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Warren Buffett ist bullish für Deutschland – wie kannst du davon profitieren?

Warren Buffett again source The Motley Fool

von Matt Koppenheffer, Geschäftsführer, The Motley Fool Deutschland

Warren Buffett denkt, dass es an der Zeit ist, in deutsche Unternehmen zu investieren.

Woher ich das weiß? Ganz einfach. Er hat es uns ganz offen gesagt.

Matt Koppenheffer

Am 20. Februar hat Berkshire Hathaway die Übernahme der Detlev Louis Motorrad-Vertriebs GmbH angekündigt. Auf den ersten Blick war das kein besonders ungewöhnlicher Deal. Der Kaufpreis lag bei 400 Millionen EUR, was für dich und für mich jede Menge Geld bedeutet. Berkshire, dessen Marktwert bei etwa 350 Milliarden USD liegt, kann das jedoch aus der Portokasse bezahlen. Und obwohl der Kauf außerhalb der USA abgewickelt wurde, war dies bei weitem nicht die erste internationale Akquisition für Berkshire.

Der Kauf von Detlev Louis war allerdings besonders interessant, weil Buffett dazu einige wichtige Aussagen machte:

  • „Das ist eine Nummer kleiner als unsere normalen Geschäfte. Aber es ist wie ein Fuß in der Tür.“
  • „Ich bin besonders froh darüber, dass wir den Code für Deutschland geknackt haben.“

Bereits diese Sätze hätten große Aufmerksamkeit bei Investoren hervorrufen sollen. Aber Buffett ging noch weiter. In einem Interview mit dem Handelsblatt nach dem Louis-Deal sagte er:

Wir sind definitiv daran interessiert, noch weitere deutsche Unternehmen zu kaufen. Deutschland ist ein großartiger Markt: Viele Menschen, große Kaufkraft, außerdem sind Deutsche produktiv. Wir schätzen auch die regulatorischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen des Landes.

Soso. Interessant. Einer der wohlhabendsten Menschen der Welt — und dazu noch einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten — verkündet öffentlich, dass Deutschland der ideale Schauplatz ist, um sich nach Unternehmen umzusehen. Das ist aufregend.

Was aber bedeutet das für Leute wie dich und mich? Was genau können wir tun, um von Buffetts Begeisterung für Deutschland zu profitieren?

Konkret sehe ich vier Möglichkeiten, die ich im Folgenden mit dir teilen werde. Darunter findest du auch den Tipp, in das eine deutsche Unternehmen zu investieren, das Warren Buffett mehr schätzt als alle anderen.

Möglichkeit 1: Berkshire Hathaway kaufen

Im Verlauf der letzten drei Jahre (vom 30.3.2012 bis zum 30.3.2015, um genau zu sein) stieg die Aktie von Berkshire Hathaway um beinahe 80%. Damit schlug sie den DAX ebenso wie den amerikanischen

S&P 500. Dieser Anstieg des Aktienkurses lag daran, dass Berkshire Hathaway profitabler wurde. Zwischen dem Jahresabschluss 2011 und 2014 hat sich Berkshires Nettogewinn fast verdoppelt: Von 10,3 Milliarden USD auf 19,9 Milliarden USD. Der Umsatz stieg von 141 Milliarden USD auf 190 Milliarden USD. Das ist in der Tat ein beeindruckendes Wachstum!

Doch um es in Juristensprache zu sagen: „Performance von gestern garantiert noch lange nicht die Performance von morgen.“ Was also können wir dann für die Zukunft erwarten? Ich kann nicht garantieren, dass Berkshires Aktie weiterhin den DAX und den S&P 500 toppt. So viel sei allerdings verraten: Berkshire ist ein Unternehmen von außerordentlicher Güte und hat sicherlich die eine oder andere Möglichkeit, für seine Investoren Profite zu erwirtschaften.

