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Die Korrektur am Aktienmarkt: Ist das Schlimmste schon vorbei?

Foto: Matt Koppenheffer

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„Der größte Teil der Korrektur liegt hinter uns.”

Das war die Schlagzeile.

„Was für eine Erleichterung!”, dachte ich. „Seit Anfang Juli haben wir den DAX zum ersten Mal über 10.000 steigen sehen, dann um 10 % auf rund 9.000 fallen, wieder auf 9.800 klettern und dann auf unter 9.000 sinken. Aber jetzt wissen wir … wir wissen es! … dass der größte Teil der Korrektur hinter uns liegt, also ist es wieder sicher für uns, zu investieren.”

Natürlich mache ich nur Witze.

Der Markt ist in den vergangenen Monaten stark gefallen, aber viel Glück bei dem Versuch, vorherzusagen, was das für den nächsten Monat bedeutet.

Die kurzfristigen Aufs und Abs des Marktes sind eigentlich unmöglich vorherzusagen. Und das trotz der Besessenheit, die viele Investoren bei dem Versuch befällt, anhand der Schnörkel im Markt und den Market-Timing „Signalen” zu einer richtigen Vorhersage zu gelangen, was im Laufe von wenigen Monaten passieren könnte.

Sicherlich, manchmal liegen diese Investoren richtig. Zumindest so weit, dass ihre Vorhersage mit dem übereinstimmt, was im Markt passiert. Aber das ist in der Regel ein „richtig” in der Art, so wie eine kaputte Uhr auch zweimal am Tag richtig liegt.

Es wird heiß

Nehmen wir an, du ziehst nach Hawaii. Du Glückspilz! Und du wirst dort mindestens für die nächsten fünf Jahre leben.

Nun überleg mal so: Wie wirst du deine neue Garderobe zusammenstellen? Wirst du versuchen, das Wetter der nächsten Woche vorherzusagen und kaufst darauf basierend deine gesamte neue Kleidung ein? Noch schräger, wirst du ständig versuchen, die Temperatur in der kommenden Woche oder dem kommenden Monat vorherzusagen und kaufst Kleidungsstücke (und wirst andere los) auf der Grundlage dieser Prognosen?

Eher nicht, denke ich.

Wahrscheinlicher ist, dass du auf eine Website mit Wetterdaten für Hawaii gehst und dir die Durchschnittstemperaturen über das ganze Jahr hinweg betrachtest. Wenn du das machen würdest, könntest du sehen, dass die durchschnittliche Höchsttemperatur in Honolulu im Laufe eines typischen Jahres durchweg über 27 Grad liegt und die durchschnittliche Tiefsttemperatur nicht unter 18 Grad fällt. Mit diesen Informationen in der Hand, würdest du das meiste deines Garderoben-Budgets für kurze Hosen und T-Shirts ausgeben, anstatt für Anoraks und Schneehosen.

Natürlich würdest du auch feststellen, dass die historisch niedrigsten Temperaturen in Honolulu auch schon mal 4 Grad erreicht haben. Es wäre also klug, etwas warme Kleidung in deinem Kleiderschrank zu haben und zu wissen, dass es – obwohl du im Paradies leben wirst – immer mal wieder auch kühl werden kann.

Du weißt, worauf ich hinaus will

Fool.de ist keine Wetterseite, Urlaubskolumne oder Modeverlag. Also kannst du dir sicherlich denken, dass Hawaii einfach eine Metapher für deine Investitionen ist.

Basierend auf Daten des Deutschen Aktieninstituts, hat der DAX in den letzten 50 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 7,3 % pro Jahr erzielt. Das ist ein hawaiianisches Paradies für Investoren, das über diesen 50-Jahres-Zeitraum aus 100.000 Euro 3,4 Mio. Euro gemacht hätte.

Obwohl es genau wie beim echten Hawaii hier und da ein paar Kälteeinbrüche gab. 1986 fiel der DAX um schaurige 36,4 %. Im Jahr 2001 war es geradezu eisig mit einem Rückgang um 43,9 %. 2007 brachte uns einen weiteren Jahresverlust von mehr als 40 %. Und trotzdem lag die „Durchschnittstemperatur” des DAX über die letzten 50 Jahre betrachtet, inklusive all dieser schrecklichen Jahre, immer noch bei angenehmen +7,3 % pro Jahr. Über einen kürzeren Zeitraum betrachtet, war es sogar noch besser – in den letzten 35 Jahren brachte der DAX 9,5 % pro Jahr.

