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Volkswagen: Künftiger „Last man standing“ beim Dieselmotor (?)

VW Bully gelb-schwarz
Foto: Ralf Anders

Der Dieselskandal setzt Volkswagen (WKN: 766403) bis heute mächtig zu. Gerade vor wenigen Wochen urteilten weitere Gerichte gegen Volkswagen. Und auch wenn der scheidende CEO Herbert Diess alles getan hat, um die VW-Gruppe im neuen Elektroglanz erstrahlen zu lassen, werden Benzin und Diesel sie noch viele Jahre begleiten.

Möglicherweise sogar noch weitaus länger, als manch einer glaubt angesichts des immer öfter zu hörenden Abgesangs auf den Verbrennungsmotor. Denn Volkswagen hat die besten Voraussetzungen dafür, der „Last man standing“ in diesem Bereich zu werden.

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Warum es beim Verbrennungsmotor auf den „Last man standing“ hinauslaufen wird

Im Fachblatt Automotive World war im Juni ein interessanter Artikel über die Zukunft des Verbrennungsmotors zu lesen. Mit Bezugnahme auf Experten der Beratung Oliver Wyman wurde dort argumentiert, dass ein Abgesang noch nicht angebracht sei. Selbst wenn wirklich ab 2035 in Europa Schluss sein sollte, würde der Verbrennungsmotor anderswo noch lange gebraucht.

Außerdem seien mehr als zehn Jahre eine lange Zeit, in der bei den meisten Autobauern Verbrennermodelle noch einen großen Umsatzanteil haben werden. Zumal die Hybridtechnik große Fortschritte macht und somit dazu beiträgt, die Akzeptanz zu wahren.

Dennoch müssen sich die Autokonzerne bereits jetzt Gedanken machen, wie sie mit dem Thema langfristig umgehen. Wie viel Geld wollen sie jetzt noch in die Forschung und Entwicklung stecken? Was wird aus dem Produktionsnetzwerk?

Es liegt nahe, dass es vorteilhaft wäre, Ressourcen zu bündeln, um die Innovationen für künftige Effizienzverbesserungen gemeinsam nutzen zu können, statt doppelt zu erfinden. „Es gibt keinen Wettbewerbsvorteil oder strategisches Kalkül mehr, Verbrennerplattformen auf eigene Faust zu entwickeln.“

Aus dieser Einsicht heraus wären drei Strategien ableitbar: Erstens das Eingehen von Industriepartnerschaften, zweitens die Verschiebung der Entwicklungsressourcen in Schwellenländer und drittens der beschleunigte Ausstieg aus dem Verbrennergeschäft.

Zusammengedacht folgt daraus, dass die Standorte, an denen noch Verbrennungsmotoren hergestellt werden, immer weniger werden. Dabei könnten diejenigen, die Ressourcen bündeln, ihre Marktanteile massiv steigern, bis es am Ende vielleicht nur noch ganz wenige große Akteure gibt. Im Extremfall bleibt ein dominanter Spieler übrig – der „Last man standing“.

Darum könnte Volkswagen der „Last man standing“ werden

Kein anderer Konzern verfügt über eine solche Bandbreite an Verbrennungsmotoren. Von den Zweiradmotoren bei Ducati über die vielfältigen Pkw- und Nfz-Aggregate bis hin zu haushohen Monstern für Containerschiffe versammelt sich alles unter dem VW-Dach.

Das bedeutet, dass, selbst wenn das Management entscheiden würde, die Pkw-Motorenfertigung an einen Zulieferer oder Konkurrenten abzugeben, es immer noch eine Handvoll weiterer Standorte geben würde, an denen Verbrennungsmotoren gefertigt werden. Es wäre eher kontraproduktiv.

Andersherum ist zum Beispiel Ford (WKN: 502391) schon länger dabei, seine Komponentenfertigung auf weniger Standorte zu konzentrieren. Der Traditionsstandort in Dagenham ist nur noch ein Schatten früherer Glanztage. Im Motorenwerk Bridgend hat Ford 2020 die Tore geschlossen. Und in ebendiesem Jahr 2020 schlossen Ford und Volkswagen eine weitreichende strategische Allianz.

Bereits jetzt entstehen diverse Plattformen und Modelle in enger Zusammenarbeit, sodass jeweils die gleichen Motoren verbaut werden. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich auszumalen, dass Ford irgendwann einen Schlussstrich ziehen wird und seine Motoren nur noch von Dritten bezieht. Das könnte bevorzugt Partner Volkswagen sein.

Für VW als „Last man standing“ spricht auch, dass der Konzern globaler aufgestellt ist als alle anderen. Konkurrenten, die sich primär auf die Triadenmärkte fokussieren, können forscher mit dem Gedanken spielen, den Verbrenner aufzugeben. Aber VW mit seinen zahlreichen Werken in Lateinamerika, Afrika und Asien wird noch weit über das Jahr 2035 hinaus starke Nachfrage nach Verbrennern erleben.

Die elegante Alternative für VW

Volkswagen ist aus meiner Sicht ein klarer Protagonist, wenn es darum geht, die globalen Produktionskapazitäten für Verbrennungsmotoren zu konsolidieren. Dennoch wird das Management kein Interesse daran haben, auf diesem Gebiet zum dominanten Spieler zu werden. Wie also wird es die Herausforderung lösen?

Ich denke, dass Volkswagen zunächst seine verstreuten Geschäftsbereiche bündeln wird, um sie abspalten zu können. Gut möglich, dass gleich ein asiatischer Partner ins Boot geholt wird, um dann in der Eigenständigkeit den Markt aufzurollen. Bei Chassiskomponenten ist Ähnliches bereits vor rund zehn Jahren passiert.

Um es noch weiterzuspinnen: VW-Aktionäre bekommen dann gegebenenfalls Aktien des Verbrennungsmotor-Champions ins Depot gebucht. Dieser würde hohe Barmittelzuflüsse generieren und hätte ein völlig anderes Chancen-Risiko-Profil. Aktionäre können dann selbst entscheiden, wann sie Schluss mit Verbrennern im Depot machen. Renditensteigernd wäre die ganze Geschichte wahrscheinlich so oder so.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Volkswagen AG.

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