Das Unternehmen Berkshire selbst ist eigentlich als Versicherer bekannt, und das ist auch nur stimmig, denn Versicherungen machen einen Großteil des Wertes des gesamten Unternehmens aus. Unter den Versicherern bei Berkshire findet man unter anderem GEICO, einen der größten und erfolgreichsten Kfz-Versicherer der USA. Außerdem den Rückversicherer Berkshire Hathaway Reinsurance, einen wahren Giganten, der Policen auf sich nimmt, für die die meisten Versicherer schlichtweg zu schwach sind. Darüber hinaus hält Berkshire auch eine der größten Eisenbahngesellschaften der USA. Dazu noch einen Energiekonzern, der weltweit Menschen Strom liefert. Außerdem ein Jet-Leasing-Unternehmen, eine Geschäftskette mit Haushaltsbedarf, einen Sportschuh-Fabrikanten sowie mehrere Zeitungen – und das ist lediglich die Spitze des Eisbergs. Berkshire besitzt noch unzählige andere Unternehmen.

Weiterhin besitzt Berkshire über ein mehrere Milliarden USD schweres Portfolio an Aktien, darunter milliardenhohe Beteiligungen an Wells Fargo (einer der größten Banken der USA), Coca-Cola, IBM, American Express, Wal-Mart und Procter & Gamble (das Unternehmen hinter Gillette, Crest, Head and Shoulders und Pampers).

Nicht zuletzt wird Berkshire von Warren Buffett und Charlie Munger geleitet, zwei außergewöhnlichen Investoren und Managern. Ich erwarte, dass die beiden Berkshire zu weiterem Wachstum führen werden und den Investoren damit zählbare Werte bescheren. Obwohl beide nicht mehr ganz jung sind – Buffett ist 84, Munger sogar 91 Jahre alt – verfügt Berkshire doch noch über jede Menge Potenzial auf der Auswechselbank: Talentierte Manager und Investoren, von denen ich erwarte, dass sie erfolgreich einspringen, sobald die beiden derzeitigen Chefs die Geschäfte nicht mehr leiten.

Es gibt allerdings einen kleinen Nachteil, wenn du in Berkshire investierst. Ich habe diesen Bericht ja damit eröffnet, dass Buffett mehr als erfreut darüber ist, in Deutschland zu investieren. Das ist er in der Tat. Ich erwarte außerdem, dass Aktionäre von Berkshire voll von ihrem Investment profitieren werden. Aber Berkshire ist ein extrem großes Unternehmen. Das bedeutet, dass Buffetts Investition in deutsche Aktien erst einmal nicht allzu viel Gewicht haben wird, da deutsche Unternehmen lediglich einen kleinen Teil des gesamten Portfolios ausmachen werden.

Eine Investition in Berkshire ist also aufgrund der gesamten Güte von Berkshire keine schlechte Idee. Aber um direkt von Buffetts Deutschland-Enthusiasmus zu profitieren gibt es bestimmt bessere Möglichkeiten.

Möglichkeit 2: In Deutschland investieren – von Flensburg bis Passau

Es macht jede Menge Spaß, sich einzelne Aktien herauszusuchen. Das ist allerdings nicht ganz einfach. Und es ist auf jeden Fall ziemlich zeitraubend.

Deswegen ist es für viele Investoren einfacher und zeitsparender, wenn sie in einen Indexfonds investieren. Ein Indexfonds ist eine Art Anlagefonds, der an einen Aktienindex gekoppelt ist. So würdest du beispielsweise in einem DAX-Indexfonds alle 30 Aktien des DAX-30-Index finden. Und wenn man sagt, dass „der DAX von x nach y um z% gestiegen“ ist, dann würde ein DAX-Indexfonds-Investor gleichermaßen einen Anstieg im Wert seines Indexfonds sehen können – minus einer meist geringen Verwaltungsgebühr.

