Ein Sonderbericht

3 Mythen der künstlichen Intelligenz aufgedeckt

Ein Sonderbericht von Motley Fool Deutschland

3 Mythen der künstlichen Intelligenz aufgedeckt

… und wie die Investoren davon profitieren können

Montage eines digitalen Codes und eines Cyborg-Kopfes.

Credit: Getty Images.

Nach unzähligen Stunden der Recherche über die künstliche Intelligenz gibt es eine Sache, von der ich völlig überzeugt bin: Es gibt nicht viel Übereinstimmung über die Zukunft der künstlichen Intelligenz: Wann sie kommt, was wir erwarten sollten, ob wir sie fürchten sollten … das sind alles Themen, über die sich selbst die Experten nicht einig sind.

Es ist ein absolutes Muss, dass die Investoren beim Thema künstliche Intelligenz Fakten von Fiktion trennen können. Warum? Die künstliche Intelligenz ist eine riesige Chance — für Unternehmen, für Investoren und für die ganze Welt. Betrachtet man die Zahlen, so schätzt Statista, dass die Ausgaben für künstliche Intelligenz im Jahr 2018 auf 4 Milliarden US-Dollar ansteigen und sich bis 2024 auf mehr als das Zehnfache erhöhen werden. Im Jahr 2025 schätzt Statista den Markt auf fast 60 Milliarden US-Dollar. Andere Forscher haben diese Zahl viel höher angesetzt. Transparency Market Research beispielsweise sieht den globalen KI-Markt bis 2025 bei über 3 Billionen US-Dollar.

Aber selbst Zahlen wie diese können irreführend sein, weil hier etwas übersehen wurde. Denn nur ein Teil des Potenzials der KI wird in Form von Geld aus dem „;KI-Markt“ kommen. Viel mehr sollte durch die Vorteile entstehen, die die Unternehmen durch die KI intern erhalten werden. McKinsey bemerkte zum Beispiel in einem Bericht 2017: „Durch bessere Suchergebnisse schätzt Netflix, dass es Kündigungen vermeiden kann, die den Umsatz jährlich um 1 Milliarde US-Dollar schmälern.“

Künstliche Intelligenz wird viele Unternehmen auch außerhalb des „KI-Marktes“ beflügeln

Die Anleger verpassen das aber, wenn sie durch Fehlinformationen über die KI abgeschreckt werden. Und es kursiert eine Menge an Fehlinformationen über KI. Schuld daran sind zumindest teilweise die Medien. Weil Titel wie „Stephen Hawking fürchtet, dass KI-Roboter-Warlords uns alle abschlachten werden“ sich gut verkaufen und zu Klicks im Internet führen, nutzen die Medien jede Gelegenheit, solche Schlagzeilen zu verfassen.

(Übrigens, ich habe diese Schlagzeile nur erfunden, aber angesichts der Art der Schlagzeilen, die über KI veröffentlicht werden, musste ich es googeln, um sicher zu gehen. Dies ist eine aktuelle Schlagzeile der BBC: „Stephen Hawking warnt davor, dass künstliche Intelligenz die Menschheit vernichten könnte.“ Und noch eine von CNBC aus den USA: „KI-Experten schließen sich Elon Musk und Stephen Hawking an und fordern Killer-Roboter-Verbot.“

Weil es so viel Verwirrung gibt, ist es wichtig zu verstehen, was Mythos und was Wahrheit ist, wenn man von der KI-Revolution profitieren will. Es folgen nun drei Mythen über die KI und darüber, wie Investoren, die über diese Mythen hinausblicken, von dieser wichtigen Technologie profitieren können.


Mythos 1

Die KI wird alle menschlichen Jobs übernehmen

Cartoon eines Roboters, der einen Mitarbeiter aus seinem Büro schmeißt und seinen Platz am Schreibtisch einnimmt.

Credit: Getty Images.

Wir sind auf unsere Arbeitsplätze angewiesen, um ein Einkommen zu haben und ein angenehmes Leben führen zu können. Es ist also logisch, sich wegen einer „Intelligenz“ Sorgen zu machen, die uns bei der Arbeit zu ersetzen droht.

