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3 Gründe, chinesischen Aktien nicht zu trauen

Foto: Pixabay, werner22brigitte

Vor kurzem machte die Schuhfirma Ultrasonic (ETR:US5)(FRA:US5) eine erstaunliche Ankündigung. CEO und COO des Unternehmens waren beide verschwunden… mit dem Großteil des Bargeldbestandes des Unternehmens! Der CEO ist seitdem wieder aufgetaucht und besteitet jegliches Fehlverhalten. Aber trotzdem: wie konnte so etwas passieren, bei einem deutschen Unternehmen?

Die Antwort ist, dass es sich gar nicht wirklich um ein deutsches Unternehmen handelt. Obwohl es an der deutschen Börse gehandelt wird, ist das Unternehmen selbst Chinesisch: „China’s Urban Footwear Company“ laut Website. Und darin liegt das Problem: wenn du mich fragst, kann man chinesischen Aktien einfach nicht trauen.

Du kannst den Führungskräften nicht trauen

Ein paar verschwundene Führungskräfte sind in Deutschland undenkbar, doch genau das passiert in China allzu häufig. In der Tat wurde Anfang des Jahres ein Insolvenzverfahren gegen ein anderes, an der deutschen Börse notiertes, chinesisches Unternehmen, Youbisheng Green Paper (ETR:YB1)(FRA: YB1), gestartet – nachdem der CEO ohne Angabe von Gründen verschwand.

Natürlich entsprechen zwei Vorkommnisse keinem Trend, aber in China kommt Korruption – vor allem Bestechung – nur allzu häufig vor, besonders in der Regierung. Und mit 90 % der chinesischen Unternehmen, die staatliche Subventionen erhalten, gibt es einen enormen Anreiz zum Mitspielen.

Während das nicht notwendigerweise bedeutet, dass jeder Mitarbeiter der chinesischen Regierung oder einer chinesischen Firma korrupt ist, es bedeutet doch, dass die Wahrscheinlichkeit eines korrupten Managers, der seiner Firma schadet, wesentlich größer ist als hier. Nehmen wir zum Beispiel einen anderen chinesischen Ausstatter in Deutschland, Kinghero (ETR:KH6)(FRA: KH6) der im Januar seinen ehemaligen CEO des Vertrauensbruchs beschuldigt hat und versucht hat, sich von der Börse abzumelden. Oder der chinesische Goldgräber Real Gold, dessen Gründer Wu Ruilin die Vermögenswerte des Unternehmens (und somit der Aktionäre) als Sicherheit für Darlehen an seine andere Unternehmen verpfändete.  Trotz der Dementis von Ultrasonic CEO Qingyong Wu könnten er und COO Minghong Wu Teil dieses Trends gewesen sein.

Du kannst den Zahlen nicht trauen

Vor zwei Jahren gab es einen großen Buchhaltungsskandal in China. Es wurde festgestellt, dass viele chinesische Firmen zwei Gruppen von Büchern halten: einmal für ihren Wirtschaftsprüfer und die Aktionäre und eine weitere mit den tatsächlichen Zahlen. Ist es überraschend, dass die tatsächlichen Zahlen weit weniger rosig sind, als ihre öffentlichen Gegenstücke es waren? Viele chinesische Unternehmen – große Unternehmen, wie „das chinesische Twitter“ Sina (NASDAQ: SINA)(FRA: YIN) – haben mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren, weil nervöse Investoren realisiert haben, dass ihre Bücher nicht vertrauenswürdig sind.

Vorausgegangen waren viele ähnliche Skandale, in denen Bücher chinesischer Unternehmen gefunden wurden, die eine Vielzahl von Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung hatten. Zum Beispiel gab es Verträge mit nicht vorhandenen Kunden (China Public Procurement, 2010), falsche Umätze und nicht vorhandenes Bargeld (Hontex International, 2009) und falsche Schuldner (Moulin Global Eyecare, 2005).

