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Ein Sonderbericht

Die Apple Aktie

Die Liste der Branchen, die Apple (WKN:865985) revolutioniert hat, ist lang. Daher muss Apple nicht erst groß vorgestellt werden.

Fast die Hälfte aller Smartphonenutzer in den USA besitzt ein iPhone, und Apple denkt, dass sich die Mehrheit dieser Kunden erneut für ein iPhone entscheidet, wenn es Zeit ist, das Alte zu ersetzen. Das iPad ist das am schnellsten vom Markt aufgenommene Endkonsumentenprodukt der Geschichte. Allerdings ist die unbekannte Länge des Upgradezyklus eine Folge der schnellen Aufnahme. In der Zwischenzeit hat der Mac in fast jedem Quartal des letzten Jahrzehnts Marktanteile hinzugewonnen.

Obwohl Apple in den letzten Jahren massiv gewachsen ist, denke ich, dass es immer noch viele Möglichkeiten gibt, die das Unternehmen aus Cupertino nutzen kann.

Unternehmen und Sektor

Apples Konzentration auf die Integration von Hardware und Software hat zu einer Differenzierung geführt, die bei Konsumentenelektronik nie zuvor erreicht wurde. Die Branche wurde eigentlich immer von einer schnellen Marktaufnahme und einem darauffolgenden Preisdruck geplagt. Zusammen mit dem starken Fokus auf die Produktqualität und das Design ist Apple in der Lage, eine beachtenswerte Preissetzungsmacht auszuüben. So kann es für seine Premiumprodukte auch Premiumpreise verlangen. Apple hat zudem das Glück, eine treue und ergebene Kundenbasis zu haben, die auch lange Schlangen nicht scheut, um jedes Jahr das neuste und beste Produkt zu erhalten.

Apple steht in der Branche Konsumentenelektronik in vielen Produktkategorien im Wettbewerb. Nachdem es den PC vor Jahrzehnten mit einer Grafikoberfläche revolutioniert hat, krempelte es den Smartphonemarkt um, indem es seinem iPhone einen kapazitiven Touchscreen spendierte. Die darauffolgende Renaissance der Tablets, die 2010 mit dem iPad anbrach, war eigentlich nur eine Erweiterung dessen. Der Grund liegt darin, dass sowohl das iPhone als auch das iPad mit dem mobilen Betriebssystem iOS von Apple laufen.

Hier ist eine Übersicht über die Produktsegmente von Apple. Du wirst erkennen, dass das iPhone mit Abstand das wichtigste Produkt ist.

Produkt Umsatz (letzte 12 Monate) Anteil (letzte 12 Monate)
iPhone 155,5 Milliarden USD 66 %
iPad 21,3 Milliarden USD 9 %
Mac 25,3 Milliarden USD 11 %
Services 21,2 Milliarden USD 9 %
Sonstige Produkte 11,7 Milliarden USD 4 %

Quelle: SEC-Angaben. Daten aus 2015.

Der am schnellsten wachsende geografische Markt ist China. Die Region macht nun ein Viertel des gesamten Umsatzes aus. Tim Cook machte mehrfach deutlich, dass er davon ausgeht, dass China irgendwann ein größerer Markt wird als die USA.

Neben Smartphones, PCs und Tablets wagte sich Apple kürzlich auf den aufkeimenden Markt für Smartwatches. Die Apple Watch ist das erste Wearable des Unternehmens. Apple verbreitert und festigt daneben seine zahlreichen Serviceangebote, wie Apple Music. Es könnte zudem sein, dass es auch bald einen abogetriebenen TV-Dienst anbietet, der die Apple TV Streamingbox ergänzt. Außerdem gibt es zahlreiche Gerüchte und Hinweise, dass Apple versucht, langfristig den Automobilmarkt mit einem Elektroauto zu betreten.

Der Wearablemarkt steckt noch in den Kinderschuhen. Es ist daher schwer, die Chancen zu beurteilen, die darin liegen. Die Annahme durch die Konsumenten hängt hier vollständig davon ab, wie die Unternehmen Innovationen schaffen und miteinander im Wettbewerb stehen. Aber die Apple Watch sollte trotzdem das gesamte Produktökosystem von Apple stärken.

