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Ein Sonderbericht

Project 10X – Warum Small Caps

Ein Sonderbericht von Motley Fool Deutschland

Warum Small Caps?

Das zeichnet Aktien aus, die das Potenzial zur Verzehnfachung haben.


Im Sommer letzten Jahres hatte Bryan Hinmon, Chief Investing Officer bei unserer Schwestergesellschaft in den USA, Motley Fool Asset Management, die Gelegenheit, sich mit einem MBA-Studenten zu treffen, der im Sommer bei Akre Capital Management ein Praktikum absolvierte. Möglicherweise bist du mit dem Namen Chuck Akre nicht vertraut, aber er ist eine bekannte Größe in der Welt des Value Investing mit einer langfristigen Erfolgsbilanz, die mit den Besten im Investmentfondsgeschäft mithalten kann.

Chuck Akre ist auch ein Freund von uns Fools. Er war großzügig mit seiner Zeit und seinen Einsichten, wann immer wir ihn um Hilfe gebeten haben. Er steht auch als Fondsmanager, der ein sehr konzentriertes Portfolio führt, mit großer Überzeugung hinter seinen Ideen.

(Stichwort „Value Investing&lduo;: Akre Capital tätigt auch fokussierte Investitionen und hält relativ wenige Positionen. Der Vorzeigefonds besaß nur 26 Positionen zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes, wobei die größte Position fast 14 % des Vermögens ausmachte. Die Investitionen erfolgen vor allem in Large- und Mid-Cap-Aktien wie Visa, MasterCard, CarMax und Moody’s. Bekannte, große Unternehmen also. Akre und seine Kollegen halten ihre Positionen im Durchschnitt auch länger als sechs Jahre.)

Daher war Bryan neugierig, welche Arbeit Akre einem Praktikanten dort für einige Wochen zuweisen würde. Du wirst dir vielleicht vorstellen, dass ein Praktikant dort mit Analysen von bereits im Portfolio befindlichen Unternehmen betraut werden würde, was Kalkül, Rechenschieberei, griechische Alpha-Numerik, gigantische Tabellenkalkulationen und eine gesunde Dosis Haarspalterei erfordert.

Aber nein, Chuck Akres Auftrag war überraschend einfach. Am ersten Tag, an dem er mit dem Praktikanten zusammensaß, teilte er ihm klar mit, welche Ressourcen ihm zur Verfügung standen, und gab ihm dann diese Aufgabe:

„Sie haben sieben Wochen, um einen 100er zu finden und uns zu präsentieren.“

Wo findet man eine Aktie, die sich verhundertfacht?

Credit: Getty Images.

Also warum sollte ein Mann wie Chuck Akre einen Praktikanten auf Einhornjagd schicken? Ist das nicht Zeitverschwendung? Klingt aber logisch, er hat es getan, damit sich der Praktikant voll und ganz auf die Größe und die Dauerhaftigkeit der Wettbewerbsvorteile des jeweiligen Unternehmens konzentriert.

Die Börse tendiert nicht dazu, einem Anleger die Möglichkeit zu geben, sein Geld zu verhundertfachen. Mit einer solchen Rendite werden aus 25.000 Euro 2,5 Millionen Euro. Um eine solche Aktie zu finden, sollte man die folgenden drei Maßnahmen ergreifen:

  1. Suche dort, wo sie sich verstecken könnten;
  2. Denke anders als die anderen, die in diesem Bereich suchen.
  3. Sei sehr, sehr, sehr, sehr geduldig.

Sehen wir uns die Sache genauer an.


Nr. 1

Suche an der richtigen Stelle

Credit: Getty Images.

