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Die eine Aktie, die du jetzt kaufen solltest … Oder nicht

Foto: Pixabay, blueMix

Wie viele Artikel hast du gelesen, die dir einen großartigen Rat versprechen bezüglich einer Aktie, die du kaufen solltest? Unzählige, stimmt‘s? Ganz ehrlich: Ich habe keine solche Aktie für dich. Enttäuscht? Was ich zu bieten habe, ist eigentlich viel wertvoller: Wie man Artikel zu lesen hat, die eine „unfehlbare Aktie“ versprechen.

Ich bin im Gebirge in der Nähe von Lake Tahoe aufgewachsen. Viele der hügeligen Straßen haben Warnschilder, die vor „Steinschlag“ warnen.

Meine Mutter hat immer Scherze gemacht, wenn wir an diesen Schildern vorbeifuhren. „Was soll ich mit dieser Information anfangen?“, sagte sie stets. „Schneller fahren? Langsamer fahren? Wenden? Mein Testament machen?”

Sie hatte recht. Das Schild sagt dir, dass du auf die Straße aufpassen sollst, aber sollten Fahrer dies nicht immer tun? Schilder wie diese können mehr Schaden anrichten, als sie nutzen. Sie lenken Fahrer ab, ohne ihnen eine Handlung vorzugeben.

Ich sehe ähnliche Beschwerden bei vielen Artikeln über das Investieren. Wenn ein Artikel nicht genau sagt, was du tun sollst, wozu ist er dann gut?

Die Leser wollen Informationen, nach denen sie Ihre Handlung ausrichten können. Hier, kauf diese Aktie, verkaufe jene. Die Autoren wollen häufig das Gleiche: spezifische, handfeste Ratschläge, denen die Leser folgen können.

Manche Autoren sind gut darin. Dies funktioniert besonders dann, wenn man das Große und Ganze beim Investieren bespricht. Ein Beispiel dafür ist die Bedeutung der Geduld oder der Einfluss von Gebühren.

Meistens jedoch funktioniert dies nicht. Es gibt keine Möglichkeit, wie ein Investment-Autor jedem Leser befolgbare Ratschläge geben kann, da der Autor nicht weiß, wer der Leser ist. Ich kenne dich nicht (ja, dich). Ich weiß nicht, wie viel Geld du hast. Ich weiß nicht, welche Ziele du hast, ob du deine Kinder auf die Uni schicken willst, wie sicher dein Job ist, wie viel Marktvolatilität du vertragen kannst, welche weiteren Aktien du besitzt oder wie lang du noch lebst. Wie kann ich dann sagen: „Du solltest dies oder jenes mit deinem Geld tun“?

Ich kann es nicht und kein Autor sollte es tun. Was für den einen ein guter Rat ist, kann für den anderen eine Katastrophe sein. Man kann medizinischen Rat mit finanziellem Rat vergleichen. Ein Arzt kann einen Artikel verfassen und darin schreiben: „Du solltest dich gesund ernähren und dich bewegen.“ Dies ist ein guter Rat, angemessen für fast jeden, der ihn liest. Wenn ein Arzt jedoch schreibt, „Du solltest jeden Tag 300 Milligramm Plavix einnehmen“, würden die Leser sagen: „Moment, warte. Du weißt gar nichts über meine Krankheitsgeschichte. Ich bin nicht dein Patient. Wie kannst du so etwas nur empfehlen?“

Die meisten Leute sehen das Problem sofort, wenn ein Arzt einen pauschalen medizinischen Rat gibt. Die gleiche Logik geht jedoch häufig verloren, wenn es um Investitionen geht. Kluge Leute hören einen Typ im Fernsehen sagen „Es ist Zeit, Aktien zu verkaufen“, und dann verkaufen Sie Ihre Aktien. Dabei hat der Typ im Fernsehen keine Ahnung von deinen Umständen.

Es stellt sich also die Frage: “Sind Artikel über Investitionen sinnlos oder sogar gefährlich?”

Wenn du sie unhinterfragt übernimmst und die Ratschläge wörtlich nimmst, wie eine How-To-Anleitung, dann ja. Eindeutig ja. Also bitte tu dies nicht.

Die Artikel über Investitionen machen dann Spaß und werden nützlich, wenn du erkennst, dass es nicht immer nur spezifische Ratschläge sein müssen, sondern verschiedene Informationsstücke dir helfen, deine eigenen persönlichen Herausforderungen zu lösen. Jeder Konsument von Finanznachrichten hat die Verpflichtung, sich selbst zu kennen. Ein Autor kann das nicht. Deine eigene Risikotoleranz, das Alter, die Sicherheit des Jobs, der Zeithorizont und die Erfahrung, um nur ein paar zu nennen. Du musst diese Dinge selbst wissen, damit du verstehen kannst, welche Finanznachrichten für deine Bedürfnisse relevant sind und welche nicht.

Josh Brown, ein Broker-Blogger und einer der schlausten Typen, die ich kenne, hat es letztes Jahr so ausgedrückt:

„Lass mich dir etwas Interessantes über die Finanzmedien erzählen. Von allen Arten von Medien sind die Finanzmedien diejenigen, von denen erwartet wird, dass sie eine Art Verantwortung haben. Wenn du an Mode, Kunst, Sport oder Hollywoodklatsch – alles große Kategorien, die Finanznachrichten in den Schatten stellen – denkst, gibt es keine Verantwortung. Die Leute schauen Eurosport nicht an und denken danach, dass sie raus gehen sollen und mit 150 Kilo-schweren Männern Football spielen sollen. Wenn sie aber Finanz- oder Wirtschaftsnachrichten anschauen, dann gehen sie den nächsten Schritt und sagen: ‚Nun, ich muss mich so und so verhalten. Ich muss reagieren.‘“

Ein Teil der Schuld liegt bei den Medien. Das Wort „befolgbar“ wird ständig verwendet. Befolgbar für wen? Oh, ich weiß nicht. Es ist einfach befolgbar. Aber es liegt auch viel Verantwortung bei der Öffentlichkeit. Ich denke, es gibt einen großen Fehler, den viele Leute machen. Sie konzentrieren sich auf die täglichen Nachrichten, die Aktienbewegungen eines bestimmten Zeitpunktes oder was immer den Markt gerade bewegt. Sie haben aber kein Hintergrundwissen, wie man investieren sollte.

Die Kehrseite ist, dass du manchmal einen Artikel liest und schreien willst, “Diese Person liegt völlig falsch“. Manchmal stimmt das. Aber vielleicht haben sie einfach andere Ziele als du, eine andere Sicht auf das Leben oder andere Prioritäten. Die Informationen so zu verarbeiten, dass du nicht verleitet wirst, dein Portfolio zu verändern, kann wirklich hilfreich sein. Es verschafft dir eine neue Perspektive bezüglich des Investierens und kann dir sagen, was du lieber nicht tun solltest.

Und pass auf Steinschlag auf.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 10.04.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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