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Ein Sonderbericht

Wasserstoff: Ein schlafender Riese erwacht

Ein Motley Fool  Sonderbericht

Wasserstoff: Ein schlafender Riese erwacht

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Lieber Foolisher Anleger,

wenn manche Leute die Wörter „Wasserstoffwirtschaft“, „Elektrolyse“ und „Brennstoffzellen“ hören, dann winken sie direkt ab. Wasserstoff? Das hören wir doch bereits seit Jahrzehnten. Immer große Ankündigungen und dann wieder nichts. Tatsächlich kann ich mich daran erinnern, schon vor 25 Jahren regelmäßig über wasserstoffbetriebene Forschungsfahrzeuge von Mercedes gelesen zu haben. Es roch schon damals nach Zukunft und doch sind die greifbaren Ergebnisse – trotz GLC F-CELL – bis heute sehr dünn geblieben.

Warum es dieses Mal anders ist

Aber jetzt kommt das große Aber: Diesmal wird es real, das kleinste Element kommt nun ganz groß raus! Denk mal darüber nach: Es gibt viele Dinge, die jahrelang von Kritikern kleingeredet wurden, aber sich dann innerhalb von wenigen Jahren zu weltweiten Erfolgsgeschichten entwickelt haben. Ich denke dabei etwa an Solarmodule, Wikipedia oder die künstliche Intelligenz.

Zunächst glauben nur wenige Idealisten daran und unbekannte Forscher werkeln versteckt in ihren Laboren. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem die Technologie reif wird, der Markt das Potenzial erkennt und das Ganze wirtschaftlich wird. Boom! Auf sinkende Preise reagiert der Markt mit einer steigenden Nachfrage, wodurch erhöhte Investitionen folgen, welche die Preise wiederum beschleunigt nach unten treiben. Eine unaufhaltsame Spirale wird in Gang gesetzt.

An diesem Punkt sind wir nun beim Wasserstoff. Mächtige Ressourcen werden aktuell in die Erforschung von Lösungen gesteckt, um die letzten Hindernisse aus dem Weg zu räumen – und das nicht nur in Europa, sondern auch in den USA sowie in China, Japan und Korea. Es ist ein richtiges Rennen entstanden und überall ziehen heute Wissenschaft, Politik und Industrie an einem Strang wie nie zuvor.

Beispielsweise bringt Europa über ein milliardenschweres Forschungsprogramm Know-how-Träger aus allen Ländern zusammen. Gezielt werden dort Technologien entwickelt, um auf absehbare Zeit beispielsweise die Brennstoffzellenfertigung hochzuskalieren. Die gleichzeitig geförderten Pilotprojekte werden immer größer. Schau dir beispielsweise den Energiepark Mainz an, wo die Wasserstoffwirtschaft bereits heute funktioniert.

In Japan bereitet man sich auf Olympia 2020 vor und ist erpicht darauf, dieses Schaufenster zu nutzen, um der Welt zu zeigen, wie eine integrierte Wasserstoffwirtschaft im großen Maßstab aussehen könnte. Bis dahin werden zahlreiche wasserstoffbetriebene Auto- und Busflotten auf Japans Straßen verkehren und ein landesweites Tankstellennetz hochgezogen.

Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Aus der zunächst überwiegend europäischen Industrieinitiative „Hydrogen Council“ ist eine globale Bewegung geworden mit Dutzenden Großkonzernen und vielen Technologieführern, die sich verpflichten, ihren Teil beizutragen.

Was uns an der Wasserstoffwirtschaft so begeistert, ist, dass sie eine sehr weit gefächerte Wertschöpfungskette abdeckt, an der sich die vielfältigsten Unternehmen beteiligen können. Spezialisierte Brennstoffzellenhersteller stellen entsprechend nur einen Bruchteil der Investitionsmöglichkeiten für Anleger – und vielleicht nicht einmal die interessantesten.

Wasserstoff kann überschüssigen Wind- und Solarstrom aufnehmen, wofür Elektrolyseanlagen eingesetzt werden. Danach kann er über Pipelines transportiert oder in Druckbehältern gespeichert und schließlich auf verschiedenste Weise genutzt werden. Dieses Element gilt als der Schlüssel, um die Energiewende auf das nächste Niveau zu heben, auf dem die Sektoren Wärme, Mobilität, Chemie und Strom gekoppelt sind.

