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Eine Investitions-Checkliste kann sehr wertvoll sein

Foto: Flickr, Ola Christian Gundelsby

„Ich bin ein großer Befürworter des Lösens von schweren Problemen mit Hilfe von Checklisten. Man muss all die wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Antworten vor sich haben; sonst ist es zu einfach, etwas Wichtiges zu übersehen.“Charlie Munger, 2007 auf der Jahreshauptversammlung von Wesco Financial.

In ihrem exzellenten Buch „What’s Behind the Numbers? zitieren John Del Vecchio und einer unserer Fools, Tom Jacobs, eine Studie, die von Blackstar Funds publiziert wurde und in der die Entwicklung der Kurse von jenen ungefähr 8000 Aktien untersucht wurde, die zwischen 1983 und 2007 für den Russell 3000 Index qualifiziert waren.

Die Resultate sind erstaunlich. Während dieses Zeitraumes stieg der Russell 3000 um ungefähr 900%, doch 75% der Indexwerte hatten einen Wertzuwachs von Null. Das bedeutet, dass 25% der Aktien die gesamten Gewinn erwirtschafteten.

Weil nur ein kleiner Anteil der Aktien für den Großteil des Börsenwachstums verantwortlich ist, müssen sich Investoren durch viele Aktien wühlen, um diese wenigen Goldesel zu finden. Einer der besten Wege für dieses Unterfangen, ist eine Investitions-Checkliste mit den notwendigen Kriterien für die eigenen Investitionen zu verwenden.

Eine Methode, eine Checkliste zu strukturieren, wurde mir von Buck Hartzell — unserem Dekan für Investitions-Lehre hier bei The Motley Fool — empfohlen. Sie besteht darin, jene Dinge, die wir am wenigsten mögen, nach vorne auf die Liste zu setzen. So passiert es selten, dass man Stunden oder sogar Tage damit zubringt, sich bezüglich eines Unternehmens schlau zu machen, dass sich am Ende als ungeeignet herausstellt. Wenn zum Beispiel zu hohe Schulden für Dich ein wichtiger Grund sind, nicht in ein Unternehmen zu investieren, dann sollte das oben auf der Liste stehen, und nicht ganz unten. So eliminieren wir schnell die Unternehmen, in die wir auf gar keinen Fall investieren wollen.

Ich habe hier zehn Kategorien aufgelistet, die ich in meine Investitions-Checkliste aufgenommen habe. Die ersten vier Fragen sind die erste Linie der Verteidigung meines Geldes. Es sind diese Fragen, die entscheiden, ob ich mir weitere Informationen über das Unternehmen besorgen werde, oder nicht. Sie helfen mir, Zeit zu sparen und mich auf die besten Ideen zu fokussieren – jene, die aus meiner Sicht das geringste Risiko und die größten Chancen präsentieren.

1. Verstehe ich das Geschäft und die Industrie in der sich das Unternehmen bewegt? Sollte ich das Unternehmen oder das Marktumfeld des Unternehmens und die Konkurrenzsituation nicht kennen, entscheide ich mich regelmäßig gegen das Unternehmen.

2. Hat das Unternehmen zu viele Schulden im Verhältnis zum Eigenkapital, Gesamtkapital und zur Bilanzsumme? Hat das Unternehmen einen gesunden Zinsdeckungsgrad? Wenn ich mich mit der Finanzierung des Unternehmens und seines Geschäfts unwohl fühle, lasse ich es lieber sein.

3. Generiert das Unternehmen einen Nettogewinn und einen Freien Cash-Flow? Ich investiere generell nicht in Unternehmen, die Geld verlieren, wobei ich Ausnahmen mache, wenn ein Unternehmen kurzfristig in der Krise steckt oder stark investiert, um sich für die Zukunft besser aufzustellen, wenn ich einen guten Pfad erkennen kann, auf dem das Unternehmen zu robuster zukünftiger Profitabilität gelangen kann.

4. Sind in der Vergangenheit der Umsatz und die Gewinne des Unternehmens konstant gestiegen? Verstehe ich, woher das Wachstum in der Zukunft kommen soll.

