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Der größte Rentenfehler, den du machen kannst

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Jeder will das meiste aus seiner Rente machen, aber fast alle machen dabei auch einen großen Fehler: Man setzt dafür zu wenig auf Aktien.

Wenn du denkst, Aktien und Rente vertragen sich nicht, oder zumindest dann nicht, wenn man in seiner späteren Lebensphase deutlich mehr vermeintliche Sicherheit braucht, solltest du deine Einstellung überdenken.

Aktien sind wichtiger und vielseitiger einsetzbar, als oftmals angenommen und spätestens, wenn die Inflation zurückkommt, wirst du ohne Aktien zusehen müssen, wie dein Erspartes zerschmilzt. Lass uns also näher betrachten, welche Probleme die Aktienscheue der Deutschen verursacht und was du dagegen tun kannst.

Wieso die Rente in Gefahr ist

Wie eigentlich jeder weiß funktioniert die Rente in Deutschland nach dem Solidaritätsprinzip, das heißt, die jüngeren Generationen kommen für die älteren Ruheständler auf, die eine gesetzliche Rente beziehen. So weit so gut, bloß wird da auf die jüngeren Generationen eine kaum zu tragende Last zukommen. Schon heute sind dementsprechend Rentenkürzungen absehbar und da der demographische Wandel weiter fortschreitet, sollte niemand hoffen, dass es doch noch viel Spielraum für großzügigere Renten geben wird.

Es ist so gut wie sicher, dass die gesetzliche Rente dadurch ein immer niedrigerer Teil des vorherigen Nettoeinkommens sein wird. Heute sind es noch 50 %, aber durch den zukünftigen Druck dürften es im Jahr 2060 nur noch 40 % sein. Mit 40 % in Saus und Braus zu leben klingt schwer, vielleicht wird sich der eine oder andere aber sogar fragen, wie er Miete und Stromrechnung bezahlen kann.

Ganz zu schweigen vom geplatzten Traum von der frühen Rente. Das bisher für die Zukunft eingeplante Renteneintrittsalter von 67 hat nach Meinung vieler Experte noch deutlich Luft nach oben.

Alles deutet also darauf hin, dass die meisten Deutschen sich überlegen sollten, wie sie ihre Rente ein wenig üppiger polstern können, um entweder früher in den Ruhestand zu gehen, mehr Geld fürs Alter zu haben oder sich im Idealfall sogar beides zu ermöglichen.

Die oben genannten Tatsachen sind weder neu, noch besonders kontrovers, trotzdem sorgen die Deutschen nicht vor, wie sie es sollten oder wie sie es eigentlich laut eigenen Aussagen auch gerne machen würden. Fast alle verlassen sich auf die gesetzliche und eventuell noch auf die betriebliche Rentenversicherung.

Manche sorgen noch über das Sparkonto, eine Lebensversicherung und immer öfter die eigene Immobilie vor. Wenn es allerdings darum geht sich mit Anlageklassen zu beschäftigen, die eine hohe Rendite versprechen, sind die meisten Deutschen überfordert und das, obwohl ein Umdenken aufgrund der stetigen Geldentwertung längst überfällig geworden ist.

Vergiss nicht die Gefahren der Inflation

Das Problem an konservativen und als sicher geltenden Sparformen wie Sparkonten oder Lebensversicherungen ist nämlich, dass sie nicht nur kaum oder keine Rendite abwerfen, sondern dass sie deswegen sogar gefährlich sind.

Anfang 2017 stand die Inflationsrate bereits bei fast 2 %, wenn dein Erspartes also so verzinst ist wie bei fast jeder Bank, ist es inflationsbereinigt circa 2 % weniger wert! Und das könnte erst der Anfang sein. Der große Schuldenberg dürfte dazu führen, dass Zinsen noch viele Jahre nicht angehoben werden können und das selbst, wenn die Inflation wieder steigt. Wenn du jetzt also auf vermeintlich sichere Anlageklassen setzt, ist dein Erspartes nicht sicher, sondern in Gefahr.

Genau deswegen ist es jetzt höchste Zeit, dass die Deutschen endlich ihre Aktienscheue loswerden und auf die einzige Anlageklasse setzen, die langfristig sowohl noch eine vernünftige Rendite als auch Schutz vor der Entwertung durch Inflation bietet. Dafür müssen aber erst einmal einige tiefsitzende Vorurteile aus dem Weg geräumt werden.

Wie tief die Angst vor Aktien wirklich sitzt

Aktieninvestitionen sind für die meisten Deutschen befremdlich. Momentan besitzen gerade einmal 14 % aller Erwachsenen in Deutschland Aktien, viel zu wenig, um langfristig einen Unterschied zu machen.

Das liegt vielleicht auch daran, dass man sich sehr wenig mit Aktien auskennt. So wissen beispielsweise nur 21 %, dass Aktien Gewinne an ihre Anteilseigner ausschütten können. Außerdem überschätzen noch immer die meisten die Rendite von festverzinslichen Anlageklassen massiv. Die Rendite von Aktien wird hingegen deutlich unterschätzt.

