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Der Jahresbericht: dein Weg zum besseren Investieren

Foto: Pixabay, stevepb

Wir brauchen nicht drum herum reden, Jahresberichte sind einschüchternd.

Wenn du mir nicht glaubst, dann schau dir den Bericht von Henkel aus dem Jahre 2014 an. Das sind 198 Seiten. Sicher, da gibt es ein paar schöne Bilder, aber auch kleinen, zweispaltigen Text, Diagramme, Grafiken und viele Zahlen.

Es ist eine ganze Menge, was du da verdauen musst. Und wenn es Samstag ist und du etwas Freizeit hast, willst du da lieber einen Roman lesen oder einen 198-seitigen Bericht?

Ein Nachmittag mit einem Roman ist eine schöne Sache, um einen Teil deines Samstages zu verbringen. Aber einen Jahresbericht zu lesen, kann deine Investitionsfähigkeiten verbessern und dir helfen, Wohlstand aufzubauen. Zudem denke ich, dass ein Jahresbericht genauso interessant sein kann. Du musst nur wissen, wie du ihn zu lesen hast.

Der Anfang: der Brief an die Aktionäre

Jedes Jahr schreiben die meisten Management-Teams einen Brief an ihre Aktionäre. Der vielleicht berühmteste Aktionärsbrief kommt von Berkshire Hathaway und Warren Buffett. In diesen Briefen teilt Buffett nicht nur sachdienliche Informationen über Berkshire mit, sondern gibt auch Investitionslektionen für die Leser. Du kannst Links zu allen Briefen bis in das Jahr 1977 hier finden (leider nur auf Englisch).

Nicht alle Aktionärsbriefe sind so unterhaltsam, wie der von Buffett, aber die meisten sind ziemlich informativ. Für die meisten Unternehmen sind die Briefe eine Kombination aus Vision, Rückblick auf die Ergebnisse des vergangenen Jahres und eine Vorausschau auf das kommende Jahr.

Hier sind drei Dinge, auf die ich mich konzentriere, wenn ich einen Aktionärsbrief lese:

  1. Macht das Management deutlich, warum es ein großartiges Unternehmen ist und wert ist, darin zu investieren? Wenn ich einen Aktionärsbrief lese und mich danach nicht von dem Unternehmen angespornt fühle, warum sollte ich dann darin investieren? Das Management-Team sollte es besser wissen, als jeder andere im Unternehmen, das sie führen. Sie sollten erklären, warum es das richtige Rezept zum Gewinnen hat. Wenn es dies in dem Brief nicht ausdrücken kann, sagt es mir, dass es vielleicht kein so großartiges Unternehmen ist oder nur darauf abzielt, „zu existieren“, anstatt zu expandieren (wie ich häufig sage).
  2. Halte nach leeren Business-Phrasen Ausschau! Manche Management-Teams versuchen, sich als die Nummer 1 darzustellen, indem sie ein paar Phrasen in den Brief einbauen. Es bedarf etwas Übung, um die Blender herauszufiltern. Wenn es scheint, dass das Management-Team mehr Zeit damit verbracht hat, einen tollen Namen für den Fünfjahresplan zu finden, als den Plan zu erstellen, dann könnte dies ein Problem sein.
  3. Gib mir Zahlen… aber die richtigen Zahlen. Ein Jahresbericht hat viele Zahlen. Sobald du durch ein paar Jahresberichte durchgeblättert hast, wirst du ziemlich gut darin, die Zahlen zu finden, die du brauchst. Der Aktionärsbrief sollte also nicht nur eine Wiedergabe aller Zahlen durch den CEO sein. Es sollte erkennbar sein, dass sie die wichtigsten Zahlen herausgesucht haben und einen sinnvollen Kontext dazu bieten, damit du besser verstehst, was diese Zahlen für das Geschäft bedeuten.

Weiter: der Lagebericht – zumindest ein Teil davon

Nachdem du einen guten Überblick darüber gewonnen hast, wie das Unternehmen tick und was es großartig macht (oder wie es plant, großartig zu werden), ist es Zeit, uns dem Lagebericht zuzuwenden.

In gewisser Hinsicht kannst du dir den Lagebericht als eine detailliertere Version des Aktionärsbriefs vorstellen. Er sollte dir helfen, einen genaueren Blick in die Geschäfte und die Strategie des Unternehmens zu bekommen. Du solltest erkennen, wie es dem Unternehmen geht, und ob es ein guter Plan für die Zukunft ist.