Siemens (WKN:723610) plant nun mit dem Faktor 10, was die Steigerung der Leistungsfähigkeit von Elektrolyseanlagen alle 4–5 Jahre angeht. Heute sieht alles noch recht beschaulich aus, wenn man die einzelnen Pilotprojekte betrachtet. Aber stell dir vor, das alles würde dreimal um den Faktor 10 hochgefahren. Es ist völlig realistisch, dass über die nächsten 15 Jahre eine Wasserstoffwirtschaft entsteht, die 1000-mal größer ist als heute!

Experten zufolge fließen schon bis 2030 Investitionen in Höhe von mindestens 280 Milliarden US-Dollar allein in die Erzeugungs-, Transport- und Speicherinfrastruktur sowie ausgewählte Anwendungsbereiche – und das ist erst der Anfang. Vor unseren Augen entwickelt sich eine gewaltige Industrie, welche uns außergewöhnliche Investitionsgelegenheiten eröffnet!

Investieren entlang der Wertschöpfungskette

Lass uns also einen Blick auf einige Spieler werfen, die von dieser Entwicklung besonders profitieren könnten…


Wasserstoffaktie Nr. 1

ITM Power

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Wenn die Wasserstoffwirtschaft erst einmal richtig Fahrt aufnimmt, dann könnte ein Spezialist wie ITM Power besonders stark davon profitieren. Das britische Unternehmen befindet sich gerade in einer entscheidenden Phase. Aktuell ist der geplante Umzug in ein neues Fabrikgebäude in Vorbereitung. Die dann viel stärker automatisierte Produktion soll 2019 hochgefahren werden.

Eine Reihe von interessanten Projekten unterstützen diesen strategischen Schritt. So ist ITM beim von der EU geförderten Refhyne-Projekt in Köln beteiligt, wo es darum geht, die größte Wasserstoffproduktion der Welt für die Rheinland-Raffinerie von Shell (WKN:A0D94M) zuerrichten. Beeindruckende 1.300 Tonnen des federleichten Elements sollen dort unter Nutzung von erneuerbarer Energie jährlich generiert werden. 2020 soll es richtig losgehen. Sollte die PEM-Elektrolyse die hohen Erwartungen erfüllen, dann locken viele weitere Aufträge dieser Art.

Schon etwas weiter ist das Busprojekt in Birmingham, wo bis zum Sommer 2019 eine Flotte von 20 Wasserstoffbussen in Betrieb gehen soll. ITM liefert dafür eine Elektrolyseanlage und eine Tankstelle. Da Birmingham ein Zentrum der britischen Wasserstoff- und Brennstoffzellenforschung ist, macht sich ITM berechtigte Hoffnungen auf wichtige Impulse daraus.

Interessant ist daneben die im Juli 2018 geschlossene Allianz mit Sumitomo. Gemeinsam mit dem finanzkräftigen Partner will ITM Großprojekte in Japan akquirieren, wo sich aktuell wie oben beschrieben richtig viel tut.

Noch sind die Umsätze von ITM gering, aber die Auftragspipeline füllt sich und wenn das ein oder andere Demonstrationsprojekt auf ganzer Linie überzeugt, dann ist alles möglich.


Wasserstoffaktie Nr. 2

Linde

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Kleine Hightech-Unternehmen mit hochentwickelten Produkten sind natürlich wichtig für die Wasserstoffwirtschaft. Aber um ihr zum Durchbruch zu verhelfen, braucht es Spieler mit größeren Ressourcen. Dazu gehören Gasekonzerne wie Linde plc. Durch dessen aktuelle Fusion mit Praxair bekommt dieser noch mehr Feuerkraft, um einen deutlichen Impuls setzen zu können.

Linde ist an vielen Stellen der Supply-Chain beteiligt. Wenn jetzt in diversen Ländern weltweit H2-Tankstellennetze aufgebaut werden, dann stehen die Chancen gut, dass Linde daran beteiligt ist. Noch wichtiger ist jedoch die Rolle bei der Produktion, Speicherung und Distribution. Das auf Basis von erneuerbaren Energien erzeugte Gas wird in Hochdruckbehälter gepresst und gegebenenfalls verflüssigt und dann mit der eigenen Lkw-Flotte zum Abnehmer transportiert.

Letztere müssen nicht unbedingt Fahrzeuge wie Autos, Busse oder Gabelstapler sein. Beispielsweise wurde im Oktober mit einer Tochter von Salzgitter (WKN: 620200) vereinbart, eine Vor-Ort-Produktion für grünen Wasserstoff zu errichten, der in der Stahlherstellung bei Glühprozessen zum Einsatz kommt.

