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Befindet sich Bombardier auf der Überholspur Richtung Insolvenz?

Foto: Bombardier

Die Probleme, mit denen Bombardier (WKN:866671) zu kämpfen hat, sind mittlerweile hinreichend bekannt.

Das größte Problem ist das Debakel rund um das reizvolle neue Wachstumsprojekt des Unternehmens: das CSeries-Regionaljetprogramm. Nach ersten vielversprechenden Kundenbestellungen sollten die neuen Jets Ende 2014 ausgeliefert werden. Mittlerweile wurde dieser Termin zwei Mal nach hinten verschoben und die Auslieferung ist für frühestens 2016 vorgesehen. Diese Aufschiebungen haben in Kombination mit allerlei Kostenüberschreitungen und anderen Problemen dazu geführt, dass das Unternehmen Top-Manager gefeuert und seinen Gesamtbetrieb neu aufgestellt hat.

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Da so viel Geld in das Programm investiert wurde, beginnen sich Anleger zu sorgen, dass Bombardier pleitegehen könnte. Der Aktienkurs befand sich zuletzt im freien Fall. Er fiel von 2,30 USD am 2.Juli auf 1,66 USD am heutigen Tag: Das ist ein Absturz von fast 30 % in nur drei Wochen. Es ist offensichtlich, dass Investoren der Zukunft des Bahn- und Flugzeugherstellers nicht allzu optimistisch entgegenblicken.

Sind die Sorgen der Anleger berechtigt oder total überzogen? Schauen wir uns doch das ganze etwas näher an.

Die neuliche Aufwertung der Bilanz

Vor nur wenigen Monaten wandte sich Bombardier an den Markt, um sich durch eine Ausgabe neuer Aktien und einer Aufnahme von Darlehen Milliarden zu verschaffen.

Nach grauenvollen Ergebnissen im vierten Quartal im vergangenen Jahr wusste Bombardiers Führung, dass das Unternehmen mehr Geld benötigt, um die Zeit zu überbrücken, bis die CSeries endlich Geld in die Kassen spült. So hat das Unternehmen durch die Ausgabe von fast 500 Mio. Aktien für jeweils 2,21 USD einen Betrag von 1,1 Mrd. USD eingenommen. Zusätzlich wurden Darlehen in Höhe von 2,25 Mrd. USD aufgenommen.

Schon vor dieser Kapitalerhöhung betrug der Cash-Bestand des Unternehmens 3 Mio. USD. Und obwohl sich das Unternehmen mehr als 3 Mrd. USD beschaffte, verkündete Bombardier, dass es nach dem ersten Quartal nur 5,3 Mio. USD hatte. Das bedeutet, dass das Unternehmen Cash in Höhe von fast 800 Mio. USD in nur einem Quartal verpulvert hat und auf bestem Wege ist, 2015 mehr als 3 Mrd. USD zu verbrennen.

Natürlich sind das keine guten Nachrichten. Bei der aktuellen Vernichtungsrate würde das bedeuten, dass beim Unternehmen gegen Mitte bis Ende 2016 das Geld knapp wird.

Noch gibt es Hoffnung

Nur weil Bombardier 800 Mio. USD in einem Quartal ausgegeben hat, droht nicht zwangsweise die Insolvenz.

Erstens müssen Investoren Quartalszahlen mit Vorsicht begutachten. Vielleicht hat das Unternehmen im ersten Quartal aggressiv investiert, da Manager endlich froh waren, etwas frisches Kapital in den Händen zu haben. Dieses Quartal könnte schon wieder besser aussehen.

Und dann gibt es noch den anstehenden teilweisen Börsengang des stabileren Segments von Bombardier: dem Transport-Zweig. Das Unternehmen plant, etwa 80 % der Eigentumsrechte der Bahn-Sparte zu behalten, während 20 % an Anleger auf dem Frankfurter Parkett verkauft werden sollen. Niemand weiß, was dieser Verkauf wirklich einbringen wird. Aber ich glaube, dass eine Bewertung von 10 Mrd. USD für diese ganze Sparte nicht unrealistisch ist. Das würde Bombardier 2 Mrd. USD in die Kassen spülen.

Und schließlich hat Bombardier das, wovon jedes Unternehmen mit hohem Risiko nur träumen kann – einen Geldgeber mit stets prallgefülltem Geldbeutel. Die Provinzregierung Quebec hat deutlich zu verstehen gegeben, dass sie bereit ist, einzuspringen und Bombardier bei Bedarf finanziell unter die Arme zu greifen. In der kanadischen Provinz gibt es zu viele Wähler, die mit dem Unternehmen verbunden sind, als dass die Provinzregierung das Unternehmen einfach fallen lassen würde.

Es gibt zahlreiche Gründe für Investoren, die Hände von Bombardiers Aktie zu lassen. Das CSeries-Programm ist ein Desaster und sowohl die Regional- als auch die Firmenjetbranche stehen nicht gerade robust da. Und offensichtlich wird das Unternehmen auch in den nächsten Quartalen Cash verbrennen.

Aber ich glaube nicht, dass ein Konkurs zur Debatte steht, da das Management noch einige Asse im Ärmel hat. Eigenkapitalgeber haben keinen Grund zur Sorge — zumindest vorerst.

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Dieser Artikel wurde von Nelson Smith auf Englisch verfasst und am 24.7.2015 auf Fool.ca veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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