Wenn du auf der Suche nach einem Hundert-Bagger bist, musst du deine Aufmerksamkeit auf Small-Cap-Aktien richten. Wir hier bei The Motley Fool Deutschland haben viel Ehrfurcht vor Unternehmen wie Daimler, Linde, Berkshire Hathaway und Amazon.com (und haben dabei auch von ihnen profitiert). Aber die Gesetze der Mathematik sagen nun mal, dass diese Unternehmen, deren Marktkapitalisierungen heute zwischen 32 und 587 Milliarden Euro liegen, von hier aus unmöglich 100er-Bagger sein können. Wahrscheinlich können sie ihren Wert nicht einmal verfünfzigfachen. Es ist einfach unrealistisch, von Unternehmen zu erwarten, dass sie für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind, das auf dem Planeten wandelt, Hunderte von US-Dollar an wirtschaftlichem Wert generieren.

Um einen 100-Bagger zu finden, müssen wir uns auf Small-Cap-Aktien konzentrieren. Lass uns das ein wenig umformulieren: Um ein Unternehmen zu finden, das lebensverändernde Renditen liefert, müssen wir dort suchen, wo es noch viel Luft nach oben gibt. Natürlich brauchen wir keine 100-fache Rendite, um dich vermögend zu machen. Aber selbst wenn sich der Wert nur verfünfzigfachen soll, müssen wir überwiegend bei kleineren, weniger bekannten Unternehmen suchen.

Wir haben gute Nachrichten: Weltweit gibt es viele tausend Unternehmen mit Marktkapitalisierungen unter 5 Milliarden Euro, von denen viele zwischen 50 Millionen Euro und 2 Milliarden Euro liegen.


Nr. 2

Anders denken

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Eigentlich verzichten wir im Vorfeld auf zwei Dinge. Erstens, lass uns darüber reden, anders zu denken als diejenigen, die in einzelne Small-Cap-Aktien investieren, und dann können wir darüber reden, anders zu denken als diejenigen, die das nicht tun.

Unser Foolisher Kollege Tim Hanson hat kürzlich einen Screenshot von einem Autor geschickt, der die Investorengemeinschaft in drei verschiedene Gruppen aufgeteilt hat:

  1. High-Speed-Händler mit der Technologie und Geschwindigkeit, um schnellstmöglich auf Nachrichten zu reagieren;
  2. Low-Speed-Händler, die erkennen, dass ihnen diese Technologie fehlt und daher nicht versuchen, aufgrund von Nachrichten zu handeln; und
  3. Idioten.

Wir lieben diese Einteilung… weil sie lustig ist. Wir lieben es auch, weil es etwas unterstreicht, was wir seit dem ersten Tag, an dem The Motley Fool seine Tore geöffnet hat, gesagt haben: Langfristige, unternehmensorientierte Investitionen in große Unternehmen zu attraktiven Preisen sind der Weg, um Wohlstand für den Kleinanleger zu schaffen.

Lass uns das etwas treffender umformulieren. Es gibt im Wesentlichen drei Dinge, mit denen ein Investor einen Vorteil erlangen kann: Information, Analyse und Zeithorizont.

Es ist für den durchschnittlichen Fool unmöglich, sich einen Informationsvorsprung zu verschaffen. Die Börse ist ein Umfeld, das von einem starken Konkurrenzdruck geprägt ist und in dem jeder von uns konkurriert. In den letzten Jahren, in denen sich sowohl Hedge Funds als auch passive Anlagevehikel vermehrt haben, ist die Jagd nach attraktiven Renditen immer schwieriger geworden. Wenn hochkarätige die Investoren wie Warren Buffett und Seth Klarman der Meinung sind, dass die Märkte viel härter sind als früher, sind wir nicht überrascht.

Wir denken, das liegt daran, dass der Informationsvorsprung, den sie schon früh genutzt haben, größtenteils durch die Geschwindigkeit, mit der Informationen heute verbreitet werden, zunichte gemacht wurde. Der Informationsvorsprung besteht heute im Wesentlichen nur noch für Hochgeschwindigkeitsstrategien sowie für Menschen, die bereit sind, illegal mit Insider-Informationen zu handeln (ist das nicht irgendwie dasselbe?).

Aber das Fehlen eines Informationsvorsprungs lässt zwei weitere potenzielle Möglichkeiten offen, wie man übergroße Investitionsrenditen finden kann: Analyse und Zeithorizont. Oder beides in Kombination.