Von einem Aktienindex-ETF erwarten sich befragte Durchschnittsdeutsche im Schnitt eine winzige langfristige Rendite von 1,7 %, obwohl laut einer Studie des deutschen Aktieninstituts, die im Dezember 2016 erschienen ist, 5 bis 8 % viel realistischer erscheinen. Kein Wunder also, dass die meisten Deutschen noch immer die Finger von Aktien lassen. Sogar im institutionellen Rahmen gibt es noch eine große Aktienscheue, deutsche Pensionsfonds besitzen fast gar keine Aktien und verzichten so auf Rendite und den immer wichtiger werdenden Inflationsschutz.

Dabei sind gerade Aktien perfekt für die Altersvorsorge geeignet, denn trotz Schwankungen am Aktienmarkt, haben sie langfristig eine deutlich höhere Rendite als andere festverzinsliche Anlageklassen. Wer denkt, er kann auf Rendite beim Sparen verzichten, könnte sich sehr wohl selbst überschätzen. Aber nur weil andere diesen Fehler machen, heißt das schließlich nicht, dass du ihn auch machen musst. Deine Rente kann gerettet werden.

So hilfreich sind Aktienrenditen bei der Altersvorsorge

Erst einmal ist es natürlich absolut wichtig nicht sofort in Panik zu verfallen. Wenn man lange gewartet hat, sind jetzt ein paar Tage mehr oder weniger auch nicht mehr von großer Bedeutung. Außerdem ist der exakte Punkt zum Einsteigen gar nicht so wichtig, fast egal in welcher Rentenphase man sich befindet, können Aktien helfen die Renditewünsche zu erfüllen.

Trotzdem sollte aus Gründen der Vollständigkeit erwähnt werden, dass es natürlich einfacher ist je früher man anfängt und je höher die erreichte Rendite ist. Einfache Rechnungen zeigen, dass die Unterschiede hier dramatisch sind.

Stell dir nur einmal ein vereinfachtes, aber lehrreiches Szenario vor. Du arbeitest 30 Jahre lang und sorgst selbst vor, da du kein Anrecht auf eine gesetzliche Rentenversicherung hast. Angenommen du willst dann noch 30 Jahre Ruhestand mit monatlich dem gleichen Budget genießen, dann müsstest du ohne Rendite jeden Monat logischerweise genau die Hälfte für deine Rente zurücklegen. Angenommen aber du erreichst eine Rendite von 5 %, dann musst du plötzlich nur noch 22 % deines Gehalts beiseitelegen. Bei 8 % sind es nur noch 12,7 % und bei 10 % Rendite schrumpft die notwendige Sparsumme auf gerade einmal 8,7 % des monatlichen Gehalts. Aus Gründen der mathematischen Einfachheit wurde bei den Berechnungen der Wirkungen der Renditen allerdings nicht berücksichtigt, dass in der Ansparperiode die, je nach erreichter Rendite unterschiedlichen, notwendigen Sparsummen das verfügbare Einkommen verringern.

Dennoch, selbst durchschnittliche Renditen könnten dich von deutlich über 50 % deiner benötigten Sparsumme befreien und du könntest das Geld an anderer Stelle ausgeben. Das sollte man im Kopf behalten, wenn man wieder einmal in Versuchung gerät den Vorteil von Aktien und den damit verbundenen hohen Renditen zu vergessen.

Dein Alter ist weniger wichtig als deine Strategie

Nun weißt du also, wie mächtig Aktien über längere Zeiträume sein können, aber bist vielleicht verunsichert, weil du keine 30 Jahre mehr vor dir hast, um für die Rente zu sparen. Keine Sorge, auch wenn du dich schon in der Rente befindest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du noch viele Jahre und Jahrzehnte vor dir hast.

Selbst im Renteneintrittsalter von 65 Jahren haben Männer noch im Durchschnitt 17,71 Jahre vor sich und Frauen sogar 20,90 Jahre. Wer seinen achtzigsten Geburtstag feiert hat im Schnitt noch 7,81 Jahre als Mann und 9,30 Jahre als Frau vor sich. Beides Zeiträume, in denen Aktien mit der Rendite aushelfen könnten, vor allem, wenn man nicht das ganze Vermögen auf Aktien setzt. Die genaue Aktienquote sollte man von seiner eigenen Risikopräferenz und seinem Alter abhängig machen. Wenn man sich danach richtet könnte man mit einem, nach seinen Vorlieben gestalteten, Portfolio die Schwankungen abfedern.

Denn wenn man im Schnitt durch Aktien vielleicht mit circa 7 % Rendite rechnen kann, ist es nicht wichtig, wann man diese genau bekommt. In manchen Jahren wird es mehr und in manchen weniger sein, aber da die Rente sowieso über Jahre und Jahrzehnte aufgebraucht werden soll, sind diese Schwankungen von nicht so großer Bedeutung.

Dabei solltest du dir aber im Klaren sein, dass einzelne Jahre auch Verluste mit sich bringen werden und man sich auch nicht sicher sein kann, dass man nicht kurz nach der ersten Investition eine schwache Börsenphase erlebt, die auch mal mehrere Jahre dauern kann.

