MENU

Warum Apple und Microsoft sich über Googles Chromebooks Sorgen machen sollten

Foto: Google

Die Financial Times und IDC berichten, dass Google (WKN:A0B7FY) (NASDAQ:GOOG) (ETR:GGQ7) Chromebooks im dritten Quartal Apples (WKN:865985) (NASDAQ:AAPL) (FRA:APC) iPads in US-Schulen überholt haben — in den drei Monaten wurden 715.500 Chromebooks ausgeliefert, und dies gegenüber 702.000 iPads.

Das ist sicherlich ein Triumph für Google, dessen Marktanteil im Bildungssektor von Null auf 27,2% in gerade einmal zwei Jahren wuchs. IDC berichtet außerdem, dass Apple immer noch 30,9% des Markts kontrolliert, während Microsoft (WKN:870747) (NASDAQ:MSFT) (FRA:MSF) noch 39,5% innehält. Der Aufstieg der Chromebooks, die bereits für 199 USD zu haben sind, ist ein Rückschlag für Apple, die bereits die letzten drei Quartale rückläufige Verkäufe von iPads mitteilen mussten. Es ist außerdem eine problematische Entwicklung für Microsoft, das versucht den Aufstieg von Chromebooks mit ebenso preiswerten Laptops mit Windows 8.1 zu kontern.

 

Chromebooks. Quelle: Google.

Schauen wir doch einmal, warum Google derart schnell im Bildungssektor wächst — und ob Apple oder Microsoft mit einigen frischen Ideen und Taktiken dem Aufstieg des Konkurrenten etwas entgegenzusetzen haben.

Warum Google die Klassenzimmer gewinnt

Google gewinnt die Klassenzimmer aus zwei ganz einfachen Gründen — Preis und Cloud-Ökosystem.

Neulich gab es einen Skandal im Los Angeles Schuldistrikt darüber, dass man iPads an Schulen verkauf hat. Der Deal zwischen Apple, dem Schuldistrikt und der Firma der Bildungssoftware, Pearson, war 1,3 Milliarden USD wert und sah vor, dass allen Schülern gleich welches Einkommensniveaus iPads zur Verfügung gestellt werden. Allerdings haben die Schüler im Handumdrehen die iPads gehackt um andere Apps zu installieren, Geräte im Wert von 2,1 Millionen USD verschwand und der Vertrag der drei Partner wurde Gegenstand einer Untersuchung des FBI, da der Vorstand der Schulen eine enge Beziehung zu Apples und zu Pearsons Vorständen unterhielt.

Dieses PR-Desaster hat wohl auch andere Schulen dazu bewegt, das iPad Air nicht zu nutzen, das nach Abzug des Bildungsrabatts immer noch 379 USD kostet. Stattdessen wurde das günstigere Chromebook eingeführt. Microsoft versucht nun diesen Preis mit simpel ausgestatteten Windows-Laptops wie dem Stream von Hewlett-Packard für lediglich 199 USD.

Anfang des Jahres hat Google die gratis Google Apps for Education angeboten, eine Version von Google Drive für cloud-basierte Zusammenarbeit an Dokumenten und Projekten. Zum Vergleich: Apples iPad benötigt spezielle Apps, bietet keine richtige Tastatur für langes und angenehmes Schreiben und seine Apps (Pages und Numbers) wirken weniger gereift als Googles Apps. Microsofts Office 365 ist ähnlich den Google Apps, allerdings ist es nur für Schüler gratis, nicht für Schulen.

Warum Google seine Apps verschenken kann

Google selber stellt keine Chromebooks her, ist lediglich an der Auslieferung und am Verkauf beteiligt. Die Hardware-Partner wie Samsung und Acer übernehmen die Produktion. Google verdient auch kein Geld direkt vom Chrome OS, das ein gratis und Open-Source OS à la Android ist. Das ist ein großer Unterschied zu Apple, das direkt Umsatz von iPad-Verkäufen bezieht, oder zu Microsoft, die mit dem Verkauf von Windows und Lizenzen für Office 365 an Schulen Geld verdienen.

