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Leuchtende Manager-Visionen machen Aktionärstaschen leer, aber mit System zum Millionär

Osram Lighthouse
Quelle: Osram Licht

ams-Osram (WKN: A118Z8) steht für zwei aufwendige Umbau-Visionen, die Aktionären vor allem Ärger einbrachten. Das geht auch besser. Vor bald zehn Jahren wurde Osram in die Unabhängigkeit entlassen und an die Börse gebracht. Bereits im Vorfeld zeigte sich das Management der Siemens-Division bemüht, den Glühbirnenkonzern zu modernisieren. Schnöde Leuchtmittel wie etwa Halogen- oder Energiesparlampen galten allenfalls als Cashcow.

Stattdessen entwickelte Osram die Vision vom zukunftsweisenden Lichtkonzern, der umfassendes System- und Anwendungs-Know-how konzentriert. So wurden diverse Zukäufe getätigt, um bei der Veranstaltungsbeleuchtung vorne mitzuspielen, architektonische Akzente zu setzen und das Pflanzenwachstum zu beschleunigen.

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Hinzu kamen hohe Investitionen in Digital- und Halbleitertechnologien. Das traditionelle Geschäft trat immer mehr in den Hintergrund oder wurde sogar verkauft. Über die Jahre verwandelte sich der Konzern entsprechend der Vision des damaligen Managements um Olaf Berlien. 2017 schien die Strategie endlich Früchte zu tragen. Die Gewinne legten zu. Dann zeigte sich, dass der Umbau zum Lichttechnik-Imperium auch erhöhte Risiken mit sich brachte.

Vom Lichttechnik-Imperium zum filetierten Übernahmeobjekt

Viele Mitarbeiter waren von den ständigen Restrukturierungen und den zahlreichen Innovationsprojekten überfordert. Und statt Millionen Kleinkunden mit Lampen zu versorgen, belieferte man nun bevorzugt große Unternehmen, deren Nachfrage auch mal stark zurückgehen kann. 2018 stürzte der Aktienkurs ab und Osram wurde zum Übernahmeziel. Nach einem sich hinziehenden Bietergefecht bekam AMS letztlich den Zuschlag.

Deren Vision für Osram unterscheidet sich diametral von derjenigen von Olaf Berlien. Die Österreicher haben es vor allem auf das Halbleitergeschäft abgesehen, welches aus ihrer Sicht komplementär zum bestehenden Sensorgeschäft ist. Aus ams-Osram soll ein Hightech-Photonikkonzern werden.

Alles, was die Vorgänger mit gewaltigem Aufwand zusammengekauft haben, wird seit der Übernahme wieder in Einzelteilen filetiert. Zeitweise verfügte Osram über wegweisende Hortikultur-Technologien. Aber die Beleuchtungssysteme für Marihuana-Plantagen und die smarten Indoor-Pflanzsysteme haben inzwischen jeweils neue Eigentümer bekommen. Geblieben ist lediglich eine Hochleistungs-LED, die in diesem Bereich eingesetzt werden kann.

Mit Automotive Lighting Systems und Traxon Technologies bekommen aktuell zwei weitere Kernkomponenten der früheren Vision neue Eigentümer. Es ist ein geradezu abenteuerliches Hin und Her. Wirklich profitiert haben davon weder die Aktionäre von Osram noch diejenigen von AMS. Das AMS-Management wird sich nun sputen müssen, zu beweisen, dass seine neue Vision mehr Früchte trägt.

Vorsicht Konzernumbau!

Ich sehe ams-Osram als ein warnendes Beispiel dafür, sich nicht von hochtrabenden Visionen eitler CEOs voreilig blenden zu lassen. Der Umbau eines etablierten Konzerns erfordert den Einsatz von massiven Ressourcen, die häufig zunächst die Aktionäre über ausbleibende Dividenden und Kursverluste bezahlen müssen. Zwar helfen zukunftsweisende Akquisitionen dabei, einen Konzern wettbewerbsfähig zu halten.

Aber in der Regel muss für gute Technologie eine saftige Prämie bezahlt werden, die dann auf Jahre hinaus über planmäßige Abschreibungen die Bilanz belastet. Hinzu kommen Millionenausgaben für Berater, Anwälte, Marketingfachleute und die Zusammenführung der IT-Systeme. Nicht selten knirscht es dann noch zwischen den alteingesessenen und den neuen Kollegen, was zu Reibungsverlusten führt. Von daher gilt es bei Konzernen, die regelmäßig Übernahmen tätigen, genau hinzuschauen.

Dennoch gibt es auch großartige Beispiele von Unternehmen, die systematisch vorgehen und über viele Jahre hinweg immer wieder hochrentable Deals durchgezogen haben. Dazu gehören etwa Danaher oder Constellation Software. Deren Erfolgsrezepte haben viele Aktionäre zu Millionären gemacht.

Auch die Aktionäre des früheren Hauptkonkurrenten Philips Lighting, der heute Signify heißt, dürften weitaus zufriedener sein. Signify hat an seinem Cashcow-Geschäft festgehalten und gleichzeitig einen sanfteren Wandel hin zu LED-Lösungen und smarten Anwendungen vorangetrieben. Aktionären von Osram und AMS hingegen ist nach all den Enttäuschungen höchstens ein Licht aufgegangen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Constellation Software.

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