Wie Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts allerdings zeigen, reichen schon fünf Jahre, um die Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite massiv zu reduzieren.

Wieso es immer noch nicht zu spät ist in Aktien zu investieren

Jetzt bist du vielleicht von Aktien als Renditequelle überzeugt, aber findest die derzeitigen Aktienkurse zu hoch. Wenn du allerdings auf den nächsten Crash wartest, um einzusteigen, könntest du sehr wohl enttäuscht werden. Lass dich nicht von einer Investition in Aktien abschrecken, nur weil die letzten Jahre besonders gut liefen. Das heißt noch lange nicht, dass eine Korrektur bevorsteht.

Ein wichtiger Grund, warum der DAX immer wieder neue Rekorde schreibt, ist auch, dass bei der Entwicklung des Index die Dividendenzahlungen mit einberechnet werden. Sie tragen langfristig einen großen Teil zur gesamten Rendite bei. Man kann einmal die Zinsen auf dem Konto mit den aktuellen Dividendenrenditen von führenden DAX-Unternehmen vergleichen. Es ist oftmals überraschend, wie deutlich hier viele Unternehmen die Nase vorn haben und dass noch bevor man überhaupt eine Rendite durch einen steigenden Aktienkurs erwartet.

Anstatt aber in Aktien zu investieren schauen die meisten Sparer lieber zu, wie ihr Vermögen nicht nur stagniert, sondern langsam von der Inflation aufgefressen wird. Du kannst aber schlauer sein und dich trauen, mit Aktien deine Rente aufzubessern. So fängst du damit am besten an.

Die ersten Schritte

Schritt #1: Akzeptiere, dass Aktien nicht nur etwas für Zocker sind

Wie man sieht, bieten klassische und vermeintlich sichere Anlagen im derzeitigen Zinsumfeld keine oder so gut wie keine Rendite mehr. Um also wenigstens eine Chance auf bessere Renditen und Inflationsschutz zu haben, wird man kaum um Aktien herumkommen.

Dabei ist wichtig zu verstehen: Aktieninvestments kann man nicht nur, sondern sollte man sogar, strategisch und langfristig tätigen, anstatt sich zu den vielen ungeduldigen Zockern an der Börse zu gesellen.

Schritt #2: Informiere dich über Aktien

Trotzdem solltest du mit Bedacht an die Sache rangehen und nichts überstürzen. Erst einmal ist es wichtig sich gut zu informieren, sonst gefährdest du tatsächlich dein Kapital nachhaltig.

Man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass die meisten Privatanleger nur einen Bruchteil der durchschnittlichen Marktrendite erhalten, vor allem weil sie immer die gleichen Fehler machen. Sie sind zu ungeduldig, zu wenig diversifiziert oder haben zu hohen Kosten, z. B. über teure aktiv gemanagte Fonds.

Das sind alles vermeidbare Fehler, die du nicht machen musst, wenn du dich gut informierst.

Schritt #3: Trau dich loszulegen

Dann sollte man sich endlich trauen die ersten Schritte zu machen. Dabei musst du natürlich nicht gleich Unsummen in Aktien investieren. Das Schöne an einem Aktienportfolio ist, dass du selbst entscheiden kannst, wie viel du investierst. Auch wenn man mit 10 % seines Vermögens beginnt, könnte das bereits einen großen Unterschied machen.

Du solltest immer genug übrig haben, um nicht komplett abhängig von der Entwicklung deines Aktienportfolios zu sein. Wie du dein Vermögen aber genau strukturierst hängt von deinem Alter, deinen Ersparnissen und deiner Risikopräferenz ab.

Dabei musst du auch nicht gleich einzelne Aktien auswählen, sondern kannst mit einem einfachen und kostengünstigen ETF, der einfach den breiten Aktienmarkt nachbildet, an der Entwicklung des DAX oder eines anderen Leitindizes teilhaben.

Schritt #4: Sei geduldig und hab Spaß!

Zu guter Letzt solltest du zwar eine Menge Geduld mitbringen, denn Aktien können mehrere Jahre brauchen, um ihr volles Renditepotential zu entfalten, aber dabei nicht vergessen Spaß zu haben.

Sich mit der Entwicklung von Aktienmärkten und Unternehmen zu beschäftigen kann schnell zu einem sehr interessanten Zeitvertreib werden. Bei deinen ersten Schritten kannst du dich natürlich gerne auf Fool.de umschauen, wo wir über alle Themen rund um das Investieren berichten.

Jetzt kann es eigentlich losgehen. Nachdem du diesen Bericht gelesen hast, kannst du das Thema Aktien allerdings natürlich wieder auf die lange Bank schieben, aber ganz ehrlich gesagt, ist das wahrscheinlich der größte Rentenfehler, den du machen kannst.



Dieser Sonderbericht wurde von Marlon Bonazzi verfasst. Marlon ist beitragender Investmentanalyst des Motley Fools. Du kannst mehr über Marlon hier lesen.

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