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Mein Foolish Interview mit Unternehmer Martin Beiten (Gründer — YOUCOOK)

von Bernd Schmid

Martin Beiten ist Mitgründer und CEO von YOUCOOK und hat das Unternehmen zusammen mit seinem Freund Tobias Modjesch 2012gegründet. Die Idee dahinter ist so simpel wie einleuchtend: Menschen, die selbst gerne mit frischen Zutaten kochen, haben zwei Herausforderungen zu meistern:MB

  • Sie müssen die Zeit aufbringen, sich Rezepte auszudenken und die Zutaten einkaufen.
  • Sie müssen mehr Zutaten kaufen, als sie im Normalfall für die Zubereitung einer Mahlzeit benötigen.

Diese Probleme löst YOUCOOK. Mit frischen Zutaten in den richtigen Mengen abgepackt, können sich Verbraucher heute im Supermarkt einfach ein YOUCOOK-Produkt kaufen und wissen, dass sie ein hochwertiges Gericht zubereiten können, ohne dass nach dem Kochen Reste übrig bleiben. –

Rund drei Jahre nach der Gründung und einige VC-Investments später hat YOUCOOK vor einigen Monaten mit der heristo aktiengesellschaft einen neuen Eigentümer gefunden. Martin ist weiterhin Geschäftsführer bei YOUCOOK und verantwortlich für Marketing und Sales. Wir hatten die Gelegenheit, ihm einige Frage zum Start und der Entwicklung von YOUCOOK und den Herausforderungen in der Lebensmittelindustrie zu stellen.

Wie seid ihr auf die Idee mit YOUCOOK  gekommen?

Es gibt immer mehr Ein- und Zwei-Personenhaushalte, aktuell bestehen rund 75 Prozent der deutschen Haushalte aus weniger als drei Personen. Wer für so wenige Personen kochen möchte, hat wenige Möglichkeiten in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte frisch und bedarfsgerecht, das heißt ohne Reste, einzukaufen. Wer kann schon alleine einen ganzen Brokkoli aufessen? Das hindert viele Leute daran, zu Hause selbst zu kochen und diesen Menschen möchten wir mit YOUCOOK eine Alternative bieten.

Was hat dich überzeugt, dass es funktionieren kann?

Im nahen Ausland, insbesondere in Großbritannien und den Benelux-Ländern, ist es seit langem gelebte Praxis, kurz haltbare, sogenannte ultrafrische Produkte wie zum Beispiel Kochpakete, Mahlzeiten, Salate und Desserts anzubieten. Die Kundenbedürfnisse sind dort ähnlich wie in Deutschland: Es gibt mehr und mehr Singles und Menschen, die lange arbeiten und abends gerne schnell, aber mit Niveau zuhause kochen und essenwollen.

Was war eure größte Herausforderung bei der Umsetzung der Idee?

Herausfordernd war vor allem, von Null an eine physische Lieferkette aufzubauen: Rohwaren einzukaufen, diese zu frisch zu verarbeiten und professionell zu verpacken. Der Prozess ist enorm anspruchsvoll und es dauert seine Zeit, bis die Puzzleteile beisammen sind und alles funktioniert. Wir dachten wir könnten das in vier Monaten umsetzen, tatsächlich haben wir als Quereinsteiger über ein Jahr dafür gebraucht.

Das klingt nicht so, als ob es etwas ist, das du aus deinem vorherigen Job als Berater kanntest. Wie hast du / habt ihr euch das erforderliche Wissen angeeignet?

Für den Einstieg haben wir Hersteller kontaktiert und sind auf Messen gegangen, zum Beispiel die Anuga, um mit kompetenten Ansprechpartnern in Kontakt zu kommen. Das hat gut funktioniert.

Was würdest du sagen war der Schlüssel zu eurem Erfolg, eure Produkte an den Mann zu bringen?

Als wir auf den Markt gekommen sind, gab es kein vergleichbares Produkt. Das hat uns einen First-Mover-Advantage verschafft. Von da aus haben wir immer versucht „lean“ zu arbeiten, schnell neue Konzepte zu entwickeln, diese im Markt zu testen, Feedback zu sammeln und weiter zu verbessern

Was hat sich an der Marktsituation bis heute verändert?

Dieses Jahr hat ein großes Lebensmittel-Unternehmen eine Kochbox auf den Markt gebracht und zwei Gerichte wurden direkt vom Mitbewerber kopiert. Frische, Konvenienz-Snacks und Gerichte sind in Deutschland auf jeden Fall ein Wachstumsmarkt.

Welchen Wettbewerbsvorteil habt ihr gegenüber diesen? Was macht ihr deiner Meinung nach besser?

Wir sind beweglich und schnell und versuchen das Lean Start-up Prinzip umzusetzen. Wir entwickeln Produkte schnell und bringen die Konzepte in kleinem Umfang direkt auf den Markt. Wir sammeln schnell direktes Kundenfeedback und wissen dann was wir verbessern müssen.

Hattest du einmal Zweifel, dass es klappt und wie bist du damit umgegangen?

Natürlich, es läuft nicht immer alles so wie gewünscht. Am meisten geholfen haben mir die Diskussionen im Gründerteam. Diese gaben mir immer die Gewissheit, dass wir es schaffen können.

Wenn du heute eine deiner Entscheidungen bzgl. YOUCOOK  ändern könntest, welche wäre das?

