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5 Dinge, die du beachten musst, wenn die Fed die Zinsen anhebt

Foto: The Motley Fool

Die Finanzmärkte saßen wie auf glühenden Kohlen, als sie darauf warteten, ob die Fed die Zinsen das erste Mal nach der Krise anhebt. Allerdings entschied sich die Zentralbank dafür, nichts zu tun und die hohen Risiken und die Unsicherheit bei der weltweiten Wirtschaft als Begründung vorzuschieben. Es sieht nun so aus, als ob frühestens während des FOMC Meetings im Dezember eine Entscheidung über den Anstieg der Zinsen gefällt wird. Daher warten Investoren weiter. Diese haben nun mehr Zeit, über all die Dinge nachzudenken, die passieren könnten, wenn die Zinsen steigen. Wir haben unsere Analysten gebeten, fünf Dinge zu nennen, die du beachten solltest.

Alex Dumortier: Zwischen Chinas Wirtschaftsabschwung und den schwachen Rohstoffpreisen hatten es aufstrebende Märkte nicht leicht. Das ist auch auf dem Devisenmarkt sichtbar. Die Wechselkurse gegen den Dollar fallen auf Tiefststände seit 2002 (ein Beispiel ist der brasilianische Real).

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EEM Daten von YCharts

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Allerdings gibt es noch eine weitere Faktorenanalyse, die Ökonomen Sorgen bereitet: Die mögliche Wirkung der steigenden Zinsen in den USA.

Im September veröffentlichte die Weltbank einen 71-seitigen Bericht zu diesem Thema. Der Titel lautete „The Coming US Interest Rate Tightening Cycle: Smooth Sailing or Stormy Waters?” Auf Deutsch heißt das so viel wie: Der anstehende Zinsanstieg in den USA: leichte Brise oder stürmisches Wetter? Die Autoren werden sehr deutlich hinsichtlich des Worst-Case-Szenarios.

Die Volatilität des weltweiten Finanzmarktes könnte sich in manchen Entwicklungsmärkten in Kombination mit der zugrunde liegenden Schwäche zu einem Sturm entwickeln. Speziell sind dies jene Märkte, die ihre Aussichten aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise nach unten korrigieren müssen und mit beschränkten finanziellen Mitteln auskommen oder jene, die politische Unsicherheiten gegenüberstehen und potenziell anfällig sind, da das Wachstum schwach ist.

Aber das Normalszenario ist deutlich weniger besorgniserregend:

Die enger werdende Geldmenge passiert reibungslos, da sie bereits lange vorhergesehen wurde und sich schrittweise entwickelt.

Ich neige dazu, diesem Gedanken zuzustimmen und denke, dass die Zinserhöhung wie eine Spritze funktioniert: Die Vorstellung davon ist viel schlimmer als das Ereignis selbst (in der Tat haben viele Zentralbankleiter aufstrebender Märkte die Fed dazu gedrängt, die Zinsen anzuheben, und das lieber sofort als später, um die Unsicherheit zu beenden).

Die Risiken für aufstrebende Märkte sehen heute bedrohlich groß aus, aber sie könnten die langfristigen Möglichkeiten in diesem Prozess verdecken. Ich denke, die Wetten stehen gut, dass wir in einem Jahrzehnt zurückschauen und sehen, wie gut die Zeit damals war, um Aktien in aufstrebenden Märkten zu kaufen. Ich wäre nicht zu sehr überrascht, wenn sie in dieser Periode den S&P 500 übertreffen.

Sean Williams: Obwohl sich die meisten Ängste im Zuge eines Anstieges der Zinsen um den Immobilienmarkt drehen, glaube ich, dass die größere Sorge ein Stopp der Übernahmen und Fusionen ist, wenn die Zinsen steigen.

Übernahmen und Fusionen werden üblicherweise als positiv wahrgenommen, da sie bedeuten, dass die Unternehmen gewillt sind, zusätzliches Risiko auf sich zu nehmen, indem Sie einen Aufschlag für ein anderes Unternehmen zahlen. Der einzige logische Grund, dies zu tun, ist, wenn die Käufer einen positiven Blick auf die Zukunft haben und die Kombination der zwei Unternehmen zu einem verbesserten Gewinn führt. Im Biotechsektor haben wir bis Mitte August Übernahmen und Fusionen in Höhe von 271 Milliarden USD erlebt. Der Rekord lag bei 277 Milliarden USD … im ganzen Jahr! Dies zeigt, dass die Übernahmeaktivität extrem stark war.

Wenn die Zinsen jedoch steigen, könnte dies den Zugang zu billigem Geld einschränken, welches für den Abschluss dieser Deals verwendet wird. Manche Unternehmen haben ausreichend Barreserven, um trotzdem die Übernahme zu bezahlen oder sie können stattdessen Aktien ausgeben. Aber in den Fällen, in denen Unternehmen ihre Zukäufe durch Kredite finanzieren, könnten höhere Zinssätze den Kauf weniger rentabel machen.

Um es deutlich zu sagen, ich erwarte nicht, dass ein Anstieg um 0,25 Prozentpunkte gleich spürbare Auswirkungen auf den Fusions- und Übernahmemarkt haben wird. Aber wenn wir uns 100 oder 200 Basispunkte nach oben bewegen, könnten wir einen Rückgang der Übernahmeaktivitäten sehen. Für Branchen, die auf verlässliche Übernahmen angewiesen sind – Pharmariesen, Wasserunternehmen, 3D-Druck – könnte dies ein Problem sein.