Wie bei allen guten Mythen — und das werden wir bei den drei Mythen hier sehen — ist auch bei dieser etwas Wahres dran. Einige Kategorien von Jobs werden wahrscheinlich teilweise oder weitgehend durch KI-fähige Programme ersetzt werden. Im Jahr 2013 veröffentlichte die Universität Oxford ein viel zitiertes Papier, in dem die Wahrscheinlichkeit, dass bestimmte Arbeitsplätze „computerisiert“ werden, geschätzt wurde. Darin wurde behauptet, dass Steuerberater, Telemarketer und Uhrmacher zu den Berufen gehörten, die eine 99-prozentige Wahrscheinlichkeit aufweisen, computerisiert zu werden.

Doch das ist nichts Neues. Die Technik ersetzt schon seit Langem die menschliche Arbeit. Es gab eine Zeit, in der Nägel mühsam von Hand gefertigt werden mussten. Dann kamen Maschinen und Werke, die das mit sehr wenig menschlichem Einsatz in großer Stückzahl konnten. Selbst kleinere technologische Fortschritte — mit Nagelpistolen statt mit einem Hammer arbeiten — können jeden einzelnen Arbeiter produktiver machen und den Gesamtbedarf an menschlichen Arbeitskräften reduzieren.

Alte Tätigkeiten verschwinden, doch dafür entstehen viele neue Tätigkeitsfelder

Diese technologischen Verbesserungen können jedoch zu wirtschaftlichen Fortschritten und Aufschwung führen, die viel mehr Arbeitnehmern zugute kommen können. Im obigen Beispiel werden mit billigeren, serienmäßig hergestellten Nägeln bestimmte Arten von Bauprojekten, die vorher unwirtschaftlich waren, plötzlich rentabel und können viele Arbeiter beschäftigen. Vielleicht ist ein besseres Beispiel die Einführung von Automobilen, die viele Karrenbauer und Pferdezüchter arbeitslos machte, aber eine riesige neue Industrie mit neuen Arbeitsplätzen schuf.

Gleichzeitig gibt es viele Arbeitsplätze in unserer Welt, die für Maschinen schwer zu übernehmen sein werden. Jobs, die aufwendig sind und sehr klare, sich wiederholende Anweisungen und wenig Kreativität oder zwischenmenschliche Interaktion erfordern, sind relativ einfach zu mechanisieren. Aber bedenke, wie viele Arbeitsplätze auf die Interaktion zwischen mehreren Menschen angewiesen sind.

So intelligent Maschinen auch sein mögen, sie werden keine Menschen sein, und es wird ihnen sehr schwer fallen, jemals einen „gefühlten Sinn“ dafür zu haben, was es bedeutet, Mensch zu sein und mit anderen Menschen auf dieser Ebene interagieren zu können. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum die Forscher aus Oxford Jobs wie Lehrer, Krankenschwestern und Verkaufsmanager mit einem äußerst geringen Risiko versieht, von Maschinen übernommen zu werden.

Was sagt uns das als Investoren? Zum einen sollten wir uns vor Unternehmen hüten, die Arbeiten ausführen, die von der KI übernommen werden könnten, aber die Möglichkeit, dass KI einmal alles übernehmen könnte, aktiv ignorieren. Auch wenn ihre Aktien billig erscheinen mögen, ist ein Unternehmen, das sich verzweifelt an die Art und Weise klammert, wie die Welt früher war und sich nicht anpasst, oft keine gute Investition. Auf der anderen Seite könnten Unternehmen, die KI-gestützte Lösungen in geeigneten Bereichen herstellen und dort große Investitionen tätigen — ebenso wie Unternehmen, die Pionierarbeit leisten und Branchen, die durch den Aufstieg der KI entstehen — sich sehr gut entwickeln.


Mythos 2

Die KI wird Killerroboter produzieren, die die Welt erobern werden

Cartoon mit einer Armee von Robotern, die gegen eine Armee von Menschen marschieren.

Credit: Getty Images.