Wir sind damals in den Niederlanden gestartet, weil der Markt für frische Convenience dort deutlich etablierter ist als in Deutschland. Das war eine auf Marktzahlen basierende Entscheidung am Whiteboard, aber mit wenig Fokus auf die Herausforderungen in der Realität: Andere Sprache, andere Gesetze und Regularien, Wohnsitzwechsel. Ich würde heute direkt in Deutschland starten. Food-Märkte sind sehr unterschiedlich: Auch wenn man Marktverständnis mitbringt und die Sprache spricht, fällt vieles zuhause leichter.

Vor einigen Monaten wurde YOUCOOK von der privaten Heristo Gruppe übernommen. Was gab den Ausschlag zum Verkauf?

Im Food-Business ist der Wettbewerb hart, da braucht man als Start-up starke Partner. Wir hatten das Glück mit heristo ein Unternehmen zu finden, das über langjähriges Know-how in der Lebensmittelbranche verfügt. Es gibt viele Möglichkeiten zusammenzuarbeiten, insbesondere bei Themen wie Produktentwicklung und Produktion.

Was fand die Heristo Gruppe an YOUCOOK, das sie überzeugt hat ein guter Kauf zu sein?

Wir bedienen mit unseren ultrafrischen Produkten unter der Marke YOUCOOK eine spannende, wachsende, kaufkräftige Zielgruppe in Deutschland. heristo ist ein auf Lebensmittel fokussiertes Unternehmen, das sich seit Mitte der 60er Jahre auch im Bereich Convenience engagiert. Wir passen dort inhaltlich gut ins Portfolio.

Was hat sich für YOUCOOK  seit dem Verkauf verändert?

Heristo ist ein dezentral orientiertes Familienunternehmen mit langfristiger Geschäftsausrichtung. Wir arbeiten weiter fokussiert an unseren Themen. Durch die Partnerschaft eröffnen sich natürlich große Chancen, neue Perspektiven und ein breiteres Betätigungsfeld als früher.

Und was hat sich an deiner Rolle bei YOUCOOK  seitdem geändert?

In der heristo-Gruppe gibt es viel Erfahrung und ein gutes Netzwerk. Wir können das bestehende Netzwerk der Gruppe vertrieblich nutzen und auch im Bereich Marketing von Erfahrungen profitieren. Vorher waren wir auf das erarbeitete Wissen von YOUCOOK und das Wissen unserer damaligen Investoren angewiesen. Ansonsten hat sich für mich gar nicht so viel geändert.

Wie der vor kurzem veröffentlichte Verbrauchermonitor zeigt, sorgen sich Deutsche zunehmend um Lebensmittelsicherheit. Wie geht die Lebensmittelbranche damit um (wenn überhaupt)?

Diesen Trend sehen wir auch. Die Qualität von Lebensmitteln in Deutschland ist allerdings bereits jetzt sehr hoch. Die Trends zu regionalen Zutaten zum Beispiel erhöhen die Sicherheit und Transparenz der Lieferkette. Aber auch internationale Lieferketten können heute gut zurückverfolgt werden, so dass eine Gewährleistung der Qualität möglich ist.

Ich habe den Eindruck, dass Lebensmittel in Deutschland so günstig sind wie in keinem anderen Land. Woran liegt das?

Deutschland ist die Heimat von Aldi und Lidl, hier wurde der Discount von Lebensmitteln erfunden und perfektioniert. Das setzt die Preise unter Druck. Der gesamte Discount hat einen Marktanteil von über 40 Prozent in Deutschland. Das ist viel mehr als zum Beispiel in den Niederlanden oder Großbritannien. Selbst Walmart hat es als erfahrener Discounter nicht geschafft in Deutschland Fuß zu fassen und sich schon 2006 nach acht Jahren wieder zurückgezogen.

Nichtsdestotrotz scheinen Bio-Läden immer beliebter zu werden. Gibt es allgemein einen Trend hin zu „gesünderem“ Essen?

Das ist tatsächlich so und muss gar nicht immer ein Gegensatz sein. Auch der Discount bietet Bio-Produkte an. Ich habe den Eindruck, dass Konsumenten von heute mehr denn je Wert auf Frische und Nachhaltigkeit legen. Der Trend zu Regionalität und Bio sind ein Ausdruck dieses Kundenbedürfnisses. Auch der Trend hin zu Fleischersatzprodukten gehört dazu.

Welche anderen Trends werden deiner Meinung nach die Lebensmittelbranche in den kommenden Jahren prägen?

Ich denke wir werden viele Innovationen im Bereich frischer Convenience sehen. Wir werden nicht mehr so sehr einzelne Zutaten kaufen, sondern verzehrfertige Produkte wie Salate, Sandwiches oder Mahlzeiten. Das spart Zeit und jeder kauft nur das was er braucht, so gibt es weniger Lebensmittelabfälle.

Welche Rolle spielen Lebensmittelverpackungen bei Lebensmittelverkäufern?

Das ist sicher unterschiedlich. Bei Schokolade in der hochwertigen Geschenkverpackung sicher mehr, als bei Milch in der Tüte. Für uns kann ich sagen, dass wir deutlich mehr für die Zutaten, als für die Verpackung ausgeben.

Vielen Dank für das interessante Interview und die spannenden Einblicke, Martin. Das hört sich so an, als ob ihr mit YOUCOOK den Nerv der Zeit tatsächlich getroffen haben könntet. Wir wünschen euch jedenfalls weiterhin viel Erfolg damit, noch mehr eurer Produkte an den Mann zu bringen – für uns Verbraucher ist YOUCOOK meiner Ansicht nach eine Bereicherung!

Danke schön auch, Bernd.