Google verschenkt außerdem Google Apps for Education, um mehr Lehrer und Schüler über Gmail-Accounts ins Google-Ökosystem zu binden. Das gibt ihnen dann nämlich die Möglichkeit sich in Android, Chrome, YouTube, Google Maps, Google+ und andere Dienste direkt einzuloggen. Wenn man Schüler schon früh genug für das Google-Ökosystem gewinnt garantiert dies, dass sie für Suchanfragen Google anstatt Microsofts Bing oder andere Suchmaschinen nutzen. Und das kommt Googles Kerngeschäft zugute – nämlich Such-Traffic und Umsatz von Online-Werbung.

Warum Apple und Microsoft darüber besorgt sein sollten

Apple und Microsoft sind sicherlich noch nicht allzu besorgt. Der US-Bildungsmarkt nimmt nämlich kein allzu großes Segment ihrer Verkaufszahlen ein. An Schulen gelieferte iPads stellen lediglich 5% aller im Q3 ausgelieferten iPads dar. Microsoft könnte eine Renaissance erleben, indem sie Office 365 Schulen komplett kostenfrei zur Verfügung stellen. Das ist ein mutiges Vorhaben, das aber schon Vorläufer darin hat, dass man Office 365 für iOs und Android gratis anbietet.

Doch sind Googles Vorteile nur schwer zu ignorieren: Preis und benutzerfreundliche Cloud-Dienste. Google nähert außerdem nach und nach Chrome OS an Android an, was bedeutet, dass schon bald ein einfacher und nahtloser Datentransfer von Chromebooks und Android-Geräten geschehen könnte. Apples “Brücke” zwischen iOs 8 und OS X, genannt “Continuity”, lässt nur einige wenige Aufgaben zwischen den Geräten zu. Microsofts Windows 10 verspricht eine Vereinheitlichung von Mobilgeräten und PC, kommt aber erst später im Jahr raus.

Die versteckte Gefahr für Apple und Microsoft besteht darin, dass viele Startups genauso denken wie Schulen. Google zielt schon lange auf kleine und mittelgroße Unternehmen (small & medium sized businesses, SMBs) und bietet mit „Chromebooks at Work“ seinen Geschäftskunden Zugang zu professionellen Chrome OS Management Features sowie Unterstützung für USD 50 pro Jahr und Gerät. Chromebooks haben außerdem Virtualisierungsfeatures wie VMWare und Citrix, welche Nutzern von Chrome OS manche Windows-Apps emulieren lassen.

Warum Investoren sich mit Chromebooks beschäftigen sollten

Der Auftstieg von Chromebooks in US-Schulen ist eine Gefahr für Apple und Microsoft, weil er die Kernschwächen von iPads und Windows PCs offenbart.

Google schwemmt den Markt mit Gratis-Betriebssystemen und Anwendungen, um seine Konkurrenten vom Platz zu drängen, die dieses Geschäftsmodell nicht replizieren können – genauso wie sie es schon bei Smartphones und Tablets getan haben. Das könnte in der Zukunft erfolgreiche Verkaufszahlen bei Chromebooks zur Folge haben. Gartner erwartet, dass sie sich bis 2017 verdreifachen. Außerdem werden Chromebooks sich auch ein gutes Stück vom SMB-Kuchen abschneiden.

Motley Fool Sonderbericht

Der neueste Sonderbericht von The Motley Fool ist "Drei internationale Aktien, die jeder Deutsche besitzen sollte". Hier kannst du eine kostenlose Kopie des Berichts erhalten.

The Motley Fool empfiehlt Apple, Google (A-Aktien), Google (C-Aktien) und VMWare. The Motley Fool besitzt Aktien von Apple, Google (A-Aktien), Google (C-Aktien), Microsoft und VMWare.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und wurde am 9.12.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können. 

Kostenlos: Aktientipps, Börsen-Nachrichten, Anlage-Erkenntnisse

Registriere dich kostenlos für den Newsletter "Bilanz Ziehen", deine wöchentliche E-Mail von The Motley Fool