Der Automobilmarkt ist anders als die Märkte, in denen Apple bisher aktiv war. Er lässt sich allgemein durch eine geringere Stückzahl (2015 wurden knapp 90 Millionen Autos verkauft, aber 1,4 Milliarden Smartphones) und niedrigere Margen, als es Apple gewohnt ist, charakterisieren. Autos zu bauen ist zudem sehr kapitalintensiv. Aber Apple könnte sich selbst mit einem Luxuselektroauto in einer Nische positionieren, in der es direkt mit Tesla Motors (WKN:A1CX3T) konkurriert.

Eine neue Produktkategorie zu betreten und sich in einen neuen Markt vorzuwagen, wird in Zukunft ein wichtiger Wachstumstreiber für den Technologieriesen sein.

Was ein Bulle sagen würde

Apple hat ein einziges Ziel: Großartige Produkte herzustellen. Man kann bisher getrost behaupten, dass Apple dieses Ziel erfolgreich verfolgt. Schau dir nur die Menge der Produkte an, die es verkauft, und die hohe Kundenzufriedenheit, die diesen Produkten entgegengebracht wird. Solange Apple seinen Wettbewerbsvorsprung durch die Entwicklung neuer, innovativer Produkten, die jedoch inkrementell evolutionäre Funktionen haben, aufrechterhält, denke ich, dass es weiterhin die Upgradekäufe seiner Nutzer aufrechterhalten kann.

Apple hat zudem ein historisches Kapitalrückzahlungsprogramm aufgelegt. Damit gibt es Geld an seine Aktionäre zurück und verbreitert seine Investorenbasis. Das Unternehmen zahlt im Moment eine Dividendenrendite von ungefähr 2,1 % (Januar 2016) und hat in den letzten drei Jahren Aktien im Wert von unglaublichen 110 Milliarden USD zurückgekauft. Apple nimmt weiterhin Schulden auf, um sein Kapitalrückzahlungsprogramm zu finanzieren. Dadurch vermeidet es Rückführungssteuern, da das meiste Geld außerhalb der USA gehalten wird. Diese Schuldenstrategie hat zudem den Vorteil, dass sich die gewichteten, durchschnittlichen Kapitalkosten verringern.

Dank der zuvor erwähnten Preissetzungsmacht und der guten Verhandlungsposition gegenüber Komponentenherstellern, profitiert Apple sehr stark von hohen Gewinnmargen. (Diese gehören zu den Höchsten unter seinen Mitwettbewerbern.) Für ein Unternehmen mit einem so großen Hardwaregeschäft ist die Rentabilität von Apple unerhört hoch. Obwohl das Unternehmen hinsichtlich der verkauften Stückzahl nicht immer den Spitzenplatz in einem Markt einnimmt, ist es häufig auf dem ersten Platz, wenn es um den operativen Gewinn in der Branche geht. Apples Markteinführung der größeren iPhones half ihm dabei, weitere Marktanteile in dem Premiumsegment des Smartphonemarktes zu gewinnen. Leidtragender dieser Entscheidung war Samsung (WKN:888322).

Was würde ein Bär sagen?

Es gibt verschiedene wichtige Risikofaktoren, die ein Bär im Blick haben würde.

Der erste Faktor ist, dass das Geschäft von Apple extrem vom iPhone abhängt. Dieses macht nun 66 % des Umsatzes der letzten zwölf Monate aus. Zudem sind die Produktzyklen äußerst konzentriert. Apple bringt nur ein bis zwei Modelle pro Jahr heraus. Daher würde jeder Flop eine Katastrophe für das Unternehmen darstellen. Das iPhone 5c beispielsweise wurde weithin als wirtschaftlicher Misserfolg angesehen (obwohl Apple dies niemals zugab). Ein Grund dafür war der Preis, der höher als erwartet ausfiel. Zum Glück war das nicht das Flaggschiffmodel, welches die Upgrade- und Stückzahlen vorantreiben sollte.

Bisher hatte Apple noch keinen missglückten Produktzyklus und es gab im Jahresvergleich auch keinen Rückgang in den quartalsweisen Verkaufszahlen für iPhones. (Ich erwarte, dass der erste Rückgang im ersten Quartal 2016 zu sehen sein wird.) Aber die Konzentration des Risikos ist sehr real. Da der Smartphonemarkt sehr reif ist und das Wachstum auf aufstrebende Märkte abwandert, sieht sich Apple einer Herausforderung gegenüber. Der Grund liegt darin, dass seine Premiumpreise für die meisten Konsumenten in den Schwellenländern unerschwinglich sind.

