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Wird Twitter bald auf Einkaufstour gehen?

Twitter (ETR:TWR) nimmt gerade einen großen Kredit auf und es sieht so aus, als wolle das Unternehmen mit dem Geld einkaufen gehen. Damit nutzt das Unternehmen die historisch niedrigen Zinsraten aus, die vom quantitative easing-Programm der amerikanischen Bundesbank herrühren. Da erwartet wird, dass die Fed das Programm bis Mitte 2015 auslaufen lässt, also nutzt Twitter die niedrigen Zinsen, so lange es noch möglich ist.

Twitter wird ungefähr 1,8 Milliarden US-Dollar durch die Ausgabe einer Kombination aus 5-jährigen und 7-jährigen Anlagen einnehmen. Die 5-jährigen Anleihen werden lediglich eine Verzinsung von 0.25% aufweisen, während die 7-jährigen Anleihen mit 1% verzinst werden. Die 7-jährigen Anleihen können jedoch von Twitter einseitig in Aktien umgewandelt werden, sollte der Aktienkurs 77,64 US-Dollar erreichen.

Zusammen mit den 1,8 Milliarden US-Dollar, die Twitter in Bargeld und kurzfristigen Finanzmarktinvestitionen hält, und der einen Milliarde US-Dollar aus dem Kreditrahmen, den das Unternehmen bisher nicht ausgeschöpft hat, kommen nun knapp 5 Milliarden US-Dollar zusammen, die das Unternehmen zur Hand hat. Während Twitter bezüglich des Verwendungszweckes des durch die Anleihen eingenommenen Geldes sehr vage ist – in den Papieren steht „corporate purposes”, also “für Unternehmensziele” – wäre das natürlich eine gute Gelegenheit für Twitter, eine große Übernahme über die Bühne zu bringen. Hier stellen wir einige Unternehmen vor, die Twitter auf der Liste haben könnte.

Flipboard

Twitters CEO Dick Costello hat in der Telefonkonferenz zum Ergebnis des zweiten Quartals darauf hingewiesen, dass die Mehrheit derjenigen, die Twitters Tweets lesen, sich niemals einloggt. Einer der Gründe dafür könnte sein, dass Flipboard-User in der Lage sind, Tweets zu folgen und anzuklicken, ohne sich einloggen zu müssen. Die Website behauptet von sich, 100 Millionen aktive User zu haben; das wäre mehr als ein Drittel von Twitters Gesamtusern. Flipboard ist eine Webseite, die Nachrichten aus Medien und sozialen Netzwerken – inklusive Twitter – aggregiert. Die Idee, dass Flipboard aus Sicht von Twitter ein möglicher Übernahmekandidat sein könnte, stammt von dem Analysten Robert Peck, der für SunTrust Robinson Humphrey arbeitet.

Ein Kauf von Flipboard würde Twitter erlauben, auf einer der größten von Dritten betriebenen in Twitter integrierten Plattformen Werbung zu schalten. Flipboard hat bereits Video-Anzeigen auf der Seite vorgestellt und verdient auch schon Geld mit seinem längst etablierten klassischen Anzeigen-Geschäft.

Vor 12 Monaten hat Flipboard – mit einer Gesamtbewertung von 800 Millionen Dollar im Rücken – weiteres Kapital eingeworben. Sollte Twitter die Website direkt kaufen wollen, müsste das Unternehmen wohl eine Milliarde US-Dollar auf den Tisch legen.

StockTwits

Ebenso wie Flipboard ist StockTwits eine weitere von Dritten betrieben Plattform, die in Twitter integriert ist. Sie hat ein Publikum von 40 Millionen Benutzern, die darin interessiert sind, mit den aktuellen Finanznachrichten Schritt zu halten.

StockTwits zeichnet sich durch etwas aus, womit Twitter gerade erst beginnt: maßgeschneiderte timelines, die Twitter selbst als curated timelines oder custom timelines bezeichnet. Die StockTwits Website hat einen speziellen Hashtag etabliert, der $ anstatt von # verwendet. Wenn man zum Beispiel $TWTR bei StockTwits eingibt, zeigt einem die Website den Kursverlauf und den aktuellen Preis von Twitter an, gefolgt von einem Rattenschwanz von Kommentaren, die im Internet über die Firma und die Aktie auf unterschiedlichsten Plattformen abgegeben wurden.

