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Ein Sonderbericht

Die U.S. Zinsentscheidung und du

Sich zu sorgen oder nicht zu sorgen … das scheint am Abend 16. Dezember die Frage gewesen zu sein, nachdem die U.S. Federal Reserve ankündigte, dass sie den Leitzinssatz erhöhen wird. Meine Antwort dazu ist ganz einfach: kein Grund zur Sorge.

Es gibt mehrere Gründe dafür, hier sind einige davon:

1. Bei 0,25 % bis 0,5 % ist der Zinssatz noch locker … abgesehen davon, was das über die Wirtschaft aussagt

Nach dieser Ankündigung wird das Ziel des Leitzinssatz in den USA zwischen 0,25 % und 0,5 % liegen. Das ist auf jeden Fall höher als der bisherige Bereich von null bis 0,25 %, aber immer noch sehr, sehr niedrig im historischen Kontext. Also, obwohl die Entscheidung klar in Richtung restriktiverer amerikanischer Geldpolitik geht, ist sie heute noch locker.

Wir müssen uns auch daran erinnern, was diese Entscheidung in Bezug auf die amerikanische Wirtschaft bedeutet. Die Fed hatte so lange auf diese Erhöhung gewartet, weil sie noch Zweifel an der Gesundheit der Wirtschaft hatte. Dass sie die Erhöhung nun durchgezogen hat ist ein klares Zeichen dafür, dass die Fed glaubt, dass die Wirtschaft jetzt auf einer soliden Basis steht.

2. Denkst du, dass der Zinssatz bisher regungslos war? Dann solltest du umdenken!

Es stimmt, dass die U.S. Federal Reserve seit mehreren Jahren keine Änderungen am Leitzinssatz vorgenommen hat. Daraus kann man aber nicht folgern, dass die Zinssätze total bewegungslos waren.

Wenn wir zum Beispiel auf die 10-Jahres-Anleihen der USA schauen, können wir diese Bewegungen leicht sehen. Zwischen Februar 2011 und Juli 2012 fielen diese Raten von 3,58 % auf 1,53 %. Danach stiegen sie von diesem Tief im Dezember 2013 bis auf 2,9 %.

Und für alle, die in Bezug auf Aktien nervös werden, wenn die Zinsen steigen, kann ich auf Folgendes verweisen: Sogar in dem Zeitraum, in dem die Zinsen von 1,53 % auf 2,9 % gestiegen waren, erhöhte sich der U.S. Leitindex S&P 500 um fast 31 %. Also, höhere Zinsen bedeuten in der Regel nicht schwächere Aktien.

3. Der statistische Zusammenhang

Warren Buffett sagte einmal: „Beware of geeks bearing formulas.“ (in etwa: Vermeide die Formel-jonglierenden Streber.)

Aber selbst wenn wir Formeln überhaupt nicht vertrauen, können wir die Ergebnisse aus diesen betrachten und diese zumindest als „weitere Hinweise“ nutzen. In diesem Fall habe ich mit Daten von Yale Professor Robert Shiller die Korrelation zwischen der jährlichen Zinsveränderung (basierend auf 10-jährigen U.S. Staatsanleihen) und der darauf folgenden Veränderung des S&P 500 (über 12 Monate nach Änderung des Zinses) über 50 Jahre berechnet.

Das Ergebnis? -0,07. Wir könnten also sagen, dass beide sehr leicht negativ korreliert sind. Aber diese Korrelation ist so gering, dass wir praktisch keinen wirklichen Zusammenhang sehen.

4. Glaubt Mr. Market wirklich an den Nullzins? Nein …

Die eigentliche Sorge wäre, wenn Mr. Market, das heißt alle Anleger im Allgemeinen, wirklich an den Nullzins glaubt. Was ich damit meine ist, wenn Aktienkurse scheinbar unter der Annahme eines Nullzinses berechnet worden wären.

Wenn man Aktienkurse mit akademischen Formeln berechnet muss man einen „risikofreien Zinssatz“ in die Formel stecken. Je niedriger dieser risikofreie Zins, desto höher die berechneten Aktienkurse. Wenn Anleger also im Allgemeinen gedacht hätten, dass der Nullzins von Dauer wäre, hätten wir verrückt hohe Aktienkurse gesehen. Und damit wäre die Sorge berechtigt gewesen, dass Aktien stark fallen würden, wenn sich die Zinsen erhöhen.

Das ist aber nicht passiert. Aktienkurse waren nicht besonders niedrig, sie waren aber auch nicht in der Nähe eines Niveaus, auf das man mit Formeln unter Berücksichtigung des bis vor kurzem dagewesenen Bodenzinssatzes gekommen wäre.

Die Schlussfolgerung daraus ist, dass Aktienkurse keinen Bedarf hatten stark zu fallen, um sich an höhere Zinsen anzupassen.

Was bedeutet das alles für Foolishe Anleger?

Wenn irgendetwas von dem von mir oben Beschriebenen kein Sinn für dich ergibt – besonders Nr. 4 –, mach dir keine Sorgen. (Erinnere dich auch an Buffetts Zitat mit dem „Formel-jonglierenden Streber“.)

Was für uns wichtig ist, ist, dass wir uns an das erinnern, was wir hier tun: Wir investieren langfristig in wunderbare Unternehmen. Sobald wir uns daran erinnern, können wir uns das Ziel stecken, herauszufinden, was höhere Zinsen für diese wunderbaren Unternehmen bedeuten könnten.

In der Tat aber kann das für verschiedene Unternehmen unterschiedliche Bedeutungen haben – für einige ist das gut und für einige nicht so gut, und manchmal sogar beides gleichzeitig. In den meisten Fällen können wir also nicht einfach sagen, dass höhere Zinsen gut oder schlecht für unsere Investitionen sind. Was wir aber fast sicher sagen können ist, dass für hochverschuldete Unternehmen (auch wenn es das Geschäftsmodell notwendig macht) höhere Zinsen beunruhigend sein könnten. Aber du wirst nicht so viele Foolishe Aktienempfehlungen entdecken, die hoch verschuldet sind, denn Verschuldung ist im Allgemeinen eher weniger Foolish.

Letzten Endes gibt es für langfristige Anleger wie uns dann nicht so viele Gründe, vor höheren Zinsen Angst zu haben. Statt uns also auf diese Zinsspielchen zu fokussieren, können wir uns weiterhin auf die Suche nach wunderbaren Unternehmen machen und unseren Fokus auf langfristige Ergebnisse gerichtet lassen.