Es gab zudem Sorge um die Fähigkeit von Apple, in der Zeit nach Steve Jobs Innovationen hervorzubringen. Apple betrat seine erste neue Produktkategorie (Smartwatches) in der Zeit nach Jobs und hat sich entschieden, die finanziellen Ergebnisse der Apple Watch nicht zu veröffentlichen. Daher ist es unklar, wie gut oder schlecht sich das Produkt verkauft. Obwohl nun mehr als vier Jahre vergangen sind, seit der Applegründer gestorben ist, könnte diese Sorge noch lange bestehen, bis sie sich bewahrheitet oder als falsch herausstellt.

Finanzen & Bewertung

Trotz der extrem starken Fundamentalwerte bleibt Apple billig, wenn man die meisten traditionellen Bewertungsmaßstäbe anlegt. Die Aktie wird im Vergleich zum S&P 500 mit einem Rabatt angeboten. Dieser Rabatt könnte durch die schiere Größe des Unternehmens begründet sein, da Investoren nicht die gleichen Wachstumserwartungen in die Aktie einpreisen können.

Hier sind ein paar Schlüsselmetriken für Apple:

  • Kurs/ Gewinn (letzte 12 Monate) 10,3
  • Kurs/ Umsatz (letzte 12 Monate) 2,3
  • Umsatz (letzte 12 Monate) 235 Milliarden USD
  • Nettogewinn (letzte 12 Monate) 53,7 Milliarden USD
  • Gewinn je Aktie (Letzte 12 Monate) 9,42 USD
  • Bruttomarge (letzte 12 Monate) 40 %
  • Nettobarvermögen (letztes Quartal) 160 Milliarden USD
  • Zahl der verkauften iPhones (letzte 12 Monate) 231,5 Millionen Stück
  • Marktkapitalisierung 540 Milliarden USD

Quelle: SEC-Angaben, Reuters.

Du siehst, die Bewertungsmetriken von Apple sind recht konservativ; trotz der hohen Rentabilität. Da die Verkaufszahlen der iPhones so stark gewachsen sind, ist es wahrscheinlich, dass das Wachstum hier abflacht. Ich denke aber, dass das für Apple kein Problem ist, solang es dieses Volumen bei den gegenwärtigen Margen aufrechterhalten kann.

Einer der größten Vorteile des Aktienrückkaufprogramms von Apple ist, dass das Unternehmen die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien drastisch reduziert. Dies treibt die Gewinne nach oben, selbst wenn das Umsatzwachstum bescheidener ausfällt. Da die Aktienrückkäufe den Gewinn je Aktie verbessern, denke ich, dass Apples Bewertung attraktiv niedrig bleibt.

Das Foolische Fazit

Apple hat ein unglaublich großes und robustes Geschäft aufgebaut. Es erwirtschaftet dank seines anhaltenden Zyklus an Produkterneuerungen und Upgrades beständig Umsatz. Das Unternehmen ist eine Gelddruckmaschine, die einen operativen Cash Flow unglaublichen Ausmaßes erzielt.

In letzter Zeit hat Apple einen wachsenden Teil seines Cash Flows in Investitionen gesteckt, die in Richtung Produktfertigung gehen. Gegenwärtig investiert Apple sogar mehr als Intel (WKN:855681). Aber selbst mit Investition dieser Größe bleibt der Free Cash Flow gesund und steigt sogar (70 Milliarden USD 2015, 2014 waren es noch 50,1 Milliarden USD).

So, wie die Dinge im Moment stehen, glaube ich, dass Apple ein bemerkenswertes Unternehmen ist, von dem Investoren ein Stück zu einem überzeugenden Preis erhalten können.


Wo nicht anders vermerkt sind alle Zahlen vom 1. Februar 2016.

Dieser Sonderbericht wurde von amerikanische Motley Fool Mitarbeitern verfasst. The Motley Fool LLC, Muttergesellschaft von The Motley Fool GmbH, besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Tesla Motors. The Motley Fool empfiehlt Intel.

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