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Ein Sonderbericht

Projekt 10X – Interroll

Ein Sonderbericht von Motley Fool Deutschland

Diese Aktie hat es fast unter die Top 20 Small Caps der Fools geschafft


Die Analysten bei den Fools beobachten Tausende von Small und Micro Caps. In den USA, aber auch in Europa. Viele dieser Aktien landen in der Mülltonne… und nur wenige schaffen es überhaupt in die nähere Auswahl. Die Aktie um die es heute geht, Interroll (WKN:907155), hat es bis ganz weit oben geschafft… und ist doch nicht auf der Empfehlungsliste von Projekt 10X. Warum? Das will ich dir im Folgenden gerne erläutern.

Wie du in diesem Bericht lesen wirst, gibt es viele Gründe, warum Interroll eine gute Investition ist. Und ehrlich gesagt, würde ich es dir nicht übel nehmen, wenn du die Aktie kaufst, auch wenn sie es nicht in unser Portfolio von Projekt 10X geschafft hat. Aber es gibt drei gute Gründe, warum es für Interroll nicht gereicht hat.

Erstens, und das ist das Wichtigste, waren die erwarteten Renditen einfach nicht hoch genug. Bei einem Unternehmen, das wir empfehlen, muss ich eine realistische Möglichkeit sehen, dass sich der Wert der Aktie verzehnfacht. Das heißt nicht, dass der Kurs wie eine Rakete über Nacht so schnell steigen muss. Aber damit eine Aktie dein Geld im Laufe von 20 Jahren verzehnfachen kann, ist ein Minimum von 12,2 % Jahresrendite notwendig. Das war ein absolutes Minimum für Projekt 10X, und mein Berechnungsmodell für Interroll hat das einfach nicht ergeben.

Zudem erhielten das Management und die Kultur bei Interroll von den Mitarbeitenden schlechte Noten. Die Mitarbeiter eines Unternehmens sind der Schlüssel zum langfristigen Erfolg, und wenn ein Unternehmen nicht ein Umfeld schafft, das das Engagement der Mitarbeiter fördert, kann dies die langfristige Performance beeinträchtigen — sowohl für das Unternehmen als auch für die Aktie.

Schließlich wollte ich Interroll als ein Unternehmen sehen, das einfach nur langweilig ist und das den Investoren nicht gefallen hat. Nun, das ist einfach nicht wahr. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 40 zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass die Anleger Interroll nicht übersehen haben.

Was das Unternehmen macht

Es mag einem manchmal wie Zauberei erscheinen, dass man in Städten auf der ganzen Welt — darunter Berlin, München und Köln — auf der Amazon-Website auf „Kaufen“ klicken kann und noch am selben Tag die Bestellung vor der Haustür hat.

Natürlich ist das überhaupt keine Magie. Es ist die Folge des unglaublichen Logistiknetzwerks, das Amazon aufgebaut hat. Nur weil sich die Waren so nahtlos durch das Amazon-Netzwerk bewegen können, können sie so schnell und zuverlässig vor der Haustür des Kunden ankommen.

Das bringt uns zu Interroll. Interroll ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten für die interne Logistik. Das Unternehmen stellt Rollen, Antriebe, Förderbänder und Sortierer sowie Lösungen für die Rollbeförderung von Paletten und Kartons her. Da ein Bild mehr sagt als tausend Worte, so sieht eines der Produkte von Interrol aus:

Wenn du am Flughafen bist und dabei zusiehst, wie deine Taschen durch die Sicherheitskontrolle gleiten, dann sind dort vielleicht Interroll-Teile im Einsatz. Das Gleiche gilt für deine Lebensmittel im Supermarkt. Und in viel größerem Umfang, wenn deine Post sortiert oder deine Amazon-Bestellung intern weitergeleitet wird … auch hier ist vielleicht Interroll beteiligt.

Die Produkte von Interroll finden sich bei der Post, in Lagerhäusern, Supermärkten, Lebensmittelverarbeitungsbetrieben, Flughäfen, Reifen- und Automobilherstellern und anderen Industrieunternehmen. Zu den 23.000 weltweiten Kunden des Unternehmens zählen Bosch, Coca-Cola, DHL, Procter & Gamble, Walmart und, ja, auch Amazon. Darüber hinaus beliefert das Unternehmen auch einige der weltweit führenden Systemhäuser — die Unternehmen SSI Schäfer, Dematic und Vanderlande —, die zu den fünf größten Intralogistiksystemhäusern weltweit gehören.

Warum man kaufen könnte

Sehen wir uns für einen Augenblick lang das große Ganze an. Antriebe und Rollen für Förderanlagen? Interne Logistik? Hört sich das nicht nach einem langweiligen Unternehmen an?

Nun, ja, tatsächlich tut es das. Aber es ist ein langweiliges Unternehmen mit einem spannenden Trend im Rücken.

Einer der größten Branchentrends, die wir hier bei The Motley Fool Deutschland verfolgen, ist der E-Commerce. Amazon wurde bereits ein paar Mal in diesem Bericht erwähnt, immerhin ist es eines der größten Unternehmen im E-Commerce weltweit. Aber das Unternehmen ist bei weitem nicht das einzige in einem Markt, der 2017 weltweit schätzungsweise über 2,2 Billionen US-Dollar Umsatz erreicht hat. Ein weiteres sehr bekanntes Beispiel ist Zalando — übrigens auch ein Kunde von Interroll.

Der Punkt ist, dass der E-Commerce in den letzten zehn Jahren eine treibende Kraft in der Weltwirtschaft war, und ich glaube, dass das auch in den kommenden zehn Jahren so bleiben wird. Das ist natürlich gut für E-Commerce-Unternehmen, aber es ist auch gut für Unternehmen wie Interroll, die das notwendige Rückgrat liefern.

Unterm Strich bedeutet das, dass das Wachstum im E-Commerce für Interroll in den kommenden Jahren ein wichtiger Wachstumstreiber sein sollte.

Aber es geht hier nicht nur um den E-Commerce. Wenn die Maschinen intelligenter werden, werden die Unternehmen noch mehr Materialtransport und Sortierung mit Geräten statt mit Menschen durchführen wollen (das ist für die Menschen nicht so toll, aber wahrscheinlich gut für Interroll). Zudem stammen derzeit weniger als 15 % des Umsatzes aus der Region Asien-Pazifik. Laut Unternehmensangaben soll die Produktion von Einzelhandelsverpackungen in dieser Region zwischen 2015 und 2020 um 288 % wachsen — gegenüber nur 43 % in Westeuropa und 20 % in Nordamerika.

Rendite, und warum das ein Gewinner sein könnte

Es hätte mir wahnsinnig gefallen, wenn das Unternehmen vom Markt übersehen worden wäre. Dem war aber leider nicht so.

Für die fünf Jahre bis zum 12. September 2018 stieg die Aktie um 357 %. Ein Teil davon ist sicherlich auf das jährliche Wachstum des Jahresüberschusses von 15 % in diesem Zeitraum und die durchschnittliche jährliche Erhöhung der Dividende pro Aktie um 16 % zurückzuführen.

Aber auch die Kennzahlen haben zugenommen. Im Jahr 2013 notierte die Interroll-Aktie mit einem durchschnittlichen Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Gewinn (EBIT) von 14,2. Sie wird derzeit mit dem 31-fachen EBIT gehandelt. Das KGV steht bei 38,6.

Im Rahmen von Projekt 10X möchte ich hier erläutern, warum die Aktie ein 10X-Potenzial hat, und welche jährlichen Renditen ich erwarte. Interroll ist möglicherweise eine solide Investition, aber ich bin nicht davon überzeugt, dass es genug Potenzial hat, um in unser 10X-Portfolio aufgenommen zu werden.

Risiken

Sogar in der heutigen Zeit, in der die Computer kurz davor sind die Macht zu übernehmen, bleiben die meisten Unternehmen in hohem Maße abhängig von engagierten und guten Mitarbeitern, die tagtäglich Innovationen umsetzen, verkaufen und sich um die Kunden kümmern. Interroll beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter im gesamten Unternehmen.

Wenn man sich aber die Mitarbeiterbewertungen auf Websites wie kununu und Glassdoor ansieht, scheinen viele Mitarbeiter mit der Art und Weise, wie Interroll geführt wird, unzufrieden zu sein. Die etwa 50 Bewertungen sind ein begrenzter Blick auf ein paar tausend Mitarbeiter, aber da wir nach wirklich großartigen Unternehmen suchen, ist für mich das Risiko zu groß, dass wir es hier nicht wirklich mit einem großartigen Unternehmen zu tun haben.

Wir haben bereits über die Bewertung gesprochen, deshalb können wir uns hier kurz fassen. Der Markt hat der Interroll-Aktie eine Premiumbewertung gegeben. Das scheint mir ein gutes, vielleicht sogar ein sehr gutes Unternehmen zu sein, aber ich denke, dass die Bewertung zu hoch sein könnte, was ein Risiko für zukünftige Renditen mit sich bringt.

Foolishes Fazit

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass Interroll eine lohnende Investition ist und es würde mich nicht überraschen, wenn die Aktie den Markt auch bei dem heutigen Kurs schlagen würde. Die Aktie weist jedoch eine Premiumbewertung auf, was eine Hürde für erstklassige Renditen — insbesondere für 10X-Renditen — darstellt. Um mich bei einer solch hohen Bewertung einzukaufen, müsste ich davon überzeugt sein, dass es sich um ein wirklich erstklassiges Unternehmen handelt, und meine Recherche hat mich davon einfach nicht überzeugt.

Beste Foolishe Grüße,

Matt Koppenheffer,
Senior Analyst,
The Motley Fool Deutschland

Matt besitzt Aktien von Amazon und Zalando. John Mackey, CEO von Whole Foods Market, ein Tochterunternehmen von Amazon, ist Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Amazon. The Motley Fool empfiehlt Zalando.

Dieser Bericht: dient (a) nur dem Zweck einer generellen Information und stellt keine Kaufempfehlung dar; und stellt (b) weder eine Aufforderung zum Verkauf einer Aktie dar, noch rät er zum Kauf einer bestimmten Aktie und sollte auch nicht als alleinige Grundlage für solche Entscheidungen dienen. The Motley Fool GmbH, ihre Mitarbeiter und sämtliche für The Motley Fool tätigen Autoren (kollektiv als „TMF“ bezeichnet) befürworten weder den Kauf oder Verkauf einer Aktie, noch empfehlen sie bestimmte Papiere oder haben eine unterstützende Funktion gegenüber eines der erwähnten Unternehmen. Dieser Report repräsentiert die Meinung eines individuellen Autors und beabsichtigt nicht, dir einen professionellen finanziellen Rat zu erteilen oder dich bezüglich deiner persönlichen Umstände finanziell zu beraten.

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