MENU

Ich stelle erst jetzt fest, wie blöd wir alle sind

Foto: Pixabay.

Bei diesem Text handelt es sich um meine dreitausendste Kolumne. Und während ich diese vielen Texte über die Wirtschaft und das Investieren schrieb, habe ich eine Menge gelernt. Hier sind einige meiner wichtigsten Lektionen:

Ich habe gelernt, dass das Ändern unserer Meinung eines der Dinge ist, die uns am schwersten fallen. Es ist für uns wesentlich einfacher, an eine offensichtliche Unwahrheit zu glauben, als einen Fehler einzugestehen.

Ich habe gelernt, dass Menschen unglaublich schlecht darin sind, ihre eigenen Emotionen vorherzusehen. Wir alle sind wesentlich verängstigter, wenn die Kurse fallen und wesentlich gieriger, wenn die Kurse steigen, als wir vorher gedacht hätten.

Ich habe gelernt, dass starke politische Präferenzen, egal in welche Richtung, unsere Fähigkeit rationale Entscheidungen zu treffen, stärker einschränkt als fast alle anderen Einflüsse.

Ich habe gelernt, dass kurzsichtiges Denken die Wurzel der meisten Probleme ist, sowohl im Geschäftsleben, als auch in der Politik, beim Investieren oder bei der Arbeit.

Ich habe gelernt, dass Schulden größere soziale Probleme erzeugen können als viele Drogen. Trotzdem sind diese Drogen illegal und viele Schulden können steuerlich abgesetzt werden.

Ich habe gelernt, dass Finanzen tatsächlich eine sehr einfache Sache sind, aber das Thema kompliziert dargestellt wird, um die hohen Beratungsgebühren zu rechtfertigen.

Ich habe gelernt, dass Eigeninteresse die stärkste treibende Kraft auf der Welt ist. Menschen, die unethischen, ausbeuterischen oder einfach nur unsinnigen Jobs nachgehen, werden sich einer mentalen Gymnastik unterziehen, um sich selbst überzeugen zu können, dass sie das Richtige tun. Diejenigen, die das Verhalten jener “gierigen Wall Street Banker” kritisieren, unterschätzen ihre eigene Tendenz, Ähnliches zu tun, wenn ihnen jemand eine achtstellige Gehaltssumme angeboten wird.

Ich habe gelernt, dass Menschen doppelt so voreingenommen sind, wie sie denken, was genau der Grund dafür ist, warum vorgebildete Meinungen so gefährlich sind.

Ich habe gelernt, dass nicht haltbare Dinge Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, länger existieren können, als die Menschen generell annehmen.

Ich habe gelernt, dass diejenigen die denken, dass “dieses Mal ist alles anders” die vier gefährlichsten Worte sind, unrecht haben. Es ist immer dieses Mal anders, so wie niemals zwei Rezessionen, zwei Erholungen oder zwei Marktzyklen gleich sind. Die größte Gefahr geht von der Annahme aus, dass die Zukunft so aussehen müsste wie die Vergangenheit.

Ich habe gelernt, dass die Menge an Artikeln, die Journalisten schreiben müssen, bei weitem höher ist, als die Anzahl der Dinge, die einen Bericht wert sind. Kein Reporter kann zu seinem Chef gehen und sagen: „Heute gibt es einfach nichts Wichtiges über das ich schreiben könnte“, obwohl genau das an vielen Tagen der Fall ist.

Ich habe gelernt, dass sich niemand darum schert, wie akkurat die Vorhersagen der Kommentatoren wirklich sind. Diejenigen, die Kommentatoren zuhören, sind meist vor allem daran interessiert, ihre eigene Sichtweise bestätigt zu bekommen. Die Genauigkeit der Vorhersage ist ein Nebengedanke.

Ich habe gelernt, dass es eine starke Korrelation zwischen Wissen und Demut existiert.

Manche Menschen verbringen 10 Minuten auf Google, um sich über die Geldpolitik zu informieren und denken nachher, sie hätten alles verstanden, während andere mit Doktortitel und jahrzehntelanger Erfahrung in Frustration die Arme hochwerfen. Je mehr man über die Ökonomie lernt, desto mehr realisiert man, wie wenig man davon versteht.

Ich habe gelernt, dass alles, was wie die größte Gefahr für Morgen aussieht, beinahe nie eintritt. Das meiste, worüber sich Menschen in den letzten fünf Jahren Sorgen gemacht haben — Inflation, steigende Zinssätze, Double-Dip Rezession, stagnierende Märkte, Griechenlands Austritt aus dem Euro, eine Pleite der USA – hat sich nie manifestiert. Die größte Gefahr in diesem Moment ist aus meiner Sicht etwas, worüber kaum geredet wird: exzessiver Pessimismus.