Jack Bogle, amerikanischer Investor und einer der Pioniere auf dem Gebiet der Indexfonds, sagte: „Du musst nicht die Nadel im Heuhaufen suchen. Kauf einfach den ganzen Heuhaufen.“

Nicht genug damit, dass Käufer von Indexfonds Zeit sparen, weil sie von der Last befreit werden, einzelne Aktien auszuwerten – sie helfen sogar dabei, Geld zu sparen. Indexfonds sind nämlich „passiv geführt“. Das bedeutet, dass kein großes Aufgebot an hoch bezahlten Aktienmanagern den Fonds führt. Das bedeutet ebenfalls, dass die Jahresgebühr lediglich einen Bruchteil dessen ausmacht, was ein „aktiv geführter“ Fonds verlangt.

Meiner Meinung nach besteht der einfachste Weg, auf der Buffett-Welle mitzureiten, darin, in einen Indexfonds mit starkem Deutschland-Bezug zu investieren. Der große Deka DAX UCITS ETF sowie der iShares Core DAX UCITS ETF sind zwei Indexfonds, die den DAX 30 verfolgen: Eine Ansammlung der 30 größten Unternehmen in Deutschland, darunter BASF, Daimler, Siemens und Henkel. Obwohl 30 Unternehmen nur einen Bruchteil aller deutschen Unternehmen darstellen, gilt der DAX 30 doch als guter Repräsentant für die großen deutschen Unternehmen.

Für Investoren, die sich eine breitere Fächerung wünschen, gibt es Fonds wie den Deka MDAX UCITS ETF und ComStage SDAX TR UCITS ETF, die den MDAX bzw. den SDAX tracken. Diese Indizes verfolgen die unzähligen mittelgroßen Unternehmen und Unternehmen mit kleinerer Marktkapitalisierung in Deutschland.

Investoren, die bereit sind, Blut, Schweiß und Tränen in Kauf zu nehmen und tatsächlich einzelne Aktien auszuwählen, können immer noch über den Index hinaus gehen – und damit auch jene Aktie erwerben, die Warren Buffett mehr schätzt als alle anderen.

Möglichkeit 3: Diejenige Aktie kaufen, die Warren Buffett mehr schätzt als alle anderen

Warren Buffetts deutsche Lieblingsaktie ist die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, besser bekannt als Münchener Rück.

Jahr für Jahr schreibt Warren Buffett einen Brief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway, in dem er Berkshires größte Anteilpositionen nennt (Den Brief findet man frei zugänglich auf www.berkshirehathaway.com.) Seit dem Aktionärsbrief von 2010 wurde die Münchener Rück stets als eine der größten Positionen im Portfolio gelistet. Wir reden hier von mehreren Milliarden USD.

Foto: Copyright Munich Re

Es ist natürlich kein Geheimnis, dass Buffetts Unternehmen große Anteile an Münchener Rück hält.

Die Frage für potenzielle Investoren ist, ob es eine gute Idee für uns Normalos ist, auch in die Münchener Rück zu investieren. Es gibt zwei Seiten dieser schwierigen Frage.

Auf der einen Seite steht das „Nein“. In der Tat hat Buffett vor Kurzem einen Teil seiner München Rück Aktien verkauft. Berkshires Beteiligung an München Rück lag einmal bei 12 %, jetzt ist sie weniger als 5 %. Man mag zwar gerne dieselben Aktien besitzen wollen, die Buffett besitzt, man will aber eine solche Aktie wahrscheinlich nicht kaufen, während Buffett dabei ist, sie zu verkaufen.

Der Grund dafür, dass Buffett München Rück derzeit verkauft, ist ziemlich klar: Er macht sich Sorgen über den Rückversicherungsmarkt allgemein. Diese Sorgen sind besonders groß für Buffett, denn Berkshire mischt selbst darin mit. Deswegen würde ich vermuten, dass er „zusätzliches“ Engagement im Rückversicherungsmarkt verringern möchte. Und das geht einfach mit den Münchener Rück Anteilen.

Also meine Sicht ist, dass das Verkaufen seiner Münchener Rück Anteile nicht bedeutet, dass Buffett plötzlich weniger vom Unternehmen oder dem Management hält. In der Tat könnte er die Münchener Rück und ihr Management noch für lobenswert halten, aber er will heute einfach keine zusätzlichen Beteiligungen am Rückversicherungsmarkt haben. Indiz dafür ist auch das Verkaufen seiner Anteile an Münchener Rück Wettbewerber Swiss Re, die Berkshire im Sommer komplett aufgelöst hat.

