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Der für den deutschen Aktienmarkt berechnete Buffett Indikator könnte dich überraschen

Foto: Pixabay, ErbenovaLucie

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Seit Wochen eilt der DAX von Allzeithoch zu Allzeithoch und wir befinden uns bereits im sechsten Jahr des Bullenmarkts seit der globalen Finanzkrise 2008. Der durchschnittliche Bullenmarkt dauert fünf Jahre, weswegen die Stimmen immer lauter werden, die den nächsten Crash vorhersagen. Manche erwarten gar ein Blutbad. All das ist irreführend – auf lange Sicht sowieso.

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Der deutsche Markt ist auf Basis des Buffett Indikators nicht so sehr überbewertet

Der sogenannte Buffett Indikator stützt die Argumentation einer deutlichen Überbewertung des US Aktienmarktes. Das gilt aber nur für die USA. Die Werte für Deutschland zeigen uns ein ausgewogeneres Bild.

3-3-15 Schmid Buffett Indikator

*BNE Daten von der Website des Statistischen Bundesamts. GMK berechnet aus Daten der Worldbank (GMK in Prozent des BIP) und des Statistischen Bundesamts (BIP). **heutiges BNE (Stand 03.03.2015), extrapoliert basierend auf dem durchschnittlichen BNE Wachstum der letzten 10 Jahre und dem BNE in 2014. GMK für 2013, 2014 und heute (Stand 03.03.2015), abgeschätzt basierend auf dem Anstieg des DAX seit 2012.

Aber was genau siehst du hier eigentlich? Der Buffett Indikator ist nichts anderes, als die Summe der Marktkapitalisierung aller an der deutschen Börse gelisteter deutscher Unternehmen (Gesamtmarktkapitalisierung, GMK), ausgedrückt in Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) von Deutschland (also der Wert aller Güter, die deutsche Unternehmen und Personen im In- und Ausland produzieren).

Die erste interessante Erkenntnis aus der Grafik ist für mich der ab 1990 berechnete historische Durchschnitt von 40 %. Zum Vergleich: Das entspricht grob der Hälfte des Durchschnittswerts des Buffett Indikators für die Vereinigten Staaten. In anderen Worten: In Deutschland tragen private Unternehmen signifikant mehr zum BNE bei als in den USA, wo ein wesentlich größerer Teil von börsennotierten Unternehmen beigetragen wird.

Woran das liegt, darüber kann ich nur spekulieren. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn sich Deutschland langfristig dem Wert der USA annähert, indem mehr und mehr private Unternehmen an die Börse gehen – das würde nämlich noch mehr Investitionsmöglichkeiten für dich und mich in Deutschland ergeben.

Aber zurück zur Grafik. Seit der Finanzkrise befand sich der für Deutschland berechnete Buffett Indikator immer unter oder nur leicht über seinem ab 1990 berechneten historischen Durchschnitt von rund 40 %. Erst mit dem relativ starken Anstieg seit Anfang des Jahres liegt der Wert deutlicher darüber.

Und was bedeutet das für Investoren? Das kommt darauf an, was für ein Investor du bist. Lass uns auf zwei breite Gruppen von Investoren schauen.

Indexinvestoren mit regelmäßigen Einzahlungen in ETFs

Die Erkenntnis: Auch mit einer heutigen Investition in den breiten Markt sollte dich die langfristige Rendite nicht enttäuschen.

Es wird einfach (mal wieder) viel zu viel Wind darüber gemacht, wie hoch die Kurse in der letzten Zeit angestiegen sind. Die gegenwärtige Bewertung deutscher Unternehmen mag nicht die niedrigste sein, sie ist aber auch alles andere als in schwindelerregenden Höhen. Also wenn du einen Sparplan hast und regelmäßig in einen deutschen Indexfonds für deine Zukunft einzahlst, dann ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, dir diesen auszahlen zu lassen.

Aber selbst ein höheres Kursniveau (auf das der DAX in den kommenden Monaten ja weiter zusteuern könnte) sollte ein Anleger nicht als Argument verwenden, weniger zu investieren. Denn du kannst nicht wissen, wann die nächste Kurskorrektur kommt und im ungünstigsten Fall kommt sie erst, wenn die Fundamentaldaten des Marktes schon weiter fortgeschritten sein werden – und die Kurse deswegen selbst nach einer Korrektur nicht wieder auf das vorherige Niveau zurückfallen. Soll heißen: Beim Investieren spielt das allgemeine Kursniveau eine untergeordnete Rolle.

Aber trotzdem hat das derzeitige nicht übermäßig hohe Kursniveau dann doch noch einen Vorteil. Und zwar für die zweite Gruppe von Investoren.

Investoren, die in einzelne Aktien investieren

Die Erkenntnis: Es gibt im Moment wahrscheinlich mehr attraktive Investitionsmöglichkeiten als es die Rekordjagd des DAX vermuten lässt.

Diese Erkenntnis erlangt man nicht unbedingt, wenn man den vielen Botschaften eines bevorstehenden Crashs zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Es lohnt sich nämlich auch jetzt noch richtig, die Augen nach attraktiven Investmentmöglichkeiten offen zu halten – wir müssen offenbar noch nicht nach der Stecknadel im Heuhaufen suchen.

Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass jemand, der jetzt einen größeren Geldbetrag in Aktien investieren möchte, sogar noch ausreichend fair bewertete Aktien finden wird, um ein ausreichend diversifiziertes Portfolio zu erstellen. So denkt offenbar auch Warren Buffett, dessen Investition in den Produzenten für Motorradzubehör Detlev Louis erst der Anfang in Deutschland und Europa gewesen sein soll.

Auch heute ist wieder die richtige Zeit, in Aktien zu investieren

Und das ist für mich die eigentlich wichtige Erkenntnis der Grafik von oben: Egal ob du in Indexfonds oder einzelne Aktien investierst – oder beides –, wenn du heute investierst, solltest du auf lange Sicht gesehen mit der Rendite deiner heutigen Investitionen zufrieden sein – vorausgesetzt du machst gute Arbeit bei der Auswahl deiner Investitionen.

Also: Viel Spaß bei der Entdeckung deiner nächsten erfolgreichen Investition!

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