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24,7 Milliarden USD; Gilead plant doch etwas

Foto: The Motley Fool

Es gab viele Spekulationen, was Gilead Sciences (WKN:885823) mit 14,7 Milliarden USD in bar anfangen will. Zwar sind Übernahmegerüchte im Biotechsektor immer vorhanden, aber in letzter Zeit stand Gilead ziemlich im Rampenlicht der Gerüchte, dass es ein anderes Unternehmen kaufen will.

Das Unternehmen verdient Geld durch seine Hepatitis C-Mittel Harvoni und Sovaldi sowie durch seine HIV-Medikamente. Allein im letzten Quartal generierte das Unternehmen einen operativen Free Cashflow von 5,7 Milliarden USD. Die Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe machten nur 1,53 Milliarden USD aus.

Das Unternehmen hat gerade ein Schuldscheindarlehen mit dem Volumen von 10 Milliarden USD angekündigt. Damit hat Gilead 24,7 Milliarden USD an Munition, wenn du die Barreserven aus der Bilanz mit einrechnest. Was plant Gilead damit?

Die offizielle Geschichte

In der Pressemitteilung von Gilead stand:

Gilead beabsichtigt, die Einnahmen aus dem Angebot für allgemeine unternehmensbezogene Zwecke zu verwenden. Diese können die Rückzahlung von Schulden, Umlaufvermögen, die Zahlung von Dividenden und den Rückkauf von Aktien im Rahmen des genehmigten Aktienrückkaufprogramms umfassen.

Wenn Gilead Aktienrückkäufe mit seinem gesparten Geld geplant hätte, hätte ich argumentiert, dass dies eine gute Verwendung des Geldes ist. Das Unternehmen ist hinsichtlich des KGVs noch billig bewertet, wenn man es mit seinen Konkurrenten vergleicht.

5193d399b6d3fa67fdcbebc3b4cc9844Und auch die erwarteten KGVs:

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Gilead hat nun genug Geld, um die Aktien auf einen Schlag zurückzukaufen. Bisher hat es 900 Millionen USD von geplanten 15 Milliarden dafür ausgegeben, die der Vorstand im Februar für einen Zeitraum von 5 Jahren genehmigt hatte. Nun kann es die verbleibenden 14,1 Milliarden USD vier Jahre eher ausgeben und seine Aktien kaufen, solange sie noch günstig sind. Und danach wird es immer noch ein schönes Finanzpolster von mehr als 10 Milliarden USD haben.

Warum sollte aber Gilead 10 Milliarden USD mehr benötigen, um das zu tun? Es hat bereits mehr als 14,7 Milliarden USD am Ende des zweiten Quartals in den Büchern stehen. Das ist mehr als das verbleibende Aktienrückkaufprogramm. Historisch gesehen weißt das Unternehmen einen positiven Cashflow auf. Daher muss es eigentlich gar kein Geld horten, um das vierte Quartal zu überbrücken.

Jahr, Free Cashflow Q3
2014 3,9 Milliarden USD
2013 715,9 Millionen USD
2012 678,8 Millionen USD

Quelle: S&P Capital IQ. Berechnung des Autors. Es wurden die Investitionen vom operativen Cash Flow abgezogen.

Ich kann mir nur einen guten Grund vorstellen, warum Gilead all das Geld benötigt: Ich glaube, dass Gilead ein anderes Biotechunternehmen kauft.

Warum Übernahme?

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum jeder (inklusive mir) hofft, dass Gilead etwas kauft und daher vorsorglich seinen Geldbestand aufstockt. Gilead ist wirklich gut darin, andere Unternehmen zu kaufen. Das Management hat gute Arbeit geleistet, indem es zwei überragende Deals abgeschlossen hatte: Triangle Pharmaceuticals 2003 und Pharmasset 2012.

Der Kauf von Triangle für 464 Millionen USD brachte Gilead Emtricitabine, welches in den meisten seiner HIV-Cocktails eingesetzt wird. Der Kauf von Pharmasset für 11 Milliarden USD bescherte ihm Sovaldi, welches bereits 2014 zehn Milliarden USD einbrachte. Das war das erste Jahr am Markt. Sovaldi ist zudem Teil der Hepatitis C-Kombination Harvoni, welche 2015 mehr als zehn Milliarden USD an Umsatz einbringen wird.

Gilead könnte etwas zusätzliches Wachstum brauchen. Ein Grund, warum es so billig ist, ist, dass kaum eine Ausweitung des Portfolios erwartet wird. Laut einer Umfrage unter Analysten durch S&P Capital IQ erwarten Analysten, dass der Gewinn je Aktie von 11,63 USD im Jahre 2015 bis 2019 nur auf 13,12 USD ansteigt. Auch der Umsatz ist flach. (2015 31,4 Milliarden USD, 2019 31,8 Milliarden USD)

Obwohl man sich über die Zahlen streiten kann, denke ich, dass Gileads Pipeline noch mehr Wachstumspotenzial hat. Analysten schätzen, dass das vor Kurzem genehmigte Krebsmedikament Zydelig allein einen Spitzenumsatz von 1 Milliarde USD einfahren kann. Allerdings gibt es kaum Zweifel daran, dass das Wachstum langsamer wird nach den bombastischen Jahren nach der Genehmigung von Sovaldi und Harvoni. Es ist daher für Gilead sinnvoll, das Wachstum wieder anzufachen mit einer Übernahme, die die Pipeline füllt.

