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Sind die Pharmariesen hoffnungslos überbewertet?

Foto: Pixabay, stevepb

Beim Investieren in Medikamentenentwickler gibt es praktisch nur die großen Pharmaunternehmen und den Rest. Nur eines von zehn Medikamenten ist rentabel. Das heißt, die meisten Medikamentenhersteller verlieren Geld, während sie ihr Produktportfolio ausbauen.

Die restliche Gruppe rentabler Medikamentenentwickler ist gleichermaßen in große Pharmaunternehmen und Bluechip-Biotechnologieaktien geteilt. Obwohl es keine genaue Trennung zwischen Pharmaunternehmen und Biotechnologieunternehmen gibt, werden Unternehmen mit geringerer Produktportfoliotiefe, schmalerer Pipeline und geringerer Diversifizierung als Biotechnologieunternehmen angesehen.

Aber was, wenn Diversifizierung nicht genug ist?

Sind die Pharmariesen hoffnungslos überbewertet?

Ein kurzer Blick auf die Bewertungen der großen Pharmaunternehmen zeigt ein ängstigendes Ergebnis. Sie könnten durch die Bank weg überbewertet sein. Wie komme ich zu diesem Schluss? Indem ich mir die PEG-Kennzahlen (Preis-Gewinn-Wachstum) dieser Branche anschaue.

Ein PEG-Verhältnis untersucht das KGV eines Unternehmens im Vergleich zu dessen Wachstumsaussicht. Ein Unternehmen mit einem KGV von 20 und einem geschätzten jährlichen Wachstum von 10 % hätte ein PEG-Verhältnis von 2 (20 geteilt durch 10). Im Allgemeinen ist ein PEG-Verhältnis von zwei attraktiv und vielleicht sogar preiswert. Alles unter zwei könnte überbewertet sein. In anderen Worten könnte ein PEG-Verhältnis von unter zwei bedeuten, dass Investoren zu viel für das anstehende Wachstum bezahlen.

Hier sind ein paar PEG-Verhältnisse der großen Pharmaunternehmen:

Unternehmen PEG-Verhältnis
Eli Lilly 4,21
Pfizer (WKN:852009) 4,18
Merck 2,26
Novartis 3,44
Johnson & Johnson (WKN:853260) 3,43
Bristol-Myers Squibb (WKN:850501) 2,83
Sanofi 2,8
AbbVie 2,7
AstraZeneca (WKN:886455) 27,92
Novo-Nordisk 1,94
Teva Pharmaceutical 2,44
GlaxoSmithKline 0,79
Shire 1,07
Roche 3,27

Quelle: Finviz.

Abgesehen von ein paar wenigen Ausnahmen zeigen diese PEG-Verhältnisse, dass Investoren einen ziemlichen Aufschlag für Aktien der großen Pharmaunternehmen zahlen.

Warum sind Investoren bereit, mehr für große Pharmaunternehmen zu zahlen?

Bist du neugierig, warum Investoren bereit sind, einen solchen Aufschlag für große Pharmaaktien zu zahlen? Ich bin der Meinung, dass dafür drei Faktoren wesentlich sind.

Investoren sind bereit, ihre Augen zu schließen, wenn sie eine Dividendenrendite erhalten, die über dem Durchschnitt des S&P 500 liegt. Ein Vorteil eines etablierten Produktportfolios ist, dass große Pharmaunternehmen Milliarden an Cashflow generieren können. Um die langsameren Wachstumsraten auszugleichen, die durch Verluste der Exklusivität von Verkaufsschlagern in den letzten Jahren hervorgerufen wurden, haben diese Unternehmen verstanden, dass man den Investoren Anreize bieten muss, um den Aktienpreis zu stützen.

Quelle: Pfizer

Quelle: Pfizer

Nimm AstraZeneca als anschauliches Beispiel. Das in Großbritannien ansässige Pharmaunternehmen verlor den Patentschutz für sein Verkaufsschlagermedikament vor ein paar Jahren. Seitdem hat es damit zu kämpfen, das Schiff über Wasser zu halten. AstraZenecas Umsatz ist seit 2011 von 33,6 Milliarden USD auf 26,1 Milliarden in 2014 gefallen. Trotz der schwachen kurzfristigen Wachstumsaussichten unterstützen die Investoren die Bewertung von 85 Milliarden USD. Warum? Weil es seine halbjährliche Dividende seit drei Jahren aufrechterhalten hat. Mit einer gegenwärtigen Rendite von 4,2 % liegt AstraZeneca praktisch doppelt so hoch wie der S&P 500-Durchschnitt.

Zweitens glauben Investoren wahrscheinlich, dass sich das Wachstum für diese Giganten wieder beschleunigen wird. Auch wenn es mehr als drei oder fünf Jahre dauern wird. Denke daran, dass Medikamente ein unelastisches Produkt sind, da Leute nicht steuern können, wann sie krank werden. Das heißt, Medikamentenhersteller haben eine starke Preissetzungsmacht unabhängig der wirtschaftlichen Lage. Es hilft außerdem, dass Versicherer die Kosten für ein möglicherweise lebensrettendes Medikament übernehmen.

