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RWE AG: Mega-Schnäppchen oder zu schön, um wahr zu sein?

Foto: Wikimedia Commons

Heute besuchen wir bei unserer Tour durch die DAX-Landschaft das Ballungszentrum in Deutschland, den Ruhrpott. In Essen steht die Konzernzentrale des Energieversorgers RWE AG (WKN:703712).

Was das Unternehmen macht, welche Punkte Investoren zum Kauf der Aktien bewegen könnten und welche Punkte eher dafür sprechen, den Energieriesen derzeit nicht in das Depot zu holen, das erfährst du alles hier.

Was macht das Unternehmen

Die RWE AG ist ein sogenannter vertikal integrierter Energieversorger. Was sich ziemlich kompliziert anhört bedeutet eigentlich nur Folgendes: Die verschiedenen Gesellschaften des Konzerns sind in allen Stufen der Wertschöpfungskette aktiv. RWE-Gesellschaften kümmern sich also um die Erzeugung von Strom, den Stromhandel sowie um den Vertrieb und die Verteilung von Strom und Gas.

Laut Geschäftsbericht beschäftigt das Unternehmen insgesamt 60.000 Mitarbeiter und versorgt 16 Millionen Strom- und 7 Millionen Gaskunden innerhalb Europas. Im Geschäftsjahr 2014 wurde bei einem Umsatz von 48 Mrd. EUR ein betriebliches Ergebnis von rund 4 Mrd. EUR erzielt.

Knapp 50 % des operativen Ergebnisses wurden dabei in Deutschland mit dem Strom- und Gasvertrieb sowie dem Betrieb von Strom- und Gasverteilernetzen erwirtschaftet. Weitere 25 % wurden in der konventionellen Stromerzeugung (Energiegewinnung aus Kohle, Braunkohle, Gas und Kernenergie) verdient. Der Bereich Erneuerbare Energien konnte lediglich mit 5 % zum betrieblichen Ergebnis beitragen.

Attraktive Bewertung könnte eine einmalige Chance darstellen

Lösen wir uns einmal von der emotionalen Debatte, die man gerne führt, wenn es um Energieversorger in Deutschland geht und schauen uns ohne jegliche Emotionen die fundamentalen Daten im Vergleich zum aktuellen Kurs an.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis: Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis wird der aktuelle Kurs durch das derzeitige oder erwartete Ergebnis pro Aktie geteilt. Aktuell (Schlusskurs am 23.09.2015) steht der Kurs der RWE-Aktie bei 10,03 EUR. Das Ergebnis pro Aktie und das sich daraus ergebende KGV seht ihr in der unten stehenden Tabelle.

2014 2015e 2016e 2017e
Ergebnis je Aktie 2,77 EUR 2,92 EUR 1,51 EUR 1,66 EUR
KGV 3,6 3,4 6,6 6,0

Quelle: Geschäftsbericht 2014 und Analystenkonsens auf der Unternehmenshomepage

Die Dividendenrendite: Da hier die erwartete Dividende in das Verhältnis zum aktuellen Kurs gesetzt wird, ist die Dividendenrendite meiner Meinung nach ebenfalls eine geeignete Kennzahl dafür, ob eine Aktie derzeit teuer oder günstig zu haben ist. Auch hier schauen wir uns wieder den Analystenkonsens für die folgenden Jahre an:

2015e 2016e 2017e
Dividende pro Aktie 0,95 EUR 0,85 EUR 0,90 EUR
Dividendenrendite 9,5 % 8,5 % 9,0 %

Quelle: Analystenkonsens auf der Unternehmenshomepage

Woohoooo, was für ein Schnäppchen! Oder doch nicht?!

Wie so oft gibt es auch in diesem Fall keine 10 % Dividendenrendite und mögliche Kurssteigerungen ohne jegliches Risiko. Also bevor du in Euphorie verfällst und massenweise RWE-Aktien kaufst, solltest du unbedingt lesen, was derzeit absolut gegen ein Investment spricht.

Unsichere Zukunft spricht gegen einen Kauf

Die genannten Zahlen sehen zwar äußerst vielversprechend aus. Allerdings spiegeln diese Zahlen auch die enormen Unsicherheiten und die hohen Risiken bei einem Investment in RWE-Aktien wider.

Der Energiemarkt verändert sich rasant. Im Jahr 2010, als das Ergebnis pro Aktie noch bei über 5 EUR (bereinigt um die Kapitalmaßnahmen) stand, ahnten wohl die wenigsten, dass RWE im Jahr 2013 das erste Mal in seiner Geschichte einen Verlust berichten wird.

Und auch jetzt ist die künftige Entwicklung schwer zu prognostizieren. Der Anstieg der dezentralen Energieerzeugungsanlagen hat das Geschäftsmodell der großen Energieversorger maßgeblich beeinflusst.

Schaut man auf der Homepage von RWE unter Innovationen, so lassen Schlagworte wie Smart Home, Smart Grid, Smart Metering, Batteriespeicher, Elektromobilität, Power-to-Gas, virtuelle Kraftwerke und dergleichen mehr darauf schließen, dass auch die Zukunft noch viele weitere Veränderungen bereithalten wird.

Und noch ein weiteres Thema sollte man beachten, bevor man sich für einen Kauf von RWE-Aktien entscheidet. Für die Entsorgungsverpflichtung des Atommülls und der Rückbauverpflichtung für die Kernkraftwerke hat RWE zwar Rückstellungen gebildet, ob diese Rückstellungen allerdings ausreichen werden, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

Chancen und Risiken halten sich die Waage

Der attraktiven Bewertung stehen derzeit recht große Unsicherheiten gegenüber. Allerdings bin ich der Meinung, dass RWE durchaus die Stärke haben kann, die künftigen Herausforderungen zu meistern.

Für meinen persönlichen Geschmack ist das Risiko derzeit etwas zu groß. Allerdings denke ich, dass die nächsten Quartalsberichte zeigen werden, wohin die Reise gehen wird. Sollte sich der Kurs dann immer noch in der aktuellen Region bewegen, dann werde auch ich mir überlegen, zu diesen Schnäppchenpreisen zuzuschlagen.

Für risikobereitere Investoren könnte der derzeitige Kurs aber tatsächlich ein Mega-Schnäppchen darstellen – allerdings nicht ohne die beschriebenen Unsicherheiten und Risiken.

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Sven besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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