Leider hat uns das Unternehmen keinen Hinweis gegeben, wonach es sucht.

Göße oder nicht

Auf der Global Healthcare Conference von Morgan Stanley sagte der Analyst Matthew Harrison etwas Interessantes gegenüber dem Präsidenten und COO von Gilead John Milligan über die Größe von Gilead (dieses und andere Zitate gibt es hier).

Du hast eine Marktkapitalisierung, die ähnlich der großen Unternehmen wie Merck ist… und du hast 7.000 Beschäftigte, denke ich. Nimm Merck zum Beispiel, sie haben 77.000 Beschäftigte.

Die führt zu der Frage, ob Gilead intern auf die Größe von Merck wachsen will. Milligan hielt nicht hinterm Berg in seiner Erwiderung. „Ich hoffe, dass wir, solange ich lebe, niemals wie Merck hinsichtlich der Leute und der Prozesse aussehen werden.“

Dies war nicht nur eine geistreiche Bemerkung, sondern sie sagt uns auch viel über die geplante Zukaufstrategie von Gilead. Das Unternehmen möchte kein großes Pharmaunternehmen schlucken. Keine Fusion unter Gleichen, kein großer Deal. Gilead beabsichtigt, „jung und unternehmerisch zu bleichen und in der Lage, Entscheidungen unglaublich schnell zu treffen, wenn sich die Dinge ändern“ (Zitat von Milligan). Ich denke, dass du dies getrost glauben kannst.

Und es gibt noch mehr.

Welche Krankheitsarten?

Milligan wurde kürzlich auch gefragt, ob Gilead nur auf der Suche nach Unternehmen ist, die, wie bei der Übernahme von Triangle und Pharmasset, in einem Feld unterwegs sind, welches Gilead vertraut ist. Milligans Antwort darauf war interessant. „Im Sinne des Vorstandes, welcher von uns verlangt, offen zu sein, sage ich Nein.“ Aber dann kommentierte er seine Aussage mit der Bemerkung, dass es, wenn man sich in dem Krankheitsfeld bereits auskennt, „viel leichter ist“ und dem Unternehmen hilft, „zwischen verschiedenen Optionen zu unterscheiden, die man hat“.

Ich würde spekulieren, dass dies heißt, ja, wir würden gern in einem Krankheitsfeld zukaufen, in dem wir bereits sind. Dies ist auch sinnvoll. Man sollte ja auch jedes Auto Probe fahren, welches man kaufen will. Damit schränkt es aber die Möglichkeiten ein bisschen ein. Gileads Pipeline umfasst Medikamente, die Krebs, Entzündungen, Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislaufprobleme, HIV und Blutkrankheiten bekämpfen.

Milligang merkte Anfang des Jahres auf der Healthcare Conference von Goldman Sachs an, dass Gilead darauf hofft, etwas zu finden, welches das Portfolio zusammenschweißt.

Sowohl für Krebs als auch für Entzündungen haben wir kein Ecksteinmolekül wie bei Viread gegen HIV, welches von TAF als Eckstein von Sovaldi abgelöst werden soll. Soetwas haben wir im Moment nicht. Daher ist es genau das, wonach wir suchen. Und diese Dinge kommen entweder aus der Pipeline, wie ich erwähnt hatte, oder sie können durch eine Übernahme kommen, wenn wir ein solches Ecksteinmittel entdecken.

Was heißt das für uns?

Ich werde nicht spekulieren, ob Gilead plant, dieses oder jenes Unternehmen zu kaufen. Ich denke, es ist eine schlechte Investitionspraxis, Aktien eines Unternehmens zu kaufen, weil man vermutet, dass es von einem anderen Unternehmen übernommen wird. Außerdem gibt es ziemlich viele Möglichkeiten, wie Gilead von außen wachsen kann.

Wenn Gilead aber doch ein Unternehmen kauft (und ich denk, das wird früher oder später passieren), dann solltest du vollkommen ignorieren, wie sich der Aktienpreis entwickelt. Du solltest stattdessen stets im Blick haben, wie die langfristigen Aussichten für Gilead aussehen. Wenn die Geschichte ein Indikator für zukünftigen Erfolg ist, dann ist es ein schlechter Zug, gegen das Management zu wetten.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Gilead Sciences.

Dieser Artikel wurde von Michael Douglass auf Englisch verfasst und am 23.09.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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