The Motley Fool

Ein Sonderbericht

Alles, was du über Tesla Motors wissen musst

 


Ohne einen Cent für Werbung auszugeben, wachsen die Fahrzeugumsätze von Tesla (WKN:A1CX3T) jährlich um 50 %. Und auch in der Zukunft sind keine Anzeichen für eine Verlangsamung zu erkennen. Obwohl die absoluten Verkaufszahlen des Unternehmens klein sind, – 2015 waren es 51.000 Fahrzeuge – positioniert sich Tesla strategisch, um die Absatzmenge in den kommenden fünf Jahren auf das Zehnfache zu steigern.

Tesla hat den Vorteil eines zweckgetriebenen und disruptiven Geschäfts. Es nutzt unkonventionelle Methoden in fast jedem Bereich seines Tuns. Dies umfasst den direkten Verkauf an seine Kunden, Sicherheitsstandards, die in der Branche einzigartig sind, und den Willen, seine Patente offenzulegen, um die Verbreitung einer nachhaltigen Transportmöglichkeit zu beschleunigen.

Unternehmen & Branche

Der Businessplan von Tesla kann heute noch auf die Punkte zusammengefasst werden, die bereits 2006 galten. In jenem Jahr machte Elon Musk seinen „geheimen Masterplan“ öffentlich. Und dieser geht so:

  1. Sportwagen bauen. (Das war Teslas Roadster.) (Abgehakt)
  2. Das Geld nutzen, um ein preisgünstiges Auto zu bauen. (Das ist Teslas Model S Limousine und sein Model X SUV.) (Abgehakt)
  3. Dieses Geld nutzen, um ein noch günstigeres Auto zu bauen. (Das ist das Model 3, welches Tesla im März dieses Jahres vorstellen will. Die Markteinführung soll Ende 2017 erfolgen.) (In Arbeit)

Bisher bedient Tesla den Luxusautomarkt. Sein Model S und sein Model X kosten in der Basisvariante ab 70.000 USD bzw. 80.000 USD. Allerdings sollten sich Investoren nicht täuschen lassen. Das Unternehmen setzt alles daran, billigere Autos zu entwickeln. Ein Schlüssel dabei ist, die Verkaufszahlen von ungefähr 51.000 in 2015 bis 2020 auf 500.000 zu steigern.

Im weitesten Sinne gehört Tesla zur Automobilbranche. Mehr als 90 % des Umsatzes von Tesla kommen durch Autoverkäufe zustande, und der größte Teil des Rests wird durch Gebrauchtwagenverkäufe und Dienstleistungen generiert. Das sind alles Dinge, die mit dem Automobilbau zu tun haben.

Wenn man sich die Automobilbranche anschaut, ist Tesla ein Winzling. Die Zahl aller weltweit verkauften Autos betrug 2015 ungefähr 88 Millionen Stück. Dies geht aus einer Analyse von HIS Automotive hervor. Das Verkaufsvolumen von Tesla ist im Vergleich dazu praktisch unbedeutend.

Das heißt aber nicht, dass das Unternehmen in dem aufkeimenden Markt für elektrische Fahrzeuge unsichtbar ist. Ganz im Gegenteil. Nimmt man den Umsatz oder die Kilowattstunden an ausgelieferter Akkukapazität, ist Tesla der unangefochtene weltweite Marktführer bei vollelektrischen Autos.

Investoren sollten zudem Teslas Vorstoß in die Energiespeicherung nicht vergessen, den es mit Tesla Energy unternommen hat. Wie die elektrischen Autos steckt auch diese Branche noch in ihren Kinderschuhen. Aber der Markt wächst schnell. GTM Research sagt beispielsweise voraus, dass die wachsende Nachfrage nach Energiespeichern durch die Energieversorger dazu führt, dass in den USA Energiespeicher mit einer Kapazität von mehreren Megawatt errichtet werden. Die Zahl soll dabei von 220 Stück in 2015 auf mehr als 800 bis 2019 wachsen. In den kommenden 10 bis 15 Jahren sollen Solarsysteme für zu Hause, die mit einem Akku kombiniert werden, die wirtschaftlichste Wahl in den USA werden. Zu dieser Einschätzung kommt das Rocky Mountains Institute. Obwohl Tesla Energys Umsätze bisher keine Rolle in den Finanzergebnissen spielen, glaubt das Management, dass die gegenwärtigen Bestellungen für Akkuspeichersysteme in ausreichend Verkäufe umgewandelt werden können, um bis Ende 2016 ausverkauft zu sein.

Was ein Bulle sagen würde:

1. Die Sympathie, die dem Model S im Luxusautosegment entgegengebracht wurde, deutet auf eine große Nachfrage nach dem Model 3 von Tesla hin.
Gerade mal ungefähr vier Jahre nachdem Tesla das Model S auf den Markt gebracht hat, steht das Fahrzeug an der Spitze des Markts für Elektrofahrzeuge in den USA und in einigen Ländern in Europa. Aber nicht nur unter Elektroautos verursacht Tesla Bewegung. Das Model S übertrumpft jede Luxuslimousine in den USA, welches in einem ähnlichen Preissegment liegt, egal ob Benziner, Hybrid oder Elektro. Wenn das Model 3, welches ab 35.000 USD zu haben sein wird, die sich am besten verkaufenden Modelle in dieser niedrigeren Preisklasse auf gleiche Weise herausfordern wird, wie das Model S seine Gewichtsklasse, dann könnte Tesla den Automobilmarkt ernsthaft umkrempeln.