Ich bitte darum, zu beachten, dass die Fragen der ersten vier Kategorien alle mit einer klaren Ja-oder-Nein-Antwort beantwortet werden können, was jedem erlaubt, diese Fragen schnell und ohne weiteres Recherchieren zu beantworten. Erst wenn ein Unternehmen gut aussieht, nachdem ich diese ersten vier Fragen beantwortet habe, die vor allem dazu da sind, fragwürdige Unternehmen auszusieben, beginne ich mit den folgenden Fragen, deren Beantwortung wesentlich mehr Aufwand benötigt.

5. Sind die Finanzen in Ordnung und verstehe ich die Anmerkungen in der Bilanz?

6. Hat das Unternehmen einen offensichtlichen Wettbewerbsvorteil? Ist dieser Vorteil nachhaltig? Dies sind die Fragen, mit denen ich am meisten Zeit verbringe, denn Unternehmen mit einem anständigen Vorsprung tendieren dazu, den Markt für lange Zeit zu schlagen. (Mehr über dieses Thema hier und hier.)

7. Ist das Management kompetent und geht es offen mit seinen Fehlern um? Haben die Manager selbst immer wieder in das Unternehmen investiert? Von welchen Zahlen und von welchen Zeiträumen hängt die Bezahlung des Managements ab?

8. Könnte das Internet dem Unternehmen zusetzen?

9. Was sind die Risiken? Gibt es seriöse Anleger, die die Aktien gerade leer verkaufen?

10. Wird die Aktie zu einem attraktiven Preis gehandelt? Und wenn ja: Warum?

Diese Checkliste ist natürlich nur ein Anfang. Wenn man beginnt, Unternehmen einer Checkliste zu unterziehen (diese oder eine andere), werden automatisch weitere Fragen während des Datensammelns auftauchen.

Zum Beispiel stellen wir fest, dass ein Unternehmen eine Menge Akquisitionen durchführt, was wiederum dazu führt, dass wir uns die Geschichte der Übernahmen anzuschauen. (Zum Beispiel: Für das wievielfache des EBITDA, kauft das Unternehmen andere Unternehmen auf? Übernimmt es diese Firmen gegen Aktien oder gegen Bargeld? Wenn das Unternehmen tatsächlich Aktien ausgeben sollte, passiert das regelmäßig, wenn der Aktienpreis hoch ist, oder wenn er niedrig ist? Erweitert das Unternehmen seine Bilanz, um diese Deals zu ermöglichen? Musste es bereits häufiger den Wert der übernommenen Unternehmen nachträglich korrigieren und Abschreibungen vornehmen?).

Oder wir stellen fest, dass es in der Bilanz eine Zeile gibt, die wir nicht recht verstehen. Das wiederum könnte dazu führen, dass wir versuchen, herauszufinden, worum es dabei geht. Für bestimmte Industrien, wie Rohstoffe, Produktion, Banking oder Versicherungen, oder bestimmte Märkte sollte man eventuell weitere Fragen auf die Checkliste nehmen.

Das Verwenden einer Checkliste hat mich zu einem besseren Investoren gemacht, weil mich die Checkliste zwingt, mich ordentliche zu informieren, indem ich mich nun auf die besten Aktien konzentrieren muss und mich außerdem selbst ein wenig bremse, bevor ich investiere. Ich hoffe, dass sie das selbe für meine Leser tun kann.

Ich glaube fest daran, dass wir alle, wenn wir uns hinsetzen und jede einzelne der zehn Fragen in den unterschiedlichen Kategorien ernsthaft beantworten, bevor wir eine Investition tätigen, unsere Chance, eine schlechte Investition zu machen minimieren, und die Chance, eine gute Aktie zu kaufen, massiv erhöhen werden.

Ich selbst schaue immer nach neuen Möglichkeiten, meinen Überprüfungsprozess zu verbessern. Deshalb würde ich mich sehr über Fragen und Anregungen freuen. Sollte ich noch weitere Punkte meiner Checkliste hinzufügen? Bis dann: Fool on!

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Dieser Artikel wurde von John Rotonti auf Englisch verfasst und wurde am 7.10.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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