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Dieses Biotech Aktienschnäppchen ist kein Schnäppchen

Foto: Evotec

Wenn eine Aktie stark im Preis gefallen ist – sagen wir mehr als 10% -, kann das manchmal eine ausgezeichnete Kaufgelegenheit darstellen.

Netflix zum Beispiel, das in diesem Herbst in Deutschland starten soll: In der zweiten Hälfte des Jahres 2011 fiel die Aktie fast 80%, von einem Höchststand bei $300 (232 Euro) pro Aktie auf knapp über $66 (51 Euro). Seit damals gab es aber ein regelrechtes Kursfeuerwerk bis zu einem aktuellen Preis von ungefähr $480 (372 Euro) pro Anteil! Wenn du zum $66 Preis gekauft hättest, hättest du über das Siebenfache deiner ursprüngliche Investition gemacht!

Aber ein Preis, der einmal gefallen ist, kann auch weiter und weiter fallen und eine Katastrophe für Investoren sein. Anfang letzter Woche sind die Aktien des Biotech-Unternehmena Evotec AG (ETR:EVT) um 24% gefallen, wegen der Stornierung eines Medikaments. Seitdem ist die Aktie wieder nach oben gekrochen, weil Investoren – die sicher ein mögliches Schnäppchen sehen – gekauft haben. Ist diese Aktien also ein Schnäppchen oder nicht?

Foulspiel

Das Medikament, das Evotecs Probleme verursachte, wurde nicht einmal von Evotec hergestellt! Diapep277, ein Medikament zur Behandlung von Diabetes, wurde von zwei Gesellschaften entwickelt, der amerikanischen Biotech-Firma Hyperion Therapeutics und dem israelischen Arzneimittelhersteller Andromeda Biotech. Hyperion war dabei Andromeda zu übernehmen, um die volle Kontrolle über Diapep277 zu haben. Diapep277 ist in Phase III der klinischen Studie – das ist die letzte Phase vor Markteinführung von Arzneimitteln.

Am Sonntag den 7. September kündigte Hyperion jedoch an, dass es Beweise aufgedeckt hatte, dass Andromeda-Mitarbeiter die Ergebnisse ihrer früheren klinischen Studien gefälscht hatten. „Wir sind schockiert und entmutigt aufgrund der schweren Verfehlung und Täuschung,“ sagte Donald J. Santel, President und CEO von Hyperion. Er hat die Entwicklung des Medikaments sofort beendet und die geplante Übernahme von Andromeda kurz darauf gestoppt.

Hyperion wird als Folge der Medikamenten-Stornierung einen Verlust von voraussichtlich 19-43 Millionen Euro hinnehmen. Aber warum fällt dadurch Evotecs Aktienkurs?

Diese Freunde sind nicht freundlich

Also, im Jahr 2007 ging eine Firma, Devologen, einen Lizenzvertrag für das Medikament Diapep277 ein. Als Devologen von Evotec 2011 übernommen wurde, erbte Evotec diesen Vertrag mit Anspruch auf Lizenzgebühren für die Entwicklung des Medikaments. Der genannte Entwicklungsstopp führt zu Verlusten von zig Millionen Euro.

Nicht nur muss Evotec eine Strafgebühr von 8,7 Millionen Euro hinnehmen, es hat derzeit auch noch Anspruch auf eine an Hyperion und Andromeda ausgegebene Anleihe über 3,4 Millionen Euro, deren Rückzahlung jetzt ungewiss ist. Öffentlich zeigte sich eine Evotec-Sprecherin zuversichtlich, die Zahlung zu erhalten… aber sie räumte auch ein, dass Gewinne unter das Vorjahresniveau fallen würden, sollten sie die Zahlung nicht erhalten.

Die Evotec Aktie fiel aufgrund der Nachrichten noch vor Handelseröffnung an der Börse am Montag und hat sich noch nicht erholt. Da die Evotec weder mit der Stornierung, noch mit dem Betrug etwas zu tun hatte, könnte jetzt die richtige Zeit sein zu kaufen?

Eine leere Pipeline

Das würde ich nicht. Wenn man eine Aktie kauft, die gesunken ist, muss man sowohl kurz- und langfristige Perspektiven berücksichtigen. Wenn die kurzfristigen Aussichten der Firma nicht gut sind, aber die langfristigen Aussichten umso spannender, dann muss ein Anleger entscheiden, ob sich das Warten lohnt. Leider sehe ich weder das eine, noch das andere für Evotec.

Diapep277 war das einzige Medikament, das Evotec in Phase III der klinischen Studie hatte. Das bedeutet, dass die anderen potenziellen Geldmacher in früheren Stadien der Entwicklung und Jahre vom Markt entfernt sind. Auch wenn es seine Zahlung von Hyperion und Andromeda erhält – und das ist immer noch ein großes wenn – wird Evotec kaum in einer so guten finanziellen Verfassung sein wie letztes Jahr.

Es gibt auch wenig Grund für eine “Buy und Hold” Strategie. Während sich eine der Frühphasen-Arzneimittel von Evotec auf lange Sicht auszahlen kann, ist es ebenso möglich, dass das Gegenteil eintritt. Und ohne eine Dividende, um die Anleger für das Abwarten zu belohnen, glaube ich, dass es bessere Plätze für dein Geld gibt. Wenn du nach einer Dividende eines Biotech-Unternehmen suchst, könntest du Bayer mit seiner Dividendenrendite von 2,1% oder Eli Lilly, ein amerikanisches Unternehmen mit einer erheblichen Präsenz in Deutschland und einer Dividende von 3% berücksichtigen.

Das Foolishe Fazit

Es ist verlockend, eine Aktie direkt nach einem großen Preisverfall zu kaufen oder zu verkaufen, aber das kann zu Schwierigkeiten führen. Es ist besser, ruhig zu bleiben und das Gesamtbild des Unternehmens zu prüfen, bevor du die Gelegenheit beim Schopfe packst. Und im Falle von Evotec sieht das Gesamtbild für mich nicht sehr rosig aus.

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John Bromels besitzt Aktien von Netflix. The Motley Fool empfiehlt Netflix. The Motley Fool besitzt Aktien von Netflix.

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