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Es scheint keinen leichten Weg für GlaxoSmithKline und Theravance zu geben

Foto: Pixabay, SplitShire

Das in Großbritannien ansässige Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (WKN:940561) sitzt in der Klemme. Während viele seiner Konkurrenten die Patentklippe umschifft haben und nun ihre Umsätze wieder steigern, steht Glaxo direkt davor.

GlaxoSmithKline setzt auf seine neuen Atemwegsprodukte

GlaxoSmithKlines Flaggschiff ist Advair, welches außerhalb der USA auch als Seretide bekannt ist. Es ist eine Behandlung, die eingeatmet werden muss, um COPD und Asthma zu behandeln. Bereits vor Jahren hat das Mittel seinen Patentschutz verloren.

Allerdings gibt es bis heute kein Generikum auf dem Markt, da die Food and Drug Administration bis Ende 2013 gebraucht hat, die Anforderungen an die Generika aufzustellen. Jedoch stehen die Generikaentwickler in den Startlöchern und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Nachahmerprodukte auch in den USA verfügbar sind. Glaxos Umsatz dürfte dann auf Tauchfahrt gehen. Laut Management soll dann der Umsatz von jetzt 6 Milliarden USD bis 2020 auf dann 3 Milliarden USD sinken. Bis vor Kurzem war das Mittel noch eine 8 Milliarden USD-Therapie.

Quelle: GlaxoSmithKline

Quelle: GlaxoSmithKline

GlaxoSmithKlines Antwort? Vier neue Langzeitmittel zum Inhalieren, die in Zusammenarbeit mit Theravance (WKN:A0B68W) entwickelt wurden. Diese sind für Patienten mit COPD und Asthma gedacht. Die Namen der Mittel sind Breo Ellipta, Anoro Ellipta, Incruse Ellipta und Arnuity Ellipta. Laut dem Management von GlaxoSmithKline sollen diese Behandlungen zusammen mit anderen Komponenten der Pipeline die Eckpfeiler seiner Strategie bilden, mit der es bis 2020 fast 10 Milliarden USD Umsatz erwirtschaften will. Damit soll das verlorene Advair ausgeglichen werden.

In mancher Hinsicht haben GlaxoSmithKline und Theravance alles richtig gemacht. Alle vier ihrer neuen langfristigen Behandlungen wurden von der FDA genehmigt. Dies gibt Hoffnung, dass eine erfolgreiche Markteinführung den Weg zum Erfolg ebnet. Allerdings scheint weder die Markteinführung noch die SUMMIT-Studie einen einfachen Weg für beide Unternehmen aufzuzeigen.

Glaxo und Theravance straucheln nach der SUMMIT-Studie

Das größere Problem (zumindest für Theravance) ist das Scheitern von Breo Ellipte in der SUMMIT-Studie. Die Studie untersuchte Breo bei COPD-Patienten, die eine eingeschränkte Luftzufuhr haben und unter einer Herzkreislauferkrankung oder dem Risiko dafür leiden. Sie soll klären, ob die Inhalation das Sterberisiko senken kann. Die Studie ist wichtig, um herauszufinden, ob Breo einen möglichen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten bietet, und ist damit ein wichtiges Verkaufsargument.

An der Studie haben 16.500 Versuchsteilnehmer auf der ganzen Welt teilgenommen. Sie wies bei Patienten, die Breo verabreicht bekamen, eine um 12,2 % geringere Sterblichkeit auf. Dieses Ergebnis war nicht signifikant und mit einem recht hohen p-Wert von 0,137 könnte das Ergebnis auch reiner Zufall gewesen sein. Das heißt im Klartext, dass Breo laut dieser Studie das Leben der Patienten nicht verlängert.

Für GlaxoSmithKline sind das keine guten Neuigkeiten, welches Möglichkeiten finden muss, um den verloren gegangenen Umsatz von Advair auszugleichen. Aber zumindest hat GlaxoSmithKline ein etwas diversifiziertes Portfolio an Produkten. Dazu gehört auch die große Impfsparte.

Quelle: Centers for Disease Control and Prevention

Quelle: Centers for Disease Control and Prevention

Theravance hingegen ist in keiner so komfortablen Situation, da es bisher keine weiteren Therapien hat, die von der FDA genehmigt wurden. Beide Unternehmen haben sich auf die positiven Ergebnisse der SUMMIT-Studie verlassen (das gleiche gilt für Börsenanalysten), um Verschreibungen von Breo zu fördern. Diese waren in letzter Zeit ziemlich schlecht, da es teurer ist und somit viele Versicherungen die Kosten nicht übernehmen wollen. Das ist besonders in der EU ein Problem. Aber das Scheitern trifft besonders Theravance hart, da es ein undiversifiziertes Produktportfolio hat.

