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Was ich von Glencore über das Investieren gelernt habe

Foto: Pixabay, wilhei

Ich schreibe jetzt sein 2010 für Motley Fool. Obwohl Glencore (WKN:A1JAGV) im FTSE 100 ist, erinnere ich mich nicht, jemals vor 2015 über das Unternehmen geschrieben zu haben. Und ich bin mir sogar noch sicherer, dass ich zum ersten Mal im Juli etwas Positives über Glencore zu schreiben hatte.

Aber warum habe ich nie über Glencore geschrieben? Das ist das, was ich von Glencore im Lauf der letzten Monate gelernt habe. Aber bevor wir dazu kommen, warum habe ich überhaupt angefangen, mich für Glencore zu interessieren?

Ende Juli stand der Kurs mehr als 60 % unter dem Preis von 530p beim Börsengang 2011. Das wäre ein Gewinn von 150 %, sollte der Kurs wieder auf das einstige Hoch zurückkehren. Die Dividende lag bei saftigen 5,5 % und bei diesen Zahlen und der Tatsache, dass der Minensektor nicht gerade beliebt war, war Glencore zumindest einen Blick wert.

Eine sehr positive Sache, die ich bei Glencore sah, war „ein eigentümerorientiertes Management, das mit den Aktionären komplett auf einer Linie” war.

Tatsächlich hielt der CEO einen Anteil von 8 %. Im Jahresbericht hatte Glencore seine Anleger an das Ziel erinnert, den freien Cashflow anzuheben und das überschüssige Kapital an die Aktionäre zurückzugeben. Darüber hinaus drückte der CEO auch seinen Optimismus aus: “Wir sehen der Zukunft mit Zuversicht entgegen.”
Ich überzeugt mich selbst, dass Glencore beim Preis von 220p eine gute Aktie wäre, um gegen den Markt zu investieren.

Der Kurs fiel weiter und dementsprechend waren die Halbjahreszahlen auch nicht gut. Aber der Vorstand zeigte sich zuversichtlich. Sie sprachen von “einer starken und flexiblen Bilanz mit 10,5 Milliarden USD an verfügbaren liquiden Mitteln zum Ende des Berichtszeitraums” und kündigten freudig eine Interimsdividende an, die “unsere Zuversicht in die Qualität des Betriebes, des Rohstoffmixes und in unser nachhaltiges Cashflowprofil widerspiegelt”. Der Finanzchef kaufte sofort 1 Million Aktien zum Preis von 173p.

Wenn ich schon dachte, Glencore wäre mit 220p gut bewertet, dann war es jetzt sogar noch besser. Die Zusicherungen, die starke Bilanz und Liquidität, der nachhaltige Cashflow, die Dividende und der große Kauf des Finanzchefs sind doch gute Argumente.

Aber weniger als drei Wochen später kündigte Glencore eine Kapitalbeschaffung, massive Schuldenreduzierung und Kapitalerhaltsmaßnahmen an (darunter auch die Aussetzung der Dividende) aufgrund von, wie CEO und Finanzchef verkniffen verkündeten, “aktuellem Eingreifen von Interessensvertretern.”

Die Aktie von Glencore schloss am letzten Freitag bei 95p, nachdem sie letzte Woche zwischenzeitlich sogar auf 67p gefallen war.

Der Kurs wird sich vielleicht erholen, vielleicht aber auch nicht. In jedem Fall handelt es sich um ein Unternehmen, das ich besser weiterhin ignoriert hätte. Warum? Der Grund geht darauf zurück, warum ich vor diesem Jahr niemals über Glencore berichtet hatte: Ich verstehe das Geschäft einfach nicht.

Du musst nur die Seite “What we do” von Glencore aufrufen und besonders die Seite “Marketing & Logistics” auf der Firmenwebsite ansehen, um zu verstehen, dass das Rohstoffgeschäft von Glencore riesig und komplex ist.
Glencores “einzigartiges Geschäftsmodell” bedeutet, dass selbst Profianalysten Probleme damit haben, Szenarien und ihre Wirkungen auszuarbeiten. Was geschieht bei Veränderungen bei den Rohstoffpreisen, Umlaufvermögen, Bestand und so weiter. Einige Analysten haben hier besonders düstere Prognosen gestellt. Die Vorstände von Glencore waren vielleicht bei den Halbjahreszahlen noch zuversichtlich, aber die Teilhaber waren nervös und haben auf radikale Schritte gedrängt, die dann auch ein paar Wochen später verkündet wurden.

Der fallende Kurs von Glencore hat mich vielleicht auf das Unternehmen aufmerksam gemacht, die Beteiligung des Vorstands und deren Zuversicht bei den Aktienkäufen waren absolut positive Signale. Aber ich hätte mich davon nicht ablenken lassen und zu meinen Grundsätzen stehen sollen: Bleib weg von Unternehmen, die du nicht verstehst. Immerhin hat mir dieser Grundsatz jahrelang gute Dienste geleistet.

Man muss ja auch nicht außergewöhnlich intelligent sein oder komplizierte Unternehmen kaufen, um langfristigen Wohlstand und finanzielle Sicherheit an der Börse aufzubauen.

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The Motley Fool besitzt keine der oben erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von G A Chester  auf Englisch verfasst und wurde am 5.10.2015 auf Fool.co.uk veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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