Unser analytischer Vorteil ergibt sich daraus, dass nur wenige Großanleger in kleinvolumige Aktien mit geringer Marktkapitalisierung investieren können. Wir bauen auf diesem Vorsprung auf, indem wir bereit sind, gründlich über diese Unternehmen nachzudenken und sie möglicherweise jahrelang zu studieren, bevor wir in sie investieren. Dann sind wir bereit, wenn der Zeitpunkt günstig ist. Das alles braucht Zeit und ein gutes Temperament, was vielen Anlegern leider fehlt.

Wir sprechen hier nicht nur von Privatanlegern. Mit Bill Mann, der gerade erst zu uns zurückgekehrt ist, haben wir lang und breit über die Unfähigkeit der meisten Vermögensverwalter gesprochen, dem Herdentrieb zu widerstehen und in Zeiträumen zu denken, die länger als ein paar Monate sind. Die kurzfristigen Forderungen der Kapitalgeber — oder noch schlimmer — der Berater, für die statistische Rückschlüsse längst den gesunden Menschenverstand ersetzt haben, schaffen damit ein Umfeld, in dem es für die meisten Fondsmanager wenig zu gewinnen gibt. Warum sollen sie sich Unternehmen überhaupt ansehen, die heute nicht gekauft werden können, in der Hoffnung, dass sie morgen mehr wert sein könnten. (wirklich „morgen” im wahrsten Sinne des Wortes.)


Nr. 3

Sei sehr, sehr, sehr, sehr geduldig.

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Haben wir nicht alle schon davon geträumt, im Handumdrehen Millionen zu verdienen?

Hast du schon mal ein Lotterielos gekauft, oder ein paar Münzen in den einarmigen Banditen geworfen? Oder davon geträumt, eine ungebrauchte, Briefmarke (im Wert von ca. 1 Million Euro!) auf der Straße zu finden? Klar doch, träum weiter!

Aber wie viel effektiver ist es, rational zu träumen. Millionen von US-Dollar sitzen da draußen auf den öffentlichen Märkten. Sie warten nur auf uns. Wenn wir nur wüssten, wie wir sie bekommen können? Der einfachste Weg, sie zu bekommen, ist, die Zeit für uns arbeiten zu lassen.

Die Liste der reichen Daytrader ist erschreckend kurz. Der Gegenentwurf dazu ist ein Junge aus Omaha, der seine Ersparnisse auf den Markt brachte, fast nie verkauft hat und jetzt ein Vermögen von 76 Milliarden US-Dollar angehäuft hat. Investieren ist nicht gerade ein Nullsummenspiel, aber Mr. Buffett hat sicherlich etwas von dem eingesteckt, was übermäßig emotionale Investoren an der Börse verloren haben.

Hier, bei Projekt 10X, beginnt unsere Vorstellung von Geduld mit einer Mindesthaltedauer von fünf Jahren und einer optimalen Haltedauer von ewig. Sicher, wir werden alle ein paar Verlierer dabei haben. Aber die Zinseszinsmaschine und die großen Treffer, die wir dabei erzielen, werden die Verluste voraussichtlich mehr als ausgleichen können. Und wir werden Däumchen drehen und zusehen, wie unsere Unternehmen uns reich machen, während wir die Kapitalertragssteuern immer weiter hinauszögern. Mach doch auch du mit!

Der rasante Aufstieg passiver Investmentfonds und ETFs in den letzten Jahren hat seltsamerweise das Potenzial für zusätzliche Chancen für diejenigen geschaffen, die bereit sind, anders über Investitionen in Small-Cap-Aktien zu denken. Bis Ende 2016 wurden mehr als 3,2 Billionen US-Dollar an investierbaren Vermögenswerten in passiven börsengehandelten Fonds gehalten. Wir können das Für und wider des passiven Investierens diskutieren (wir betrachten passives Investieren im Allgemeinen als positiv), aber es gibt noch etwas Anderes, dass du über passives investieren wissen solltest: Da es eine immer größere Komponente des Handelsvolumens wird, bedeutet es, dass es (durch die Magie der Subtraktion) immer weniger Marktteilnehmer gibt, die versuchen, einzelne Aktien zu bewerten.