2. Elon Musk als Chef bringt Mehrwert.
Die Tatsache, dass Elon Musk das Steuer in der Hand hat, sollte nicht unbeachtet bleiben. Er spielte bei der Gründung von PayPal, SpaceX und SolarCity eine wichtige Rolle. Nun arbeitet er als CEO bei SpaceX und Tesla. Bei beiden Unternehmen überwachte er während der letzten zehn Jahre das unglaubliche Wachstum. Er schaut unter die Oberfläche, um Chancen zu generieren, die ein weniger fähiges Management nicht erkennen würde.

3. Teslas Gigafactory stärkt die Führungsposition bei Elektroautos
Die Gigafactory ermöglicht es Tesla, sowohl von einer weiten Verbreitung elektrischer Fahrzeuge zu profitieren als auch von einem potentiellen Boom bei der Energiespeicherung.

Die im Bau befindliche Gigafactory ist ein gigantisches Unterfangen. Bis zur Fertigstellung im Jahre 2020 soll sie 5 Milliarden USD verschlingen. Dann wird sie zu den größten Gebäuden auf der Welt gehören, wenn man die Fläche misst. Sie bietet Kapazität, in einem Jahr mehr Lithium-Ionen-Akkus herzustellen, als 2013 weltweit gefertigt wurden. Obwohl die Fabrik erst 2020 fertig sein soll, plant das Unternehmen, die Produktion bereits 2017 hochzufahren, wenn die Fertigungszahlen des Model 3 steigen — und Tesla hat bereits damit begonnen, Tesla Energy Packs in der Fabrik zu produzieren.

Was ein Bär sagen würde:

1. Die Automobilbranche ist hart.
Sie ist berüchtigt für ihre Kapitalintensität, ihre hohen Werbekosten und den intensiven Wettbewerb. Dadurch benötigt sie große Investitionen und beständige Verbesserungen der operativen Effizienz. Bislang sah die Branche so aus, als ob sie unüberwindbare Hürden für einen Markteintritt aufgebaut hat.

Was die Sache für Tesla noch schwieriger macht, ist, dass die Platzhirsche finanziell sehr gut ausgestattet sind. Sie sind daher in der Lage, eine ganze Menge Geld in die Hand zu nehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. BMW (WKN:519000) beispielsweise hat während der letzten 12 Monate ungefähr 6 Milliarden USD für Investitionen ausgegeben. Trotzdem erwirtschaftet das Unternehmen in der gleichen Zeit noch einen Jahresüberschuss in derselben Höhe. Die Gesamtinvestitionen von Tesla im Jahre 2015 lagen zum Vergleich bei dünnen 1,6 Milliarden USD.

2. Tesla verbrennt Geld
Teslas ambitionierte Wachstumspläne sind nicht billig. In den letzten zwölf Monaten war der Free Cashflow von Tesla negativ. Er lag bei ungefähr -2,2 Milliarden USD und die Umsätze nur bei 3,8 Milliarden USD. Um seine gewaltigen Ausgaben zu finanzieren, hat Tesla Schulden aufgenommen, Aktien ausgegeben und neue Kreditlinien gezogen.

Wenn der Umsatz und der operative Cashflow nicht genauso schnell wachsen, wie es das Unternehmen hofft, dann könnte der Automobilhersteller auf Jahre hinaus weiter gezwungen sein, Schulden aufzunehmen oder Aktien auszugeben.

3. Der Wettbewerb wird härter
Tesla ist nicht der einzige Hersteller, der seinen Blick auf die elektrische Zukunft gerichtet hat. Ein Stratege von Audi im Bereich Elektroautos – einer Marke von Volkswagen (WKN:766400) – sagte vor Kurzem, dass er glaubt, dass irgendwann zwei Drittel aller Autos mit Elektroantrieb unterwegs sein könnten. BMW hat gesagt, dass es seine Fahrzeugflotte radikal überarbeiten will, sodass in den kommenden zehn Jahren jedes Model einen Elektromotor hat, wenn die Reichweite stimmt.

Die Wettbewerber investieren bereits in vollelektrische Autos. Nissan (WKN:853686) zum Beispiel plant, die Reichweite seines Elektrofahrzeuges LEAF zu verbessern und General Motors (WKN:A1C9CM) plant, ein Elektroauto namens Chevrolet Bolt auf den Markt zu bringen, welches 200 Meilen mit einer Akkuladung fahren kann. Dies soll bereits 2016 geschehen – ein Jahr vor der geplanten Markteinführung von Teslas Model 3. Und weitere Luxusmarken haben eine Vielzahl an vollelektrischen Konzeptstudien im Luxussegment vorgestellt.