Also wir haben ein sehr guten Grund, die Münchener Rück nicht zu kaufen, trotzt der noch großen Beteiligung von Berkshire Hathaway. Aber es gibt auch die Bullensicht.

Die letzten Jahre waren für Versicherer und insbesondere für Rückversicherer keine besonders guten Jahre und wie erwähnt bestehen auch weiterhin noch Sorgen.

Drei Ereignisse stellten die Münchener Rück vor Herausforderungen.

  1. Geringe Gewinne aus Anleihen – eine der Hauptverdienstmethoden von Versicherern besteht darin, dass sie die Prämien ihrer Kunden investieren (in der Welt der Versicherungen nennt man diesen Betrag „Float“). Da die meisten oder sogar alle dieser Prämien früher oder später zurückgezahlt werden müssen, setzen Versicherer die Beträge auf sichere Anleihen. Derzeit sind die Zinsen auf der ganzen Welt sehr gering, deswegen sind die Gewinne aus den Investitionen für Versicherer ebenfalls gesunken.
  2. Große Konkurrenz – Seit einigen Jahren ist die Anzahl an Naturkatastrophen zurückgegangen. Das ist für Versicherer nur auf den ersten Blick ein Vorteil. Einerseits müssen weniger Gelder an Versicherte ausgeschüttet werden, andererseits haben alle Versicherer dadurch mehr Kapital. Dieses Kapital veranlasst einige Versicherer, die Beiträge für ihre Mitglieder zu senken, was einen Konkurrenzdruck erzeugt.
  3. Neue Produkte – Besonders Rückversicherer wurden durch das Entstehen neuer Produkte auf dem Markt hart getroffen. Katastrophen-Bonds sind dabei besonders hervorzuheben. Früher war es die Regel, dass Versicherer sich an Rückversicherer wenden, um sich gegen übermäßige Risiken abzusichern. Katastrophen-Bonds aber bieten Versicherern die Möglichkeit, sich an Investoren zu wenden, die die Risiken stemmen und dafür Anleihen-artige Erträge zurückbekommen. Wie in jeder anderen Branche auch kann plötzliche Konkurrenz Wachstum und Profit hindern.

Wenn diese Herausforderungen wie Gründe klingen, eben nicht in Münchener Rück zu investieren, dann gibt es doch zwei gewichtige Gründe, es doch zu tun. Nicht nur trotz dieser Herausforderungen, sondern wegen ihnen.

Münchener Rück gilt als verlässlicherer Versicherer. Das ist einer der Hauptgründe, weswegen Buffett das Unternehmen überhaupt so schätzt. Und in der Versicherungsbranche kommen die besten Langzeit-Investitionen nicht von den Unternehmen, die am schnellsten wachsen – sondern von denen, die überleben.

Eines von Buffetts bekannten Zitaten lautet: „Man sieht erst, wer nackt im Wasser war, wenn die Ebbe kommt.“ Und das trifft voll und ganz auf die Versicherungsbranche zu. In den Jahren, in denen die Konkurrenz heftig ist und die Preise für Versicherungen fallen, wenn es nicht viele Katastrophen zu versichern gibt – in diesen Jahren ist es nicht schwierig so zu wirken, als wäre man erfolgreich. Aber wenn es hart auf hart kommt und Beträge gegen Katastrophen ausbezahlt werden wollen, erst dann stellt sich der wahre Wert eines Unternehmens heraus.

Münchener Rück ist auf der ganzen Welt sicherlich einer der wirklich herausragenden Versicherer. Wenn das nächste Mal die Ebbe kommt, wird man sehen, dass Münchener Rück von Fuß bis Kragen bekleidet war. Noch besser: Wenn andere Versicherer von harten Jahren getroffen werden, hat Münchener Rück die Möglichkeit, den Marktanteil ganz zu übernehmen.

Das Unternehmen dreht nämlich nicht die Däumchen. Einer der Gründe, warum ich Münchener Rück auch jetzt so mag.

Ein guter Versicherer ist ein kreativer Versicherer. Wie in jeder anderen Branche auch sind viele der besten Unternehmen wahre Innovatoren. Die meisten von uns Normalos kennen sich gerade einmal mit der sehr einfachen Reihe an Versicherungsprodukten aus, mit denen wir selber Kontakt haben: Kfz-Policen, Haftpflichtversicherungen, Zusatzversicherungen. Aber wie steht es mit Cyber-Risiko-Schutz aus, der Unternehmen gegen Hacker-Angriffe absichert? Oder Rufschädigungspolicen, die an Unternehmen ausgeschüttet werden, wenn eine ihrer Marken unter Beschuss gerät? Diese Art von innovativen Produkten werden von Unternehmen auf der ganzen Welt gekauft – und bietet potenzielle Profite für die Versicherer.

Was kommt als nächstes in der Versicherungsbranche? Jeden Tag tauchen neue Gefahren und Risiken auf, und das gibt Versicherern wie Münchener Rück ausreichend Gelegenheit, neue Produkte zu entwickeln, um auf neue Gefahren einzugehen.

Natürlich gibt es noch mehr gute Argumente für die Münchener Rück. Ich könnte hier noch die neuen Märkte wie z.B. China anführen, wo das wirtschaftliche Wachstum große Chancen bietet. Oder die Tatsache, dass die Münchener Rück auch in das reguläre Versicherungsgeschäft eingestiegen ist – und damit seine Stärke auf einer großen Produktpalette ausspielen kann. Fazit: Buffetts deutsche Lieblingsaktie ist eine, die auch ich heute sehr zu schätzen weiß.

Allerdings ist da noch eine Sache, die wir von Warren Buffetts Begeisterung für Münchener Rück ableiten können….

Möglichkeit 4: Investiere in Deutschland wie Buffett

Für Investoren ist es natürlich viel interessanter zu erfahren, warum genau Buffett von der Münchener Rück so begeistert ist. Es ist schön, wenn du weißt, dass Buffetts Investment in die Münchener Rück dir eine weitere sichere Aktie für dein Portfolio beschert. Aber wenn du weißt, warum er so überzeugt ist, dann kannst du dein ganzes Portfolio auf eine Art und Weise zusammenstellen, die Buffett erfolgreich gemacht hat – und nicht zuletzt reich.

Es kann auch dafür sorgen, dass du Aktien entdeckst, die Buffett gerne kaufen würde, aber nicht kaufen kann, weil sie für Berkshires riesiges Portfolio schlichtweg zu klein sind. Hier sind drei Lektionen, die wir aus Buffetts Investment in die Münchener Rück ableiten. Nutze sie, um deinem eigenen Portfolio ein bisschen Feuer zu machen.

1. Buffett versteht, dass der Kompetenzkreis wichtig ist.

Wir bleiben bei Unternehmen, die wir verstehen. Die müssen relativ einfach und konstant sein. (…) Was für die meisten Leute beim Investieren wichtig ist: Nicht wie viel sie wissen, sondern wie realistisch sie einschätzen können, was sie nicht wissen.

Als Warren Buffett Berkshire Hathaway kaufte war es ein Textilunternehmen am Abgrund. Zurückblickend hat Buffett oft lamentiert, dass ihm nicht eher aufgegangen ist, wie schlecht das Geschäft war und das Unternehmen nicht auf eine andere, ertragreichere Schiene gebracht hat. Aber irgendwann war es ihm aufgegangen und er akquirierte ein Versicherungsunternehmen.

Damit erst wurde das Kerngeschäft von Berkshire Hathaway klar. In den darauffolgenden Jahren konnte Berkshire sein Versicherungsgeschäft ausbauen, und zwar durch organisches Wachstum wie auch durch strategische Akquisitionen – darunter vor allem GEICO und General Re.

