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1 großer Fehler, den Investoren von JinkoSolar und anderen Solarunternehmen machen … und wie du ihn vermeidest

Foto: Pixabay, Blickpixel

Du möchtest also in ein Solarunternehmen investieren, was? Das ist etwas schwieriger, als nur ein Unternehmen zu finden, dessen Namen zum Teil aus „Solar“ besteht, da diese Unternehmen besonders schwer zu analysieren sind. Du musst dir nicht nur die gewöhnlichen Kennzahlen anschauen, wie Cashflow, Gewinn je Aktie und so weiter. Du stehst auch einer ganzen Reihe technischer Daten und einem sich schnell entwickelten Markt in einer sich schnell entwickelnden regulatorischen Umgebung gegenüber.

Es gibt aber eine besonders große Falle, in die Solarinvestoren treten können. Eine, in die ich selbst getreten bin, als ich das erste Mal Solarunternehmen analysiert habe: Das Bewerten eines Unternehmens auf Basis des Wirkungsgrads seiner Solarmodule. Lass uns einen Blick darauf werfen, warum diese Metrik nicht die beste ist und auf was du stattdessen achten solltest.

Was ist der Wirkungsgrad eines Solarmoduls?

Jede Solarzelle — und darum auch jedes Solarmodul, das aus einer Anordnung von einigen Solarzellen besteht — kann auf Basis ihres Wirkungsgrads gemessen werden; das heißt: Wie viel der auf sie  einfallenden Sonnenenergie kann sie in elektrische Energie umwandeln. Ohne zu technisch zu werden: Ein Wirkungsgrad von 20 % bedeutet zum Beispiel, dass die Zelle 20 % der Energie eines auf sie einfallenden Photons umwandelt. Das hört sich im ersten Moment nicht viel an. Wenn man aber berücksichtigt, dass der maximale Wirkungsgrad einer normalen kristallinen Silizium-Solarzelle bei gerade einmal 25 % liegt, dann scheint dieser Wert schon deutlich besser zu sein.

Allerdings wurden in letzter Zeit große Fortschritte im Bereich der Solarzellentechnologie gemacht. In den letzten Jahren wurden verschiedene Arten von Solarzellen entwickelt, die unterschiedliche Wirkungsgrade aufweisen. Die im Moment effizientesten Solarzellen auf dem Markt sind die „concentrator quadruple-junction monolithic cells“, die von Soitec und dem Fraunhofer Institut mit einem Wirkungsgrad von 46 % hergestellt werden.

Die folgenden drei an der Börse gelisteten Solarunternehmen decken das gesamte Spektrum ab, was den Spitzenwirkungsgrad der kommerziell verwendeten Solarmodule anbelangt: SunPower (WKN:A1JNM7) ist der Streber der Industrie, JinkoSolar (WKN:A0Q87R) befindet sich am unteren Ende und Silevo von SolarCity’s (WKN:A1J6UM) hat sich zwischen den beiden eingerichtet:

Unternehmen Zellentyp Spitzenwirkungsgrad
SunPower Monokristallines schwarzes Silizium 21,5%
Silevo Dünnschicht-Hybrid 18,4%
JinkoSolar Multikristallines Silizium 16-16,5%

Quelle: Websites der Unternehmen

Fortschritte beim Wirkungsgrad von Solarmodulen schaffen es oft in die Schlagzeilen, da die Unternehmen sehr gerne mit ihren technologischen Leistungen werben und bessere Wirkungsgrade von Solarmodulen den gesamten Sektor rentabler machen. Das heißt aber nicht, dass diese Kennzahl besonders hilfreich für Investoren ist.

Aber warum ist das keine gute Kennzahl für Investoren?

Hauptsächlich, weil sie die Kosten nicht mit berücksichtigt. Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würden alle diese „concentrator quadruple-junction monolithic cells“ — die ich oben bereits erwähnt habe — verwenden. Aber die sind wahnsinnig teuer und werden nur der NASA und anderen Raumfahrtagenturen und dergleichen verwendet, die jeden Quadratzentimeter Fläche für Solarmodule auf Satelliten und Raumschiffen ausnutzen müssen.