Jason Hall: Ich denke, für die meisten von uns gibt es nur sehr wenig, worauf wir achten müssten. Ja, es wird einiges in der unmittelbaren Zeit danach passieren. Dies können fallende Anleihewerte sein, da neue Anleihen mehr Ertrag versprechen als alte. Es könnte auch eine Wirkung auf den Aktienmarkt haben, da Anleihen für Einkommensinvestoren wettbewerbsfähiger werden. Außer dem eingeschränkten Zugang zu Geld aus Anleihenfonds (lies dazu Dan Caplingers Beitrag weiter unten) gibt es nicht wirklich etwas, worüber wir uns Sorgen machen müssten.

Es ist fast sicher, dass die Fed die Zinsen in den kommenden Jahren langsam anheben wird, wenn die Wirtschaft vergleichsweise stark bleibt. Da die Zinsen heutzutage auf einem historischen Tiefststand sind, könnte die Wirtschaft diese Anhebung ohne größere Probleme im Auto- und Immobilienmarkt verkraften.

Sieh es so: Die 30-jährigen Hypothekenzinsen würden sich fast verdoppeln müssen, um das Niveau von 1990 zu erreichen. Um die Zeiten der Superinflation der 1980er zu erreichen, müssten sie sich sogar verdreifachen.

U.S. Real Interest Rate Daten von YCharts

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Die Zinsen sind seit 35 Jahren fast beständig gefallen. Es ist wahrscheinlich, dass sie nun beständig auf ein gewisses Niveau steigen. Die meisten von uns sollten nicht zu viel Aufmerksamkeit darauf verschwenden, da diese nur dann passieren wird, wenn der wirtschaftliche Ausblick stark bleibt.

Dan Caplinger: Wenn die Zinsen steigen, könnten Investoren zum ersten Mal erkennen, dass die Werte der Investmentfonds und börsengehandelte Anleihenfonds, in die sie investiert haben, fallen. Der Grund dafür ist, dass die Preise für bestehende Anleihen sinken, wenn die Zinsen steigen. Dies liegt daran, dass neu ausgegebene Anleihen höhere Zinsen versprechen als ältere Anleihen.

Wenn diese Verluste deutlich werden, ist es häufig zu spät für Normalinvestoren. Dies hält sie jedoch nicht davon ab, die Anleihen zu verkaufen, nachdem sie einen Preisrückgang hinnehmen mussten. Der dadurch entstehende Kaufdruck kann die Anleihenpreise weiter in die Tiefe schicken. Interessanterweise kann dies dem Aktienmarkt helfen. Dies gilt besonders dann, wenn Aktien in dieser Zeit besser als Anleihen laufen und Investoren nach Alternativen für ihre Anleihen suchen. Manchmal kommt diese Abwanderung in den Aktienmarkt jedoch zur ungünstigsten Zeit, sodass Investoren einen zweiten Verlust hinnehmen müssen, wenn eine Korrektur der Aktienpreise stattfindet.

Der bessere Weg ist zu akzeptieren, dass der Markt steigt und fällt, und eine akzeptable Aufteilung des Geldes auf Aktien, Anleihen und anderen Investitionsformen beizubehalten. Du wirst manchmal durch Rückgänge gehen müssen, aber du wirst so einige Fallen vermeiden, in die diejenigen tappen, die zwischen Aktien und Anleihen hin und her wechseln.

Adam Galas: Ich erwarte, dass steigende Zinsen die kurzfristigen Preise von Investitionen mit hohen Renditen, wie die von MLP, drücken. Dafür gibt es zwei Hauptgründe.

Der erst Grund ist, dass diese Investitionskategorie in den Jahren beliebt wurde, in denen die Zinsen bei fast null lagen. In dieser Zeit gingen die renditehungrigen Investoren auf die Jagd nach Anlagen mit höheren Gewinnen. Bei sich normalisierenden Zinsen wird die relative Nachfrage geringer und Geld könnte aus diesen Anlageformen fließen.

Der zweite Grund ist, dass MLP ein kapitalintensives Geschäft ist, da sie nur wenig mit dem eingenommenen Geld verdienen und stattdessen viel an ihre Investoren weitergeben. Dies bedeutet, dass sie den Kredit- und Eigenkapitalmarkt anzapfen müssen, um Kapital fürs Wachstum aufzubringen. Höhere Zinsen bedeuten daher höchstwahrscheinlich auch höhere Kosten und geringere Margen.

Bei den größeren und diversifizierteren Bluechips in diesem Bereich sind höhere Zinsen nicht unbedingt schlecht. Im April sagte Richard Kinder, Gründer und Vorstand von Kinder Morgan, dass niedrige Zinsen und eine Flut billigen Geldes der Fähigkeit seines Unternehmen schaden, attraktiv bepreiste Midstream-Anlagen von Ölunternehmen zu kaufen, die in Schwierigkeiten stecken.

Im Moment gibt es viel billiges Geld, besonders im Upstreambereich. Dank dieses Geldes werden Unternehmen gestützt, die ansonsten dringend Anlagen verkaufen müssten, an denen wir interessiert sind.

Der Vorstand CEO von Plains All American Pipeline Greg Armstrong erwähnte während einer Telefonkonferenz ebenfalls, dass Plains für 20 bis 30 attraktive Kaufziele geboten hatte, aber von Konkurrenten um 30 % bis 50 % überboten wurde, die Zugang zu viel billigem Geld haben.

Steigende Zinsen könnten daher nützlich sein, wenn der Wettbewerbsdruck besser geführte MLPs Wachstum während des Ölcrashs schneller wachsen lässt und zu besseren langfristigen Gewinnen für Einkommensinvestoren führt.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Kinder Morgan.

Dieser Artikel wurde von Alex Dumortier auf Englisch verfasst und am 27.09.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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