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Die sechs Finanzprodukte, die du wirklich brauchst

Foto: Pixabay, Stevepb.

„Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten“, sagte einst der irische Schriftsteller Oscar Wilde (1854-1900). Die meisten Deutschen halten sich noch heute daran, wenn es um Bankprodukte und Versicherungen geht. Dabei ersetzen sie nicht selten Angenehmes durch Überflüssiges.

Wie teuer dieses Vergnügen ist, hat das Verbraucherministerium in einer Studie aus dem Jahr 2008 ermittelt. Das Ergebnis: „Jeder private Haushalt könnte durchschnittlich 400 Euro pro Jahr sparen, wenn er sich auf die existenziellen Risiken mit relevanter Eintrittswahrscheinlichkeit und die jeweils leistungsstärksten Versicherer konzentrieren würde.“ Dabei bezieht sich das in der Studie genannte Einsparpotenzial lediglich auf Angebote der Assekuranz. Nimmt man Bankprodukte hinzu, erhöht sich die Einsparsumme.

Darüber zu lamentieren, ist so sinnlos wie eine Ceranfeld-Versicherung mit eingeschlossenem Überspannungsschutz. Drehen wir stattdessen doch den Spieß einfach um und fragen uns: Welche Bank- und Versicherungsprodukte benötigen wir wirklich? Wenn wir anschließend den meist überflüssigen Rest kündigen, wird Geld für Foolishe Investments frei.

Ich behaupte mal ganz frech: Wirklich nötig sind nur sechs Produkte: ein Girokonto, ein Tagesgeldkonto, eine Haftpflichtversicherung und ein Depot bei einem Discount Broker; wenn du Angehörige versorgen musst, kommt als fünftes Produkt noch eine Risikolebensversicherung hinzu. Auf die Nummer 6 gehe ich später näher ein. Zunächst widmen wir uns den wichtigen Produkten im Detail.

1. Girokonto

Ohne eine Bankverbindung läuft hierzulande gar nichts. Gehalt, Rente oder Arbeitslosengeld müssen schließlich irgendwie bei dir ankommen. Deshalb hast du sicher bereits ein privates Girokonto. Ideal ist ein Kontomodell, das exakt 0,00 € pro Monat kostet. Solch ein gebührenfreies Konto bieten viele Banken, sobald dein monatlicher Geldeingang eine bestimmte Summe überschreitet. Eine Bankkarte für die Nutzung an Geldautomaten und Einzelhandelskassen gibt es gratis dazu, und auch eine Kreditkarte ist häufig kostenlos dabei. Wenn du für so etwas noch bezahlst, kann sich ein Bankwechsel lohnen. Dann hast Du gleich den ersten Hunderter pro Jahr gespart.

2. Tagesgeldkonto

Bevor das Investieren losgeht, ist erst einmal Sicherheit in Form von Liquidität angesagt. Mindestens drei Nettomonatsgehälter sollte jeder auf der hohen Kante haben. Warum? Hier die drei wichtigsten Gründe:

  1. Du sparst Zinsen für einen Dispokredit
  2. Du hast finanziellen Spielraum in Zeiten von Krankheit oder Arbeitslosigkeit
  3. Das Tagesgeldkonto dient als Anlagevehikel für den Sparanteil deines Vermögens, weil sich bei den derzeitigen Mickerzinsen der Kauf von verzinslichen Wertpapieren kaum lohnt

Am bequemsten ist es, per Dauerauftrag monatlich einen bestimmten Betrag auf das Tagesgeldkonto zu überweisen. Sind die drei Nettogehälter erreicht, schadet es nicht, weiterhin regelmäßig kleinere Beträge dort zu deponieren. Das so entstehende Sicherheitspolster hilft dir später, noch ein paar überflüssige Versicherungen zu kündigen …

3. Haftpflichtversicherung

Was nutzen dir die schönsten Investments, wenn du durch einen dummen Zufall einem Fremden Schaden zufügst, und dafür mit deinem gesamten Vermögen gerade stehen musst? Damit meine ich nicht die Brille deiner Schwiegermutter, die du beim letzten Familienfest „aus Versehen“ zertreten hast. Wenn du aber beispielsweise als Fußgänger einen Verkehrsunfall mit Personenschäden verschuldest, bist du ruckzuck pleite – und zwar für Jahre. Deshalb lohnt sich die meist geringe Prämie für eine Haftpflichtversicherung. Diese schließt du am besten bei einem günstigen Direktversicherer über das Internet ab und bezahlst dafür jährlich meist weniger als du beim Wechsel auf ein günstiges Kontomodell gespart hast. Das Praktische daran: Dein Lebenspartner und die Kinder sind kostenlos mitversichert. Dein Hund kostet allerdings extra …

4. Risikolebensversicherung

Wenn du mit deinem Einkommen keine Angehörigen versorgen musst, kannst du diesen Punkt überspringen. Für alle anderen gilt: Lasst euch von einem Versicherungsvertreter auf keinen Fall eine Kapitallebensversicherung aufschwatzen! Eine Risikolebensversicherung ist das Produkt der Wahl, denn für eine relativ niedrige Prämie kannst du mit ihr deine Hinterbliebenen für den Fall deines Todes finanziell absichern. Genau wie bei Haftpflichtversicherungen sind Online-Abschlüsse bei Direktversicherern am günstigsten.

