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Wieso die Amazon.com-Aktie den Bären auch in Zukunft keine Chance lässt

Foto: The Motley Fool, Matt Koppenheffer

Die Amazon.com-Aktie (NASDAQ:AMZN) (FRA:AMZ) ist ein ganz eigenartiger Investitionsfall. Die meisten Anleger sind entweder total in das Unternehmen verliebt oder sehen es als wertlose Geldvernichtungsmaschine. Einen Mittelweg findet man nur sehr selten. Seit Jahresbeginn ist die Aktie um mehr als 40 % gestiegen. Die Bullen scheinen also neuerdings den Kampf gegen die Bären zu gewinnen und es gibt starke Argumente für die Behauptung, dass Amazon mittelfristig sogar noch viel mehr Luft nach oben hat.

Wachsender Umsatz und sinkende Margen

Amazon hat seinen Umsatz über das letzte Jahrzehnt unglaublich exponentiell steigern können. Aber auf den Gewinnmargen lastete immer ein großer Druck, insbesondere seit 2011. Amazon investiert große Beträge in Bereiche wie das Cloud-Computing, Hardware und digitale Inhalte, und das nagt an der Profitabilität.

Die Amazon-Bullen konzentrieren sich auf die Tatsache, dass das Unternehmen, gestützt auf seine Marktführung, in außergewöhnlich aussichtsreichen Branchen wie dem Online-Handel und der Cloud-Computing-Infrastruktur fantastische Wachstumszahlen liefert. Auf der anderen Seite betonen die Bären, dass das Wachstum zu Lasten der Gewinnmargen geht und man nur sehr schwer erkennen kann, wann oder wie sich Margen wieder verbessern könnten.

AMZN REVENUE (TTM) DATA BY YCHARTS.

AMZN REVENUE (TTM) DATA BY YCHARTS

Jeff Bezos betreibt eine profitable Würstchenbude

In einem Interview mit dem Business Insider im Dezember 2014 wurde CEO Jeff Bezos gefragt, ob Amazon tatsächlich Gewinn machen könnte und seine Antwort war recht anschaulich. Bezos merkte an, dass Amazon in der Vergangenheit in der Tat höhere Gewinne erzielt hat. Aber das Unternehmen entschied sich damals, seinen Cashflow in vielversprechenden neue Unternehmungen zu investieren, die bisher den Margen schaden.

Bezos verglich Amazon mit einem Unternehmen, das einen lukrativen und gut positionierten Limonadenstand aufgebaut hat und nun seine Gewinne in verschiedene Unternehmungen wie eine Hamburger- oder Würstchenbude investiert. In diesem Beispiel ist der profitable Limonadenstand vermutlich Amazons Online-Handel und die geldvernichtenden Initiativen könnten Bereiche wie Hardware, Logistik oder digitale Inhalte sein.

Diese Unterscheidung ist bei der Analyse von Amazon und seinem Potenzial als Langzeitinvestition entscheidend. Das Unternehmen verlagert sein Geld von seinem profitablen Handelsgewerbe in andere Bereiche. Diese Unternehmungen könnten laufen wie erwartet – oder nicht. Aber wenn das Management glaubt, es sei eine kluge Idee, kann Amazon diese Investitionen jederzeit stoppen oder zumindest deutlich reduzieren.

Kurz gesagt ist Amazons Gewinnmarge über die letzten Jahre aufgrund der Entscheidung des Unternehmens, Investitionen zu erhöhen – und nicht etwa aufgrund eines schwächer werdenden Kerngeschäfts – gefallen.

Bei Amazon geht es in erster Linie um Wachstum

Das Unternehmen benutzt das nicht als Ausrede, um seine mangelnde Rentabilität zu rechtfertigen. Seit je her hat Bezos über Amazons Ziele immer Klartext geredet und verständlich gemacht, dass langfristige Wachstumsmöglichkeiten vor kurzfristigen Gewinnmargen stehen. Der Amazon-Gründer und CEO schrieb 1997 in dem ersten Aktionärsbrief des Unternehmens:

In erster Linie messen wir uns mit der Kennzahl, die unsere Marktführung am meisten wiederspiegelt: Kunden- und Umsatzwachstum, das Maß, zu welchem unsere Kunden bei uns regelmäßig einkaufen und die Stärke unsere Marke. Auf unserem Weg zur Etablierung eines beständigen Geschäfts haben wir bereits und werden weiterhin aggressiv in den Ausbau und die Stärkung unseres Kundenstamms, unserer Marke und Infrastruktur investieren.

Wir werden lieber mutige anstatt zaghafte Investitionsentscheidungen treffen, bei denen wir eine hinreichende Wahrscheinlichkeit erkennen, Vorteile einer marktführenden Position zu erlangen. Einige dieser Investitionen werden sich auszahlen, andere werden es nicht. In beiden Fällen werden wir eine wertvolle Lektion lernen.

Was das für Investoren bedeutet

Amazon investiert seine Gewinne in Bereiche, von denen das Management glaubt, dass sie großes Wachstumspotenzial besitzen. Das führt zu volatilen Margen und bedeutet, dass Amazon eindeutig nicht die richtige Entscheidung für Anleger ist, die Unternehmen mit beständigen und vorhersehbaren Erträgen bevorzugen.

Auf der anderen Seite baut sich das Unternehmen eine felsenfeste Führungsposition in aussichtsreichen Wachstumsbranchen wie dem Online-Handel und dem Cloud-Computing auf. Amazon erzählt eine ganz einzigartige Wachstumsgeschichte und ist für Anleger, die nach Unternehmen mit außergewöhnlichem Potenzial für langfristiges Wachstum und Innovation Ausschau halten, ein Must-Have.

Solange Amazon weiterhin so expandiert und auf vorausschauende Wachstumsmöglichkeiten setzt, besteht durchaus die Chance, dass sich dies in großen Erträgen für Investoren wiederspiegeln wird, auch wenn das Unternehmen in absehbarer Zeit weiterhin nur hauchdünne Gewinnmargen vorweisen werden könnte.

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The Motley Fool hält Aktien von Amazon.com.

Dieser Artikel wurde von Andrés Cardenal auf Englisch verfasst und am 6.7.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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