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Die Wurzel unserer Probleme als Investoren

Foto: Pixabay, LoggaWiggler

Massimo Piattelli-Palmarini, ein italienischer Kognitionspsychologe, wurde eine einfache Frage gestellt: Warum irren sich Leute?

Er antwortete: „Unaufmerksamkeit, Ablenkung, mangelndes Interesse, schlechte Vorbereitung, echte Dummheit, Ängstlichkeit, emotionale Unausgeglichenheit, rassistische, soziale oder chauvinistische Vorurteile und aggressive oder Fluchtinstinkte.“

Nur um ein paar zu nennen.

Ich füge ein paar hinzu, die für Investoren wichtig sind.

Kein Platz für Fehler

2008 besaß der Geldmarktfonds mit dem Namen Reserve Primary Anleihen von Lehman Brothers. Dann ging Lehman Brothers pleite und der Aktienpreis von Reserve Primary fiel von 1 USD auf 0,985 USD.

Eigenlicht war das kein großes Ding. Die Investoren verloren 1,5% ihres Geldes. Das passiert. Es war weniger als ihnen die Inflation nur drei Monate zuvor weggenommen hatte.

Aber der Geldmarktfonds benötigte Jahre, um seine Investoren zu überzeugen, dass sie Gewinne machen können, ohne das Risiko von Verlusten fürchten zu müssen. Diese kleine Delle bei Reserve Primary führte zu einem Run und fast zu dem Kollaps des gesamten Finanzmarktes. Es war einer der führenden Gründe für die Finanzkrise 2008 und eine Warnung, dass ein kleiner Verlust zusammen mit unsinnigen Erwartungen viel schlimmer ist als ein großer Verlust mit vernünftigen Erwartungen.

Wenn nicht gerade jemand mit viel Geld das Ergebnis zugesichert hat, wirst du, deine Familie, deine Freunde, deine Berater, deine Arbeitgeber und deine Politiker ab und zu Fehler machen. Das ist gewöhnlich keine große Sache. Aber das Dreiergespann aus Vergesslichkeit, Hebel und unrealistischen Erwartungen kann dazu führen, dass kleine Fehler einen Schneeballeffekt auslösen und katastrophale Verluste verursachen. Wenn du dich ein bisschen umschaust, wirst du erkennen, dass der meiste langfristige Wohlstand nicht durch Vorherwissen erreicht wird, sondern durch das Gegenteil: Platz für Fehler.

Die falsche Definition von falsch

Sagen wir, es ist das Jahr 2006 und ich sage vorher, dass der Immobilienmarkt eine Blase ist und der unvermeidliche Zusammenbruch eine riesige Rezession und einen Bärenmarkt hervorrufen wird.

Dann passieren genau diese Dinge.

Hatte ich recht?

Wahrscheinlich nicht.

Eine Handvoll Investoren sagten die Finanzkrise vor 2008 voraus. Sie wurden Helden genannt und Finanzgenies. Aber die meisten hatten aus dem falschen Grund recht.

Die meisten sagten steigende Zinssätze voraus und der kollabierende Dollar würde die anstehende Krise auslösen. Stattdessen fielen die Zinsen auf negative Beträge und der Dollar stieg auf sein höchstes Niveau seit Jahren.

Peter Schiff war einer derjenigen, die den Crash vorhersagten, aber die Mechanik umdrehten. Im Dezember 2006 sagte er: “Die Zinsen sind eines der Probleme für den Immobilienmarkt und sie werden noch stark steigen.” Die Zinsen für eine zehnjährige Staatsanleihe lagen an diesem Tag bei 4,7%. Sechs Jahre später lagen sie bei 1,5%, einem Allzeittief.

“Die meisten Leute, egal ob Bulle oder Bär, haben recht aus den falschen Gründen“, schrieb der Blogger Jesse Livermore.

Die Leute haben so oft unrecht, dass es sich gut anfühlt, auch aus den falschen Gründen recht zu haben. Die Ironie daran ist, dass recht haben aus den falschen Gründen schlimmer ist als einfach nur falsch zu liegen, da es zu unrecht dein Selbstvertrauen hinsichtlich zukünftiger Vorhersagen aufbläst.

