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Warum ein milliardenschwerer Fonds nicht genug von Microsoft bekommen kann

Foto: Wikimedia Commons, Ben Franske

Am Ende des Q1 hatten Capital World Investors (CWI) über 376 Milliarden USD in Assets. Mit anderen Worten: Bei dem Fonds handelt es sich um einen wichtigen Player, und er ist spezialisiert auf die Tech-Branche. Tech stellt 15% der gesamten Holdings von CWI dar, damit ist Tech im Portfolio nur noch hinter Dienstleistungen und Finanzen. Die Nummer eins, unabhängig vom Sektor? Microsoft (NASDAQ:MSFT) (FRA:MSF). Und es ist nicht einmal knapp.

Derzeit hält CWI 356 Millionen Aktien des Unternehmens, die mit 16 Milliarden USD bewertet sind. Dem Bericht aus dem ersten Quartal lässt sich entnehmen, dass man noch ordentlich zugekauft hat. Was sehen Capital World Investors in Microsoft? Sicherlich gab es einige Schlüsselfaktoren, die Anklang fanden. Dieselben Wachstumsfaktoren, die Microsoft für CWI so reizvoll gemacht haben, herrschen nach wie vor.

Wo hapert es noch?

Der Aktienpreis ist in „Geht-So“-Gefilden, hat sogar 3% verloren. Es scheint so, als hätten sich Investoren noch nicht so richtig für den Ansatz mit dem Titel „mobile first, cloud first“ begeistern können. Es kann durchaus schwierig sein, eine lange Zeit kultivierte Identität zu ändern. Frag mal bei IBM nach. Wie auch bei Microsoft hat „der Niedergang des klassischen PCs“ IBM das Leben schwer gemacht. Die beiden Tech-Giganten standen also vor der Wahl: entweder sich der Zeit anpassen, oder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Dabei ist die Vorgehensweise von Microsofts CEO Satya Nadella der von IBMs CEO Ginni Romney nicht unähnlich, der darauf Wert legte, dass man in Cloud, Big Data und Analytics die Nase vorn haben will. Leider sind aber Investoren oft zu sehr mit den Ergebnissen in der nächsten Woche und dem nächsten Monat beschäftigt – nicht mit den Ausblicken für das nächste Jahr. Aber was Unternehmen mit der Größe von Microsoft angeht (man verfügt über die doppelte Marktkapitalisierung von IBM), bedeutet ein Strategiewechsel, dass man einen Supertanker eine 180-Grad-Drehung vornehmen lassen will. Es dauert halt seine Zeit.

Wichtig ist es, dass man während der Transition die Erfolge nicht aus den Augen verliert, besonders jene, die mit der neuen Strategie einhergehen. So gesehen macht Microsoft große Fortschritte, und so lässt es sich erklären, dass Fonds wie Capital World Investors auf den Tech-Riesen aufmerksam geworden sind.

Worauf es wirklich ankommt

Wenn Microsoft am 21. Juli seine Einnahmen verkünden wird, wird es spannend, ob man es geschafft hat, das siebte Quartal in Folge mit dreistelligem Wachstum in der Cloud zu beenden. Im letzten Quartal – das Geschäftsjahr 2015 – konnte man ein Wachstum von 106% in B2B-Cloud-Sales verkünden, was sich in einem Umsatz von 6,3 Milliarden USD niederschlug. Das dritte Quartal lag bei 800 Millionen, damit ist man einer der umsatzstärksten Anbieter von Cloud-Diensten.

Ein Grund dafür: das starke Angebot von Software-Lösungen, ein Aspekt der Cloud, von dem erwartet wird, dass er die Gesamt-Verkäufe in den nächsten Jahren beherrschen wird. Bis 2018 werden wohl fast 60% aller Cloud-relevanten Arbeitsvorgänge als Software-as-a-Service angeboten, vor zwei Jahren waren es noch 41%. Anders gesagt: Bedeutendes Wachstum wird nicht daher kommen, dass man Daten in der Cloud speichert – das wird bei der enormen Konkurrenz als gottgegeben angesehen –, sondern daher, dass Produkte wie Microsoft Office 365 und Dynamics CRM als Teil von Azure nach vorne preschen.

Die Bedeutung von „Mobile First“

Es scheint außerdem so, dass manche Investoren und Experten entweder Nadellas Strategie für den Mobilmarkt entweder nicht verstehen oder nicht schätzen. Die aber besteht in viel mehr als darin, dass man neue Smartphones und Tablets auf den Markt bringt und versucht, in dieser brutalen Sparte Anteile zu gewinnen. Klar, Microsoft würde gerne mehr Lumia-Smartphones an den Mann bringen, ist darüber hinaus gut aufgestellt, von seinen Surface Tablets mehr zu verkaufen.

Das Forschungsunternehmen Gartner nennt Microsofts Claim „das Tablet, das deinen Laptop ersetzt“ ein Zeichen für den ultramobilen Ansatz. In diesem Markt erwartet man ein Wachstum von 70% für dieses Jahr. Das sind gute Neuigkeiten, aber Geräte selber machen nur einen Teil von Nadellas vielfältiger Strategie aus. Davon abgesehen arbeitet man daran, dass Windows-Betriebssystem auf so viele Geräte wie möglich zu bekommen, ganz gleich von welchem Hersteller.

Eine verstärkte Annahme von Windows Mobile OS würde auch weiteres Wachstum für die Suchmaschine Bing bedeuten, da diese auf Windowsgeräten die Standardsuchmaschine ist. Ein Anstieg von Lösungen wie Office 365 ist durchaus denkbar, sind diese doch für iOs und Android verfügbar. Obwohl Microsoft bei der Erschließung neuer Märkte viel Erfolg hatte, bleibt die Aktie doch noch vernünftig bepreist. Sei nicht überrascht, falls noch andere Fonds wie CWI auf den fahrenden Zug aufspringen. Es scheint eine ganz normale Reaktion zu sein.

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Dieser Artikel wurde von Tim Brugger auf Englisch verfasst und erschien am 29.6.2015 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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