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Mein Foolish Interview mit Prof. Dr. Andreas Hackenthal

von Matt Koppenheffer

Immer mehr Leute in Deutschland denken Foolish und einer meiner liebsten Fools ist niemand anderes als der Dekan der Goethe Business School,  Prof. Dr. Andreas Hackethal.

Ich hatte erst neulich wieder die Gelegenheit, mich mit ihm zu treffen und es war wie immer eine erleuchtende Erfahrung. Professor Hackethal konzentriert sich bei seiner Finanzforschung meistens auf zwei wichtige Bereiche: Anlegerverhalten und die Veränderungen in der Finanzindustrie durch FinTech-Startups und neue Technologien.

Aus unseren stundenlangen Gesprächen habe ich 5 wichtige Dinge mitgenommen:

  1. Mach dir nichts vor, was die Komplexität angeht.

Ich habe den Professor nach seiner Meinung gefragt, warum so viele Leute technische Handelssignale nutzen, obwohl es eine Tatsache ist, dass diese Signale nicht dabei helfen, den Markt zu schlagen. Seine Antwort darauf ist unschlagbar:

“[Ich denke, es] gibt den Leuten den Eindruck, dass es ein System und ein Regelwerk gäbe, die ihnen Klarheit verschaffen… etwas, das der Komplexität eine Struktur gibt und ihnen eine Möglichkeit gibt, damit umzugehen.”

Für einen Investor ist es unglaublich wichtig, das im Kopf zu behalten. Die Börse ist sehr komplex und damit muss man sich abfinden. Wir lernen etwas über das Business, Finanzen und wie man ein besserer Foolisher Investor sein kann. Aber die Komplexität und Unsicherheit werden immer da sein und wenn man ein guter Investor sein möchte,  dann gehört es auch dazu zu lernen, mit der Komplexität umzugehen.

Jeder Ansatz scheint einen Weg zu liefern, der die Komplexität ganz aus dem Spiel nimmt. Aber alles, was die Welt einfacher erscheinen lässt, als sie wirklich ist, sollte mit Vorsicht genossen werden.

  1. Markt-Timing? Nein danke.

ETFs versprechen den Anlegern einfachere Entscheidungen und geringere Gebühren. Aber auch das funktioniert nur, wenn die Anleger es richtig machen.

Professor Hackethal hat bei seiner Forschung gesehen, dass die meisten Anleger, die auf ETFs umsteigen, sie nicht richtig einsetzen. Sie erwarten zwar, dass sich ihre Ergebnisse verbessern, aber in Wahrheit sind die Auswirkung „im besten Fall neutral” – und oft sogar negativ.
Das führt uns zu der Frage: Wie nutzt man ETFs richtig? Ganz einfach. Das bedeutet, man versucht nicht den Markt zu timen. Professor Hackethal glaubt, dass viele Anleger auf ETFs umsteigen, weil es einfach und günstig ist (und das stimmt auch!),  aber sie klammern sich immer noch an den Gedanken, dass sie auch beim ETF „zum richtigen Zeitpunkt” ein- und aussteigen müssen und genau das macht ihnen die Ergebnisse kaputt.

  1. Kaufen und Halten? Ja, bitte!

Um den Punkt von weiter oben noch weiter auszuführen, betonte der Professor, dass Buy and Hold… hier sind seine genauen Worte:

„Das Wichtigste ist, nicht einfach immer wieder ein- und auszusteigen.”
Am Ende des Tages ist „Kaufen und Halten das beste Rezept.”

  1. Veränderungen und Transparenz in der Finanzwelt? Schön wär’s.

Vor knapp drei Jahren sprach ich mit dem Professor über Transparenz für Investoren an der Börse. Zu diesem Zeitpunkt hatte er große Bedenken über die Art und Menge der Informationen, die man als Investor von den Banken und Brokern bekommt. Ohne die richtigen Informationen ist es schwer für Investoren zu wissen, welche Renditen sie erzielen und welche Gebühren sie zahlen.

Was hat sich in den letzten drei Jahren geändert? Kurz gesagt: Nicht so viel.

Allgemein gesprochen sagte mir der Prof, dass sich in 90 % des Marktes fast nichts geändert habe. So haben die Regierungen den großen Finanzinstituten keine Regeln gegeben, die sie für die Einzelanleger in irgendeiner Weise transparenter gemacht hätten.

Aber in 10 % des Marktes sieht er eine Veränderung. Besonders bei einigen kleineren Banken – hier erwähnte er besonders die Consorsbank – sieht er eine verbesserte Transparenz für die Kunden. Noch mehr davon sieht er bei einigen FinTech-Startups, die den Status Quo herausfordern und in vielen Fällen ihren Kunden klare und leicht verständliche Dienste anbieten.

  1. Paymentech und eine lukrative Gelegenheit zum Investieren

An einem Punkt bat ich Professor Hackethal, der selbst als Berater mit vielen FinTech-Startups arbeitet, einen Bereich aus der Finanzwelt auszuwählen, der überfällig ist. Was mich an seiner Antwort überraschte, war, dass er ihn für Startups nicht besonders interessant findet: Zahlungstechnologie.

Es besteht natürlich großes Interesse daran auf dem Markt, egal ob wir von Unternehmen in der Industrie wie PayPal oder Square sprechen oder von Außenstehenden wie Apple und Google. Nicht zu vergessen die Kreditkartenunternehmen. Und das ist auch keine Überraschung, da es der zweitgrößte  vertikale Finanzmarkt und daher auch ein riesiger Markt ist.

Das Problem ist aber, dass die Gewinne in diesem Bereich nicht so groß sind. Und was dem Prof vielleicht noch größere Sorgen macht, ist, dass „es nicht so viele unerfüllte Kundenbedürfnisse gibt”, wenn es um Zahlungsmittel geht. Natürlich kann man auch hier Verbesserungen vornehmen, aber ihm fehlt das brennende Bedürfnis der Kunden, das helfen würde, die Kunden zu den neuen Unternehmen und Technologien zu treiben.

Er unterstrich aber auch, dass es in diesem Bereich „riesige Netzwerkeffekte” gibt. Das bedeutet, dass obwohl viele Unternehmen heute miteinander in Konkurrenz stehen, dass das Unternehmen oder eine kleine Gruppe von Unternehmen, die am schnellsten das größte und beste Netzwerk aufbauen, für Startups und andere Wettbewerber nur sehr schwer zu schlagen sein werden.