Selbst als Berkshire in den letzten Jahren aggressiv Unternehmen außerhalb der Versicherungsbranche gekauft hat – z.B. die riesige BNSF Railroad – ist das Versicherungsgeschäft noch immer für 25% der gesamten Einnahmen des Unternehmens verantwortlich.

Mit anderen Worten: Buffett kennt das Versicherungsgeschäft aus der Perspektive des Investors, er kennt es aus der Perspektive des Unternehmenskäufers, er kennt es aus der Perspektive des Vorstands. Noch einfacher: Er kennt es in- und auswendig.

Ein Eckpfeiler von Warren Buffetts Investmentstrategie – ein Ansatz, den wir bei The Motley Fool ebenfalls verwenden – besteht darin, dass er Aktien nicht als Papier mit gedruckten Buchstaben und Zahlen betrachtet, sondern als Anteile an lebendigen und atmenden Organismen, an reellen Unternehmen. Wenn du auf diese Weise ans Investieren gehst, dann ist es sehr wichtig, die Branchen zu begreifen, in die du dein Geld steckst. So kannst du viel besser potenzielle Investments beurteilen.

Für deinen langfristigen Erfolg beim Investieren ist es viel wichtiger, dass du genau weißt was du weißt (und was du nicht weißt!), als einen exakten Plan davon zu haben, in welche Unternehmen Buffett oder andere berühmte Investoren ihr Geld investiert haben.

2. Buffett investiert langfristig

Wenn du nicht bereit bist, eine Aktie zehn Jahre lang zu halten, dann brauchst du sie nicht mal zehn Minuten lang halten.

Buffett besitzt die Münchener Rück seit 2010. Zumindest tauchte die Aktie damals zum ersten Mal im Brief an die Aktionäre auf. Das bedeutet, dass Berkshire seit fünf Jahren an der Münchener Rück beteiligt ist.

Um das mal in eine Perspektive zu bringen: Manche Studien besagen, dass der jährliche Turnover für den durchschnittlichen Hedgefonds – also der Prozentteil der Investments eines Fonds, der während eines Jahres gekauft und wieder verkauft wird – bei 100% oder mehr liegt. Viele Hedgefonds besitzen in der Regel Aktien also weniger als ein Jahr.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Buffett in Eile ist, die Münchener Rück demnächst zu verkaufen. Wenn er einmal ein gutes Unternehmen gefunden hat, dann bleibt er dabei. (Oder, wie er sagt: „Die ideale Haltezeit ist für immer.“) Ein gutes Beispiel dafür ist Berkshires Investment in Coca-Cola, das bereits seit 1988 ein wichtiger Bestandteil des Portfolios ist.

Das ist ein wichtiger Teil, wenn man Buffetts Strategie verstehen will. Denn langfristiges Investieren bietet Investoren besondere Vorteile. Darunter:

  • Du kannst jetzt richtig liegen… oder eben später – Warren Buffetts Mentor sagte: “Kurzfristig ist der Markt ein Wahlautomat. Langfristig betrachtet eine Waage.“ Das heißt: Sollte deine Auswertung richtig sein, wird der Markt früher oder später auf deiner Seite sein (die Waage); weil der Markt aber von den Bauchgefühlen der Investoren getrieben wird (der Wahlautomat), kann es für dich kurzfristig auch mal weniger rosig aussehen. Wenn du also langfristig dabei bist, kannst du davon ausgehen, dass du nicht mit den komplizierten Emotionen und Intuitionen der Investoren rechnen musst.
  • Du brauchst nicht viele frische Ideen – Großartige Investment-Ideen fallen einem nicht einfach mal so ein. Du solltest jedem misstrauen, der das Gegenteil behauptet. Wenn du also nur mit einem Horizont von einem einzigen Jahr investierst, dann brauchst du schnell eine neue Strategie. Wenn du aber Unternehmen suchst, bei denen du zehn Jahre oder länger dabeibleiben willst, dann kannst du dir allzu viel Grübeln ersparen.
  • Mit nur einem Wort: Zinseszins – Albert Einstein nannte das Phänomen des Zinseszins einmal das „Achte Weltwunder“. Dem kann ich nur zustimmen. Und je länger dein Investitionsfenster, desto größer der Effekt von Zins und Zinseszins.