Ich habe gelernt, dass Daten manchmal mehr schlechte Dinge anrichten als gute. Es gibt heute so viele Datensätze, dass man beinahe alles überzeugend begründen kann, wenn man mit genügend Arbeitskraft daran geht, sich die richtigen Studien auszusuchen.

Das befördert eine Verzerrung der eigenen Wahrnehmung durch Bestätigung, da man mit der Antwort anfängt und dann erst die Daten sucht, um diese zu bestätigen.

Ich habe gelernt, dass die Fähigkeit, länger warten zu können als andere, der größte Vorteil für geduldige Menschen ist. Wenn Du in der Lage bist, über die nächsten fünf Jahre nachzudenken, während alle anderen sich auf die nächsten fünf Monate fixieren, dann hast Du einen Vorteil der Hochfrequenzhandel, Insider-Wissen und Steuerschlupflöcher wie ein Witz aussehen lässt.

Ich habe gelernt, dass wir den Unterschied zwischen Glück und Können häufig nicht erkennen.Von einer Million Investoren werden einige phänomenal erfolgreich sein, obwohl sie nur Glück gehabt haben, und doch ist niemand willens, einzugestehen, dass er zu den glücklichen gehört.

Ich habe gelernt, dass es so etwas wie einen normalen Markt oder eine normale Wirtschaft nicht gibt. Einige Menschen verbringen ihr Leben damit, darauf zu warten, „dass sich die Märkte wieder normalisieren”, ohne zu verstehen, dass Aktien und Märkte sich durchgängig in dem einen oder anderen Stadium der Verrücktheit befinden.

Ich habe gelernt, dass die Volatilität so etwas wie das Eintrittsgeld für einen Freizeitpark ist, das man zahlen muss, wenn man hohe Gewinne aus Investitionen erzielen will. Aber wenige Investoren sind bereit, diesen Eintritt zu bezahlen. Sie schleichen sich lieber durch die Seitentür hinein, klettern über den Zaun oder überlisten die Eingangskontrolle auf andere Art und Weise – allesamt mit Stress verbundene Versuche, die mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern werden. Sowohl im Freizeitpark als auch als Investor hat man ein wesentlich besseres Erlebnis, wenn man den Eintritt einfach bezahlt.

Ich habe gelernt, dass Winston Churchill recht hatte als er sagte: „Du kannst darauf vertrauen, dass die Amerikaner das Richtige tun – nachdem sie alles andere ausprobiert haben.“ Der Kongress ist 99% der Zeit ein reines Irrenhaus, aber wenn es wirklich Spitz-auf-Knopf steht, handelt er schnell und richtig.

Ich habe gelernt, dass die Erwartungen der Menschen schneller wachsen als ihr Vermögen. Das Land ist reicher als es jemals war. Aber ich glaube nicht, dass es glücklicher ist, als es jemals war.

Ich habe gelernt, dass die Art und Weise, wie Menschen auf die letzte Blase reagiert haben, voraussagt, wie sie auf die nächste Blase reagieren werden. Die selben Menschen, die 1999 dot.com-Aktien gekauft haben, investierten 2006 in Wohnungen in Miami und 2011 in Gold.

Ich habe gelernt, dass “Mach einfach gar nichts” fast immer der beste Ratschlag für die meisten Menschen ist.

Ich habe gelernt, dass Godwin’s Gesetz absolut richtig ist.

Was hast Du gelernt?

Gefällt dir der Artikel und möchtest du regelmäßig über Investmentthemen informiert werden? Dann registriere dich hier für den kostenlosen Email-Newsletter von The Motley Fool.

Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 11.6.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Kostenlos: Aktientipps, Börsen-Nachrichten, Anlage-Erkenntnisse

Registriere dich kostenlos für den Newsletter "Bilanz Ziehen", deine wöchentliche E-Mail von The Motley Fool

Ich würde gerne E-Mails von euch zu Produktinformationen und –angeboten von The Fool und seinen Geschäftspartnern erhalten. Jede dieser E-Mail wird einen Link zum Abbestellen zukünftiger E-Mails beinhalten. Mehr Informationen dazu, wie The Fool persönliche Daten sammelt, speichert und handhabt finden sich in den Datenschutzhinweisen von The Fool.