Auch in Raffinerien steigt der Bedarf nach dem Element ständig, sodass dort für Linde große Wachstumspotenziale bestehen. Wasserstoff ist entscheidend, um aus Roh- und Schweröl veredelte Kohlenwasserstoffprodukte herzustellen. Da Schiffe in Zukunft einen viel niedrigeren Grenzwert für Schwefel einhalten müssen, wird die Schwerölaufbereitung voraussichtlich über Jahre boomen.

Kein Schaden in diesem Zusammenhang ist auch, dass Linde bei der Alternative Flüssiggas (LNG) eine Menge zu bieten hat, von Engineering-Services über die Lieferung von wichtigen Technologien und Infrastrukturkomplettlösungen bis hin zu logistischen Leistungen.

Jetzt ist eigentlich nur noch die Frage, was aus all dem wird, wenn das bisherige Praxair-Management die volle Kontrolle übernimmt. Wird man Geld in die Hand nehmen, um der Wasserstoffwirtschaft auf allen Ebenen beschleunigt zum Durchbruch zu verhelfen, oder doch eher versuchen, die Gewinnmargen durch verstärkte Ausgabendisziplin kurzfristig in die Höhe zu treiben?


Wasserstoffaktie Nr. 3

Toray

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Dieser japanische Technologiekonzern ist wahrscheinlich nur wenigen Lesern ein Begriff, aber er gehört nicht nur zu den innovativsten Unternehmen der Welt, sondern könnte auch einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der Wasserstoffwirtschaft liefern. Torays Kerngeschäft dreht sich rund um den Kohlenstoff, ein unglaublich vielseitig nutzbares Element.

Mit der zugekauften deutschen Tochter Greenerity verfügt Toray über eine wichtige Komponente für PEM-Brennstoffzellen, sogenannte Membran-Elektroden-Baugruppen. Dafür wird auch Carbonpapier gebraucht und die Fertigungskapazitäten dafür wurden in Japan kürzlich massiv ausgebaut. Das ist aber noch längst nicht alles: Toray bietet eine Reihe von Leichtbaukomponenten, Hochleistungsmaterialien und Substanzen, welche die Eigenschaften eines Brennstoffzellenstacks verbessern helfen.

Nicht zu vergessen sind auch die Kohlenstofffasern, welche bei der Fertigung von besonders leichten Hochdruckbehältern zum Einsatz kommen, wie sie insbesondere für Brennstoffzellenfahrzeuge gebraucht werden. Die gleichen Fasern erlauben auch etwa die Herstellung von längeren und festeren Rotorblättern für Windturbinen. Spannend ist daneben, dass Toray an einer neuartigen Methode forscht, um mittels Membrantechnik hocheffizient reinen Wasserstoff zu erzeugen.

Da die Japaner auch Materialien für Batterien herstellen, profitieren sie auf jeden Fall von der sich nun beschleunigenden Elektromobilität. Die forschungsstarke Toray ist ausgezeichnet im Wettbewerb positioniert und wächst profitabel mit zweistelligen Raten – ein spannendes Unternehmen mit vielfältigen Chancen, das einen genaueren Blick wert ist.

Darauf musst du achten

Die Wasserstoffwirtschaft ist solch ein großes Thema, dass nahezu jedes Industrieunternehmen auf die eine oder andere Weise damit in Berührung kommt. Siemens möchte sogar eine führende Rolle einnehmen, wenn es etwa um die Sektorenkopplung oder die Wasserelektrolyse mittels Windstrom geht. Trotzdem ist der Konzern so gigantisch, dass er nur mit einem geringen Prozentsatz davon betroffen ist.

Um gezielter zu investieren, brauchen wir daher spezialisiertere Unternehmen für unser Depot. Dort sind zwei Dinge entscheidend: erstens ein visionäres Management, das eine klare Strategie der Skalierung verfolgt, und zweitens eine starke Technologieposition, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Die vorgenannten sind dafür schon mal gute Kandidaten. Ob sie aber wirklich die besten sind, hängt nicht nur vom aktuellen Aktienkurs, sondern auch von vielfältigen weiteren Faktoren ab.

Es könnte sich daher lohnen, hier noch etwas tiefer zu graben. Sicher ist, dass nun einiges in Bewegung kommt. Anleger sollten sich auf die Lauer legen, um die zukünftigen Stars frühzeitig zu identifizieren.

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Für deine Investition,

Ralf Anders,
Analyst — Motley Fool Deutschland


Offenlegung: Alle Angaben Stand 03.09.2019. Ralf Anders besitzt Aktien von Siemens.