Darüber hinaus gibt es noch mehr, worüber sich Theravance Sorgen machen sollte. Das Unternehmen nahm einen Kredit in Höhe von 450 Millionen USD auf, um seinen Aktionären eine Dividende in Höhe von 0,25 USD pro Quartal zu zahlen und seine Unternehmensaktivitäten zu finanzieren. Das Managementteam war der Meinung, dass sein Umsatzanteil von Breo und den anderen Atemwegsbehandlungen aus der Kooperation mit Glaxo ausreicht, um die Dividende zu zahlen. Jetzt ist klar, es hat nicht funktioniert.

Trotz des Gewinns von 10,7 Millionen USD aus Lizenzgebühren im zweiten Quartal 2015 und einem operativen Gewinn von 5,1 Millionen USD muss Theravance einen Verlust von 7,8 Millionen USD hinnehmen, wenn man die Zinsen in Höhe von 13 Millionen USD für das Quartal abzieht. In den letzten zwei Quartalen schmolzen die Geld- und geldnahen Reserven um 54 Millionen USD auf 229,3 Millionen USD. Dem gegenüber stehen 700 Millionen USD an Verbindlichkeiten.

Schlechte Marktstarts sind auch ein großes Problem

Wir können jedoch nicht die ganze Schuld der gescheiteren SUMMIT-Studie geben. Breo und Anoro haben sich seit Beginn an nicht gut verkauft. Allerdings half eine Kampagne, die darauf zielte Versicherer zu überzeugen, Breo zu bezahlen. Außerdem wurden Ärzte geschult, Breo zu verschreiben. Das hat den Umsatz in beiden Quartalen deutlich wachsen lassen.

Für Breo und jede der von GlaxoSmithKline und Theravance entwickelten Therapien könnte es schwierig werden, Fahrt aufzunehmen. Dies liegt daran, dass Ärzte immer noch alte Therapien gewohnt sind, die seit Jahren funktionieren (und häufig Advair/ Seretide oder Spiriva enthalten). Diese sind außerdem billiger als Breo, welches nicht einmal einen statistischen Vorteil bei Patienten mit Herzkreislaufrisiken bietet.

Quelle: GlaxoSmithKline via Flickr

Quelle: GlaxoSmithKline via Flickr

Bedeutet dies, dass Breao, Anoro, Incruse und Arnuity zum Untergang verurteilt sind? Nicht unbedingt, aber es heißt sicher, dass es deutlich schwieriger wird, diese Mittel in Verkaufsschlager zu verwandeln.

Da Breo keinen Überlebensvorteil bietet, könnte Glaxo gezwungen sein, das Marketing in den USA und der EU aggressiver zu gestalten. Es hilft auch nicht, dass Glaxo die Preise für Advair senkt, um es wettbewerbsfähig zu halten.

Können GlaxoSmithKline und Theravance erfolgreich sein?

Die große Frage, die dir wahrscheinlich im Kopf rumgeht, ist, ob GlaxoSmithKline und Therevance auf lange Sicht erfolgreich ein können. Hier sehe ich die Wege auseinandergehen.

GlaxoSmithKlines guter Cashflow und seine Diversifizierung verschaffen ihm Zeit, Patienten und Ärzte auf Breo und seine anderen neuen Medikamente umzustellen. Wenn Glaxo dazu gezwungen ist, kann es seine Marketinganstrengungen hochfahren und aggressiv werden. GlaxoSmithKline könnte ein paar Auswirkungen auf seinen Aktienpreis zu spüren bekommen, wenn die Markteinführungen schwach verlaufen, anstatt in den Himmel schießen – und auch wenn Überlebensstudien nicht die Erwartungen erfüllen. Das Überleben des Unternehmens ist jedoch nicht gefährdet und es wird wahrscheinlich in naher Zukunft profitabel bleiben.

Therevance macht mir aber ernsthaft Sorgen. Seit der Markteinführung sind zwei Jahre vergangen und das Unternehmen verliert immer noch Geld. Nicht nur das, es ist auch noch hoch verschuldet, nachdem es seine Dividende mit Geld finanziert hat, welches es noch gar nicht verdient hat. Selbst wenn sich Breo verbessern sollte, habe ich Probleme zu erkennen, wie Theravance seine enormen Schulden bewältigen will. Meiner Meinung nach ist Theravance ein Unternehmen, welches du lieber meiden solltest.

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The Motley Fool hält keine der oben erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 16.09.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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