Kommerzielle Solarparks haben zwar auch einen Anreiz, die Energie zu maximieren, die sie pro Quadratmeter der ihr zur Verfügung stehenden Fläche gewinnen. Aber die Kostenseite ist für solche Unternehmen natürlich ein Faktor. Und für einen Hausbesitzer, der sich ein eigenes Solarsystem anschaffen möchte, spielen die Kosten eine sehr große Rolle. Für die meisten Eigenheimsysteme werden die weniger effizienten aber kostengünstigeren multikristallinen Siliziummodule verwendet

Der Wirkungsgrad ignoriert auch bestimmte Vorzüge weniger effizienteren Technologien. Die CIGS Technologie verwendet für Solarzellen und Solarmodule zum Beispiel Kupfer, Indium, Gallium und Selenid anstatt traditionellem Silizium. Der Spitzenwirkungsgrad dieser Module ist gegenwärtig zwar vergleichbar mit dem von multikristallinen Modulen. CIGS Zellen sind allerdings resistenter gegenüber Hitze und Korrosion, was sie geeigneter für den Einsatz in Wüsten oder ähnlich widrigen Umgebungen macht.

Welche Metrik sollten wir stattdessen verwenden?

Eine nützlichere Kennzahl für Investoren sind die Kosten pro Watt, welche sowohl Effizienz als auch Kosten berücksichtigt. Die weitverbreiteten multikristallinen Solarmodule haben geringere Kosten pro Watt im Vergleich zu komplexeren Technologien. Aber selbst diese Kennzahl hat ihre Nachteile.

Erstens ist sie eine schwierig zu ermittelnde Kennzahl. Zwar gibt fast jeder Solarmodul-Hersteller an, welchen Wirkungsgrad seine Module haben, aber nicht alle geben die Kosten pro Watt ihrer Module an. SunPower zum Beispiel tut das nicht. Manche Analysten schätzen, dass die Kosten pro Watt für SunPower Module bei in etwa 1 US Dollar liegen — und für mich scheint das eine vernünftige Schätzung zu sein. Sie mag nicht 100 % genau sein, aber sie gibt Investoren zumindest eine Idee, wie hoch die Kosten für das Unternehmen liegen könnten.

Aber sei Vorsichtig, wenn du die Kosten pro Watt nachschaust, da diese Zahl auf verschiedene Weisen angegeben werden kann. Zum Beispiel haben sowohl JinkoSolar als auch SolarCity ihre Kosten pro Watt für 2014 veröffentlicht. Aber die von JinkoSolar liegen bei 0,48 US Dollar und die von SolarCity bei 2,95 US Dollar! War JinkoSolar wirklich sechs Mal so effizient wie SolarCity? Natürlich nicht! JinkoSolar gibt die Herstellungskosten an, während SolarCity die Gesamtkosten für die Installation eines Solarmoduls angibt (inklusive der Vertriebs- und Verwaltungskosten). Der Solarmodulhersteller von SolarCity, Silevo, gibt nur an, dass seine Kosten bei „gut unter einem Dollar“ liegen.

Das ganze Bild verstehen

Die Kosten pro Watt geben dir zwar eine Einschätzung, wie effizient der Herstellungs- beziehungsweise Installationsprozess eines Unternehmens ist und die Kennzahl kann dir helfen herauszufinden, wo ein Unternehmen im Vergleich mit dem Wettbewerb steht. Isoliert betrachtet ist die Kennzahl allerdings genauso hilfreich wie der Wirkungsgrad. Der Foolishe Investor muss jenseits einer einzigen solcher Kennzahlen schauen und ein Unternehmen als Ganzes betrachten.

Die Kosten pro Watt von SunPower zum Beispiel sind zwar höher als die von JinkoSolar oder SolarCity. Aber die Bilanz des Unternehmens sieht mit einem Verschuldungsgrad von 61,2 % besser aus als die der anderen beiden (SolarCity: 72,6 %; JinkoSolar: 73,6 %). JinkoSolar hingegen trumpft mit der höchsten Gewinnmarge auf — mit 6,7 % liegen die Chinesen knapp vor SunPower mit 6,2 %, Solarcity liegt mit -20,7 % weit abgeschlagen dahinter.

Das Takeaway für Investoren

Es verleitet, eine einzige Kennzahl oder Statistik zu finden, die man als Abkürzung auf der Suche nach dem besten Solarunternehmen verwenden kann. Leider findet man eine solche genauso wahrscheinlich wie ein Solarmodul mit einem Wirkungsgrad von 100 %: Sie existiert einfach nicht. Die Kosten pro Watt geben einem Investor allerdings zumindest einen Startpunkt bei der Bewertung der Produkte eines Unternehmens; zumindest einen besseren als der Wirkungsgrad.

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Dieser Artikel wurde von John Bromels auf Englisch verfasst und wurde am 07.08.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool empfiehlt SolarCity.

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