Ob in den Medien oder im Kino — die Idee von Killerrobotern, die nach Macht und menschlichem Blut dürsten, gibt es schon seit einiger Zeit.

Es ist eine Tatsache, dass selbst eine künstliche „allgemeine“ Intelligenz (eine „AGI“, das ist der Punkt, an dem eine KI dem Menschen ebenbürtig ist) oder eine Superintelligenz — eine Computerintelligenz, die den Menschen übertrifft — nicht plötzlich „entscheiden“ wird, dass sie die Welt erobern und den Menschen eliminieren will. Es sei denn, dieser Befehl wird von einem ruchlosen Programmierer eingegeben. KIs werden von Zielen getrieben, die ihnen eingegeben werden, und werden daher nicht plötzlich selbst entscheiden, dass sie die Weltherrschaft „wollen“.

Natürlich ist etwas Wahres dran an der „Out-of-Control-KI, die die Menschheit zerstört“ …

Wie ich gerade sagte, sind KIs zielorientiert. Das Problem ist, dass wenn eine KI nicht so programmiert ist, dass sie von sich aus weise genug ist, oder wenn ihr Ziel nicht so klar und vollständig formuliert ist, um problematische Interpretationen zu vermeiden, dann könnte sie einen Weg zu einem Ziel wählen, das tatsächlich die Zerstörung der Menschheit zur Folge hätte — oder zumindest erhebliche Verwüstung.

Ein Beispiel dafür gibt der Philosoph und Futurist Nick Bostrom, der eine AGI beschrieb, die mit der Aufgabe betraut wurde, die Produktion von Büroklammern zu maximieren. Die Kurzfassung von Bostroms Gedankenexperiment ist, dass die AGI erkennt, dass sie die Produktion von Büroklammern verbessern kann, indem sie ihre eigenen Intelligenzfähigkeiten verbessert, was zu einer „Intelligenzexplosion“ führt und sie sich daraufhin in eine Superintelligenz verwandelt. Diese Superintelligenz ist dann in der Lage, langsam aber sicher alle Ressourcen der Erde und dann den Rest des Universums zu unterwerfen, um … Büroklammern herzustellen.

Diese Büroklammer-machende KI hatte nie irgendeine Bosheit gegenüber Menschen, der Erde oder anderen Lebewesen gehegt. Aber weil sie beharrlich ihr vorgegebenes Ziel der Büroklammernproduktion verfolgte, hatte sie keine Skrupel, die Menschheit zu vernichten und die Erde zu zerstören.

Wie finden Investoren die besten KI-Unternehmen?

Aus der Sicht eines Anlegers ist es wichtig, alle Seiten dieses Themas zu verstehen. Es ist wichtig, die fantastische Seite davon zu erkennen — dass eine KI „böse“ wäre — weil wir uns nicht vor qualitativ hochwertigen KI-Unternehmen wegen Missverständnissen in den Medien fürchten wollen. Wir müssen aber auch die wirklichen Herausforderungen der Zielsetzung und Kontrolle der KI verstehen.

Letzteres bedeutet, dass es bei Investitionen in KI-Unternehmen wichtiger denn je ist, nach qualitativ hochwertigen Unternehmen mit vertrauenswürdiger Unternehmensführung zu suchen. Management-Teams, die bereit sind, skrupellose Maßnahmen zu ergreifen, könnten mit der KI sehr gefährlich werden. Und wir brauchen nicht von einem Weltuntergangsszenario zu sprechen — Skandale, Unfalltote und dergleichen können zu großen Verlusten für ein Unternehmen und zu schrecklichen Ergebnissen für die Investoren führen.


Mythos 3

Die KI existiert noch nicht

Konzeptionelles Rendering eines intelligenten Sprachsteuergeräts, das ähnlich wie Amazon's Echo-Gerät aussieht.

Credit: Getty Images.

Dieser Mythos rührt wahrscheinlich von der Unterscheidung zwischen einer KI und einer AGI her. Eine AGI, wie oben erwähnt, ist eine künstliche Intelligenz, die die menschliche Ebene erreicht hat. Es gibt keine klare Definition dessen, was das genau bedeutet, es ist jedoch sicher, dass wir es noch nicht erreicht haben.