Immer lächeln

Die Psychologen Lauren Alloy und Lyn Abramson haben gezeigt, dass diejenigen mit einer leichten Depression realistischere Einschätzungen der Zukunft machen als die meisten Leute. Sie sind besser darin, ihre Lebensdauer, die Risiken von Arbeitslosigkeit, das Risiko einer Scheidung und die Wahrscheinlichkeit einer Krankheit einzuschätzen.

In Ihrem Buch „The Optimism Bias“ schrieb Tali Sharot:

Optimismus schützt uns vor der genauen Wahrnehmung von Schmerz und Schwierigkeiten in der Zukunft. Er kann uns davor bewahren, unsere Optionen im Leben als begrenzt anzusehen. Im Ergebnis werden Stress und Angst reduziert, die physische und geistige Gesundheit verbessert und die Motivation zu handeln und produktiv zu sein gefördert.

Unnachgiebiger Optimismus ist sehr gut, um ein glückliches Leben zu führen. Allerdings ist es eine Art von Ignoranz, die uns gegenüber der Realität blind macht, die mit Scheitern, Katastrophen, Ruin und Skandalen gespickt ist.

Optimismus gewinnt auf lange Sicht, aber nur wenn du schlechte Zeiten und Pech überdauern kannst. Zu viel Optimismus hält dich davon ab, genau dies zu tun. Um zu erkennen, wie die Welt wirklich funktioniert, musst du ein wenig depressiv eingestellt sein.

Keine Fantasie

Als Warren Buffett begann, nach einem Nachfolger zu suchen, sagte er, dass er “jemanden, der genetisch darauf programmiert ist, Risiken zu erkennen und zu vermeiden, inklusive solcher, denen er noch nie begegnet ist“ sucht.

Sich auf Risiken vorzubereiten, „denen du noch nie zuvor begegnet bist“, erfordert Fantasie. Oder zumindest erfordert es die Fähigkeit, über Spreadsheets und historische Daten hinauszudenken.

Vor zehn Jahren war es unvorstellbar, dass Lehman Brothers pleite geht, die Regierung der USA den Betrieb einstellt, Anleiherenditen negativ werden und das Drucken von 3 Billionen USD die Inflation nicht anheizt. Aber all dies ist geschehen

In seinem Buch “Antifragile” schrieb Nassim Taleb:

Professionelle Risikomanager schauen auf der Suche nach Informationen über das sogenannte Worst-Case-Szenario in die Vergangenheit und verwenden es für die Abschätzung zukünftiger Risiken – diese Methode wird als Stresstest bezeichnet.

Sie nehmen die schlimmsten historischen Rezessionen, den schlimmsten Krieg, die schlimmste historische Entwicklung der Zinsen oder die schlimmste Arbeitsmarktsituation als eine exakte Schätzung für die schlimmste zukünftige Entwicklung.

Aber sie beachten niemals die folgende Inkonsistenz: Diese sogenannten Worst-Case-Ereignisse übertrafen die schlimmsten Ereignisse bis damals.

Ich habe diese geistige Unzulänglichkeit das Lucretiusproblem genannt. Lucretius war ein lateinischer Philosoph und Dichter, der schrieb, dass ein Narr glaubt, der größte Berg auf der Welt ist der größte Berg, den er jemals gesehen hat. Wir betrachten das größte Objekt, das wir in unserem Leben gesehen haben als das größte Objekt, dass es überhaupt gibt.

Die Leute sagen, “ich spare auf ein Haus” oder “ich spare für meinen Urlaub”, aber “ich spare für eine ungewisse Zukunft oder eine Gelegenheit, die ich mir heute nicht vorstellen kann“, klingt paranoid. Auf lange Sicht profitieren jedoch alle von uns davon.

Hast du dir schon einmal vorgestellt, so erfolgreich zu sein wie Warren Buffett?

Dachten wir uns. Schon einmal darüber nachgedacht, so wie Warren Buffett in Deutschland zu investieren? Nein? Dann melde dich jetzt für unseren neuen kostenlosen Sonderbericht an, in dem unsere Analysten unter anderem verraten, welche Aktie die Investorenlegende in Deutschland schätzt wie keine andere -- und was du noch zum Thema Indexfonds wissen solltest. Wie Buffett zu investieren ist nämlich keine Zauberei - sondern viel einfacher und besser.

Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 02.07.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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