Twitter selbst experimentiert nun auch mit seinen curated timelines, zum Beispiel bei der WM im Sommer oder in der NFL, für die Twitter nun für jedes American Football Spiel eine eigene timeline erstellt. Diese timelines haben zwar bisher nicht die Zahl der registrierten Benutzer erhöht, aber sie erhöhten das Engagement der bereits registrierten Nutzer auf der Website. Anfang des Monats sagte Anthony Noto der Chief Financial Officer von Twitter, dass er glaubt, dass Twitter Anzeigen auf diesen curated timelines mit Aufschlägen verkaufen könnte, da die Benutzer hier höheres Interesse zeigen.

Mit dem Kauf von StockTwits würde Twitter ein Instrument in den Händen halten, mit dem das Unternehmen curated timelines für jedes Aktienunternehmen anbieten könnte.

SoundCloud

Quelle: SoundCloud.

Quelle: SoundCloud.

Twitter hat offensichtlich im Frühjahr mit SoundCloud über eine Übernahme verhandelt, bevor diese Gespräche mit dem Audio-Streaming-Unternehmen dann aber abgebrochen wurden. Das bedeutet nicht, dass Twitter nicht noch immer den Deal über die Bühne bringen will. Im Januar hatte SoundCloud – wie auch Stocktwits – weiteres Kapital eingeworben und wurde dabei mit 700 Millionen US-Dollar bewertet. Wie auch bei StockTwits könnte also letztlich auf dem Preisschild der Firma eine Summe von über einer Milliarde stehen.

Die letzten Versuche, die Twitter im Bereich Musik unternommen hat, sind alle gescheitert. Letztes Jahr hatte das Unternehmen eine Musik-App auf den Markt gebracht, diese aber weniger als ein Jahr später wieder eingestampft. Aber das Teilen von Musik ist nicht nur einer der populärsten Inhalte von Tweets, sondern geschieht auch häufig über Links zu SoundCloud.

Die beiden Plattformen zu vereinigen, könnte für beide Seiten ein großer Vorteil sein. SoundCloud würde Twitters Fähigkeit, neue Benutzer über ihr Interesse an Musik zu gewinnen, massiv erhöhen und außerdem könnte Twitter auf diese Art und Weise einen Zugang zu dem immer populäreren Musik-Streaming-Markt erhalten.

Und SoundCloud wäre unter Twitter in der Lage, das Marketing-Repertoire des sozialen Netzwerks und seine derzeitigen Verbindungen zu großen Marken auszunutzen. Im Augenblick hat SoundCloud nur wenig Werbung auf seiner Website, die vor allem aus traditionellen Anzeigen besteht. Twitter wäre in der Lage, die Werbung auf Soundcloud zu verbessern und das Repertoire zu verbreitern und könnte außerdem für Fortschritte in den Beziehungen mit den Major Labels sorgen.

Eine Menge Möglichkeiten

Das sind nur einige Ideen, was Twitter mit seinem frischen Geld kaufen könnte. Twitter könnte zum Beispiel auch daran interessiert sein, in Anzeigentechnologie zu investieren, etwas, das mit dem Fernsehen verwandt ist. Natürlich könnte Twitter auch eine Daten-Analyse-Firma, einen mobilen Bezahlservice oder eine mobile Verkaufsplattform übernehmen wollen.

Sollte Twitter jedoch tatsächlich die eine oder andere Übernahme planen, dann wäre es für die Anleger wichtig, zu sehen, dass diese Akquisitionen entweder helfen, die Zahl der Benutzer zu erhöhen oder aber mehr Geld mit den derzeitigen Nutzern zu verdienen. Vorzuziehen wäre es, wenn beides möglich wäre.

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The Motley Fool empfiehlt Twitter. The Motley Fool besitzt Aktien von Twitter.

Dieser Artikel wurde von Adam Levy auf Englisch verfasst und wurde am 18.9.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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