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Staatlich geförderte Altersvorsorge: Lohnen sich Riester-Verträge auf Fondsbasis?

Foto: Pixabay, violetta

Das Sparen für den Ruhestand funktioniert am besten mit Aktien. Schade nur, dass dies für die staatlich geförderte Altersvorsorge auf Aktienbasis nicht 100-prozentig gilt. Denn bei der Riester-Rente ist nicht immer klar, wer letztlich von ihr profitiert. Ein kleiner Tipp vorab: Wer viele Kinder und wenig Geld hat, gehört auf jeden Fall dazu.

Irgendwie mag ich Norbert Blüm. Als Sozialpolitiker alter Schule hat der ehemalige Bundesminister noch feste Überzeugungen. Eine davon: „Die Renten sind sicher.“ Recht hat er! Leider gilt aber auch: Wer in 15 oder mehr Jahren in den Ruhestand geht, wird mit der staatlichen Rente allein nicht auskommen. Private Vorsorge ist also angesagt.

Die  spannendste Frage dazu lautet: Wie sichert man sich mit möglichst geringem Einsatz eine akzeptable Zusatzrente?

Die Autopilot-Variante für Leute mit gutem Einkommen

Die Antwort fällt leicht: Je früher du mit der privaten Altersvorsorge beginnst, desto billiger wird das Vergnügen, weil der Zinseszinseffekt für dich arbeitet. Und wenn du dich obendrein für diejenige Anlageform entscheidest, die langfristig die höchste Rendite bringt, geht das sogar ganz bequem per Autopilot: mit einem Sparplan auf einen Indexfonds.

Dafür brauchst du erstens ein bisschen Disziplin und foolishe Nerven, denn Aktienkurse können auch mal nach unten gehen. Aber mit der Zeit – Altervorsorge ist eine langfristige Sache – gleicht sich so was wieder aus. Und zweitens brauchst du Geduld, denn der Zinseszins schaltet erst nach einigen Jahren wirklich den Turbo ein. Dann aber tritt rechtzeitig vor der Rente der so genannte Wilhelm-Busch-Effekt ein: „Er fühlt sich wie neugestärkt,
als er so viel Geld bemerkt.“

Das ist bei Rentenbeginn sicher angenehm.

An anderer Stelle wurde übrigens bereits angemerkt, dass man mit der Eröffnung eines Depots bei einem Discount Broker auf einen Schlag die meisten Probleme der Vermögensbildung und der Altersvorsorge gelöst hat. Jetzt ist vielleicht klarer, was damit gemeint war. Allerdings hat die Sache einen Haken: Nicht jeder kann oder will sich das leisten. Deshalb hat Vater Staat bzw. einer von Norbert Blüms Nachfolgern die so genannte Riester-Rente erfunden.

Riester statt Autopilot: Wenn dir der Staat ins Steuer greift

Der Staat hilft uns gerne dabei, Verluste wettzumachen, die er uns zuvor durch Rentenkürzungen beschert hat.  Dafür spendiert er Zulagen und gewährt uns (Vorsicht, Zauberwort) Steuervorteile.

Zum Beispiel so: Man schließt bei einer Bank oder einer Versicherung einen Vertrag für ein staatlich gefördertes Altersvorsorgeprodukt ab. Das wird mit jährlich 154 Euro Grundzulage und bis zu 300 Euro  für jedes kindergeldberechtigte Kind (für Kinder, die vor 2008 geboren wurden 185 Euro) bezuschusst. Außerdem lassen sich die Riester-Beiträge von der Steuer absetzen, was bei alleinstehenden Besserverdienern bereits eine Förderquote von knapp unter 50 Prozent ergibt.

Soweit, so gut. Allerdings stellt der Staat auch ein paar Bedingungen. So will er zum Beispiel verhindern, dass wir im Ruhestand die Riester-Kohle auf einen Schlag für Rock’n Roll und zwei andere, ähnlich beliebte Dinge ausgeben. Deshalb müssen Riester-Guthaben als lebenslange Rente ausgezahlt werden. Außerdem sind diese Renten voll zu versteuern. Letzteres ist kein großes Problem, da der Steuersatz für Rentner geringer ist als für Erwerbstätige. Ersteres kann sich jedoch als ungünstig erweisen.