Das macht den Markt in gewisser Weise sehr viel spröder, was uns beunruhigt. Weniger Augen bedeuten aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit von Marktineffizienzen größer ist.

Hast du dich schon einmal gefragt, warum die größten Hedgefonds der Welt alle Anteile an Apple, Facebook, ExxonMobil und dergleichen halten? Das liegt daran, weil sie es müssen. Hast du dich schon einmal gefragt, warum der S&P 500 statistisch gesehen die teuerste Bewertung auf Shiller-KGV-Basis seit Jahrzehnten hat?

Vielleicht… vielleicht! Es ist zumindest teilweise auf den Kaufdruck zurückzuführen, der mit Milliardeninvestitionen in passiven Anlagestrategien einhergeht.

Deshalb wollen wir anderswo fischen und mit Geduld Unternehmen kaufen, die wir als erstklassige Kandidaten für eine langfristige Wertsteigerung betrachten. Deshalb sind wir auch der Meinung, dass wir den größten potenziellen Vorteil, den wir als Investoren haben, mit einem langen Zeithorizont ausschöpfen können.

Deshalb sind wir der Meinung, dass extrem kluge Investoren wie Warren Buffett den Nachteil spüren, dass es keine Informationsvorteile mehr gibt. Aber sie ignorieren auch den Vorteil, der durch einen langfristigen Zeithorizont gegeben ist. In einer Welt, in der die größten Unternehmen ihre Renditen in Wochen und Monaten messen, und Milliarden von Dollar einfach blind investiert werden, ist der Vorteil für Leute, die Aktien kaufen und jahrelang halten, deutlich gestiegen.

Wenn du dich von dieser kurzfristigen Sichtweise loseisen kannst und deine Zeit und Energie auf Unternehmen konzentrierst, von denen du glaubst, dass sie in den nächsten fünf Jahren deutlich an Wert gewinnen werden, dann hast du schon den größten und besten Vorteil auf deine Seite gezogen, der heutzutage an der Börse existiert.

Es gibt einige Orte, wo man als unternehmungslustiger Investor solche Gewinneraktien finden kann. Der am leichtesten zugängliche Ort für uns Einzelinvestoren sind Aktien mit geringer Marktkapitalisierung, die wir an den Börsen in der DACH-Region und auch auf der anderen Seite des großen Teiches in den USA und Kanada finden.

Beste Foolishe Grüße,

Matt Koppenheffer,
Senior Analyst,
The Motley Fool Deutschland

John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Tochtergesellschaft von Amazon, ist Mitglied des Board of Directors von The Motley Fool. Matt Koppenheffer besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Mastercard. The Motley Fool besitzt Aktien von Amazon, Berkshire Hathaway (B-Aktien), CarMax, Facebook, Mastercard, Moody’s und Visa. The Motley Fool hat die folgenden Optionen: Call März 2018 $200 short auf Facebook und Put März 2018 $170 long auf Facebook.

Dieser Bericht: dient (a) nur dem Zweck einer generellen Information und stellt keine Kaufempfehlung dar; und stellt (b) weder eine Aufforderung zum Verkauf einer Aktie dar, noch rät er zum Kauf einer bestimmten Aktie und sollte auch nicht als alleinige Grundlage für solche Entscheidungen dienen. The Motley Fool GmbH, ihre Mitarbeiter und sämtliche für The Motley Fool tätigen Autoren (kollektiv als „TMF“ bezeichnet) befürworten weder den Kauf oder Verkauf einer Aktie, noch empfehlen sie bestimmte Papiere oder haben eine unterstützende Funktion gegenüber eines der erwähnten Unternehmen. Dieser Report repräsentiert die Meinung eines individuellen Autors und beabsichtigt nicht, dir einen professionellen finanziellen Rat zu erteilen oder dich bezüglich deiner persönlichen Umstände finanziell zu beraten.

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