Finanzen & Bewertung:

Marktkapitalisierung 25 Milliarden USD
Verschuldungsgrad 2,2
Kurs-Umsatz-Verhältnis 6,0
Umsatzwachstum der letzten zwölf Monate (Jahresvergleich) 27 %
Gewinn je Aktie der letzten zwölf Monate (5,33)

Quelle: S&P Market Intelligence

Dank des Erfolges des Model S sind die Verkaufszahlen im Durchschnitt der letzten zwei Jahren um 50 % gewachsen. Obwohl Tesla der Meinung ist, dass noch weitere Wachstumsmöglichkeiten für das Model S bestehen, konzentriert sich das Unternehmen nun mit dem Model X auf die Luxus SUV-Kategorie. Dies soll in den kommenden zwei Jahren der Hauptreiber des Umsatzes werden. Noch weiter in die Zukunft schauend, ist das Management zuversichtlich, dass die Umsätze in den kommenden fünf Jahren weiterhin um 50 % pro Jahr wachsen.

Im gleichen Maße, wie sich die Umsätze verbessern, verbessert sich die Rentabilität der Autos. Die Bruttogewinnmarge ist von 8 % Ende 2012 auf 25 % Ende 2015 geschnellt.

Allerdings fressen die hohen Investitionen in Wachstumsprojekte die steigenden Bruttogewinne wieder auf und führten in den letzten zwölf Monaten zu einem Nettoverlust von 700 Millionen USD. Gleichzeitig werden damit die zukünftigen Wachstumspläne immer riskanter.

Um an dem immensen Geschäftspotenzial des Unternehmens teilzuhaben, musst du im Moment einen Premiumpreis zahlen. Tesla hat ein Kurs-Umsatzverhältnis von 6. Das liegt deutlich über dem Branchendurchschnitt von 0,6. Damit der Hersteller elektrischer Autos dieser Bewertung gerecht wird, muss Tesla seine Verkaufszahlen weiterhin um 50 % pro Jahr steigern, und das über einen Zeitraum von fünf Jahren. Zudem sollte es sich anstrengen, regelmäßig Gewinne zu erwirtschaften.

Wenn die Wachstumspläne von Tesla so funktionieren, wie es sich das Unternehmen erhofft, dann könnten die Aktionäre auf lange Sicht überdurchschnittliche Gewinne einfahren, auch mit den Aktienpreisen von heute.

Das Foolische Fazit

Teslas Führung, Innovationen und Wachstum lassen die ambitionierten Ziele erreichbar erscheinen. Eine Sache ist in jedem Fall klar: Tesla ist besser als jeder Andere positioniert, um von der wachsenden Beliebtheit von Elektrofahrzeugen zu profitieren.

Die luftige Bewertung der Aktie macht die Entscheidung schwierig, ob man die Aktie kaufen sollte oder lieber nicht. Sich den Kopf über den Preis eines solchen Unternehmens zu zerbrechen, könnte allerdings bedeuten, dass man die Aktie nie besitzen wird. Investoren, die an der Aktie interessiert sind, könnten sich überlegen, sich den Rücksetzer der Aktie Anfang 2016 zu Nutze zu machen und die Aktie zu kaufen. Investoren sollten jedoch mit Vorsicht an die Sache heran gehen, eventuell indem sie ihre Position klein halten; die ambitionierten Meilensteine, die Tesla in der Zukunft noch erreichen muss, um seiner Bewertung gerecht zu werden erhöhen das Risiko, das mit dem Besitz der Aktie einhergeht.


Wo nicht anders vermerkt sind alle Zahlen vom Dezember 2015.

Dieser Sonderbericht wurde von amerikanische Motley Fool Mitarbeitern verfasst. The Motley Fool LLC, Muttergesellschaft von The Motley Fool GmbH, besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla Motors. The Motley Fool empfiehlt General Motors.

Dieser Report: dient (a) nur dem Zweck einer generellen Information und stellt keine Kaufempfehlung dar; und stellt (b) weder eine Aufforderung zum Verkauf einer Aktie dar, noch rät er zum Kauf einer bestimmten Aktie und sollte auch nicht als alleinige Grundlage für solche Entscheidungen dienen. The Motley Fool GmbH, ihre Mitarbeiter und sämtliche für The Motley Fool tätigen Autoren (kollektiv als „TMF“ bezeichnet) befürworten weder den Kauf oder Verkauf einer Aktie, noch empfehlen sie bestimmte Papiere oder haben eine unterstützende Funktion gegenüber eines der erwähnten Unternehmen. Dieser Report repräsentiert die Meinung eines individuellen Autors und beabsichtigt nicht, dir einen professionellen finanziellen Rat zu erteilen oder dich bezüglich deiner persönlichen Umstände finanziell zu beraten.

©2016 The Motley Fool GmbH. Sämtliche Rechte vorbehalten.

The Motley Fool, Fool und das Fool Logo sind registrierte Marken der The Motley Fool Holdings, Inc.

Der Inhalt dieses Berichts ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten.