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GlaxoSmithKline füllt sich dank Novartis erneut die Taschen

Foto: Pixabay, jarmoluk

Für viele Big Pharmas ist das Schlimmste der Patentklippe überstanden. In den letzten Jahren haben viele schwergewichtige Medikamente wie der Cholisterinsenker Lipitor und die Asthmatherapie Singulair ihre Exklusivität eingebüßt und mussten deutliche Umsatzeinbußen aufgrund des Wettbewerbs durch Generika hinnehmen.

Aber für manche großen Pharmaunternehmen wie GlaxoSmithKline (WKN:940561) geht der Schmerz erst richtig los.

GlaxoSmithKline im Patentschmerz

GlaxoSmithKlines Verkaufsschlager ist Advair (außerhalb der USA ist es als Seretide bekannt). Es wird gegen COPD und Asthma eingesetzt und ist eine langfristige Therapie. Das Medikament verlor eigentlich schon vor Jahren sein Patent, aber die FDA nahm sich Zeit, die Anforderungen für Generikahersteller festzulegen, die für die Genehmigung notwendig sind. Dadurch werden die ersten Generika erst in den kommenden ein bis drei Jahren erwartet. In der letzten Telefonkonferenz gab GSK bekannt, dass die Umsätze von Advair/ Seretide von einst 8 Milliarden USA auf 3 Milliarden in 2020 fallen werden. 2014 lagen die Umsätze bei 6 Milliarden USD.

Als Reaktion auf die sinkenden Umsätze hat GlaxoSmithKline seine Anstrengungen auf neue COPD/Asthma-Produkte gelenkt. Diese heißen: Breo Ellipta, Anoro Ellipta, Arnuity Ellipta und Incruse Ellipta. Außerdem wird das Unternehmen neu organisiert.

GlaxoSmithKline und Novartis tun sich für eine Transformation zusammen

Für Glaxo war 2014 ein wahrhaft transformatives Jahr. Das Unternehmen tat sich mit Novartis (WKN:904278) zusammen und tauschte im großen Stil Medikamente aus, die die Zukunft beider Unternehmen neu ordnen. Novartis kaufte das Onkologieportfolio für 16 Milliarden USD, GlaxoSmithKline hingegen kaufte die Impfsparte von Novartis für 7,2 Milliarden USD. Außerdem gründeten beide ein Joint Venture, um ihre Konsumentenprodukte zu vermarkten.

Quelle: Novartis

Quelle: Novartis

Novartis erhielt dadurch eine Wachstumsspritze, da die Krebsmedikamente in den kommenden Jahren deutliche Einnahmen erzielen sollen. Nachdem die weltweiten Umsätze für Krebsmedikamente die 100 Milliarden USD überstiegen hatten, schätzt IMS Health, dass die Zahl bis 2018 noch auf 117 bis 147 Milliarden USD steigen könnte. Außerdem sollte das Joint Venture zu Kosteneinsparungen durch die Beendigung redundanter Aufgaben führen. Durch die Größe des gemeinsamen Unternehmens könnte auch die Preissetzungsmacht deutlich steigen.

Für GlaxoSmithKline hat der Deal zwei Ziele. Zuerst bewegt sich das Unternehmen in Richtung Impfungen, da es nun der größte Impfanbieter der Welt ist. Impfumsätze können von Zeit zu Zeit etwas schleppend sein, da sie manchmal von Regierungen und Virenepidemien abhängen. Die Ausweitung des Impfportfolios könnte diese Schwankungen jedoch glätten.

Neben den Synergien durch das Joint Venture hat das Geschäft eine ganze Menge Geld in GSKs Taschen gespült. Aufgrund des Deals verzeichnete das Unternehmen einmalige Gewinne in Höhe von 14,6 Milliarden USD im ersten Quartal 2015. Das Geld könnte die Transformation beflügeln, wenn es in die Forschung und Entwicklung, eine Übernahme oder Aktienrückkäufe gesteckt wird. Zudem könnte auch eine Dividende dadurch finanziert werden, wenn die Einnahmen durch Advair wegbrechen.

Allerdings war es nicht das letzte Mal, dass die beiden Pharmariesen zusammen Geschäfte machen.