3. Buffett verfügt über „fast unmenschliche Geduld“

Im Brief an die Aktionäre aus dem Jahr 2014 hatte Charlie Munger folgendes zu Warren Buffetts  Beitrag zum Erfolg von Berkshire zu sagen:

Auch als Berkshire viel bessere Angebote als die meisten anderen bekam, zeigte Buffett fast schon unmenschliche Geduld und kaufte nur selten.

Im Kontext der Münchener Rück bezweifle ich nicht, dass Buffett den bayerischen Versicherer als einen der besten der Welt schon lange auf dem Zettel hatte. Und doch schlug er erst im Jahr 2010 zu. Warum? Ich kann mir gut vorstellen, dass es mit der Möglichkeit zusammenhing, die sich mit einem Mal auftat.

In den meisten Jahren wird die Aktie der Münchener Rück über ihrem Buchwert gehandelt. Im Jahr 2009 allerdings beendete man das Jahr unter dem Buchwert und blieb für den Großteil von 2010 und 2011 auch darunter. Meine Annahme: Buffett hatte dieses großartige Unternehmen schon lange auf dem Schirm und wartete einfach ab, bis es zu diesem Sonderpreis zu haben war. Dann erst kaufte er – und kaufte gleich viele Anteile.

Wie schon weiter oben erwähnt ist die Münchener Rück auch heute noch ein guter Kauf. Aber sicherlich nicht mehr so lohnenswert wie bei Buffetts Einstieg. Wenn du also aus dem Kauf von Münchener Rück eine Lektion ableiten willst, dann folgende: Noch besser als einfach ebenfalls die Münchener Rück zu kaufen ist es, Zeit darin zu investieren, die besten Unternehmen für sich herauszufinden und dann mit viel Geduld darauf zu warten, dass sich eine gute Kaufgelegenheit bietet.

Obwohl Buffett gesagt hat, dass es besser sei, „ein großartiges Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen als ein gutes Unternehmen zu einem großartigen Preis“, denke ich doch, dass er am liebsten ein großartiges Unternehmen zu einem großartigen Preis kauft.

 


 

Wo nicht anders vermerkt sind alle Zahlen vom 7. April 2015.

Dieser Sonderbericht wurde von Matt Koppenheffer verfasst. Matt ist Geschäftsführer und Senior Analyst bei The Motley Fool GmbH und besaß zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Aktien von Berkshire Hathaway und Wells Fargo. The Motley Fool LLC, Muttergesellschaft von The Motley Fool GmbH, empfiehlt American Express, Berkshire Hathaway, Coca-Cola, Procter & Gamble und Wells Fargo. The Motley Fool besitzt Aktien von Berkshire Hathaway, International Business Machines und Wells Fargo und besitzt die folgenden Options: Long Januar 2016 $37 Calls auf Coca-Cola und Short Januar 2016 $37 Puts auf Coca-Cola.

Dieser Report: dient (a) nur dem Zweck einer generellen Information und stellt keine Kaufempfehlung dar; und stellt (b) weder eine Aufforderung zum Verkauf einer Aktie dar, noch rät er zum Kauf einer bestimmten Aktie und sollte auch nicht als alleinige Grundlage für solche Entscheidungen dienen. The Motley Fool GmbH, ihre Mitarbeiter und sämtliche für The Motley Fool tätigen Autoren (kollektiv als „TMF“ bezeichnet) befürworten weder den Kauf oder Verkauf einer Aktie, noch empfehlen sie bestimmte Papiere oder haben eine unterstützende Funktion gegenüber eines der erwähnten Unternehmen. Dieser Report repräsentiert die Meinung eines individuellen Autors und beabsichtigt nicht, dir einen professionellen finanziellen Rat zu erteilen oder dich bezüglich deiner persönlichen Umstände finanziell zu beraten.

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