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MercadoLibre-Aktie: Wird der E-Commerce-Star nun von 4 Seiten in die Zange genommen?

Kunde zahlt mobil im Restaurant
Foto: Getty Images

Lange Zeit schien es so, also ob nichts und niemand MercadoLibre (WKN: A0MYNP) aufhalten könnte. Verbunden mit der Expansion der Argentinier stieg der Kurs über die letzten 13 Jahren um mehr als das Hundertfache. Seit Jahresanfang liegt die MercadoLibre-Aktie jedoch mit 7 % im Minus, trotz des boomenden Gesamtmarktes (+28 % zum 16.11.). Ist das nur eine Verschnaufpause auf dem Weg zu neuen Höhen oder verdunkeln sich die Perspektiven?

Hier sind vier Entwicklungen in der Wettbewerbslandschaft, die Aktionäre im Blick haben sollten.

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Der Vormarsch der Delivery-Netzwerke droht MercardoLibre das Wasser abzugraben

Vor der Pandemie wäre kaum jemand auf die Idee gekommen, Lieferdienste wie Delivery Hero (WKN: A2E4K4) als Wettbewerber von MercadoLibre zu nennen. Die Lage hat sich in den letzten zwei Jahren allerdings dramatisch verändert. Das Angebot geht heute weit über die klassische Pizzalieferung hinaus.

So nennt sich Yummi, die von Venezuela aus operiert, aber mit internationalem Kapital ausgestattet ist, „Everything App“, nach dem Vorbild der chinesischen „Super Apps“. Auch Fahrdienste, Supermarkt-Lieferungen und Event-Tickets gehören beispielsweise zum Angebot. Nun will Yummi in weiteren südamerikanischen Märkten expandieren und dabei ein Netzwerk sogenannter „Dark Stores“ errichten, die beliebte Waren zur schnellen Auslieferung bereithalten.

Die lokale Delivery-Hero-Tochter PedidosYa, neben der kolumbianischen Rappi der dominante Spieler in Argentinien und weiteren Ländern der Region, hat Ähnliches vor. Delivery-Unternehmen investieren massiv in ihre Logistikkapazitäten und dominieren die letzte Meile zu den Kunden. Von Baby-Bedarf und Sex-Shop über Bücher, Elektronik und Geschenke bis hin zu Reisen und Finanzdienstleistungen wird schon jetzt eine große Bandbreite geboten, die MercadoLibre das Wasser abgraben könnte.

Falabellas Expansion von Chile aus

Falabella (WKN: 157739) (nur an der chilenischen Börse handelbar) ist ein Konglomerat aus Bank, Einkaufszentren, Einrichtungshäusern und Elektronikmärkten aus Chile, der an der Westküste Südamerikas hohe Marktanteile behauptet und in vielen Ländern Lateinamerikas an insgesamt über 500 Standorten präsent ist. Über den im August neu aufgesetzten Online-Auftritt sind mehr als 8 Millionen Produkte erhältlich.

Dabei spielt auch die Tochter Linio eine Rolle, wie Delivery Hero ein Unternehmen, das aus dem Beteiligungsportfolio von Rocket Internet stammt. Falabella verfügt folglich nicht nur über eigene Logistikkapazitäten, sondern auch über erstklassige E-Commerce-Technologie. Und als starker Finanzdienstleister in der Region hat die Gruppe alle Voraussetzungen, um parallel im Fintech-Bereich zu expandieren. So treten die Chilenen beispielsweise mit FPay gegen MercadoLibres Hoffnungsträger Mercado Pago an.

Sea Limited entdeckt den lateinamerikanischen Markt

Vom Osten her droht ebenfalls Ungemach für MercadoLibre, seit das südostasiatische Pendant Sea Limited (WKN: A2H5LX) begonnen hat, in Südamerika zu expandieren. Deren Shopee-App ist ein großer Erfolg in Brasilien sowie Ländern wie Mexiko, Chile und Kolumbien.

Die Aktie von Sea Limited hat sich in den letzten drei Jahren verdreißigfacht und das Geschäft wächst in allen Segmenten mit hohen zwei- oder sogar dreistelligen Raten: Digital Entertainment, E-Commerce und digitale Finanzdienstleistungen. Früher oder später dürfte SeaMoney seine Zahlungslösungen von Asien nach Lateinamerika bringen.

Noch hat MercadoLibre den Vorteil der eigenen Logistikkapazitäten. Sea setzt auf Partner, was zunächst höhere Kosten bei geringerer Leistung bedeutet. Auch hier könnte sich künftig einiges tun.

Amazon bleibt für MercadoLibre gefährlich

Nicht zu vergessen ist darüber hinaus die stets latente Gefahr aus dem Norden. Weltmarktführer Amazon (WKN: 906866) ist ständig auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten. Vor allem auf die Hauptmärkte Mexiko und Brasilien hat es der Gigant abgesehen. Er ließ sich auch nicht dadurch besänftigen, dass MercadoLibre seit Ende 2020 seine Clouddienste bei AWS betreibt.

Noch ist nicht klar, wie viel Amazon investieren will, um seinen noch geringen Marktanteil in der Region zu steigern. Mit den Milliardengewinnen aus dem Cloudgeschäft könnten sich die Nordamerikaner jedenfalls eine Preisschlacht locker leisten.

Reichen MercadoLibres Größenvorteile?

Dadurch, dass die Konkurrenz MercadoLibre jahrelang gewähren ließ, verfügen die Argentinier heute über wertvolle Größenvorteile. Die riesige Nutzerbasis bei E-Commerce und Zahlungsdienstleistungen sowie die Kontrolle über die eigene Logistik sorgt für eine überlegene Kostenbasis und vielfältige Wachstumschancen.

Wer dort gegenhalten will, der muss tief in die Taschen greifen und verlustreiche Jahre in Kauf nehmen. Genau das könnte nun jedoch passieren. Es ist noch zu früh, um festzustellen, dass MercadoLibre Probleme bekommen wird. Sicher ist jedoch, dass Unternehmen wie Delivery Hero und Sea Limited alles daran setzen, ihren Umsatz so schnell wie möglich auszuweiten.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Amazon, MercadoLibre und Sea Limited und empfiehlt die folgenden Optionen: Long January 2022 $1920 Call auf Amazon und Short January 2022 $1940 Call auf Amazon.

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