Quelle: Novartis

Quelle: Novartis

Novartis geht erneut auf Einkaufstour

Letzte Woche ging Novartis erneut auf Einkaufstour und GlaxoSmithKline war mehr als froh, das Geld von Novartis zu nehmen. Dieses Mal kaufte Novartis die Rechte an Ofatumumab, welches auch als Arzerra (Arzerra wurde in Zusammenarbeit mit Genmab entwickelt, welches immer noch Lizenzgebühren aus den Verkäufen erhält.) bekannt ist.

Arzerra wurde letztes Jahr durch die FDA zugelassen zur Behandlung von chronischer Lymphatischer Leukämie. Es soll zusammen mit Chlorabucil bei Neupatienten angewendet werden, die nicht für die Therapie mit Fludarabin infrage kommen. Arzerra wurde eigentlich schon 2009 zugelassen. Aber damals für Patienten, die auf die Therapie mit Fludarabin und Alemtuzumab nicht ansprachen.

Obwohl du richtig liegst, wenn du denkst, dass Novartis diese Diagnosen für Arzerra von GlaxoSmithKline mit dem Erwerb der Krebssparte erhalten hat, hat es damit nicht die Anwendungen im Nicht-Krebsbereich erworben. Daher zahlt Novartis GlaxoSmithKline 300 Millionen USD, um die Möglichkeit zu untersuchen, ob Ofatumumab als eine monatliche Injektion für Multiple Sklerose eingesetzt werden kann. Bei Eintritt in die späte Testphase im kommenden Jahr zahlt Novartis weitere 200 Millionen USD an GlaxoSmithKline. Außerdem wird Novartis GlaxoSmithKline 12% Lizenzgebühren auf die Nettoumsätze zahlen, jedoch maximal 534 Millionen USD, wenn das Mittel Ofatumumab gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Alles in Allem könne GSK mit mehr als 1 Milliarde USD dastehen, wenn alles richtig läuft.

Ein weiterer Gewinn für Glaxo und ein Schulterzucken für Novartis

Obwohl Novartis die Lizenzrechte für Arzerra bei Autoimmunkrankheiten erworben hatte, glaube ich, dass GlaxoSmithKline als Gewinner aus dem Deal rausgeht.

Es gibt ein großes Problem, welches verhindern könnte, dass Arzerra große Bedeutung erlangt: Wettbewerb. Nicht nur im MS-Bereich werden neue Behandlungen mit atemberaubender Geschwindigkeit entwickelt. Selbst wenn Arzerra in den letzten klinischen Tests überzeugen sollte, dauert es drei Jahre, bis das Mittel für Patienten verfügbar sein wird.

Quelle: GlaxoSmithKline

Quelle: GlaxoSmithKline

Im Gegensatz dazu befindet sich Ocrelizumab, welches ähnlich wie Arzerra wirkt und von Roche und Biogen entwickelt wird, bereits in der späten Phase der klinischen Studien. Das Mittel könnte bereits 2017 in den Regalen der Apotheken vorhanden sein, wenn die Phase drei glatt läuft. Ocrelizumab ist eine Infusion, die alle sechs Monate verabreicht wird, im Gegensatz zu einmal monatlich wie bei Arzerra. Hinsichtlich der Bequemlichkeit ist Ocrelizumab für Patienten besser. Es gibt also keine Garantie, dass Arzerra sich gegen seine Konkurrenten durchsetzen kann.

Auf der anderen Seite wird Novartis auf jeden Fall mit 500 Millionen USD davon kommen, auch wenn Novartis keinen müden Dollar damit verdienen sollte. Dieses Geld gibt Glaxo die oben erwähnte Flexibilität, sollte es an Kollaborationen oder Zukäufen interessiert sein.

Investoren sollten zudem verstehen, dass dieses zusätzliche Geld nicht sofort verfügbar ist. Wir sollten nicht vergessen, dass GlaxoSmithKline seine Kapitalrückzahlungsaktivitäten an Investoren drastisch gekürzt hat von 4 Milliarden GBP auf 1 Milliarde GBP. Damit will es seine Dividende in den kommenden Jahren aufrechterhalten.

Um es deutlich zu machen: GlaxoSmithKline hat noch eine ganze Menge Herausforderungen zu bestehen. Aber es steht diesen nun mit einer ganzen Menge mehr Geld in der Tasche gegenüber.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 26.08.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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