Es gibt aber eine Vielzahl von Beispielen künstlicher Intelligenz, die bereits in der Welt um uns herum im Einsatz sind. Wenn du jemals mit einem Kundendienst-Chatbot online interagiert hast, ist es möglich, dass du mit einer KI zu tun hattest. Vor Jahren hast du vielleicht eine Menge Spam in deinem E-Mail-Posteingang sortieren müssen. Heute „lernen“ KI-aktivierte Spamfilter, welche Nachrichten höchstwahrscheinlich Spam sind und speichern sie in einem Spam-Ordner. Und jedes Mal, wenn du in ein Flugzeug steigst, verlässt du dich auf KI. Die New York Times berichtete, dass Piloten, die Boeing-Flugzeuge fliegen, durchschnittlich nur sieben Minuten pro Flug manuell steuern.

Und das sind nur einige von vielen, vielen, vielen, vielen Beispielen. Dank der Filme neigen wir dazu, an KI nur in Bezug auf die eventuelle AGI-Version zu denken, die mit uns spricht und interagiert. Doch die Algorithmen und Technik, die letztendlich zu einer AGI führen können, liefern bereits gezielte, automatisierte Intelligenz für viele Bereiche unseres Lebens.

Die Auswirkungen für die Anleger sollten hier offensichtlich sein. Wir müssen nicht auf die Krönung der AGI warten, um von den KI-Technologien zu profitieren. Wir können Unternehmen ausfindig machen und in Unternehmen investieren, die bereits innovative KI-gestützte Produkte und Dienstleistungen anbieten, die das Leben der Menschen verbessern und Unternehmen effizienter machen.

14 Unternehmen, die von der KI-Revolution profitieren

In wenigen Tagen werden wir unseren neuesten Sonderbericht Künstliche Intelligenz: 14 Aktien, die vom neuen Maschinenzeitalter profitieren könnten! veröffentlichen. Damit nehmen wir dir die Recherchearbeit ab, indem wir dir 14 Unternehmen vorstellen, die unserer Meinung nach ideal positioniert sind, um von der Explosion der KI-Technologie zu profitieren.

Wie ich bereits oben erläutert habe, gibt es viele Möglichkeiten, wie die KI in der heutigen Welt eingesetzt wird — und es gibt immer noch ein enormes Restpotenzial, insbesondere wenn schließlich eine AGI entwickelt wird. Für unseren Bericht haben wir Unternehmen besprochen, die in vielerlei Hinsicht von der KI profitieren können.

Wir haben vier der weltweit führenden Anbieter von KI identifiziert, die KI nicht nur bereits nutzen, um ihre Geschäfte voranzutreiben, sondern auch Milliarden von Euro für eine AGI ausgeben.

Darüber hinaus gibt es fünf KI-Spezialisten, die mit hochgradig zielgerichteter KI Kunden gewinnen und begeistern, und ihren Wettbewerbsvorteil unüberwindlich machen.

Und dann sind da noch die fünf immer wichtiger werdenden KI-Helfer. Dies sind jene Unternehmen, die Hardware, Daten und Know-how zur Verfügung stellen, um die Fähigkeiten und Reichweite von KI zu erweitern — und um davon zu profitieren!

Meiner Ansicht nach ist die künstliche Intelligenz vielleicht die Technologie, die unsere Welt in den kommenden Jahrzehnten am meisten prägen wird. Ich würde es als „das nächste Internet“ bezeichnen, aber das reicht vielleicht nicht aus — ich denke, die KI könnte einen noch tiefgreifenderen Effekt haben. Da das schon geschieht, glaube ich, dass die 14 Unternehmen in unserem Bericht Investoren wie dir eine große Chance bieten werden, von diesem Trend zu profitieren.

Beste Foolishe Grüße,

Foto und Unterschrift von Matt Koppenheffer

Matt Koppenheffer,
Senior Analyst,
The Motley Fool Deutschland

Matt besitzt keine Aktien, die in diesem Bericht erwähnt werden. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Netflix.

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