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Volkswagen AG: der aktuellste Bösewicht der internationalen Aktienmärkte

Quelle: Marcell Marra @ Flickr

Wenn ich die letzten zwei Wochen doch nur vergessen könnte, dann wäre der Abschlussartikel für unsere DAX-Serie viel einfacher.

Wie würde so ein Artikel vor „Diesel-Gate“ ausschauen?

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Volkswagen – vor dem Abgasskandal

Ich würde die Volkswagen AG (WKN:766403) kurz beschreiben:

  • gegründet in den 1930er Jahren als Prestigeprojekt der Nationalsozialisten
  • seit ein paar Monaten der #1 Autohersteller weltweit
  • mehr als 10 Millionen Fahrzeugen geliefert im Jahr 2014
  • das größte deutsche Unternehmen gemessen am Umsatz (EUR 202 Milliarden im Jahr 2014), an den Gewinnen (EUR 11,1 Milliarden) und der Mitarbeiterzahl (knapp 600,000 Mitarbeiter weltweit)
  • zwölf Marken (siehe Bild)
  • Umsatzaufteilung: PKWs 71 %, Nutzfahrzeuge 17 % und Finanzdienstleistungen (12 %)
Volkswagen brands

Volkswagen-Marken; Quelle: Jahresbericht 2014

Ich würde meine Meinung für und gegen eine Investition in die Firma äußern:

Was spricht für VW? Die günstige Bewertung: Der Aktienpreis ist seit dem Allzeithoch um 38 % gefallen und das für 2015 geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei sehr geringen 6,8. (Mann, hätte ich einen gehörigen Bock geschossen.)

Was spricht gegen eine Investition? Die starke Gefährdung durch die zyklische Industrie: VW als Massenhersteller ist mehr konjunkturabhängig als die anderen zwei deutschen Autohersteller Daimler und BMW. Gleichzeitig ist das Unternehmen auch mehr dem chinesischen Markt ausgesetzt: Über 50 % des Gewinns kommen aus China, und das Land wird wackeliger und wettbewerbsintensiver.

Und damit wäre die Sache erledigt – der Artikel ist fertig!

Leider lässt sich aber das Erdbeben der letzten zehn Tage nicht vergessen.

Der Skandal des Jahrzehnts

Volkswagen hat zugegeben, Abgaswerte in den Vereinigten Staaten mit einer verbotenen Software manipuliert zu haben. Was folgte ist einer der größten Skandale in der deutschen Wirtschaftsgeschichte und eine der größten Wertvernichtungen auf dem deutschen Aktienmarkt.

Weltweit sollen bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen sein. CEO Winterkorn ist zurückgetreten und es werden weitere Köpfe rollen. Staatsanwaltschaften in mehreren Ländern ermitteln gegen das Unternehmen und in Deutschland wurde eine Ermittlung gegen Winterkorn selbst angekündigt. Alleine in den USA droht eine mögliche Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar (16 Milliarden Euro).

Der Kurs der VW-Aktie ist natürlich zusammengebrochen: Die Aktie hat in den ersten zwei Tagen 31 % an Wert verloren, gestern (am 29.9.) lag der Kurs 41 % unter dem Kurs vor der Krise. Dieser Kursverlust entspricht einer Wertvernichtung von knapp 37 Milliarden Euro – das ist mehr als der Marktwert von Adidas, Henkel und Lufthansa. Nicht jeweils. Insgesamt.

Volkswagen leidet nicht alleine: Der Betrug wirft einen langen Schatten auf die deutsche Autoindustrie, sogar auf die gesamten deutschen Exportaussichten. Das Vertrauen ist zerbrochen. Sowohl BMW als auch Daimler haben alle ähnlichen Vorwürfe zurückgewiesen – ihre Aktienkurse sind dennoch ebenfalls stark (um 11 % bzw. 12 %) gefallen.

Anlagechance oder fallendes Messer?

Was bedeutet diese Ausnahmesituation für Investoren? Ist es eine Chance, die Aktien des weltweit größten Autoherstellers besonders günstig zu kaufen? Oder gibt es noch weitere Risiken, die den Aktienkurs weiter nach unten drücken können?

Schauen wir das mögliche Argument für eine Investition an: Bewertung. Wenn du gedacht hast, dass die Aktie vor zwei Wochen günstig bewertet war, habe ich gute Nachrichten für dich: Heute scheint die Aktie – mit einem für 2015 geschätzten KGV von 4,5 – noch billiger.  Es gibt einen Ausverkauf in Wolfsburg, oder?

Natürlich benutzt diese Kennzahl eine Gewinnannahme für das Jahr 2015, die sicher überholt ist. Das Unternehmen hat per Pressemitteilung angekündigt, dass – „zur Abdeckung notwendiger Service-Maßnahmen und weiterer Anstrengungen, um das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnenim dritten Quartal eine Rückstellung in der Größe von 6,5 Milliarden EUR ergebniswirksam aufgebaut wird. Als Vergleich hatte die Firma im Vorjahr ein Ergebnis vor Steuern von 14,8 Milliarden EUR. Die Rückstellung wird also die Profitabilität für 2015 deutlich reduzieren und damit wird sich das KGV 2015 erhöhen. 

Viel wichtiger sind die mittel- und langfristigen Folgen des Skandals:

  • Der Skandal könnte sich weiterentwickeln – hat Volkswagen noch weitere Leichen im Keller?
  • Wie hoch werden die eventuellen Strafen ausfallen und wie schwerwiegend werden die anderen personen- und unternehmensbezogenen Konsequenzen sein?
  • Das Vertrauen ist heute zerstört – aber wie werden die Kunden mittelfristig reagieren? Werden sie die VW-Marken in Massen verlassen oder werden sie weiterhin VW-Autos kaufen?
  • Wie sieht die Zukunft der Diesel-Fahrzeuge aus? Ist die Technologie langfristig verdorben?

All das sind Fragen, auf die wir die Antworten noch nicht kennen – sie könnten aber langfristige negative Auswirkungen auf Volkswagens Aktienpreis haben. Es ist also weder auszuschließen, dass der Aktienkurs weiter sinkt, noch, dass er tief unten bleibt.

Was sollte man also tun?

Eine Investition könnte heute sehr lukrativ sein, ist aber immer noch mit großem Risiko verbunden. Investiere nur, wenn du bereit bist, dieses Risiko einzugehen. Für die vorsichtigeren Investoren könnte sich ein „wait and see“-Ansatz empfehlen, damit die langfristigen Konsequenzen besser eingeschätzt werden können.

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Miklos Szekely besitzt Aktien von Daimler. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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