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3 Gründe, warum die Merck-Aktie noch höher fliegen kann

Foto: Peter Roegner

Wenn in der Finanzpresse von DAX-Unternehmen die Rede ist, sind damit häufig die großen Namen wie die Banken oder die Autohersteller gemeint. Zu den weniger bekannten DAX-Mitgliedern zählt aber auch das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Die Merck KGaA (WKN:659990) geht auf das Jahr 1668 zurück, als Friedrich Jacob Merck die spätere Engel-Apotheke in Darmstadt erwarb, die zur Keimzelle des Unternehmens wurde.

Heute ist Merck ein internationales Pharma- und Spezialchemieunternehmen. Ich traue Merck und der Aktie auch in Zukunft viel zu. Die Gründe dafür sind die Familie als Hauptgesellschafter, mehrere weltweit führende Positionen von Merck und die aktuelle Bewertung der Aktie. Lass mich das etwas ausführlicher darstellen.

Womit verdient Merck Geld?

Merck selbst unterteilt sein Geschäft in drei Bereiche:

Umsatz 2014 in Mrd. Euro Umsatzanteil 2014 in Prozent
Healthcare 6,5 58
Life Science 2,7 24
Performance Materials 2,1 18
Summe 11,3 100

Quelle: Geschäftsbericht 2014

Der Bereich Healthcare produziert Medikamente. Besonders stark ist Mercks Position in den Bereichen Darmkrebs, Schilddrüsenerkrankungen und Fruchtbarkeitsmedizin. Hier sehen sich die Darmstädter jeweils als Weltmarktführer. Im Portfolio der frei verkäuflichen Medikamente findet man das bekannte Nasivin-Schnupfenspray und mehrere künstlich produzierte Vitamine.

Im Segment Life Sciences stellt Merck als Zulieferer Produkte für die Life-Science-Industrie her. Mit diesen werden z. B. Analysen vereinfacht. Merck liefert auch Tests, um mikrobakterielle Verunreinigungen in Lebensmitteln, Trinkwasser oder Pharmaprodukten zu identifizieren.

Last but not least gibt es noch die Performance Materials, zu denen Spezialchemikalien wie Flüssigkristalle für Displays, Effektpigmente für Lacke und Kosmetik oder Hightech-Materialien für die Elektronik-Industrie gehören. Merck ist der globale Markt- und Technologieführer bei Flüssigkristallen, die sich in den Bildschirmen von Smartphones, Laptops, Flachbildfernsehern und Tablet-PCs finden.

Aber nun endlich zu den drei Gründen, warum ich für Merck positiv gestimmt bin.

Marktführerschaft

Merck ist bei mehreren Produkten das weltweit führende Unternehmen. Das gilt für einige Medikamente, was im Hinblick auf die immer älter werdende Bevölkerung in den Industriestaaten interessant ist.

Noch wichtiger finde ich die Position Mercks bei Flüssigkristallen. Die heute üblichen flachen Displays bei PCs, Fernsehern und Handys sind schnell, energiesparend und zeigen gestochen scharfe Bilder. Im Wesentlichen sind dafür drei Technologien verantwortlich: LCD, OLED und Plasma. Merck ist Markt- und Technologieführer auf dem Gebiet der Materialien für LCDs.

Darüber hinaus entwickelt Merck die Technologie weiter, um sie in Fenstern einzusetzen, die dann Helligkeit und Wärme – je nach Sonneneinstrahlung – selbst steuern sollen. Prognosen zufolge sollen allein im Jahr 2021 weltweit rund 1,33 Milliarden Quadratmeter neue Fassaden verbaut werden; ein großer Wachstumsmarkt für die Darmstädter.

In 2014 hat Merck 1,7 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung gesteckt, das sind 15 % des Umsatzes. Dadurch ist das Unternehmen in der Lage, in Weiterentwicklungen zu investieren und somit die jeweiligen führenden Positionen zu erhalten und durch neue Produkte sogar auszubauen.

Familienunternehmen

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Merck ist die Beteiligung der Familie. Am Gesamtkapital der Merck KGaA hält sie über die E. Merck KG rund 70 %. Das Tagesgeschäft wird dabei von Managern geführt, jedoch ist das Votum der Eignerfamilie bei wichtigen strategischen Entscheidungen maßgebend.

Wir Fools sehen eine solche Konstruktion gerne. Familienaktionäre denken erfahrungsgemäß langfristiger als Finanzinvestoren, die häufig nur nach Gelegenheiten suchen, kurz- und mittelfristig Geld anzulegen. Anteilseigner aus Unternehmerfamilien jedoch treffen Entscheidungen auf lange Sicht; meistens spielt der Gedanken an nachfolgende Generationen eine große Rolle.

Dies ist keine Garantie für durchgehend richtige Weichenstellungen. Allerdings vergrößert es doch die Wahrscheinlichkeit, dass Maßnahmen getroffen werden, die dem Unternehmen auf Dauer nutzen, und nicht nur, um im nächsten Quartal Aktienoptionen ausüben zu können. Unserer Vorliebe für langfristiges Investieren kommt das entgegen.

Bewertung

Merck erwartet für 2015 ein Ergebnis je Aktie von ca. 4,70 Euro (vor Sondereinflüssen; darunter versteht Merck Einmaleffekte und Abschreibungen immaterieller Vermögenswerte). Bei einem Aktienkurs von 85,34 Euro (12.08.2015) errechnet sich daraus ein Kurs-Gewinn-Verhältnis – die gängigste und einfachste Art, eine Aktie zu bewerten – von 18.

Die EBIT-Marge in den Jahren 2013 und 2014 lag jeweils bei knapp über 15 %. Diese Entwicklung hat sich auch im ersten Halbjahr 2015 fortgesetzt. Mit der EBIT-Marge betrachtet man den Gewinn, der aus dem reinen operativen Geschäft (ohne Berücksichtigung von Zinsen und Steuern) übrigbleibt. Ein respektabler Wert wie 15 % deutet auf eine gute Position im Wettbewerb hin und zeigt, dass das Unternehmen in der Lage ist, gute Gewinne zu erzielen.

Unter Berücksichtigung dieser guten Marge erscheint das genannte KGV von 18 nicht zu teuer. Allerdings ist zu bedenken, dass die genannten Sondereinflüsse in jedem Jahr auftreten. Von daher macht es bei einer vorsichtigen Betrachtung Sinn, den Gewinn pro Aktie etwas niedriger anzusetzen, sodass sich das KGV folgerichtig erhöht.

Ich halte Merck wegen der Marktführerschaften, des Einflusses der Familie und der nicht zu hohen Bewertung für eine interessante Aktie, die auf die Watchlist jedes langfristig handelnden Anlegers gehört.

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Peter Roegner besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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