5. Depot beim Discount Broker

Hier beginnt endlich der Spaß! Mit der Eröffnung eines Depots bei einem Discount Broker löst du auf einen Schlag (fast) sämtliche Probleme der Vermögensbildung, der Altersvorsorge und natürlich der Beschäftigung mit (hoffentlich ertragreichen) Foolishen Investments. Wie du den richtigen Broker findest, hat Bernd Schmid an anderer Stelle bereits ausführlich erklärt. Trotzdem ein kleiner Extratipp: Der Broker sollte preiswerte Sparpläne auf Indexfonds anbieten.

And now for something completely different: Produkte, die du nicht brauchst

Beginnen wir mit der Kapitallebensversicherung, die heutzutage zwar überflüssig, aber noch immer weit verbreitet ist: Rund 80 Millionen Verträge haben die Deutschen abgeschlossen. Warum du sie nicht brauchst? Sie ist das Paradebeispiel für überteuerte Kombiprodukte, denn sie verbindet – scheinbar clever – den Risikoschutz mit einem Sparplan. Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, nützt in Wirklichkeit nur der Versicherung und (Stichwort: Provision!) ihren Drückerkolonnen. Besser ist eine preiswerte Risikolebensversicherung.

Auch private Rentenversicherungen sind nichts für Fools, denn auch dort darf das Geld nur zu einem geringen Prozentsatz in Aktien angelegt werden. Wer eines dieser Produkte bereits besitzt, muss den Vertrag allerdings nicht unbedingt kündigen. Oft reicht es, die Versicherung beitragsfrei zu stellen. Das spart leicht einen Fünfhunderter oder Tausender pro Jahr, der sich anders besser anlegen lässt. Mit diesem Thema möchte ich mich aber in einem anderen Artikel beschäftigen.

Freunde der Aktienanlage versuchen die Versicherer für zwei andere Produkte zu begeistern: so genannte fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherungen, die einen Teil der Beiträge in Aktienfonds investieren. Mein Vorschlag dazu: Finger weg! Dieser Spaß ist völlig überteuert und dient lediglich der Altersvorsorge von Versicherungsvertretern und Versicherungsaktionären. Auch hiervon wird künftig noch zu reden sein, wenn es um die staatlich geförderte Altersvorsorge geht.

Weitere überflüssige Finanzprodukte sind beispielsweise:

  1. Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr
  2. Sterbegeldversicherungen
  3. Dachfonds und sonstige aktiv gemanagte Investmentfonds
  4. An Lotterien gekoppelte Banksparpläne

Und auch scheinbar nützliche Dinge wie goldene Kreditkarten und ähnlichen Firlefanz braucht man nicht unbedingt. Wenn euch noch mehr Unnötiges einfällt, seid ihr herzlich eingeladen, dies auf unserer Facebook-Seite zu veröffentlichen.

6. Und jetzt: der Joker

Ich schulde euch noch die Nummer 6 meiner kleinen Produktliste. Wie sagen die Kölner so schön: „Jede Jeck ist anders.“ Für manche ist eine Berufsunfähigkeits- oder Hausratversicherung sinnvoll, für andere ein Riester-Vertrag zur Altersvorsorge. Ich habe mich für eine besonders preiswerte Variante entschieden: einen Leihausweis der Stadtbibliothek.

Für lächerliche 10 € pro Jahr kann ich dort kostenlos sämtliche Anlegermagazine lesen und gute Bücher über richtiges Investieren ausleihen. Besondere Freude habe ich an den Büchern, denn mit den meisten Magazinen kann ich nichts anfangen. Und das Schönste an meinem Leihausweis: Ich bekomme zusätzlich Romane, Hörbücher, Filme und CDs. Die kann ich in der Zeit genießen, die ich gespart habe, weil ich mich nicht mit überflüssigen Finanzprodukten herumschlagen muss. Das ist wahrer Luxus!

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Winfried Rauter besitzt keine Aktien von Banken oder Versicherungen. Aber er und sein Hund sind haftpflichtversichert.

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