Der Lagebericht ist bei jedem Unternehmen etwas anders strukturiert. Du musst also ein bisschen blättern, um die wichtigsten Teile zu finden. Die folgenden drei Hauptthemen sind für dich am interessantesten:

  • Informationen über das operative Geschäft des Unternehmens
  • seine Strategie und
  • seine Ergebnisse des letzten Jahres

Wie ich bereits gesagt habe, erfordert dieser Teil etwas mehr Zeit fürs Lesen. Daher solltest du dich in deinem Sessel zurücklehnen und es dir bequem machen. Die gute Nachricht ist, dass du den Lagebericht überspringen kannst, wenn du bei dem Aktionärsbrief schon keinen guten Eindruck gewonnen hast.

Endlich: die Zahlen

Ok, nun ran an die Zahlen! Aber an welche?

Die wichtigsten sind der Konzernabschluss und davon besonders die Gewinn-und Verlustrechnung (GuV), die Bilanz, die Cashflow-Berechnung und die Aufschlüsselung des Eigenkapitals. Diese sind besonders wichtig, denn sie sind die offizielle Darstellung der Finanzen des Unternehmens. Sie sind für Aktionäre gedacht und sind relativ standardisiert. Es ist daher leichter, diese Zahlen eines Abschnittes mit anderen Unternehmen zu vergleichen.

Du kannst diese Berichte zusammen mit den Tabellen, Grafiken und Diagrammen verwenden, die das Unternehmen in dem restlichen Bericht zur Verfügung stellt. Die schön formatierten Grafiken, die das Unternehmen bereitstellt, können leichter gelesen und verstanden werden, aber es ist hilfreich, diese mit den offiziellen Angaben zu vergleichen.

Die Analyse der Finanzen des Unternehmens ist ein Thema, welches Bücher füllt. Wir gehen daher offensichtlich nicht auf alle Dinge ein.

Was wir jedoch erkennen wollen, ist, ob die Leistung des Unternehmens mit dem übereinstimmt, was wir von dem Management gelesen haben. In den ersten zwei Abschnitten des Jahresberichts, dem Aktionärsbrief und dem Lagebericht, erfahren wir die Sicht des Managements auf den Zustand des Unternehmens und eine Erklärung der Ergebnisse.

Stimmen die Zahlen mit der Geschichte überein? Wenn der CEO dir eine großartige Geschichte über das Unternehmenswachstum erzählt hat und der Umsatz nur um 2% zugelegt hat, ist das Unternehmen vielleicht nicht ganz so attraktiv, wie du denkst. Das Gleiche gilt, wenn das Unternehmen seine finanzielle Stärke lobt, aber mit einem riesigen Berg an Schulden zu kämpfen hat. Dann könnte es ein Problem geben.

Was ist mit dem Rest?

Unser Ziel für diesen Artikel ist, dir zu helfen, mit dem Investieren anzufangen und die besten Teile des Jahresberichts zu finden. Dies bedeutet nicht, dass alles andere in diesem Bericht nutzlos ist. Wir wollen uns aber erst einmal auf die wichtigen Dinge konzentrieren.

Wenn du ein fortgeschrittener Schüler bist und ein paar Bonuspunkte einheimsen willst; es gibt einen Abschnitt über die Bezahlung des Managements. Dort erhältst du ein paar Einblicke, wie die Bezahlung zustande kommt.

Zu verstehen, warum und wie die Entscheidung über die Bezahlung getroffen wird, kann sehr hilfreich sein. Warum? Stell es dir so vor: Das Management steckt zusätzliche Anstrengung hinein, seine Arbeit zu machen und die Ziele zu erreichen, die zu Boni führen. Wenn du also die Hebel für die Managementboni kennst, hast du eine bessere Vorstellung davon, was sie für ihr Handeln motiviert.

Fang also an, setz dich an einem Samstagnachmittag auf deine Couch, entspann dich und lies einen Jahresbericht. Du wirst das ein oder andere dabei lernen und ein besserer Investor werden. Vielleicht hast du dabei sogar auch Spaß!

Komm morgen wieder für die nächste Folge unserer einmonatigen Serie für Investorenanfänger.

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Matt besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Berkshire Hathaway.

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