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In Eile arm werden

Foto: The Motley Fool

Das Geheimnis beim Investieren ist der Wille, mit Schmerz umzugehen. Vermeide die Zerstörung von Wert durch zu frühes Aufgeben, wenn der Markt fällt. Damit hast du bereits das Wichtigste des Spiels verstanden. Warren Buffett sagte: „Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“. Aber das ist gar nicht notwendig. Halte deinen Kopf oben, wenn andere Angst haben – wie letzte Woche – und du bist fein raus. Wenn du mit dem ganzen Nonsense der kurzfristigen Betrachtung umgehen kannst, wird sich die lange Sicht um sich selbst kümmern.

Daher konnte ich nur mit dem Kopf schütteln, als USA TODAY, eine der am weitesten verbreiteten Zeitungen der USA, letzten Dienstag schrieb:

Wenn du eine Aktie hältst, die um mehr als 10 % unter ihren Einkaufspreis fällt, solltest du verkaufen. Es gibt keinen rationalen Grund für den Verlust, wenn du wartest, bis die „gute Aktie“ wieder kommt. Investoren, die sich mit einzelnen Aktien beschäftigen, wissen, dass das Rausholen eines Verlustes von mehr als 10 % eine schwierige Sache ist.

Wow. Stopp!

Der Artikel sagt, dass die 10 %-Regel nur für individuelle Aktien gilt. „Wenn du ein langfristiger Investor mit einem diversifizierten Portfolio bist“, steht in dem Artikel, dass „akademische Studien zeigen, dass es viel besser ist, die Volatilität auszusitzen.“

Aber mir fällt keine Begründung für die 10 %-Regel ein. Besonders für individuelle Investoren.

Lassen wir den Computerhandel mal beiseite. Dieser kann Aktien um mehrere Prozent nach oben oder unten jagen, und das innerhalb weniger Minuten. Dies macht die 10 %-Regel zu einer bedauernswerten Entscheidung.

Ich konnte keine Daten finden, die die 10 %-Regel bestätigt. Daher habe ich danach gesucht.

Der Russell 3000 ist ein Index der größten 3.000 Unternehmen in den USA. Er macht damit 98 % aller Aktien, die du im öffentlichen Markt kaufen kannst, aus.

Welcher Anteil an Aktien in dem Index hat bereits einen Preisrückgang um 10% in den letzten 10 Jahren hinnehmen müssen? 97 %, laut Daten von S&P Capital IQ. Das sind praktisch alle Aktien. Auf lange Sicht gibt es keine Aktie, die keinen 10 %igen Absturz erlebt. Es ist eine normale Sache bei Aktien.

Der Artikel sagt, dass die 10 %-Regel gilt, wenn die Aktie 10 % unter deinen eigenen Einkaufspreis fällt. Er spricht nicht von dem Markt. Aber das ist nicht beruhigend. Ich habe die Zahlen des S&P 500 bis 1957 zurückverfolgt. An 29,8 % der Tage wärst du im Jahr nach dem Kauf 10 % oder mehr unter dem Preis, den du für die Aktie bezahlt hast. Dies steigt auf 44 % aller Tage, wenn wir uns die kommenden drei Jahre anschauen.

Es wird noch schlimmer, wenn du dir ein paar beliebte Aktien anschaust. Google (WKN:A110NH) ist seit seinem Börsengang 2004 1.200 % im Plus. Aber die Aktien waren ein Jahr später an 43 % aller Tage in dieser Periode 10 % unter dem Einkaufspreis. Apple (WKN:865985) ist 1.600 % im Plus in den letzten zehn Jahren. Aber an 44 % der Tage seitdem lag der Wert 10 % unter dem Einkaufspreis. Amazon (WKN:906866) ist 26.000 % im Plus seit seinem Börsengang 1997. Aber an 58 % aller Tage war der Wert 10 % geringer innerhalb eines Jahres.

Die 10 %-Regel ist ein todsicherer Weg, Verluste zu realisieren und langfristige Gewinne zu verschenken.

Der Kern der 10 %-Regel ist die Idee, dass eine Aktie, die um 10 % fällt, mehr als 11 % klettern muss, um den Verlust auszugleichen. In dem Artikel stand „Investoren, die sich mit einzelnen Aktien beschäftigen, wissen, dass das Rausholen eines Verlustes von mehr als 10 % eine schwierige Sache ist.“

Aber das stimmt nicht. Große Rallys folgen in der Regel großen Verlusten. Je größer der Einbruch, desto größer die anschließende Rally. Das ist die ganze Geschichte des Aktienmarktes.

Die Median-Aktie des Russell 3000 fiel 2008 um 39 %. Das ist furchtbar. Danach müsste sie um 60 % steigen, um wieder bei dem Ausgangsniveau anzukommen. Zum Glück ist genau das eingetreten. Und zwar in den darauffolgenden drei Jahren.

Die Geschichte wiederholt sich. Aktien verloren zwischen 1929 und 1933 89 % ihres Wertes. Sie mussten damals um das Achtfache steigen, um diesen Verlust auszubügeln. Und zwischen 1933 und 1937 taten sie genau dies, wenn du die Inflation und Dividenden mit einbeziehst. Das geht aus Daten von Robert Shiller hervor. Großer Einbruch, große Rally.

Und hier spiele ich des Teufels Anwalt und schicke den Teufel zurück in die Hölle.

Laut den Daten von J.P. Morgen erlitten 40 % der Unternehmen des S&P 500 zwischen 1980 und 2014 einen katastrophalen Verlust. Das heißt, sie verloren mehr als 70 % ihres Wertes und erholten sich nicht wieder davon.

Aber der S&P 500 stieg in dieser Zeit um das Fünffache, inklusive Dividenden.

Wie? Weil 7 % der in dem Index erfassten Unternehmen um mehr als das Zehnfache wuchsen.

In allen Finanzmärkten macht eine kleine Gruppe an Unternehmen die Gesamtgewinne des Marktes aus. Dadurch kannst du hohe Gewinne einstreichen, selbst, wenn die Hälfte der Aktien im Index dauerhaft Verluste macht.

Ich könnte die Logik in der 10 %-Regel erkennen, wenn das gesamte Portfolio nur aus ein paar Aktien besteht. Dann solltest du Verluste schnell begrenzen, da ein oder zwei katastrophale Verluste dein ganzes Portfolio zerstören können.

Aber die Lektion hier ist nicht, dass du die 10 %-Regel anwenden solltest. Sie ist, dass du mehr als nur ein paar Aktien halten solltest. Die 10 %-Regel ist wie eine Anleitung, wie du deine Wunden versorgst, nachdem du dir selbst ins Gesicht geschlagen hast. Der angemessene Rat wäre, sich gar nicht erst ins Gesicht zu schlagen.

Es gibt zwei eiserne Regeln beim Investieren, die die 10 %-Regel bedeutungslos machen:

  • Du bist nicht schlauer als ein diversifiziertes Portfolio mächtig ist.
  • Je mehr du handelst, desto schlechter stehst du am Ende da.

Erfolgreiches Investieren ist nicht schwer. Halte ein diversifiziertes Portfolio an Aktien. Sei dir bewusst, dass der Aktienmarkt volatil ist. Habe eine langfristige Perspektive im Blick.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon.com, Apple und Google (A-Aktien und C-Aktien).

Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 26.08.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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