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Wenn es an der Zeit ist zu sagen: „Ich lag falsch“

Foto: Flickr, hobvias sudoneighm

Nehmen wir einmal, du arbeitest beim Wetterdienst: Die letzten vier Jahre hast du einen riesigen Schneesturm mit Temperaturen weit unter Null vorausgesagt. Und das ist nie eingetroffen. Im Gegenteil: die letzten vier Jahre war es beständig heiß, mit Temperaturen weit über 30 Grad.

Und jetzt nehmen wir mal an, dass du dich deswegen aus der Meteorologie zurückziehen würdest. Du kannst das Wort Atmosphärisches Hochdruckgebiet nicht mehr hören. „Mein gesamtes Modell hier sagt, dass es schneien soll“, klagst du. „Aber wie eine verzogene Göre kümmert sich das Atmosphärische Hochdruckgebiet nicht um meine Meinung und lässt die Temperatur Tag für Tag heiß. Was bildet es sich ein?“

Das wäre natürlich lächerlich. Dein Publikum würde dir zurufen, dass das Wetter immer Recht hat — und dass der Meteorologe im Unrecht ist. Ob außergewöhnlich heiß hin oder her. Deine Aufgabe als Meteorologe wäre gewesen, vorherzusehen, dass es außergewöhnlich heiß werden würde. Dafür wirst du bezahlt.

Das Finanzwesen ist anders. Wie in keinem anderen Feld schieben Fachleute bei ihren falschen Voraussagen der Realität die Schuld in die Schuhe.

Anfang September hat Hedgefond Rinehart Capital Partners angekündigt, den Laden dicht zu machen. Der Grund liegt auf der Hand: Laut dem Wall Street Journal hat der Fonds im Jahr 2012 7% verloren, 2013 noch einmal 15% und in diesem Jahr bereits 4%. Währenddessen stieg der S&P 500 um 68,2%.

Der Gründer Andrew Cunagin schrieb seinen Investoren einen Brief, in dem er die Schließung ankündigte.

Er erklärte das schlechte Abschneiden, indem er Hochfrequenz-Händler und der Zentralbank die Schuld zuwies. Ihnen und einem Markt, der zu einer Zeit stieg, als er das laut Cunagin nicht hätte tun sollen.

Wie schon in vorangegangen Bust-Boom-Zyklen wurden die Samen der Zerstörung darin gesät, dass ein Trend als anerkannte Wahrheit durchging, und dass dieser Schwung scheinbar die immer weiter klaffende Lücke zwischen Wahrnehmung und ökonomischer Realität begünstigte. Und genau so wie in den vorangegangenen Zyklen galt jener Manager, der nicht die gerade vorherrschende Meinung teilte, als rückständig oder der Realität hinterher hinkend…

Seit dem Beginn der Verluste unseres Hedgefonds hat ein Bloomberg Index der Firmen mit der „schlechtesten Bilanz“ der S&P 500 bis heute eine Rate von +30% jährlich erwirtschaftet. En MSCI-Index der am meisten „leerverkauften“ Firmen des Russell 3000 — ein aussagestarkes Tool für die Transparentmachung schlechter Bewertungen, schlechten Managements und schlechter Basis — hat ebenfalls +30% jährlich erwirtschaftet. Diese Perversionen sind sogar noch ausgeprägter innerhalb der aufstrebenden Märkte, verschärft von Abflüssen in Rekordhöhe in der ersten Hälfte 2014, und übertreffen sogar noch jene der Krise von 2008. Dieser „Dash for Trash“ beschämt sogar die Spekulations-Exzesse der dot.com Ära. Es ist ein Zirkus, hervorgerufen von Hochfrequenzhandel und anderen Algorithmus-Tradern, die von den rationalen Entscheidungen von Händlern aus Fleisch und Blut profitieren. Die dienen zu nichts anderem als der Unterwanderung öffentlicher Märkte, was letztlich auch zu ihrer Rationalisierung führen wird. Eines aber ist klar: Manager, deren Strategien funktionieren, sind informiert und arbeiten mit progressiven Analyse-Methoden, auf denen sie ihre Entscheidungen zur Investition gründen. Aber eine vernünftige Beurteilung von Wert findet sich nicht dabei. Muss man sich nicht aufgrund vorangegangener Zyklen die Frage stellen, welche anderen Werte es noch gibt?

Stimmt: Aktien sind um einiges gestiegen. Und manche lückenhafte Firmen sind in jeder Hinsicht teuer.

Doch die gesamte Geschichte des Aktienmarkts besteht in nichts Weiterem als einem Schwingen des Pendels von einem Bereich des Absurden in den nächsten. Es gibt keinen „normalen“, gesunden Markt. Der Markt befindet sich permanent in einem irrationalen Zustand, den niemand so Recht erklären kann.

Und deswegen solltest du niemals einen irrationalen Markt für deine schlechte Performance verantwortlich machen. Der Markt hat immer Recht, selbst wenn es einem schwerfällt, das einzusehen. Deine Strategie war falsch. Und „falsch“ ist genau das richtige Wort, weil dein Handeln zu einer solchen Wertminderung geführt hat, dass du zum Verkaufen gezwungen bist und damit jede Form von Rechtfertigung einbüßt. Hier gilt John Maynard Keynes’ berühmtes Wort: „Der Markt kann viel länger irrational bleiben als du solvent.“

Was mich allerdings an dieser Sache stört sind die Anreize. Wenn Hedgefond-Manager richtig liegen, erhalten sie Boni in Millionen-, oft auch in Milliardenhöhe und dürfen sich wie Götter feiern lassen. Liegen sie aber falsch, trägt jemand anderes die Schuld. Die Zentralbank ist unverantwortlich, die Politik ruiniert die Wirtschaft, Hochfrequenz-Händler zerstören das Vertrauen der Menschen, der Kongress stiftet Verwirrung, und so weiter, und so fort.

Ganz selten aber ist jemand in der Finanzwelt gezwungen das zu sagen, was einem Meteorologen ständig passiert: dass er falsch lag.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 9.9.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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