Man schließt mit der Riester-Rente nämlich nicht nur einen Sparvertrag, sondern auch eine Wette gegen die Sterbetafeln der Assekuranz ab. Will heißen: Man muss schon ziemlich (gute Schätzung: mindestens 85 Jahre) alt werden, wenn man sein Riester-Kapital wirklich zur Gänze genießen will. Das bedeutet: Wer nur 80 Jahre alt wird, riskiert Minusrenditen. Und: Riester-Guthaben dürfen nicht ohne Weiteres vererbt werden. Allerdings ist die Übertragung auf einen Riester-Vertrag des Ehepartners möglich.

Vorschriften + Gebühren = Renditebremse

Der aus foolischer Sicht größte Nachteil von Riester-Verträgen ist jedoch, dass man mit ihnen die Vorteile der Aktienanlage nicht vollständig ausspielen kann.

Das liegt nicht daran, dass es keine Riester-Variante für Aktiensparer gibt. Im Gegenteil: Jede große Fondsgesellschaft hat mindestens ein gefördertes Produkt im Angebot. Wegen staatlicher Vorschriften dürfen die Riester-Beiträge aber nur zu einem bestimmten Prozentsatz in Aktienfonds fließen. Der Rest muss so angelegt werden, dass zu Rentenbeginn mindestens die Summe der gezahlten Beiträge und Zulagen zur Verfügung steht. Das schmälert bereits die Rendite. Hinzu kommt, dass die Fondsgesellschaften nur aktiv gemanagte Fonds fürs Riestern anbieten, weil sie an Indexfonds nicht genug verdienen. Das ist ein weiterer Renditekiller.

Die Folge: Wenn du als Gutverdiener 30 Jahre lang jährlich die geförderte Höchstsumme von 2100 Euro (abzüglich Zulagen), also insgesamt 63.000 Euro in einen Riester-Fondssparplan einzahlst, drückst du mehr als 10.000 (!) Euro davon in Form von Ausgabeaufschlägen, Verwaltungsvergütungen und sonstigen Gebühren ab.

Das bedeutet übrigens auch: Mehr als das Doppelte der staatlichen Grundzulage geht im Laufe der Zeit nicht an den Sparer, sondern an die Fondsgesellschaft und ihre Vermittler. Hoffentlich erhebt jetzt jemand den Einwand, dass bei bestimmten fondsgebundenen Riester-Versicherungen auch Indexfonds zur Auswahl stehen. Meine Antwort: Das stimmt, aber dafür kassieren die Versicherer an anderer Stelle das ab, was der Kunde an Management-Vergütung spart. Besonders bei Verträgen, die 15 oder weniger Jahre laufen kann das deutlich teurer werden.

Gut geeignet für Geringverdiener und Eltern

Besser sieht es für Leute mit geringem Einkommen aus. Um die vollen Zulagen zu bekommen, muss man 4 Prozent des Vorjahreseinkommens, mindestens jedoch 60 Euro jährlich in einen Riester-Vertrag einzahlen. Wer also wenig verdient und Kinder versorgen muss, ist dank der Zulagen mit solch einem Vertrag gut bedient. Denn trotz der eingebauten Renditebremsen kriegt man mit einem lang laufenden Riester-Vertrag auf Aktienfondsbasis immer noch mehr raus als mit anderen Anlageformen. Dass auch bei dieser Zielgruppe zu viel für die Finanzdienstleister herausspringt ist eine andere Geschichte, die Norbert Blüm gerne in Talk Shows erzählt.

Fazit

Riester-Verträge auf Aktienbasis bieten bei ausreichend langer Laufzeit höhere Renditechancen als andere staatlich geförderte Altersvorsorge-Produkte. Wer auf Zulagen und Steuervorteile verzichten kann, ist bei der Altersvorsorge mit Indexfonds deutlich flexibler – und kann mit dem Geld im Alter machen, was er will.

Ob mit oder ohne staatliche Förderung: Diese Entscheidung kannst nur du allein treffen. Du kannst auch beschließen, gar nichts zu tun und dich allein auf die gesetzliche Rente zu verlassen. Aber dann besteht die Gefahr, dass statt des oben erwähnten Wilhelm-Busch-Effektes die Immanuel-Kant-Katastrophe eintritt.

Der große Philosoph hat nämlich Folgendes gesagt: „Mit dem Alter nimmt die Urteilskraft zu und das Genie ab.“ Für notorische Vorsorgeverweigerer bedeutet das spätestens im Alter von 67

  • die Erkenntnis, dass sie doch besser etwas für die Rente hätten tun sollen und
  • die Einsicht, dass sie kein Geld für diejenigen Dummheiten haben, die sie sich im Alter eigentlich immer leisten wollten.

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