Obwohl Reformen seitdem umgesetzt worden sind, bestehen die Skandale weiterhin. Zum Beispiel bei der Firma Siwei, die von dem amerikanischen Baumaschinen-Hersteller Caterpillar (NYSE: CAT) im Jahr 2013 übernommen wurde. Caterpillar musste 580 Millionen US-Dollar des Kaufs abschreiben, weil Siwei die meisten Analgegüter aus seinen Büchern gar nicht hatte.

Du kannst dem System nicht trauen

Das jüngste IPO von Alibaba (NYSE: BABA)(ETR: 4AL) – dem größten Börsengang in der Geschichte – zeigt ein drittes und oft übersehenes Problem mit Investitionen in chinesische Firmen. Oft kann man eigentlich nicht Anteile an den Unternehmen selbst kaufen. Wenn du zum Beispiel die Aktie von Alibaba kaufst, wirst du technisch gesehen kein Eigentümer von Alibaba. Stattdessen erhältst du die Rechte an Gewinnen, die an eine Holding-Firma auf den Cayman-Inseln gesendet werden, die als “Variable Interest Entity” bezeichnet wird. Klingt kompliziert? Das ist es.

Das ist eine verbreitete Vereinbarung mit chinesischen Firmen, da chinesische Gesetze es verbieten, dass Ausländer Besitz haben an „sensiblen Anlagen“, was Technologie, Bankwesen, Energie und Lebensmittel mit einschließt. Aber es gibt keine wirkliche Garantie, dass diese Verträge greifen, wenn sie in Frage gestellt werden. Was, wenn Alibaba gegen die Vereinbarung verstößt und sich weigert zu zahlen? Wo würde ein Verfahren stattfinden?

Motley Fool-Analyst Tim Hanson sagte in einem Interview im The Motley Fool Podcast MarketFoolery: „Am Ende des Tages sind die wichtigsten Teile dieser Struktur für ausländische Aktionäre in China tatsächlich nie als legal deklariert worden und sie wurden nie wirklich getestet. Damit muss man viel Vertrauen in das Management-Team haben, dass es die richtigen Wege einschlägt und… die Alibaba Geschäftsführer haben eine sehr wechselvolle Geschichte was Ehrlichkeit anbetrifft, also ich würde ihnen im Zweifelsfall nicht blindlings trauen. “

Also wem kannst du trauen?

China ist ein attraktives Investment. Und obwohl seine Wachstumsrate in den letzten Jahren zurückgegangen ist, seine Wirtschaft wächst noch mit einer jährlichen Rate von 7 %, im Vergleich dazu wächst Deutschland relativ blutarm mit 2,7 % – die gesamte EU mit gerade mal 0,2 %.  Aber wie kann man davon profitieren, ohne sich an unseriösen Regierungen, Buchhaltungssystemen und Aktienstrukturwn die Finger zu verbrennen?

Die Antwort ist, deutsche Unternehmen zu finden, die in China aktiv sind, wie Volkswagen (ETR: VOW) (FRA: VOW), und in diese zu investieren. Volkswagen hat vor kurzem angekündigt, dass es dieses Jahr 2,72 Millionen Fahrzeuge in China verkauft hat, 15% mehr als letzes Jahr. China ist der größte internationale Markt und Volkswagen ist der meistverkaufte ausländische Autohersteller in China. Es gibt noch zahllose weitere Beispiele.

Während ich nicht glaube, dass es sinnvoll, die Finger von einer Investition zu lassen, nur weil es sich in einem bestimmten Land mit — ähem — einer befleckten Geschichte von Aufrichtigkeit befindet, ich glaube, dass es sinnvoll ist, die Augen offen zu halten und sich den Risiken bewusst sein. Und wenn du mich fragst, investieren kein Geld in China, das du dir nicht leisten kannst zu verlieren.

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John Bromels besitzt Aktie von SINA. The Motley Fool empfiehlt Sina. The Motley Fool besitzt Aktien von Sina.

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