunsten von RWE. Neben dem bloßen Vergleich der Rentabilität ist es aber auch wichtig zu wissen, mit was die Unternehmen ihr Geld verdienen.

Beim Vergleich der EBITDA-Verteilung ergeben sich bei RWE und E.ON deutliche Unterschiede. Die konventionelle Erzeugung hat bei RWE einen Anteil von 34 %. Bei E.ON beträgt dieser Anteil lediglich 26 %.

E.ON erwirtschaftet hingegen 18 % seines EBITDA mit Erneuerbaren Energien. RWE schafft hier nur 7 %.

Künftig sollen Erneuerbare Energien ein zentrales Standbein der Energieversorger sein. E.ON hat derzeit die eindeutig  bessere Ausgangsposition in diesem Geschäft. RWE ist in dieser Runde völlig chancenlos und muss sich E.ON klar geschlagen geben.

Halbzeit und Zwischenfazit

Die ersten drei Runden zeigen, E.ON hat seinen Fokus schon stärker auf das Thema Erneuerbare Energien gelegt. RWE hängt hier deutlich hinterher, ist derzeit aber das rentablere Unternehmen. In Summe führt E.ON aber trotzdem mit 2:1 nach Punkten.

In den nächsten drei Runden wird es nun darum gehen, welches Unternehmen derzeit günstiger zu haben ist.

Runde 4: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Los geht es mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – die einfachste Art zu bestimmen, ob der Aktienkurs eines Unternehmens teuer oder günstig ist.

E.ON legt mit einem erwarteten Gewinn pro Aktien von 0,97 EUR, einem aktuellen Kurs von 8,76 EUR (Schlusskurs am 07.10.2015) und einem KGV von 9 vor. Das durchschnittliche KGV aller DAX-Unternehmen beträgt aktuell etwas mehr als 12. Das ist also wirklich schon ein richtig guter Wert.

Den Konter von RWE kann allerdings auch E.ON nicht abwehren. Bei einem Kurs von 11,56 EUR und einem erwarteten Ergebnis je Aktie von 2,23 EUR liegt das RWE-KGV bei 5,2.

Diese Runde geht also eindeutig an RWE und somit steht es 2:2.

Runde 5: Das Kurs-Eigenkapital-Verhältnis

Wie bereits erwähnt, sind die Aktionäre eines Unternehmens die Eigenkapitalgeber einer Aktiengesellschaft. Es ist also durchaus sinnvoll herauszufinden, wie viel Eigenkapital auf eine Aktie entfällt und diesen Wert mit dem aktuellen Kurs zu vergleichen.

Bei RWE ergibt sich zum Jahresabschluss 2014 ein Eigenkapital je Aktie von 19,14 EUR. Bei E.ON kann man einen Wert von 12,29 EUR aus dem Geschäftsbericht 2014 entnehmen. Bei den aktuellen Kursen ist auch hier RWE günstiger bewertet als E.ON. RWE wird mit einem Kurs-Eigenkapital-Verhältnis von 0,6 gehandelt. E.ON hingegen mit 0,7.

Auffallend ist aber, dass die Marktkapitalisierung beider Unternehmen derzeit deutlich geringer ist, als das bilanzierte Eigenkapital. Eine Situation, die nicht allzu oft auftritt und zeigt, wie pessimistisch der Markt die Zukunftsaussichten der beiden Energieriesen einstuft.

Auch diese Runde geht an RWE, die nun mit 3:2 in Führung liegt.

Runde 6: Die Dividendenrendite

Die Aktien von RWE und E.ON galten jahrelang als zuverlässige Dividendenzahler. Mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten mussten allerdings auch die Dividendenzahlungen gekürzt werden.

Durch die deutlichen Kursrückgänge sind die Dividendenrenditen derzeit trotzdem deutlich über dem Durchschnitt. Behält RWE die Zahlung aus dem Jahr 2014 bei, so können sich Investoren über 1,00 EUR pro Aktie freuen. Das ergibt eine Dividendenrendite von über 8 %. Selbst bei einer Reduktion der Dividendenzahlung auf 0,80 EUR winken immer noch 7 %.

E.ON schüttete für das letzte Geschäftsjahr 0,50 EUR pro Aktie aus. Bei gleichbleibender Zahlung für das Geschäftsjahr 2015 entspricht das einer Dividendenrendite von 5,7 %.

Also geht auch die letzte Runde klar an RWE.

And the winner is …

… RWE! In vier von sechs Runden konnte sich RWE gegen E.ON durchsetzen. Allerdings solltest du noch mal einen genauen Blick darauf werfen, in welchen Runden RWE den Sieg eingefahren hat.

In der ersten Halbzeit, in der es darum ging festzustellen, welches Unternehmen derzeit das bessere ist, gingen zwei von drei Runden an E.ON. Erst als es um die aktuelle Bewertung ging konnte RWE aufholen.

Die Frage, die sich Foolishe Investoren also meiner Meinung nach stellen müssen ist: Welchen Aufschlag möchte ich bei E.ON im Vergleich zu RWE bezahlen, um dafür Aktien des potentiell besseren Unternehmens zu besitzen?

Derzeit beträgt der Bewertungsunterschied beim KGV ganze 40 %.  Meiner Meinung nach ziemlich viel. Allerdings bin ich noch immer der Auffassung, dass man die nächsten Quartale abwarten sollte, bevor man in eines der Unternehmen investiert.

Mitte November veröffentlichen beide Unternehmen die Ergebnisse zum dritten Quartal. Die dort präsentierten Zahlen sollten weiteren Aufschluss darüber geben, welcher der beiden Energieriesen es eher aus der Krise schaffen wird.

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Sven besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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