Also hier ist die Frage: Wenn du dir deine Anlagestrategie zurecht legst, denkst du, sie sollte auf Vermutungen darüber basieren, was in der nächsten Woche oder im nächsten Monat passiert? Oder wäre es klüger, das große Ganze zu betrachten? Im Laufe der Zeit sind Unternehmen gewachsen, ist die deutsche Wirtschaft gewachsen, und die Weltwirtschaft ist auch gewachsen. Das hat Unternehmenswerte nach oben getrieben und mit ihnen den Gesamtwert der weltweiten Aktienmärkte.

Klar, es wird manchmal etwas kühl im Markt. Aber wenn du die Perspektive behältst, wirst du dich daran erinnern, dass du in einem tropischen Investoren-Paradies lebst.

Was bedeutet das für heute?

Während dies der richtige Weg ist, Investition grundsätzlich zu betrachten, müssen wir dennoch wissen, was wir auf Tages- oder Monatsbasis tun sollen. Die gute Nachricht ist, dass es die meiste Zeit am besten ist, nichts zu tun und deine Investitionen für dich arbeiten zu lassen.

Das ändert sich nicht unbedingt, wenn der Markt eine Pechsträhne hat. Aber es gibt ein paar bestimmte Dinge, die in einer Phase wie dieser, eine Überlegung wert sind:

1. Geld an der Seitenlinie – Hast du eine bestimmte Menge Geld, das im Moment nichts tut? Wie ich oben gesagt habe, können wir nicht sagen, ob die Korrektur am Markt nun vorbei ist. Wovon wir aber ausgehen können ist, dass der DAX zumindest am Donnerstag um 12 % billiger war als noch am 20. September. Selbst wenn das jetzt kein „All in” Moment ist, könnte er eine Gelegenheit bieten, etwas mehr Geld für dich auf die Arbeit zu schicken. Obwohl du dafür keine Marktkorrektur abwarten musst – wie der bedeutende US-Investor Shelby Davis einmal sagte: „Die beste Zeit zu investieren ist, wenn du das Geld hast.”

2. Das unbehagliche Gefühl – Wenn dich ein unangenehmes Gefühl während eines fallenden Marktes beschleicht, gibt es ein paar Dinge, die passiert sein könnten. Erstens könnte es einfach die normale menschliche Reaktion auf Verluste sein – Behavioral Finance-Experten sagen, dass wir so verdrahtet sind, dass uns Verluste psychologisch doppelt so stark weh tun, wie wir über Gewinne glücklich sind. Ein fallender Markt fühlt sich also von Natur aus unwohl an. Wenn du denkst, dass dies bei dir der Fall ist, dann überspringe direkt zu Nr. 3.

Es ist auch möglich, dass du in deiner Situation nicht die richtigen Investitionen besitzt. Wenn dich ein fallender Markt dazu bringt, dir die Haare wegen deiner Investitionen auszureißen, könnest du eventuell zu viel Risiko eingegangen sein. Wenn du denkst, dass dies der Fall ist: Panik während eines fallenden Markts ist nicht die richtige Antwort. Allerdings könnte es klug sein, deinen Investitions-Ansatz zu überprüfen und über ein angemesseneres Risikoniveau zu entscheiden.

3. Mach überhaupt nichts – Diese Antwort gilt für die meisten Menschen. Kurzfristig geht der Markt mal auf und mal ab. Aber über längere Zeiträume hat er die Tendenz zu steigen. Es ist normal, wenn dich beim Anblick von roten Zahlen in deinem Portfolio ein gewisses Unbehagen überkommt. Aber das kann zu schlechten emotionalen Entscheidungen führen – wie dem Verkauf zu einem Tiefstpreis.

Als Ergebnis könnte das Beste für dich sein, einfach den Computer herunterzufahren, den Fernseher auszuschalten und dich auf etwas anderes zu konzentrieren, wie zum Beispiel wandern zu gehen, einen Film zu schauen oder … eine Reise nach Hawaii zu planen.

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