Quelle: Bristol-Myers Squibb

Quelle: Bristol-Myers Squibb

Ein weiterer anschaulicher Fall ist Brisotl-Meyrs Squibb. Bristol-Meyrs Squibb brachte Opdivo heraus. Das ist eine spezielle Immuntherapie gegen Krebs, die sich auf fortgeschrittene Melanome konzentriert und größeren Lungenkrebs. Opdivo ist so gestaltet, dass es dem Immunsystem hilft, die Krebszellen besser aufzuspüren und zu zerstören. Allerdings kostet diese Spezialisierung 143.000 USD pro Jahr. Teure und sehr spezialisierte Therapien wie diese helfen dabei, das langfristige Wachstum zu sichern. Dies könnte auch ein Grund sein, warum Investoren gewillt sind, einen Aufschlag für die Aktien in diesem Sektor zu bezahlen. Wenn Bristol-Meyrs Aktionäre glauben, dass Opdivo ein Potenzial von mehreren Milliarden USD hat, dann gibt es keinen Grund, die Aktie nicht zu kaufen, auch wenn sie ein PEG-Verhältnis von 2,8 hat.

Der letzte Grund, warum Investoren bei Pharmaunternehmen spendabel sind, könnte die Tatsache sein, dass es hohe Markteintrittsbarrieren gibt. Du findest eine Menge Konkurrenz bei chronischen Krankheiten, aber die hohen Kosten der Medikamentenentwicklung erlauben es nur einer Handvoll Unternehmen, ihr Portfolio stark zu diversifizieren. Das heißt, dass der Cashflow der Pharmariesen gut geschützt ist.

Solltest du dir über die Bewertungen der Pharmariesen Sorgen machen?

Nun zur 64.000 Euro-Frage: Hinsichtlich traditioneller Fundamentalwerte sind Pharmariesen deutlich überbewertet. Aber kann ein Investor trotzdem in dieser Branche Geld verdienen?

Ich glaube, wenn du selektiv handelst (du kannst nicht einfach blind ein Unternehmen auswählen und auf einen Gewinn hoffen) und einen langfristigen Ansatz wählst, gibt es keinen Grund, die gegenwärtigen Bewertungen der Pharmariesen nur negativ zu sehen.

Quelle: Johnson & Johnson

Quelle: Johnson & Johnson

Ein persönlicher Favorit in dieser Branche ist das Konglomerat Johnson & Johnson. J&J hat mehrfach unter Beweis gestellt, dass es mit allen Mitteln wächst. Zwischen 2009 und 2014 entwickelte es 14 neue Moleküle, die in den Apotheken landeten. Davon wurde die Hälfte zum Verkaufsschlager mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde USD. Zwischen 2015 und 2019 erwartet es, dass zehn neue Therapien zur Zulassung eingereicht werden. Von diesen glaubt es, dass sie mehr als 1 Milliarde USD erwirtschaften könnten.

Johnson & Johnson kann auch durch Zukäufe oder Partnerschaften wachsen, wenn es notwendig ist. Seine Partnerschaft mit Pharmacyclics bringt einen deutlichen Umsatz und Gewinnstrom durch das Blutkrebsmittel Imbruvica. Die Zusammenarbeit mit Geron bei Imetelstat könnte eine erstklassige Behandlung für Patienten mit Markfibrose sein. J&Js Historie von 53 Jahren Dividendenwachstum, das AAA-Kreditrating und die seit 31 Jahren wachsenden Gewinne pro Aktie sollten auch nicht vernachlässigt werden.

Was sehe ich mit gemischten Gefühlen? Pfizer wäre ein Pharmariese, den ich mit Vorsicht genießen würde.

Obwohl Pfizer offiziell die Patentklippe umschifft hat und seinen Umsatz seit drei Quartalen in Folge steigern konnte, wird sein Gewinn je Aktie hauptsächlich durch Aktienrückkäufe und Kostenreduktionen stabilisiert. Es ist nichts Schlimmes daran, die Rendite für Shareholder durch Aktienrückkäufe und Dividenden zu erhöhen oder durch die Steigerung der Effizienz. Aber Pfizer ist fast schon verzweifelt, Wachstum durch Übernahmen zu generieren. Das macht mir Sorgen. Ibrance sollte eine treibende Kraft bei der Krebsbehandlung werden, die einige der eingebüßten Patente ausgleicht. Aber nach Ibrance könnte es noch drei oder mehr Jahre dauern, bis Pfizer wirklich den Wachstumsmotor anwirft und Fahrt aufnimmt. Mit einem PEG-Verhältnis von 4,2 sieht die Aktie zudem sehr günstig aus.

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The Motley Fool empfiehlt Johnson & Johnson und Teva Pharmaceutical Industries.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 20.09.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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